Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel des »Neben-Weblogs« zweisprech, das von 2009 bis 2011 aktiv war und »Leben und Arbeiten im Web Zwei« zum Thema hatte. Aktuellere Artikel zu ähnlichen und weiteren Themen hat das aktuelle Blog der Uninformat im Angebot.

location

Ich weiß, wo Du gestern Mittag getwittert hast

twitter location hyperlocal

Unser aller Lieblingsdienst Twitter bietet seit Ende letzter Woche die Möglichkeit, einem Tweet die aktuelle geografische Position mitzugeben. Immerhin muss man das erst in seinen Profil-Einstellungen explizit aktivieren:

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Hat man das aktiviert, können Twitter-Clients über dessen API die mitgelieferten Geodaten auslesen und ausgeben. Derzeit können das nur Clients über die API, auf der Twitter-Website ist die Information nicht nutzbar.

Ein Twitter-Client, der diese Funktion schon drauf hat, ist der iPhone-Client Birdfeed. Ein »Tatsch« und man bekommt auf einer wunderschönen Google-Karte angezeigt, wo sich der twitternde Gesell gerade aufhält:

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Hübsch. In diesen Zeiten ist »Location awareness« das ganz heiße Dingen in den zwonulligen Diensten. Twitter kann das nun auch. Dabei gilt doch:

»[…] everyone hopes that we like to know where they are just at the moment. We don’t.«

Wir sind ja nicht in Unterschichten-Medien, es liegt auf der Hand, dass man mit dem automatischen Kundtun dieser Information eher vorsichtig sein sollte. In den vielfältigen sozialen Interaktionsdickichten des beruflichen und privaten Alltags könnte eine Diskrepanz zwischen einer mündlich kommunizierten Ortsangabe und derjenigen des Twitter-API für Verwerfungen sorgen, die den »Mehrwert« des Twitter-Spiel-Faktors deutlich übersteigen…

»Send me a nude pic for my birthday«, oder: Location-aware Lifestyle

location socialsoftware

Ein schöner Text für das Wochenende in Wired: »I Am Here: One Man’s Experiment With the Location-Aware Lifestyle« (via zahllose Orte in den letzten Tagen, aber erst heute gelesen ;)).

Der Autor, Mathew Honan, ließ sich in einem Selbstexperiment auf die schöne neue Welt der »location-aware« Anwendungen ein. Dienste wie der Klassiker Plazes, Konkurrent Brightkite oder iPhone-Anwendungen wie WhosHere werten die geografische Position des Benutzers aus und stellen damit allerlei »social connected« Schabernack an.

Diese Dienste gibt es schon länger, ihre Zukunft hat aber in diesen Zeiten, wo handliche Gadgets wie das iPhone mit GPS-Fähigkeiten und permanenter Internet-Verbindung populär werden, erst richtig begonnen. Weil das Neuland ist, gibt es im Grunde keine Konventionen für den Umgang mit dieser öffentlichen Transparenz, und gerade die Gedanken über diese sozialen Aspekte lassen den Text meilenweit über die üblichen technik-selbstzweckverliebten Elogen leuchten. Wie ein legendärer deutscher Blogger stets zu schreiben pflegt: Lesebefehl!