Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel des »Neben-Weblogs« zweisprech, das von 2009 bis 2011 aktiv war und »Leben und Arbeiten im Web Zwei« zum Thema hatte. Aktuellere Artikel zu ähnlichen und weiteren Themen hat das aktuelle Blog der Uninformat im Angebot.

microblogging

Was zum Hashtag...

twitter hashtag microblogging

Schon mal überlegt, was es mit so manchem »Hashtag« auf sich hat, der es in der Twitter-Suche zu temporärer Prominenz als »Trending Topic« gebracht hat?

»What the Hashtag?!« ist ein Wiki, dass Erklärungen für die Uneingeweihten liefern möchte. So kann man z.B. über das Rätsel hinter #Fisting Aufklärung erlangen…

[Via Trivium]

Und wer bei Twitter und Hashtags nur zweifelnd den Kopf schüttelt, ist sicher ein Kandidat für das Vorlesen von Twitter-Ergüssen über eine Telefonleitung…

Jaiku - Der Nächste bitte!

microblogging jaiku lifestreaming

Nach Pownce wird nun mit Jaiku der nächste »Twitter-Konkurrent« dicht machen, schreibt das »Google Code Blog« (via Webware):

»As we mentioned last April, we are in the process of porting Jaiku over to Google App Engine. After the migration is complete, we will release the new open source Jaiku Engine project on Google Code under the Apache License. While Google will no longer actively develop the Jaiku codebase, the service itself will live on thanks to a dedicated and passionate volunteer team of Googlers.«

Jaiku wird nach der Veröffentlichung eine interessante Basis für eigene Experimente mit Microblogging werden. Die Software wurde in dem Python-Framework »Twisted« entwickelt und wird damit auf jeden Fall auf einer solideren Code-Basis stehen als bspw. laconica.

Jaiku erlebte eine kurze Blüte während der reboot9, bei der es keine »Twitter-Wall«, sondern nur eine »Jaiku-Wand« gab und sich deshalb »Everybody and his Dog« dort anmeldete. Es ist im Grunde eine Mischung aus Twitter und Friendfeed, neben dem twitteresken »Wat machste gerade« wurden also auch aus Feeds eingesaugte Äußerungen auf anderen Sites des persönlichen 2.0-Geflechts »ge-jaiku-t«. Das Problem mit Jaiku war aber im Grunde ähnlich gelagert wie bei Pownce, schon im März 2007 schrieb Webware:

»The problem with Jaiku? Only that everyone is on Twitter instead.«

[Nachtrag 18.01.] Siehe dazu auch den Blogeintrag von Jaiku-Entwickler Jyri Engeström.

Twitter und Identica. Zwei Thesen zum Microblogging.

twitter identica microblogging

In Hamburg gibt es ab dem 23. Januar die (IMHO schon ausverkaufte) erste Konferenz zum Thema »Microblogging«.

Als »Microblogging« bezeichnet man das, was man normalerweise in Twitter macht, also das Heraushauen von Botschaften in 140 Zeichen an eine mehr oder weniger aufmerksam lauschende Schar von »Followern« da draußen im Netz.
Im letzten Sommer, als Twitter eine besonders ausufernde »Performance-Krise« erlitt, erlangte ein in PHP zusammengeknüppelter Twitter-Klon namens »Identi.ca« eine gewisse Popularität. Das besondere daran: Theoretisch kann sich jeder die Software installieren und seinen eigenen Server betreiben, aber trotzdem mit Benutzern auf anderen Servern kommunizieren. Das musste ich natürlich damals ausprobieren, es funktionierte zu der Zeit vieles mehr theoretisch und die Software konnte mich in ihrer handwerklichen Ausführung nicht überzeugen.
Seitdem hat sich aber einiges getan, eine Handvoll Entwickler versuchen sich daran, eine dezentrale quelloffene Alternative zu Twitter zu schaffen. »Popularitätsmäßig« kommt aber die Gesamtheit der damit geschaffenen Twitter-Klone nicht richtig in Gang. Auffallend ist, dass sich dort einige schon jahrelang in der Blogossphäre als Nervtöter bekannte Persönlichkeiten samt der Claque aus ihrer Kommentarspalte häuslich eingerichtet haben und rege Microbloggen, ansonsten aber großes Schweigen unter »vernetzten Karteileichen-Accounts« herrscht.

IMHO liegt das an zwei Dingen, meine zwei »Thesen« dazu:

1. Microbloggen (»Twittern«) ist unwichtig.

Klar, ich twittere gerne und mag es, es würde mir fehlen, wenn es plötzlich weg wäre. Aber im Gegensatz z.B. zu einem Dienst wie flickr, der mit unseren getaggten Bildern »Assets« unserer digitalen Existenz aufbewahrt, die bleibenden Wert haben, hat der einzelne »Tweet« keinen Wert. Wenn die Datenbanken morgen abrauchen würden, wäre es zwar schade um das viele Getippe, aber im Grunde gibt es keinen Grund, alles Getwitterte ewig aufzubewahren. Wir zeichnen ja auch nicht alles auf Band auf, was wir beim geselligen Beisammensein in einer Kneipe so in den Raum werfen. Twitter ist vernetzte »Raushauen, lesen und weg damit«-Kommunikation.

2. Twitter ist nur ein Webservice. Verschwindet Twitter, wird es Ersatz geben.

Die Erfolgsgeschichte von Twitter zeigt: Es gibt ein Bedürfnis dafür, fast jeder, der einmal mit dem Twittern anfängt, bleibt dabei und findet Gefallen daran. Das bedeutet: Selbst wenn Twitter morgen »einfach so« verschwinden würde, würde ein anderer Webservice in die Bresche springen und es gäbe nach einiger Zeit einen allgemein akzeptierten Ersatz, wo sich die Netzstrukturen wieder aufbauen würden.

Aus diesen beiden mal so locker in den Raum geworfenen Thesen folgt für mich: Die Mühe, sich ein PHP-Gefrickel zu schnappen, um eine freie Alternative zu Twitter zu schaffen, lohnt nicht. Außer man macht das, weil es Spaß macht und weil es geht, sowas ist Selbstzweck und fragt nicht nach Sinn und Notwendigkeit. Aber eine objektive Notwendigkeit dafür kann ich nicht erkennen.
Da gäbe es lohnendere Dinge. Wo bleibt ein dezentrales flickr z.B., um vernetzt Bilder zu speichern etc., ohne den latenten Unsicherheitsfaktor, den ein zentraler Dienst nun mal mitbringt?

Bye Bye Pownce

pownce microblogging

Der Microblogging-Dienst Pownce macht die Schotten dicht. Die Entwickler wechseln zu Six Apart. Das gab es bei Venture Beat zu lesen, die Entwickler verabschieden sich in ihrem Blog.

Technisch und gestalterisch war Pownce ausgesprochen gut gelungen, aber wie das so ist: Das Gute setzt sich nicht immer durch, man war dort relativ allein, wenn man eingeloggt war.
Es reicht nicht, einen technisch guten Dienst ins Netz zu stellen, man muss auch die richtigen einflussreichen digitalen Stammesführer locken, damit diese ihre Claque mitbringen und die so genannte »kritischen Masse« erreicht wird.