Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel des »Neben-Weblogs« zweisprech, das von 2009 bis 2011 aktiv war und »Leben und Arbeiten im Web Zwei« zum Thema hatte. Aktuellere Artikel zu ähnlichen und weiteren Themen hat das aktuelle Blog der Uninformat im Angebot.

web2.0

Blaue und rote Pillen

url freiheit web2.0

Chris Messina sieht in »The death of the URL« den Tod der URL-Leiste als Werkzeug der Freiheit der Wahl im Web am Horizont erscheinen:

»[…] I see signs that the essential freedoms of the web are being undermined by a cadre of companies through the introduction of new technologies and interfaces that, combined, may spell the death of the URL

Zur Unterstützung dieser These führt Messina dann eine Web-TV-Oberfläche, das iPhone, Facebook und eine Login-Form mit Buttons an. Und die »Top Sites« des Safari. Also alles, wo man mit der Begründung, das Eintippen von URLs sei einfach zu kompliziert und fehleranfällig, bunte Knöpfchen klickt statt die Adresse selbst zu tippen.

Das erinnert mich an die »Browserkriege« des letzten Jahrhunderts, wo sich Kartellbehörden mit den im Browser serienmäßig mitgelieferten Startseite und den vorgefüllten Bookmarks-/Favoriten-Ordnern beschäftigten, weil der dumme User etwas zum Anklicken und »Starten« haben soll und dadurch schon in eine gewisse Richtung gesteuert werden soll.

Messina zum Schluss: »Whether this threat is real or imagined, it’s one that I believe bears inspection.« Ich würde eher zu »imagined« tendieren. Das Problem ist weniger, dass irgendwer einen Zwang ausübt, sich nur noch in den »geordneten Welten« des sauberen Geld-Verdien-Web zu bewegen, sondern die Tendenz breiter Massen, statt »Online zu sein« lieber »in Facebook zu gehen«.

Den »Kampf« um das Web...

web2.0 facebook internet

… sieht "Tim O´Reilly in seinem Artikel »The War For the Web« herauf ziehen (Zitat):

»We’re heading into a war for control of the web. And in the end, it’s more than that, it’s a war against the web as an interoperable platform. Instead, we’re facing the prospect of Facebook as the platform, Apple as the platform, Google as the platform, Amazon as the platform, where big companies slug it out until one is king of the hill.«

Indikator: Ein »Bug« in Facebook, der sich in nicht mehr klickbaren Links in Facebook-Updates manifestierte. O´Reilly sieht die Zeiten der mittleren 90er wieder heraufziehen, als – die Älteren werden sich dunkel erinnern – Dienste wie CompuServe oder AOL abgeschlossene »Online-Welten« bildeten, an deren Ausgänge ins große böse Internet Warnschilder aufleuchteten.

Man darf prognostizieren, dass dieser Text in den nächsten Tagen ein reichhaltiges Echo auslösen wird. Dabei wäre die Lösung ganz einfach: Man lässt sich einfach nicht in »Datenknäste« wie Facebook einsperren. Oder, wie Tim O´Reilly schreibt:

»And it’s time for developers to take a stand. If you don’t want a repeat of the PC era, place your bets now on open systems. Don’t wait till it’s too late.«

Die Informationsernte XIII

web2.0 business

Auf so etwas habe ich schon lange gewartet, das darauf erst jetzt jemand gekommen ist: Miss-Social-Web.com. Nur durch Anlegen eines Profils in irgendeinem »Social-Network« darf frau damit rechnen, dort zur Beschau frei gegeben zu werden. »Social«, nicht wahr? ;)

Ein Teenager bringt sich selbst um und überträgt das live in justin.tv. Die Stellungnahme von justin.tv: »[…] we don’t comment on individual videos, however, our policy prohibits inappropriate content on Justin.tv«…

Radikaler Themenwechsel: Was Entwickler so bei morgendlichen Meeting in ihre Notizbücher schreiben…

EFF: »Google is Done Paying Silicon Valley’s Legal Bills.«

Und Seth Godin verrät das letzte und allumfassende Geheimnis: »How to make money using the Internet«. Ich bin dann mal weg. Acapulco, oder so, denn ich hab’s schon vorher gelesen…

Plurk statt Twitter? Nein!

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Ende letzter Woche lief mal wieder ein virtuelles Borstenvieh durch das Dorf 2.0 – und die Horde der »üblichen Verdächtigen« aus dem deutschsprachigen Raum, die man in jedem Social-Network jenseits und diesseits des Äquators findet, fiel über einen armen putzigen kleinen Web-Dienst namens Plurk her.

Was ist das denn schon wieder? Zunächst einmal ein weiterer Status-Nachricht-Verkündungsdienst mit zeitverschwenderischer Tendenz à la Twitter, technisch brilliant (man schaue einmal, wie »smooth« sich die grafische Zeitleiste mit dem Mausrad scrollen lässt) und mit putziger Grafik umgesetzt, und mit einem merkwürdigen Namen versehen. Zusätzlich zum vom »Status-Message-Godfather« Twitter gewohnten Funktionsumfang gibt es »Karmapunkte« zu verdienen, außerdem kann man »Cliquen« bilden. Diese Funktionen deuten schon auf die »Zielgruppe« hin: Mit Ausnahme der »deutschen Horde« findet man hinter den vielen Profilbildchen in erster Linie junge Damen zwischen 14 und 24. Plurk ist also eine eher juvenile Community, und dabei sollte man es auch belassen.

Ist das also ein »nächstes großes Ding«, wo man nun »rein muss«? Eindeutig Nein. Hinter diesbezüglichen Spekulationen darüber steckt eher die übliche kurzatmige Sensationsschreibe der boulevardesken kommerziellen Web-2.0-Blogs als irgendeine Substanz.

Die Twitter-Lektion: Protokoll statt Dienst. Und Schluss mit dem Geheule.

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Das Geheule um die technische Unzuverlässigkeit Twitters nimmt langsam Dimensionen an, die befürchten lassen, dass demnächst eine Einheit Web-Blauhelme das Twitter-Hauptquartier einnehmen und Twitter unter Kontrolle bringen wird.

Sorgengeschwängerte Betrachtungen und verzweifelte Suche nach Ursachen fluten die Blogosphäre, und manch einer offenbart unfreiwillig sein peinliches technisches Nicht-Wissen: »It requires memcached, or some other open source cache…it would take hours to do. Hours!« Ist klar, in dem Thema angemessener Sprache kann man da nur sagen: LOL! Thanks, Webware, darauf wäre garantiert niemand ohne Eure Weisheit gekommen…

(Vgl. dazu auch diesen klugen Artikel.)

Wenn wir wieder ernst werden, kann man zwei Dinge festhalten:

1. Twitter ist im Grunde nicht sonderlich wichtig. Wie man auf neudeutsch sagt: »Nice to have«. Schön, wenn es funktioniert, aber kein Beinbruch, wenn es nicht funktioniert. Wer Twitter ernsthaft für den unverzichtbaren Bestandteil der Internet-Kommunikation des 21. Jahrhunderts hält, sollte nicht so viele lächerliche Listen wie diese hier konsumieren oder den »Social Media Consultant« wechseln…

2. Wenn Twitter entgegen meiner Einschätzung doch ein neuartiges unabdingbares hyper-wichtiges Bedürfnis nach unverbindlicher Netzkommunikation abdeckt, so gibt es nur einen Weg zu technischer Zuverlässigkeit: Twitter, oder besser, »die Art zu kommunizieren wie Twitter«, muss ein Protokoll werden, damit es dezentral organisiert und damit weniger anfällig wird. Niemals in der Geschichte des Internets hat sich etwas durchsetzen können, das ein zentraler Dienst eines Anbieters gewesen ist. Alle erfolgreichen Dinge im Netz sind hersteller- und anbieterunabhängig, egal ob Weblogs, Usenet, E-Mail oder gar das Web selbst.
Dazu gibt es sogar schon einen frühen ersten Ansatz: SMOB.

Und bis es soweit ist, würde ich vorschlagen, das ständige Geheule einzustellen. Danke. Und wer ohne Twitter keinen Sinn findet, kann hier nachschauen. ;)

Die Informationsernte XII - Twitter-Ausgabe

web2.0 twitter

Wenn man sich nach ein paar Tagen des lebensbedingten Online-Kürzer-Tretens die eingefahrene Informationsernte in der Scheune betrachtet, so ist eines klar: Die (Web-)Welt ist besessen von Twitter.
Man fragt sich: »Can we use Twitter for business?« Zerbricht sich Twitters Kopf, was deren Einnahmen angeht. Überlegt sich, wie man Twitter für journalistische Aktivitäten nutzen kann. Und startet ein Themenblog: »140 Zeichen für ein Halleluja«.

Und an jeder Ecke tauchen mehr oder weniger sinnvolle »Mashups« auf: Twitt(url)y hält nach, welche URLs denn so getwittert werden. TweetLater ermöglicht das zeitversetzte Twittern – praktisch, wenn man mal ein Alibi braucht. secrettweet bietet »anonymes« Twittern an.

Sehr hübsch, aber weitestgehend sinnfrei ist TweetWheel, dass die Beziehungen der Kontakte eines Twitterers grafisch eindrucksvoll darstellt, was ab einer bestimmten »kritischen Masse« aber in einem hoffnungslosem Durcheinander endet:

Screenshot: TweetWheel

Das perfekte Tool für den kleinen Twitter-Stalker zur Visualisierung von Gewohnheiten ist xefer, der das Twitterverhalten eines Nutzers nach bestimmten Zeit-Kriterien addiert:

Screenshot: xefer

So schön diese lebendige Szene ist, eines fällt negativ auf: Weil Twitters API keine Authentifizierung für Automaten kennt, soll man einigen Diensten, deren Betreiber völlig unbekannt sind, seine Kombination von Benutzername und Passwort für den eigenen Twitter-Account übergeben. Eigentlich ist es aber »Gesetz«, niemals einem dritten Dienst solche Daten zu übermitteln. Es werden auf diese Art und Weise den Benutzern mühsam abgewöhnte inakzeptable Verhaltensweisen wieder »salonfähig« gemacht. Darum sollte man diese Art von Zusatzdiensten nicht nutzen.

Die Informationsernte XI

web2.0 twitter flickr

Wieder ein brilliantes Stück gegen den Strom von 37 Signals: »Are you sure you want to be in San Francisco?«

Heute ist Earthday und treibt seltsame Blüten: »15 of the Best Green Search Engines«.

Der beliebte Tumblelog-Dienst tumblr kommt lt. Webware demnächst mit »Pro-Accounts«, ebd. können Neugierige einige Bildschirmschüsse bewundern.

»Luminotes« ist ein »personal wiki notebook«, entweder kostenpflichtig beim Anbieter oder frei selbst gehostet möglich. Linux.com hat drüber geschrieben.

Compfight ist eine flickr-Suche, die flotter funktioniert als die beim Original.

Und natürlich wieder – na was wohl – Twitter. Keine Ahnung warum, aber gerade ist wohl das Klima für wortreiche Betrachtungen über Anwendung und Auswirkung unseres Lieblings-Web-2-Dingens besonders fruchtbar. Werbebelogger und Blogpiloten referieren Grundsätzliches, Spreeblick und Web Worker Daily haben neue »Tools«. Nate Ritter hat sehr spezielle Anwendungsfälle, und »The Ultimate List of Moms on Twitter« soll auch nicht fehlen. Und die Blogbar hat eine Zukunftsvision über den Lauf der Dinge in Sachen Twitter.

Und wer von diesen ganzen Dingen schon derartig gestört ist, dass er ohne selbstverordnete Zwangsmassnahmen gegen das Web nichts mehr gebacken bekommt, für den gibt es »Freedom«

Twitter nun mit Werbung. In Japan.

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Screenshot: Twitter auf japanisch

An den jüngsten Gerüchten über die Einführung von Werbung in Twitter ist wohl doch mehr dran, als man zunächst zugeben wollte: Die japanische Ausgabe ist zum Start mit Werbung versehen worden. Joi Ito, dessen Firma Digital Garage an der japanischen Lokalisierung beteiligt war, sagte webware:

»Ads are important. It’s always harder to add ads later. So we’re launching with them in Japan. [..] The idea is to get companies to have Twitter feeds.«

Die Links unter der Werbung sollen die Klicker zum Twitter-Feed des Werbenden führen. Wenn das der Weg der Twitter-Werbung werden sollte, wäre es harmloser als das, was man sich sonst so vorstellen könnte, wie z.B. wildes »Getwitter« von Anzeigen in unseren Twittereien.

Facebook machts möglich: Endlich ein Star in der Werbung!

facebook socialnetworks web2.0

Ja, dieses zweinullige Web! Man landet als unfreiwilliger Star in der Facebook-Werbung. Gar nicht schlecht, werben Sie ruhig mit meinem guten Namen…

Als nächstes werden wir bestimmt Facebook-Werbung mit »Räkel-Fotos« aus dem eingestellten Fundus etwas naiver junger weiblicher Facebook-Mitglieder sehen. Schnöde Textlinks können ja nicht der Werbeweisheit letzter Schluss sein. Wir brauchen schließlich Aufmerksamkeit, von russischen Download-Seiten lernen heisst siegen lernen…

Den passendsten und endgültigen Kommentar zu dieser unsäglichen Geschichte hat Herr Klein ge-twitter-t:

»An alle: Es ist nicht peinlich, in der Facebook-Werbung genannt zu werden, es ist peinlich, FB-Mitglied zu sein. Sagt ein FB-Mitglied. So.«

Update: Johnny plant inzwischen rechtliche Schritte und andere Seltsamkeiten in diesem Fall hat er noch verlinkt.

Die Informationsernte X

openid twitter web2.0

myOpenID kann man nun auch mit einer eigenen Domain nutzen. Das ist gut. Warum? Wenn man eines OpenID-Providers überdrüssig wird, kann man ihn so wechseln, ohne die schon verbreitete Domain ändern zu müssen.

»Normale« Menschen haben gar keine Zeit für Social-Media-Gedöns, sagt ReadWriteWeb. Und im »Museum 2.0« widmet man sich der Frage, wieviel Zeit denn man dafür eigentlich braucht. Damit dann anschließend leichter festlegen kann, welche Zeit man nicht hat. Denn um zu wissen, dass man keine Zeit hat, muss man ja erst einmal wissen, wieviel Zeit man braucht…

Telepolis problematisiert wunderhübsch über »Lifestreams«:

»Mit der Authentizität der Lifestreams vergegenwärtigt sich die Person bei anderen und bildet so eine verteilte Präsenz aus: Man wird von verschieden Menschen an verschieden Orten wahrgenommen und tritt mit diesen wiederum in Kontakt. Es ist ein volatiler Kommunikationsraum einer völlig neuen Art entstanden.«

Und wer den »volatilen Kommunikationsraum« nicht selbst beackern will, heuert einen »Ghostblogger« an. Das wäre doch auch ein Geschäftsmodell für den deutschsprachigen Raum?

Dann gibt es noch eine haarsträubende Twitter-Räuberpistole. Überhaupt, natürlich wieder Twitter, Twitter und Twitter. Und eine Liste mit twitternden Unternehmen. Was wohl ein Wert an sich ist, nicht die Liste, sondern twitternde Unternehmen. Sonst würde es nicht so hervorgehoben. Einige auf der Liste sind mir eher als »Twitter-Spammer« aufgefallen, die Grenze ist da wohl schmal…

Die Informationsernte IX

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Für den kleinen potenziellen Pro-Blogger in uns: »25 Blogs und Ihre Einnahmen im März«.

37 Signals positionieren sich ein weiteres Mal gegen den Branchen-Mainstream: »Urgency is poisonous«. Und liegen ein weiteres Mal richtig.

Das mobile Web ist tot, bevor es überhaupt richtig gelebt hat! Sagt Russell Beattie (via ReadWriteWeb).

Infohäppchen: 2 Minuten Videoimpressionen von »The Next Web«, die zeitgleich zur re:publica in Amsterdam statt fand und darum in Deutschland deutlich im Schatten selbiger stand.

Und natürlich wieder Twitter, Twitter, Twitter, halbgare Twitter-Gerüchte in Sachen Werbung und eine Ode an Twitter mit einer Prognose der Marke »Man weiß es halt nicht«.

Und wem das nicht reicht: Ein Problematisier-Video über Twitter von Chris Pirillo.

Soziale Lesezeichen - Delicious in der Krise?

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Die soziale Lesezeichenseite del.icio.us gehörte, damals, Anfang 2005, zu den ersten so genannten »Web-2.0-Diensten«, die ich genutzt habe und denen ich bis heute treu geblieben bin. Delicious’ trockene und funktionale Oberfläche sowie die Zuverlässigkeit des Dienstes liessen sämtliche Verlockungen von Konkurrenten wie ma.gnolia oder gar Mr. Wong, die durch nervige »kindgerechte Ansprache« gegenüber Delicious punkten wollen, ins Leere laufen.

Nun zitiert TechCrunch den VC-Menschen Fred Wilson, der sich über die Ignoranz gegenüber den Webdiensten beim Aktienschacher à la Yahoo-Microsoft beklagt und am Beispiel von Delicious die These aufstellt, dass Webdienste Benutzer verlieren, wenn sie erst einmal von den »Großen« aufgekauft wurden (Zitat):

»But if you look deeper, I wonder. Delicious grew nicely for a while under Yahoo!’s ownership but recently the user base has fallen off pretty dramatically.«

Techcrunch fragte den Delicious-Entwickler Joshua Schachter, der sagte:

»We continue to grow normally. Unique users is not a good measure of our growth, though. […] Additionally, we cut off search indexing several months ago, which also hurts the UU [unique user] numbers. Since our goal here is not to grow traffic but instead provide a way for people to save things, it’s not something I am really worried about.«

Das Delicious Traffic Traffic sein lässt, statt à la Mr.Wong mit seinen berüchtigten (wer hat drüber nicht schon geflucht bei der Google-Recherche) »Sie interessieren sich für…«-Seiten Google zu füllen, finde ich ebenso interessant wie löblich.

Und die Moral von dieser Geschichte? Man sollte sich in der Beurteilung von Erfolg oder Misserfolg nicht von halbgaren Messungen (Alexa-Traffic!) nach halbgaren Kriterien verleiten lassen.

del.icio.us bleibt auch nach über drei Jahren meine Empfehlung für einen Online-Sozialgedöns-Lesezeichendienst. Lieber das Original nehmen. Und hoffen, dass der Kelch der Microsoft-Akquisition an uns Delicious-Benutzern vorbei geht…

Die Informationsernte VIII

twitter web2.0 video

Alle wollen Geld. Dein Geld. Aber Du willst es einfach nicht rausrücken, darum stimmt »zweinull.cc« ein garstiges Klagelied an. Der live.hackr relativiert es.

Jesse Patel von der »Participatory Culture Foundation« (die hinter dem großartigen Miro steht) im Interview bei Golem, Zitat:

»Wir wollen ein System, über das jeder seine Videos verbreiten kann, ein System, das so einfach ist wie YouTube, aber bei dem man seine Inhalte nicht an ein Angebot wie YouTube zu dessen Bedingungen abgibt.«

Und natürlich wieder Twitter, Twitter und Twitter.

Noch einmal Twitter: »foodfeed« aggregiert die Nahrungsgewohnheiten der Twitterer. Ebenso sinnlos wie technisch und ästhetisch perfekt!

Unterhaltung (Horrorfilm oder Tragödie): »Web 2.0 – Der Film« ist da.

Dem Hype hinterher jagen: Der »Web 2.0 Kongress«

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Wenn dieses kleine Blog jemals einen »Worst 2.0«-Award vergeben wird, dann ist der so genannte »Web 2.0 Kongress« (sic!) ein ganz heißer Kandidat dafür. Mit einer für professionelle Ansprüche geradezu unfassbar schlampigen Website – man schaue sich nur einmal die »runden Ecken« an, die aussehen, als hätte eine Horde von Nagetieren an den Ecken ihr gieriges Werk verrichtet – möchte man Interessenten gewinnen, die für EUR 1.895 Referenten zuhören dürfen, von denen in den allermeisten Fällen in der Web-2.0-Szene noch nie jemand etwas gehört hat. Aufregende Themen wie »Vorgehensweise bei der Einführung eines Wikis« sollen zahlwillige Interessenten anlocken. Die meisten Themen wären für einen Barcamp-Vortrag sicher interessant, als Programm einer 1.895-EUR-Konferenz sind sie aber ein schlechter Scherz. Aber die »Krawattenszene« bleibt halt lieber unter sich und steuert das über den Preis. Da konferieren sie dann ohne diese komischen Web-2.0-Typen und Blogger, die sich auf freien (Un-)Konferenzen herumtreiben…

Gratis-Tipps für das nächste Jahr, verehrte IIR-Deutschland:

  • Website von jemandem gestalten und bauen lassen, der davon etwas versteht.
  • Einen Duden konsultieren zum Thema »zusammengesetzte Substantive im Deutschen«.
  • Ein Programm anbieten, dass den Preis wenigstens ansatzweise rechtfertigt.

Erstaunlich finde ich, dass namhafte Unternehmen in ein solch unprofessionelles Umfeld ihr Logo draufpappen…

Die Informationsernte VII

web2.0 twitter socialsoftware

Auf der re:publica 08 haben wir von einem weiteren Barcamp in Berlin erfahren: dem Socialcamp-Berlin. Geplant ist es für den 14.-15. Juni 2008. Es findet statt im ersten selfHUB in Deutschland, in Berlin-Kreuzberg. Das ist ein temporär mietbares Büro für Selbstständige, Freiberufler, Gründer und Gründerteams oder Projektgemeinschaften.

Ein Hörbuch über Web 2.0 und 3.0 gibt es vom FOCUS.

Techcrunch: »[..] a cross-border Web 2.0 culture is definitely gaining steam across Europe.« Ja?

Manchmal scheint es, die Welt dreht sich um 140 Zeichen: Twitter, Twitter, Twitter.

Und dann, tja, die Automatismen: »Sometimes Auto-Complete sucks…«

Die Informationsernte VI

web2.0 startup adobe

Einige fragen sich ja noch: »Ja, sind wir denn in einer Blase?« Da sind andere schon weiter, sie sehen sie bereits platzen. Dazu passen die glorreichen Start-Up-Helden, die einmal satte 160 Millionen Dollar in den Sand gesetzt und andere, die nur 25 Millionen verbraten haben für – nichts. ;) Dafür hatten sie aber sicher eine gute Zeit, Pizza, Cola und Massage im Büro inbegriffen. Der Dot-Com-Tod schleift seine Sense…

Ein kühler Dienst ist MethodIzaz. Dort bestellt man sich online einen Fotografen, der einen dann »stalkt« und ungezwungene Fotos vom Verhalten im natürlichen Lebensraum macht, die dann, wie die Beispiele auf der Website zeigen, mal mehr und mal weniger gut gelungen sind (via Swissmiss).

Mal was Schönes: Art Bastard, eine »neue Platform für Urban Contemporary Art & Culture«.

Und dann war der noch der Adobe-CEO Shantanu Narayen, der sich in Sachen Flash und iPhone zu einem herrlichen Zitat hinreißen ließ (Hervorhebung von mir):

»Well, you really believe that Flash is synonymous with the Internet, and frankly, anybody who wants to browse the Web and experience the Web’s glory really needs Flash support.«

Die Informationsernte V

socialnetworks web2.0 facebook

Über-Aggregatoren wie socialthing! sind nach der Ansicht eines Artikel in »Insight Buzz« ein erster Schritt, um die Mauern um die »Sozialen Netzwerke« einzureißen. Das glaube ich nicht, der »umzäunte Garten« mit seinen (Deinen!) Benutzerdaten ist das einzige, was das SN an digitalen Gütern hat. Darum werden sie weiter mit Hingabe an ihren Zäunen arbeiten.

Chefproblematisierer Scobleizer hat einen Fall von Facebook-Rauswurf, der wunderschön demonstriert, auf welches dünne Eis man sich begibt, wenn man Geld von anderer Leute Benutzer abgreifen möchte (aka »die Plattform nutzen«) und sich dazu in jenen »umzäunten Garten« begeben muss.

»Lovd By Less« ist ein Social-Network-Modul in Ruby On Rails, frei unter der GPL. Damit kann man flugs sein eigenes SN aufmachen, z.B. eines an sein Kaninchen-Blog antackern.

Das Milchmädchen stand Pate bei einer neuen Apple-Switcher-Story. Der Held der Geschichte hat 70.000 $$$ gespart, weil er auf den Mac und Basecamp umgestiegen ist und auf die ganze überkommenene typische M$-Office-Infrastruktur verzichtet hat. Nehmt Euch ein Beispiel!

Auch das noch: Adobe möchte uns mit dem nächsten Flash-Update heimlich seinen eigenen Media-Player unterjubeln, sagt NewTeeVee.

Nur für den Fall...

seltsames web2.0

»Manchmal sieht der Mensch schon vor dem Tod seinen Geist«, schrieb der weise Bukowski. Auch so manchem im Netz aktiven Zeitgenossen dämmert es in einer düsteren Minute, dass die eigene Existenz im Netz auf fatale Weise von der Biologie abhängig ist. Dachte sich wohl auch der Entwickler jener putzigen Site:

Bei justincaseidie.com kann man eine Nachricht hinterlegen, die regelmäßig deaktiviert werden muss, also nach dem Prinzip der »Tote-Mann-Taste« bei Lokführern. Wenn man nicht deaktiviert, wird die hinterlegte Mail bezüglich des eigenen Ablebens an die definierten Empfänger gesendet. Damit diese wissen, dass mit weiterem Content nun nicht mehr zu rechnen ist. Praktisch.

Und alleine für die putzige Illustration hat die Site schon einen Artikel verdient.

Die Informatiornsernte IV

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Charlene Li droht: »Social networks will be like air.« Überall vorhanden, wie die Atemluft. Die Frage wird dann sein, was mehr kontaminiert ist…

Die »Weisheit der Wenigen« beleuchtet »Insight Buzz«, Zitat:

»So Web 2.0 is not exactly a simple democracy with one vote/one voice, but with different levels influence coming from individual commitment to participation and creation, it doesn’t have to be the tyranny of the few either.«

Der Artikel zitiert auch eine wirklich hübsche Grafik, diesem Artikel entnommen, der wortreich ausführt, das Nichtpartizipation nur ein Mythos sei, es gehe vielmehr um bestimmte Stufen der Partizipation.

Gramlee ist »Outsourcing 2.0«, dort überprüfen echte Linguisten Ihre Texte auf korrekte Rechtschreibung, Ausdruck und Grammatik. Leider nur auf Englisch. Auch ein Geschäftsmodell für unsere Breiten?

Und wer gar nicht genug vom Problematisieren und Visualisieren in Sachen »Twitter« bekommen kann, möge bei Twittes vorbei schauen. Twittes kann man auch in Twitter »followen«, das war mir aber schon nach wenigen Stunden zu viel des Guten…

Xing will jetzt Twitter sein: Der Kuchen ist verteilt, Krümel werden knapp

xing socialnetworks web2.0 twitter

Und wo wir gerade beim Thema »ein Werkzeug für einen Zweck« waren: Xing hat sich nun ein Status-Verkündungs-Feature à la Twitter eingebaut, aber nur für Premium-Mitglieder. ;)

Ist das eine gute Idee? Xing ist der einzige »Social-Network«-Dienst, der auch von wenig »Web-Zwei-affinen« Business-Menschen genutzt wird. Wie einer meiner Ex-Chefs, der, wenn er eine Website aufruft, den Namen immer erst in Google eingibt und dann drauf klickt. Und der soll nun Status-Updates innerhalb von Xing »twittern«?

Und die hippen Zwei-Nuller? Sollen die nun ihre Stati nacheinander in Twitter, Pownce, Jaiku, Plazes, Facebook, DingensZV und zusätzlich auch noch in Xing eintippen? Wie viele solcher Dienste mag man wohl gleichzeitig bedienen?

Seinen zweinulligen Dienst auf eine Kernfunktion hin auszurichten und diese perfekt zu erledigen, halte ich für erheblich aussichtsreicher als hektisch nach allen Trends zu grabschen und einen halbgaren Gemischtwarenladen zu schaffen.

flickr bald mit Videos?

flickr video web2.0

flickr, der in Deutschland seit der »Zensur-Affäre« mit einem etwas zweifelhaften Ruf ausgestattete Fotodienst im Besitz von Yahoo!, soll lt. TechCrunch demnächst auch Videos speichern und ver-web-zwei-nullen.

Braucht man das? Ich weiß noch nicht. Eher nicht. Ich mag lieber Dienste, die genau einen Zweck erfüllen, und genau den. Und das gut. Diese Tendenz, alles Mögliche »auch anzubieten«, damit Herr oder Frau Benutzer sich um Gottes Willen nicht woanders rumtreibt, erscheint mir ob der Größe des Angebots draußen im Web ein wenig weltfremd.

Ein Foto ist ein Foto ist ein Foto. Kein Video.

Die Informationsernte II

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Freitag: »Ach Schadzii, du bist so tolliii! Das soziale Leben findet im Netz statt. Wie Jugendliche sich auf der Online-Plattform SchülerVZ inszenieren. Eine Feldforschung«

»What does it mean to follow? The digital footprint« Susan Mernit fabuliert über »Folgen« vs. »Lesen«. Wobei die Ursache des Ganzen wahrscheinlich mehr ein nachlässiger Sprachgebrauch in den Zeiten des Social-Network-Wahns ist…

»User-Generated-Content« ist »out«! Schreibt Newsweek in »Revenge Of The Experts«.

Und immer wenn man denkt, der vergessene Konsonant wäre nicht mehr so frchtbr originell, schlägt der nächste zu: Coordinatr. Immerhin, mal ein o vergessen statt des obligatorischen e

Aber am 19. Januar 2038 um 3:14 Uhr ist sowieso Schluss. Ein Hoch auf den 32-Bit Integer!

Twitter-Spielzeuge

twitter mashup web2.0

Websites mit »Web-2.0-Touch« werden pro Tag viele ins Netz gestellt. Wenige schreien nicht gleich »Her mit Deinen Daten, wir brauchen Geld«, sondern geben sich Daten-genügsam, erfüllen genau einen Zweck perfekt, hinterlassen einen bleibenden Eindruck und werden derartig Teil des eigenen digitalen Lebens, dass man sich fragt: »Was habe ich bloß vorher ohne das gemacht?«

Twitter ist so eine. Twitter gibt dem einsamen Laptop-Arbeiter die Atmosphäre des informellen Geschnatters eines typischen Großraumbüros, bettet ihn ein in eine »Ambient Intimacy« (ein unübersetzbarer Ausdruck: »fließende Vertrautheit«, »umgebende Intimität«?).

Twitter regt die Fantasie der Mashup-Bastler an, die Listenblogger von »Flowing Data« haben »17 Ways to Visualize the Twitter Universe« zusammengestellt (via Twitter Blog).

Mein persönlicher Favorit ist der »Twitter Friend Network Browser«:

Wunderschön, wie man immer neue Kontakte anklicken und mit der Maus herum ziehen kann. Nutzwert eher eingeschränkt, aber Spielfaktor dafür enorm hoch.

Die rätselhafteste Anwendung ist tweetpad:

Es kommt heute nicht mehr oft vor, dass ich vor einem Programm sitze und mich frage, was ich denn nun damit machen soll. Es erscheint die Public-Timeline, und je voller es wird, desto mehr verändern sich die Kurven am unteren Bildrand. Warum und zu welchem Zweck – keine Ahnung. Aber in seiner ganzen »Fullscreen-Pracht« eignet sich tweetpad auf jeden Fall dafür, passiv dem Vergehen der Zeit zu folgen. Und das ist ja schließlich auch etwas.

Die Informationsernte I

web2.0 video yahoo startup

»Die Informationsernte« wirft einen (vielleicht) täglichen kurzen Blick auf frische bemerkenswerte Fakten und Dinge aus der weiten Welt des Webs mit Bezug zur großen glorreichen 2. Und damit auch gleich zur Erstausgabe!

Loic Le Meur behauptet in Techcrunch: Internet-Start-Ups sollen nicht »lokal« denken, sondern »global« agieren. Darum soll man als dynamischer »Web-Entrepreneur« auch gleich mal umziehen in eine Metropole wie London oder San Francisco. Raus aus dem lokalen Kontext!

Blabbr ist wie Twitter, aber man kann zu allem was gesagt wird per Knopf-Klick eine Meinung haben (via hackr).

Bicyclemark wirft einen Blick auf den Stand der Dinge in Sachen Online-Video, mit dem Schwerpunkt auf unabhängige Vlogger.

Die Yahoo-Microsoft-Übernahme-Sache köchelt derzeit wohl wenig schlagzeilenträchtig im Untergrund, darum ist Zeit für eine in meinen Augen sehr naive Sichtweise auf die positiven Auswirkungen für die Open-Source-Kultur bei Microsoft (haben die sowas?) durch frisches Blut von Yahoo bei O’Reillys OnLamp.

Und dann war da noch der Herzschrittmacher mit Funkschnittstelle…

Auf der Suche nach der »Net Generation«

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Meine Generation (die Endkohorten der deutschen Baby Boomer, an der Grenze zum Pillenknick ;)) erlebte die Entstehung der Computertechnologie von ihren schlichten Anfängen mit wohnzimmergroßen Anlagen und »Heimcomputer selbst löten« hin zu den heutigen »Wundern« wie internetfähige Computer im Telefonformat, ein ubiquitäres Netz und ganzheitlichem »Online sein« als kontinuierlichen Prozess mit. Die »jungen Leute« aber, die in den Internet-Zeiten aufwachsen und gerade in der Bildungs- und Konditionierungs-Maschinerie unserer Gesellschaft stecken, auch mal griffig »Generation Y« genannt, sehen das Internet als ebenso normal an wie fließendes Wasser oder asphaltierte Straßen. Die Frage ist, ob sie diese schlichte Tatsache irgendwie »anders« macht. Soziologen fragen sich: »Gibt es eine Net Generation?«

Prof. Rolf Schulmeister von der Uni Hamburg sucht die »Net Generation« nun wissenschaftlich, und stellt seine Erkenntnisse erfreulicherweise als PDF-Dokument zur Verfügung (via education & media). Zwei Zitate daraus:

»Die Selbstverständlichkeit und Allgegenwärtigkeit des Internet ist für diejenigen, die sie seit Geburt vor?nden, so banal, dass Fragen danach, ob Computer ihr Leben beein?usst haben, bei Jugendlichen auf keine Resonanz stoßen.«

Und:

»Die Tatsache, dass heute andere Medien genutzt werden als in
früheren Zeiten rechtfertigt es nicht, eine ganze Generation als andersartig zu mysti?zieren.«

Das Werk wird vom Autor als »Work in progress« bezeichnet, bei Interesse am Thema lohnt es sich also, es ab und an zu aktualisieren.