Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel des »Neben-Weblogs« zweisprech, das von 2009 bis 2011 aktiv war und »Leben und Arbeiten im Web Zwei« zum Thema hatte. Aktuellere Artikel zu ähnlichen und weiteren Themen hat das aktuelle Blog der Uninformat im Angebot.

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Google jetzt offiziell böse

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Da Google nun offiziell böse ist beginnt allenthalben das Suchen nach Alternativen. Plötzlich und unerwartet dämmert es allen Fans der so kühlen Produkte, dass das Deponieren des E-Mail-Verkehrs, der RSS-Lesegewohnheiten, des Social-Rumgemache in Plus sowie das Erledigen der Arbeit in Google Docs unter dem Dach einer Suchmaschine, die ihr Geld mit Online-Werbung verdient, vielleicht nicht die Schlaueste aller Ideen war.

Was die Suchalternative angeht: Ich nutze bei Google fast nur die Suchmaschine, auf die absurde Idee meine private und/oder geschäftliche Post von Google durchfiltern zu lassen bin ich nie gekommen. Somit bin ich natürlich auch nicht eingeloggt, wenn ich in Google was suche, was die Echokammer irgendwelcher Plus-Kontakte aus den Ergebnissen fern halten sollte. Außerdem ist das regelmäßige Löschen der Google-Cookies immer eine gute Idee. Umgekehrt wird eine Lösung draus: Als Suchmaschine ist Google nicht verzichtbar, die ganzen anderen Dienste sind dies aber durchaus.

Gleichschaltung 2.0, oder: Chrome OS

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Screenshot

[Bild: Rivva-Screenshot mit Reaktionen, etwa auf 1/30 verkürzt]

Google verkündet Vaporware, die in mehr als einem Jahr(!) vielleicht verfügbar ist, und fast die gesamte so genannte neue, ach so freie, von den Fesseln der unflexiblen überkommenen alten Medien befreite »Web-Zwo-Szene« funktioniert allerbestens in Googles Sinne als gigantische dezentrale PR-Maschine. Wie immer gefallen sich »die Experten« in der Rolle des Lehnstuhl-Strategens – »Was wird Google wohl wollen, bla bla, yadda yadda, und oh, diese Implikationen auf den Desktop-Markt, blah« – und zerbrechen sich überflüssigerweise öffentlich anderer Leute Kopf.

Dabei gilt doch:

»[…] issuing a press release a year before launch was never a good omen for any product.«

Und einer, ein einziger Beitrag, stellt die Frage, die in Sachen »Google OS« offensichtlich ist und auf der Hand liegt:

»What will Google’s Chrome OS watch you do?«

[Update] Und bei den Geiern von TheReg macht sich Ted Dziuba über die bloggenden Super-Tech-Experten mit ihren messerscharfen Analysen lustig:

»The pundits are losing their shit all over again, which is fairly impressive, because multiple Googasms from a single product are very rare. Last year, I highlighted the glorious incompetence of writers who fancy themselves tech journalists. Much in the way that everybody who saw Sideways is now an expert on wine, the tragedy of blogging is that anybody with a laptop and a Gmail account is an expert on technology.«

Ein Tag ohne Google?

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»One day without Google«:

»Anything we do on the Internet or in “real life”, Google knows about. Maybe this sounds a bit exaggerated, but think about it:
Google knows what we are looking for.
Where we are from. What we are interested in. What we´re blogging about. What we are reading. What we advertise. What we click on. What our hobbies are. What we are going to do.
And so on.«

Ich darf mal ergänzen: Das Benutzen von Google-Anwendungen ist auch eine individuelle Symbolhandlung zur Selbstvergewisserung eines zeitgemäßen internettigen »modernen zwonulligen« Lifestyle.

Denn, mal im Ernst: Rational ist das massenhafte Anvertrauen von privater Kommunikation an eine Suchmaschine(!), die ihr Geld mit Werbung und Auswertung eben solcher Informationen verdient(!), nicht erklärbar. Das geht nur mit Graben in der finsteren Lifestyle-Psychokiste. ;)

Die Wolke ist eine Falle - Stallman contra »The Cloud«

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Das in diesen Zeiten 2.0 so populäre Konzept des »Cloud Computing«, also das Anvertrauen des persönlichen Datenaufkommens an eine oder mehrere Web-Anwendungen und Datenspeicher irgendwo in den Weiten des Netzes, ist eine Falle, sagt Free-Software-Legende und der bedingungslose Advokat der Freiheit Richard M. Stallman dem Guardian, Zitat:

»It’s stupidity. It’s worse than stupidity: it’s a marketing hype campaign«

Über Leute, die z.B. ihren E-Mail-Verkehr einer Anwendung wie Google Mail anvertrauen, kann Stallman nur den Kopf schütteln, Zitat:

»One reason you should not use web applications to do your computing is that you lose control. It’s just as bad as using a proprietary program. Do your own computing on your own computer with your copy of a freedom-respecting program. If you use a proprietary program or somebody else’s web server, you’re defenceless. You’re putty in the hands of whoever developed that software.«

Das Unverständnis darüber, wie man wichtige Dinge wie E-Mail oder Dokumente einem Gratis-Dienst einer anonymen Organisation wie Google anvertrauen kann, teile ich übrigens mit Stallman. Die komplette Kontrolle über die eigenen Daten ist für gewisse Dinge alternativlos. Wir haben in unseren Computer-Grundbedürfnissen absurde Dinge wie Hardware-Dongles überwunden, und begeben uns freiwillig in neue absurde Abhängigkeiten. Verstehe einer die Menschen. ;)