Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel des »Neben-Weblogs« zweisprech, das von 2009 bis 2011 aktiv war und »Leben und Arbeiten im Web Zwei« zum Thema hatte. Aktuellere Artikel zu ähnlichen und weiteren Themen hat das aktuelle Blog der Uninformat im Angebot.

lifestreaming

David Gelernter

lifestreaming cloud

»A lifestream is a sequence of all kinds of documents — all the electronic documents, digital photos, applications, Web bookmarks, rolodex cards, email messages and every other digital information chunk in your life — arranged from oldest to youngest, constantly growing as new documents arrive, easy to browse and search, with a past, present and future, appearing on your screen as a receding parade of index cards. Documents have no names and there are no directories; you retrieve elements by content: ›Fifth Avenue‹ yields a sub-stream of every document that mentions Fifth Avenue.«

Schrieb David Gelernter im Jahre 2000 in seinem Essay »The Second Coming«. 2009 gilt es ein sehr kluges Gespräch von John Markoff and Clay Shirky mit David Gelernter zu studieren.

Noch ein interessantes Zitat daraus. Ein »stetiger Fluss« von Daten passt zu uns Menschen besser als »der Desktop«, meint Gelernter:

»It seemed to me that, obviously there are two ways you can organize things; in space or in time. I can take the spatial route that the desktop, which was a brilliant PARC invention in 1974, and I can say, ›Well, certain things will be here and certain things will be there.‹ But usually space is not as good a cue as time. We all know when we were born more or less and what our childhoods were like and what we were doing when we were in college. We move around all the time — I move desks and I move offices and I move buildings and stuff like that — but history, time, the life that I live, my experiences are automatically arranged chronologically. So it seemed to me that data objects should be arranged that way.«

via netzwertig.com

Jaiku - Der Nächste bitte!

microblogging jaiku lifestreaming

Nach Pownce wird nun mit Jaiku der nächste »Twitter-Konkurrent« dicht machen, schreibt das »Google Code Blog« (via Webware):

»As we mentioned last April, we are in the process of porting Jaiku over to Google App Engine. After the migration is complete, we will release the new open source Jaiku Engine project on Google Code under the Apache License. While Google will no longer actively develop the Jaiku codebase, the service itself will live on thanks to a dedicated and passionate volunteer team of Googlers.«

Jaiku wird nach der Veröffentlichung eine interessante Basis für eigene Experimente mit Microblogging werden. Die Software wurde in dem Python-Framework »Twisted« entwickelt und wird damit auf jeden Fall auf einer solideren Code-Basis stehen als bspw. laconica.

Jaiku erlebte eine kurze Blüte während der reboot9, bei der es keine »Twitter-Wall«, sondern nur eine »Jaiku-Wand« gab und sich deshalb »Everybody and his Dog« dort anmeldete. Es ist im Grunde eine Mischung aus Twitter und Friendfeed, neben dem twitteresken »Wat machste gerade« wurden also auch aus Feeds eingesaugte Äußerungen auf anderen Sites des persönlichen 2.0-Geflechts »ge-jaiku-t«. Das Problem mit Jaiku war aber im Grunde ähnlich gelagert wie bei Pownce, schon im März 2007 schrieb Webware:

»The problem with Jaiku? Only that everyone is on Twitter instead.«

[Nachtrag 18.01.] Siehe dazu auch den Blogeintrag von Jaiku-Entwickler Jyri Engeström.

Die Informationsernte XIV

depression lifestreaming

Die Lage ist ernst, denn was musste ich heute hören (ich zitiere, Urheber der Redaktion bekannt):

»Früher hat man immer erst mal eine Mailingliste oder ein Wiki aufgesetzt, heute macht man erst mal ’nen Twitter-Account…«

CNETs Webware führt Buch über die Entlassungswelle in der amerikanische Web-Industrie. Dort gibt es eine eigene Seite nur zum Thema.

Auch noch zu diesem Thema: »Another Great Depression« bei Wired: »I want to experience the Awesome Depression: classic destitution with a whole new interface.«

»Lifestreaming« wird dieses Jahr endgültig das richtig große Ding, sagen die Schlauen. Schadet also nichts, mit »2009 Resolution: Aligning Your Lifestreams« und »Retooling Your Lifestreaming Services and Workflow« darüber gleich mal ordentlich zu problematisieren.

Apropos »sagen die Schlauen«: Bei t3n gibt es einen großen Ausblick auf die Entwicklungen des Jahres 2009 in Sachen Web, von den Schlauen.

Und der Premierminister von Kasachstan ordnet für alle seine Minister das Bloggen an. Frau Merkel… ?