Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel des »Neben-Weblogs« zweisprech, das von 2009 bis 2011 aktiv war und »Leben und Arbeiten im Web Zwei« zum Thema hatte. Aktuellere Artikel zu ähnlichen und weiteren Themen hat das aktuelle Blog der Uninformat im Angebot.

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Adobe Photoshop Express - Killeranwendung mit Community-Faktor?

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Während der Zweisprech-Osterpause hat Adobe bekanntlich seinen Online-Dienst Photoshop Express gestartet. Auch wenn Adobe als Unternehmen ziemlich gewöhnungsbedürftig ist (wer je in Lizenzdingen mit Adobe zu tun hatte weiß wovon ich rede), ist Photoshop natürlich nach wie vor der Maßstab schlechthin für Bildbearbeitung. Grund genug also, mal einen Blick drauf zu werfen. Ist das die leistungsfähige Online-Bildbearbeitung, die einen Software-Kauf sparen hilft, gar ein Google-Docs für Bilder?

Um die Antwort vorweg zu nehmen: Ist es nicht. Photoshop Express ist eigentlich keine richtige Online-Anwendung zur Bildbearbeitung, wie man aufgrund des Namens vielleicht vermuten könnte, sondern eine Art Online-Bilderdienst mit einigen grundlegenden Bildbearbeitungsoptionen.

Die Anwendung ist komplett in Flash gehalten und bietet damit alle Vor- und Nachteile, die einer solchen Lösung innewohnen. Schon das Login-Fenster ist in Flash gehalten, damit kann sich der Browser Benutzernamen und Passwort nicht merken. Nichts hat einen Permalink für die Favoriten- oder Lesezeichen-liste. Ist man eingeloggt und möchte in einem anderen Tab eine zweite Ansicht öffnen, merkt die Anwendung davon nichts und man muss sich erneut anmelden.

Nach Registrierung und Login kann man Bilder hochladen, sie bearbeiten und in Galerien und Alben organisieren. Der »Uploader« ermöglicht die Auswahl von mehreren Bildern in »einem Rutsch«, die dann nacheinander hochgeladen werden. Danach findet man seine Bilder in einem Album wieder, wo man sie anschauen und bearbeiten kann, über ein kleines Menü an jedem Bild.

Die Bearbeitungsfunktionen beschränken sich auf Basisfunktionen wie Rote-Augen-Entfernung, Sättigung, Zuschneidewerkzeug etc. und sechs Filter. Das funktioniert ausgesprochen gut, manchmal ist die Anwendung etwas schwerfällig und man fragt sich, ob die gewünschte Aktion wohl schon ausgeführt wird. Hübsch sind die kleinen Vorschaubilder, die in verschiedenen Graden eine Vorschau auf die Auswirkungen erlauben. Diese Bildbearbeitung ist das Prunkstück des Dienstes.

Heutzutage wird ja nichts »gelauncht« ohne einen Hauch von »Community, ey«. Man kann die Alben anderer Benutzer anschauen, zu seinen Favoriten hinzufügen und über einen Knopf am unteren Bildschirmrand einen Link zur Galerie in die Zwischenablage legen lassen, den man dann bookmarken kann. Das ist so umständlich, wie es sich liest. Tags und andere gewohnte Hilfsmittel zur systematischen Suche gibt es keine.

Fazit: Auch wenn andernorts schon vor dem entstehenden Adobe-Online-Imperium gewarnt wird – Photoshop Express ist für einen Online-Dienst vom Photoshop-Macher mit seinen gewaltigen $$$-Resourcen etwas enttäuschend. Nach den Maßstäben, die Flickr und Co. gesetzt haben, ist das, wie Thomas Doll sagen würde, »einfach zu wenig«. Die Bedienung als Flash-Anwendung ist mir zu umständlich. Die Bearbeitungsfunktionen bieten einfache Werkzeuge wie iPhoto auch, wenn auch nicht online. Selbst Apples .Mac-Fotogalerien bieten in Kombination mit iPhoto mehr und die pfiffigere Technologie. Und die »Community-Funktionen« wirken halbherzig der hervoragenden Bildbearbeitung angeflanscht.

Flickr und Co. müssen in absehbarer Zeit nicht angsterfüllt an den Nägeln kauen, da muss Adobe noch gewaltig nachlegen. Um aber mal eben ein Bild ein wenig zu bearbeiten, wenn gerade keine Bildbearbeitung zur Hand ist, ist es fast die richtige Online-Anwendung – aber eben nur fast, denn die umständliche Flash-Anwendung drumherum trübt den Spaß.

Die Informationsernte VI

web2.0 startup adobe

Einige fragen sich ja noch: »Ja, sind wir denn in einer Blase?« Da sind andere schon weiter, sie sehen sie bereits platzen. Dazu passen die glorreichen Start-Up-Helden, die einmal satte 160 Millionen Dollar in den Sand gesetzt und andere, die nur 25 Millionen verbraten haben für – nichts. ;) Dafür hatten sie aber sicher eine gute Zeit, Pizza, Cola und Massage im Büro inbegriffen. Der Dot-Com-Tod schleift seine Sense…

Ein kühler Dienst ist MethodIzaz. Dort bestellt man sich online einen Fotografen, der einen dann »stalkt« und ungezwungene Fotos vom Verhalten im natürlichen Lebensraum macht, die dann, wie die Beispiele auf der Website zeigen, mal mehr und mal weniger gut gelungen sind (via Swissmiss).

Mal was Schönes: Art Bastard, eine »neue Platform für Urban Contemporary Art & Culture«.

Und dann war der noch der Adobe-CEO Shantanu Narayen, der sich in Sachen Flash und iPhone zu einem herrlichen Zitat hinreißen ließ (Hervorhebung von mir):

»Well, you really believe that Flash is synonymous with the Internet, and frankly, anybody who wants to browse the Web and experience the Web’s glory really needs Flash support.«