Logo zweisprech
Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel des »Neben-Weblogs« zweisprech, das von 2009 bis 2011 aktiv war und »Leben und Arbeiten im Web Zwei« zum Thema hatte. Aktuellere Artikel zu ähnlichen und weiteren Themen hat das aktuelle Blog der Uninformat im Angebot.

We dont do Facebook

facebook socialnetworks

Ich mache ja normalerweise jeden Mist im Web mit. Facebook ist aber ein Laden, der mir von Anfang an suspekt war. Für mich ist Facebook sogar das einzige SN, dem man rundweg nicht trauen kann. Schon die Anmeldeprozedur mit den AGB, die einen mit Tonlage und Inbrunst eines Offiziers der DDR-Grenztruppen klar machen, dass es »verboten« ist, falsche Daten anzugeben, ließen mich selbstverständlich sofort einen Fake-Account mit falschen Daten anlegen, damit man das kommerzielle Datengefängnis mal in Ruhe anschauen konnte. ;)

Nun hat Facebook verraten, wie sie Geld verdienen zu gedenken. Sie verkaufen einfach alle ihre Mitglieder an die Werbeindustrie. Wer als Hersteller von Gadgets schon immer wissen wollte, ob diese bei skandinavischen Schwulen in festen Beziehungen gut ankommen, kann sich nun die entsprechende Kohorte bei Facebook kaufen, die in ihrer Auswertung und Datenangeboten grundsätzlich keinen Bereich ausnehmen.

Nun werden natürlich wieder einige so genannte »Social-Media-Experten« kommen und schreiben, dass das doch total toll wäre und Werbung doch eigentlich Information sei (Frieden ist schließlich auch Krieg, steht auch im Wörterbuch des Neusprech).
Das liegt aber daran, dass ihr desperates Treiben auf Anteile am großen Kuchen der Werbe-und PR-Maschinerie ausgerichtet ist. Wenn ich mich nicht sehr täusche, wäre Facebooks Treiben, also die kommerzielle Verwertung von Angaben zur sexuellen Orientierung, z.B. in Deutschland komplett illegal.

Fazit: We don’t do Facebook. And you shouldn’t, too.

[Update] Facebook wiegelt ab, laut einer Stellungnahme von Facebook dazu gegenüber dem Facebook-Fanblog allfacebook.com sei das eine Fehlinterpretation des ursprünglichen Artikels einer englischen Zeitung gewesen (via netzwertig).

»Send me a nude pic for my birthday«, oder: Location-aware Lifestyle

location socialsoftware

Ein schöner Text für das Wochenende in Wired: »I Am Here: One Man’s Experiment With the Location-Aware Lifestyle« (via zahllose Orte in den letzten Tagen, aber erst heute gelesen ;)).

Der Autor, Mathew Honan, ließ sich in einem Selbstexperiment auf die schöne neue Welt der »location-aware« Anwendungen ein. Dienste wie der Klassiker Plazes, Konkurrent Brightkite oder iPhone-Anwendungen wie WhosHere werten die geografische Position des Benutzers aus und stellen damit allerlei »social connected« Schabernack an.

Diese Dienste gibt es schon länger, ihre Zukunft hat aber in diesen Zeiten, wo handliche Gadgets wie das iPhone mit GPS-Fähigkeiten und permanenter Internet-Verbindung populär werden, erst richtig begonnen. Weil das Neuland ist, gibt es im Grunde keine Konventionen für den Umgang mit dieser öffentlichen Transparenz, und gerade die Gedanken über diese sozialen Aspekte lassen den Text meilenweit über die üblichen technik-selbstzweckverliebten Elogen leuchten. Wie ein legendärer deutscher Blogger stets zu schreiben pflegt: Lesebefehl!

Webdienste sind keine öffentlichen Güter

twitter socialtoo mashup

Schreibt der Entwickler von tumblr.com, Marco, in seinem Tumblr als Reaktion auf das große Geheule über Twitters Ankündigung API-Zugriffe zu beschränken, Zitat:

»These dangers apply to reliance on any service. Even Facebook. Even Google. Even if they call their services “application platforms” and you call your business “new media” or a “mashup”. Building a business exclusively on top of another service is irresponsible and naïve.
Dependence on public infrastructure is unavoidable: your service requires power and internet connectivity. But other web services are not public infrastructure, and no matter how many “new media” people say so in discussion panels, they never will be.«

Mein Reden schon lange, ich habe mich darüber im Zusammenhang mit Facebook an anderer Stelle bereits einmal ausgelassen. Das Risiko liegt auf der Hand, die Chance natürlich auch. Aber wenn es dann passiert, ist das große Rumheulen anschließend ist sehr peinlich zu lesen.

Jaiku - Der Nächste bitte!

microblogging jaiku lifestreaming

Nach Pownce wird nun mit Jaiku der nächste »Twitter-Konkurrent« dicht machen, schreibt das »Google Code Blog« (via Webware):

»As we mentioned last April, we are in the process of porting Jaiku over to Google App Engine. After the migration is complete, we will release the new open source Jaiku Engine project on Google Code under the Apache License. While Google will no longer actively develop the Jaiku codebase, the service itself will live on thanks to a dedicated and passionate volunteer team of Googlers.«

Jaiku wird nach der Veröffentlichung eine interessante Basis für eigene Experimente mit Microblogging werden. Die Software wurde in dem Python-Framework »Twisted« entwickelt und wird damit auf jeden Fall auf einer solideren Code-Basis stehen als bspw. laconica.

Jaiku erlebte eine kurze Blüte während der reboot9, bei der es keine »Twitter-Wall«, sondern nur eine »Jaiku-Wand« gab und sich deshalb »Everybody and his Dog« dort anmeldete. Es ist im Grunde eine Mischung aus Twitter und Friendfeed, neben dem twitteresken »Wat machste gerade« wurden also auch aus Feeds eingesaugte Äußerungen auf anderen Sites des persönlichen 2.0-Geflechts »ge-jaiku-t«. Das Problem mit Jaiku war aber im Grunde ähnlich gelagert wie bei Pownce, schon im März 2007 schrieb Webware:

»The problem with Jaiku? Only that everyone is on Twitter instead.«

[Nachtrag 18.01.] Siehe dazu auch den Blogeintrag von Jaiku-Entwickler Jyri Engeström.

elements - Mysteriöses Dinge-Sammeln

elements tumbleblog

Screenshot

Ein mysteriös wirkendes neues 2.0-Ding ist »elements«. Das ist eine Mischung aus Twitter und tumblr. Man veröffentlicht dort inspirative Dinge wie Bilder, Zitate usw., die man »liken« oder in seinem eigenen Stream der inspirativen Dinge »casten« kann. »Social Times« hat ein Interview mit dem elements-Entwickler Hideshi Hamaguchi, Auszüge daraus:

»Elements is a toy for inspiration. It will aid in the first phase of concept building – the moment of inspiration. Elements offers you the room to be inspired without reservation, without limits, and without distractions. You will see a box and 4 big buttons.«

Screenshot

»However, the elements you’ll view are not all random. Every action you take will factor into an algorithm that will customize the elements you’ll see. The more actions you take and the more followers/followees you have, the deeper your personal element customization will get.«

Klingt geheimnisvoll und wirkt in seinem schwarzen Minimalismus ebenso. Aber zum Ausprobieren braucht man wohl erst mal ein paar Follower. Wer es auch ausprobieren mag, kann ja mal bei meinem Testuser vorbeischauen und »followen«.

[Via Social Times]

Die Informationsernte XIV

depression lifestreaming

Die Lage ist ernst, denn was musste ich heute hören (ich zitiere, Urheber der Redaktion bekannt):

»Früher hat man immer erst mal eine Mailingliste oder ein Wiki aufgesetzt, heute macht man erst mal ’nen Twitter-Account…«

CNETs Webware führt Buch über die Entlassungswelle in der amerikanische Web-Industrie. Dort gibt es eine eigene Seite nur zum Thema.

Auch noch zu diesem Thema: »Another Great Depression« bei Wired: »I want to experience the Awesome Depression: classic destitution with a whole new interface.«

»Lifestreaming« wird dieses Jahr endgültig das richtig große Ding, sagen die Schlauen. Schadet also nichts, mit »2009 Resolution: Aligning Your Lifestreams« und »Retooling Your Lifestreaming Services and Workflow« darüber gleich mal ordentlich zu problematisieren.

Apropos »sagen die Schlauen«: Bei t3n gibt es einen großen Ausblick auf die Entwicklungen des Jahres 2009 in Sachen Web, von den Schlauen.

Und der Premierminister von Kasachstan ordnet für alle seine Minister das Bloggen an. Frau Merkel… ?

Die Revolution des politischen Diskurses...

tsg wahlkampf twitter

Screenshot

… in Deutschland fand genau heute statt, als Auktions-Blogger Robert alias robgreen den twitternden SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Hessen Torsten Schäfer-Gümbel alias @tsghessen via Twitter interviewte. Für die Nachwelt habe ich dieses denkwürdige Ereignis als Bild festgehalten.

Und was machen wir nun mit diesem ersten Niederschlag der hereinbrechenden Obamafizierung deutscher Wahlkämpfe? Das war sicher keine Offenbarung, die das Wahlvolk voller Erkenntnis »Heureka!« riefen ließ. Andererseits unterschied es sich nicht sonderlich in Niveau und Wortumfang von dem, was so manche Lokal- oder Boulevardzeitung oder gar ein Privatsender als »politisches Interview« raus haut.

Freuen dürfen wir uns auf alle Fälle, dass das Leben im Web nun erstmals von einem Politiker auf höherer als nur kommunaler Ebene als ebenso legitimer Teil der Lebenswirklichkeit wie Marktplätze und Altersheime wahr genommen wird. Das ist vielleicht der wahrhaft »zeitenwendlerische« Aspekt an dieser Geschichte.

Twitter und Identica. Zwei Thesen zum Microblogging.

twitter identica microblogging

In Hamburg gibt es ab dem 23. Januar die (IMHO schon ausverkaufte) erste Konferenz zum Thema »Microblogging«.

Als »Microblogging« bezeichnet man das, was man normalerweise in Twitter macht, also das Heraushauen von Botschaften in 140 Zeichen an eine mehr oder weniger aufmerksam lauschende Schar von »Followern« da draußen im Netz.
Im letzten Sommer, als Twitter eine besonders ausufernde »Performance-Krise« erlitt, erlangte ein in PHP zusammengeknüppelter Twitter-Klon namens »Identi.ca« eine gewisse Popularität. Das besondere daran: Theoretisch kann sich jeder die Software installieren und seinen eigenen Server betreiben, aber trotzdem mit Benutzern auf anderen Servern kommunizieren. Das musste ich natürlich damals ausprobieren, es funktionierte zu der Zeit vieles mehr theoretisch und die Software konnte mich in ihrer handwerklichen Ausführung nicht überzeugen.
Seitdem hat sich aber einiges getan, eine Handvoll Entwickler versuchen sich daran, eine dezentrale quelloffene Alternative zu Twitter zu schaffen. »Popularitätsmäßig« kommt aber die Gesamtheit der damit geschaffenen Twitter-Klone nicht richtig in Gang. Auffallend ist, dass sich dort einige schon jahrelang in der Blogossphäre als Nervtöter bekannte Persönlichkeiten samt der Claque aus ihrer Kommentarspalte häuslich eingerichtet haben und rege Microbloggen, ansonsten aber großes Schweigen unter »vernetzten Karteileichen-Accounts« herrscht.

IMHO liegt das an zwei Dingen, meine zwei »Thesen« dazu:

1. Microbloggen (»Twittern«) ist unwichtig.

Klar, ich twittere gerne und mag es, es würde mir fehlen, wenn es plötzlich weg wäre. Aber im Gegensatz z.B. zu einem Dienst wie flickr, der mit unseren getaggten Bildern »Assets« unserer digitalen Existenz aufbewahrt, die bleibenden Wert haben, hat der einzelne »Tweet« keinen Wert. Wenn die Datenbanken morgen abrauchen würden, wäre es zwar schade um das viele Getippe, aber im Grunde gibt es keinen Grund, alles Getwitterte ewig aufzubewahren. Wir zeichnen ja auch nicht alles auf Band auf, was wir beim geselligen Beisammensein in einer Kneipe so in den Raum werfen. Twitter ist vernetzte »Raushauen, lesen und weg damit«-Kommunikation.

2. Twitter ist nur ein Webservice. Verschwindet Twitter, wird es Ersatz geben.

Die Erfolgsgeschichte von Twitter zeigt: Es gibt ein Bedürfnis dafür, fast jeder, der einmal mit dem Twittern anfängt, bleibt dabei und findet Gefallen daran. Das bedeutet: Selbst wenn Twitter morgen »einfach so« verschwinden würde, würde ein anderer Webservice in die Bresche springen und es gäbe nach einiger Zeit einen allgemein akzeptierten Ersatz, wo sich die Netzstrukturen wieder aufbauen würden.

Aus diesen beiden mal so locker in den Raum geworfenen Thesen folgt für mich: Die Mühe, sich ein PHP-Gefrickel zu schnappen, um eine freie Alternative zu Twitter zu schaffen, lohnt nicht. Außer man macht das, weil es Spaß macht und weil es geht, sowas ist Selbstzweck und fragt nicht nach Sinn und Notwendigkeit. Aber eine objektive Notwendigkeit dafür kann ich nicht erkennen.
Da gäbe es lohnendere Dinge. Wo bleibt ein dezentrales flickr z.B., um vernetzt Bilder zu speichern etc., ohne den latenten Unsicherheitsfaktor, den ein zentraler Dienst nun mal mitbringt?

Apple dominiert das mobile Web

iphone mobileweb

Gemäß den (wie immer bei solchen Erhebungen aus Werbenetzwerken) mit Vorsicht zu genießenden Zahlen eines amerikanischen Anbieters für Werbung auf mobilen Websites ist das »Mobile Web« mit 10% iPhone-Marktanteil für Einzelgeräte und fast 5% für den iPod Touch fest in Apple-Hand. Und das iPhone produziert 48% des Traffics in jenem Werbenetzwerk, mehr als RIM (19%), Palm (9%), and Windows Mobile (15%) zusammen.

Als jemand, der lange Symbian-Geräte erleiden musste und kürzlich mit einem iPhone davon erlöst wurde, wundert mich das nicht. Apple mischt die Mobiltelefon-Hersteller auf wie vorher jene von tragbaren Musik-Abspielgeräten. Auch wenn Marketing und »Coolness-Faktoren« bei der Verbreitung solcher Geräte stets eine bedeutende Rolle spielen – das iPhone ist »bedienungsmäßig« so haushoch über den vorher verfügbaren Geräten angesiedelt, dass da garantiert noch mehr »Dominanz« kommen wird. An die Besetzung der Rolle des »iPhone-Killers« durch Android-Geräte oder gar das rundliche Palm-Plagiat glaube ich noch nicht.

Die Geschichte des Internets


History of the Internet from Melih Bilgil on Vimeo.

Zweisprech wünscht einen erfoglreichen Start in das Jahr 2009!

Bevor wir uns nach der Jahresendfestivitätsträgheit wieder aufraffen und frisch ans Werk gehen, schauen wir noch ein wenig Video: »History Of The Internet«, ein putziges Filmchen von "Melih Bilgil ":http://www.lonja.de/motion/mo_history_internet.html. Sehenswert, auch wenn darin der alte Mythos vom Internet und dem Atomkrieg eine fröhliche Auferstehung feiert.

[Via Netzpolitik]

Bye Bye Pownce

pownce microblogging

Der Microblogging-Dienst Pownce macht die Schotten dicht. Die Entwickler wechseln zu Six Apart. Das gab es bei Venture Beat zu lesen, die Entwickler verabschieden sich in ihrem Blog.

Technisch und gestalterisch war Pownce ausgesprochen gut gelungen, aber wie das so ist: Das Gute setzt sich nicht immer durch, man war dort relativ allein, wenn man eingeloggt war.
Es reicht nicht, einen technisch guten Dienst ins Netz zu stellen, man muss auch die richtigen einflussreichen digitalen Stammesführer locken, damit diese ihre Claque mitbringen und die so genannte »kritischen Masse« erreicht wird.

Die Informationsernte XIII

web2.0 business

Auf so etwas habe ich schon lange gewartet, das darauf erst jetzt jemand gekommen ist: Miss-Social-Web.com. Nur durch Anlegen eines Profils in irgendeinem »Social-Network« darf frau damit rechnen, dort zur Beschau frei gegeben zu werden. »Social«, nicht wahr? ;)

Ein Teenager bringt sich selbst um und überträgt das live in justin.tv. Die Stellungnahme von justin.tv: »[…] we don’t comment on individual videos, however, our policy prohibits inappropriate content on Justin.tv«…

Radikaler Themenwechsel: Was Entwickler so bei morgendlichen Meeting in ihre Notizbücher schreiben…

EFF: »Google is Done Paying Silicon Valley’s Legal Bills.«

Und Seth Godin verrät das letzte und allumfassende Geheimnis: »How to make money using the Internet«. Ich bin dann mal weg. Acapulco, oder so, denn ich hab’s schon vorher gelesen…

Google Lively nun nicht mehr »lively«

lively 3d-welten

(Bild: Windfairy@flickr)

Google hat ihr erst im Juli 2008 veröffentlichtes 3D-Chat-Gedöns namens »Lively« nun wieder beerdigt. Es war ihnen wohl nicht »lively« (dt. »lebendig, spritzig, lebhaft«) genug.

Meiner unmassgeblichen Meinung nach ein weiteres Indiz für die Überbewertung von 3D-Visualisierungen als »Zukunft des Internets«. In den Zeiten des Second-Life-Booms wurde ja so getan, als wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis das ganze Web sich in eine dreidimensionale Puppenstube verwandelt

Dazu wird es nicht kommen. Jeder hat einen gewissen Spieltrieb in sich, das »dreidimensionale Püppchenwesen« ist aber für eine Massenanwendung deutlich zu infantil. Die Vorstellung, man verabrede sich z.B. in einer 3D-Welt zu Geschäftsterminen, hat schon etwas sehr erheiterndes an sich. Wer macht schon Geschäfte mit Leuten, die einen Pferdekopf tragen, sofern es nicht Jünter ist? ;)

3D-Welten haben ihre Fans, und auch ihre Killer-Anwendungen. Diese durfte es aber in Google Lively nicht geben. Ergo hat es die 3D-Fans gelangweilt, und es kam keiner, und Google zog den Stecker.

Die Wolke ist eine Falle - Stallman contra »The Cloud«

cloud onlineapps google

Das in diesen Zeiten 2.0 so populäre Konzept des »Cloud Computing«, also das Anvertrauen des persönlichen Datenaufkommens an eine oder mehrere Web-Anwendungen und Datenspeicher irgendwo in den Weiten des Netzes, ist eine Falle, sagt Free-Software-Legende und der bedingungslose Advokat der Freiheit Richard M. Stallman dem Guardian, Zitat:

»It’s stupidity. It’s worse than stupidity: it’s a marketing hype campaign«

Über Leute, die z.B. ihren E-Mail-Verkehr einer Anwendung wie Google Mail anvertrauen, kann Stallman nur den Kopf schütteln, Zitat:

»One reason you should not use web applications to do your computing is that you lose control. It’s just as bad as using a proprietary program. Do your own computing on your own computer with your copy of a freedom-respecting program. If you use a proprietary program or somebody else’s web server, you’re defenceless. You’re putty in the hands of whoever developed that software.«

Das Unverständnis darüber, wie man wichtige Dinge wie E-Mail oder Dokumente einem Gratis-Dienst einer anonymen Organisation wie Google anvertrauen kann, teile ich übrigens mit Stallman. Die komplette Kontrolle über die eigenen Daten ist für gewisse Dinge alternativlos. Wir haben in unseren Computer-Grundbedürfnissen absurde Dinge wie Hardware-Dongles überwunden, und begeben uns freiwillig in neue absurde Abhängigkeiten. Verstehe einer die Menschen. ;)

Yahoo! Oder: Das sinkende Schiff in der Sommerdürre

yahoo socialsoftware

Es herrscht sommerliche Ruhe an der Web-Front. Abgesehen von den immer gleichen gebloggten Litaneien der Art »warum Web-Dienst XY so toll ist und nun alles umkrempeln wird«, die keinerlei Neuigkeitswert haben, sondern nur in der Durchsichtigkeit ihrer Argumentation und Belanglosigkeit ihrer Fakten beliebig austauschbar sind, passiert nichts aufregendes.

Plötzlich aber wird die Aufmerksamkeit auf eine Massenflucht des Personals bei Yahoo! gelenkt. Zur mittlerweile ziemlich beeindruckenden Liste geflüchteter Yahoo!-Köpfe gesellten sich kürzlich die flickr-Gründer und heute dann noch der delicious-Erfinder Joshua Schachter. Das könnte einem ziemlich egal sein, wären mit flickr und del.icio.us nicht zwei der originären (und meine persönlichen) Web-2.0-Lieblingsdienste betroffen. Deren Zukunft sieht nun nicht gerade rosig aus, wenn Beamtennaturen aus Großkonzernen versuchen, innovativ zu sein, nimmt das kein gutes Ende.

Und bei der Gelegenheit möchte ich dann gleich noch eine Runde »Keilen«. Es läuft immer gleich. Ein neuer kluger toller Web-Dienst entsteht, den man gerne nutzt. Dann kommt jemand daher, der über mehr Geld als Innovationskraft verfügt, und kauft den Dienst. Die üblichen verlogenen Pressemeldungen bringen eine Nachricht rüber: »Alles bleibt wie es ist, alles wird toller, und oh, diese neuen Möglichkeiten, ja, diese fantastischen neuen Möglichkeiten«.
Schön für die Gründer, deren Bankkonto füllt sich. Für uns Benutzer aber nicht. Äußert man seine Skepsis, gilt man gleich als »typisch deutscher Nörgler der immer gleich alle grandiosen ach so aufregenden Entwicklungen runtermachen muss«. Nun würde ich gerne mal die ausgedruckten Yahoo!-Katastrophenmeldungen so manchem »Innovationsfan« unter die Nase halten und mit seinen gebloggten »Tolle Möglichkeiten«-Artikeln von einst konfrontieren…

Was lernen wir? Nicht zu häuslich in einem Web-Dienst einrichten, und wenn das große Geld kommt, um Innovation in seiner Geldmaschine zu töten: Alternative suchen, die Chancen sind groß, dass das kein gutes Ende nimmt.

Plurk statt Twitter? Nein!

plurk twitter web2.0 socialsoftware

Ende letzter Woche lief mal wieder ein virtuelles Borstenvieh durch das Dorf 2.0 – und die Horde der »üblichen Verdächtigen« aus dem deutschsprachigen Raum, die man in jedem Social-Network jenseits und diesseits des Äquators findet, fiel über einen armen putzigen kleinen Web-Dienst namens Plurk her.

Was ist das denn schon wieder? Zunächst einmal ein weiterer Status-Nachricht-Verkündungsdienst mit zeitverschwenderischer Tendenz à la Twitter, technisch brilliant (man schaue einmal, wie »smooth« sich die grafische Zeitleiste mit dem Mausrad scrollen lässt) und mit putziger Grafik umgesetzt, und mit einem merkwürdigen Namen versehen. Zusätzlich zum vom »Status-Message-Godfather« Twitter gewohnten Funktionsumfang gibt es »Karmapunkte« zu verdienen, außerdem kann man »Cliquen« bilden. Diese Funktionen deuten schon auf die »Zielgruppe« hin: Mit Ausnahme der »deutschen Horde« findet man hinter den vielen Profilbildchen in erster Linie junge Damen zwischen 14 und 24. Plurk ist also eine eher juvenile Community, und dabei sollte man es auch belassen.

Ist das also ein »nächstes großes Ding«, wo man nun »rein muss«? Eindeutig Nein. Hinter diesbezüglichen Spekulationen darüber steckt eher die übliche kurzatmige Sensationsschreibe der boulevardesken kommerziellen Web-2.0-Blogs als irgendeine Substanz.

Kollaboratives Krakeln mit Twiddla

socialsoftware twiddla

Twiddla ist ein sehr gelungenes Online-Werkzeug für das kollaborative grafische Arbeiten. Manchmal muss der webworkende digitale Nomade mit anderen Notebook-Herumtreibern an Entwürfen, Grafiken usw. herumkritzeln.
Mit Twiddla kann man das schnell und einfach im Browser realisieren. Bilder und Websites können in die Arbeitsfläche geladen werden, und mit Symbolen, Stiften und Text kann man auf diesen dann nach Herzenslust herumkrakeln. Den Kontakt kann man in einem kleinen Chat-Fenster halten, und über ein Applet ist es sogar möglich, eine Audio-Konferenz zum gegenseitigen Anschreien während der kollaborativen Arbeit zu veranstalten.

Fazit: Überzeugt, nützlich und vielversprechend. Twiddla kann eine Menge Hin- und Her-Mailen von Bildchen in geografisch getrennten Arbeitsgruppen ersparen, eine Lösung, die sich wirklich mal »social« nennen darf.
Twiddla soll, glaubt man dieser ihrer Seite, kostenlos sein und »Kicks Ass«. ;) Eine Anmeldung ist zur Nutzung nicht notwendig, wenn man eine Sitzung starten will, kann diese nicht-öffentlich sein und man kann via Plaxo Kontakte dazu einladen.

Twiddla ist natürlich »beta«. Aber wer ist das nicht, in diesen Zeiten?

Wochenendkino: Martin Röll - »Self-Organisation for Effectiveness«

gtd wirnennenesarbeit


Martin Roell : Self-Organisation for Effectiveness
by GoingSolo

Kürzlich fand die Konferenz »Going Solo« für »Freelancer« statt. Dabei hielt Martin Röll einen Vortrag zu dem stets brandheißen Thema der Selbstorganisation für Einzelkämpfer unter dem Titel »Self-Organisation for Effectiveness«:

Freelancers often alternate between two extreme modes of working: On some days we can’t get anything done and procrastinate like silly. On other days we overwork and get under stress. Both modes are ineffective and inefficient.
How can we work freely without falling into the traps of procrastination or overworking? How can we stay effective even when things go wrong?

Es gibt auch die Folien zum Vortrag (PDF).

Die Twitter-Lektion: Protokoll statt Dienst. Und Schluss mit dem Geheule.

twitter web2.0 socialsoftware

Das Geheule um die technische Unzuverlässigkeit Twitters nimmt langsam Dimensionen an, die befürchten lassen, dass demnächst eine Einheit Web-Blauhelme das Twitter-Hauptquartier einnehmen und Twitter unter Kontrolle bringen wird.

Sorgengeschwängerte Betrachtungen und verzweifelte Suche nach Ursachen fluten die Blogosphäre, und manch einer offenbart unfreiwillig sein peinliches technisches Nicht-Wissen: »It requires memcached, or some other open source cache…it would take hours to do. Hours!« Ist klar, in dem Thema angemessener Sprache kann man da nur sagen: LOL! Thanks, Webware, darauf wäre garantiert niemand ohne Eure Weisheit gekommen…

(Vgl. dazu auch diesen klugen Artikel.)

Wenn wir wieder ernst werden, kann man zwei Dinge festhalten:

1. Twitter ist im Grunde nicht sonderlich wichtig. Wie man auf neudeutsch sagt: »Nice to have«. Schön, wenn es funktioniert, aber kein Beinbruch, wenn es nicht funktioniert. Wer Twitter ernsthaft für den unverzichtbaren Bestandteil der Internet-Kommunikation des 21. Jahrhunderts hält, sollte nicht so viele lächerliche Listen wie diese hier konsumieren oder den »Social Media Consultant« wechseln…

2. Wenn Twitter entgegen meiner Einschätzung doch ein neuartiges unabdingbares hyper-wichtiges Bedürfnis nach unverbindlicher Netzkommunikation abdeckt, so gibt es nur einen Weg zu technischer Zuverlässigkeit: Twitter, oder besser, »die Art zu kommunizieren wie Twitter«, muss ein Protokoll werden, damit es dezentral organisiert und damit weniger anfällig wird. Niemals in der Geschichte des Internets hat sich etwas durchsetzen können, das ein zentraler Dienst eines Anbieters gewesen ist. Alle erfolgreichen Dinge im Netz sind hersteller- und anbieterunabhängig, egal ob Weblogs, Usenet, E-Mail oder gar das Web selbst.
Dazu gibt es sogar schon einen frühen ersten Ansatz: SMOB.

Und bis es soweit ist, würde ich vorschlagen, das ständige Geheule einzustellen. Danke. Und wer ohne Twitter keinen Sinn findet, kann hier nachschauen. ;)

HowFlow - Nützliches austauschen und bewerten

howflow socialsoftware

Ein vielversprechendes neues netzsoziales Ding ist HowFlow. HowFlow (Zitat) »ist eine community-basierende Tipps-, Tricks- und HowTo-Bewertungsseite. Es kombiniert social bookmarking mit einer nicht-hierarchischen und demokratischen Bewertungsfunktion«. Man kann dort Links zu nützlichen Anleitungen und Hilfen ebenso einstellen wie eigene Tipps und Tricks und das Ganze dann mit Tags, Bewertungen und dem ganzen üblichen Zwonull-Kram be- und verwerten.
Der Schwerpunkt liegt klar auf »Geek-Themen« wie Rails oder Linux.

Mitmachen darf man derzeit nur auf Einladung, gegen eine solche hätte der Autor dieser Zeilen nichts einzuwenden. ;)

Die Informationsernte XII - Twitter-Ausgabe

web2.0 twitter

Wenn man sich nach ein paar Tagen des lebensbedingten Online-Kürzer-Tretens die eingefahrene Informationsernte in der Scheune betrachtet, so ist eines klar: Die (Web-)Welt ist besessen von Twitter.
Man fragt sich: »Can we use Twitter for business?« Zerbricht sich Twitters Kopf, was deren Einnahmen angeht. Überlegt sich, wie man Twitter für journalistische Aktivitäten nutzen kann. Und startet ein Themenblog: »140 Zeichen für ein Halleluja«.

Und an jeder Ecke tauchen mehr oder weniger sinnvolle »Mashups« auf: Twitt(url)y hält nach, welche URLs denn so getwittert werden. TweetLater ermöglicht das zeitversetzte Twittern – praktisch, wenn man mal ein Alibi braucht. secrettweet bietet »anonymes« Twittern an.

Sehr hübsch, aber weitestgehend sinnfrei ist TweetWheel, dass die Beziehungen der Kontakte eines Twitterers grafisch eindrucksvoll darstellt, was ab einer bestimmten »kritischen Masse« aber in einem hoffnungslosem Durcheinander endet:

Screenshot: TweetWheel

Das perfekte Tool für den kleinen Twitter-Stalker zur Visualisierung von Gewohnheiten ist xefer, der das Twitterverhalten eines Nutzers nach bestimmten Zeit-Kriterien addiert:

Screenshot: xefer

So schön diese lebendige Szene ist, eines fällt negativ auf: Weil Twitters API keine Authentifizierung für Automaten kennt, soll man einigen Diensten, deren Betreiber völlig unbekannt sind, seine Kombination von Benutzername und Passwort für den eigenen Twitter-Account übergeben. Eigentlich ist es aber »Gesetz«, niemals einem dritten Dienst solche Daten zu übermitteln. Es werden auf diese Art und Weise den Benutzern mühsam abgewöhnte inakzeptable Verhaltensweisen wieder »salonfähig« gemacht. Darum sollte man diese Art von Zusatzdiensten nicht nutzen.

Barcamp Offenburg: »Randgruppen Bewegtbild.« Videohosting, Broadcasting, Mobile.

video barcampoffenburg bcog

Am letzten Wochenende fand das Barcamp Offenburg statt, einen allgemeinen Bericht gibt es im anderen Weblog.

Eine der interessantesten Sessions hielt »dotdean« Florian unter dem Titel »Randgruppen Bewegtbild«, es wurde ein großartiger Überblick über den aktuellen Stand der Dinge in Sachen »Video und das Web« gegeben.

Bild: vimeo.com

Als »das heißeste Ding« derzeit wurde Vimeo gepriesen, wegen der sowohl technischen (HD!) als auch inhaltlichen Qualität der dort hochgeladenen Inhalte. Außerdem gäbe es gute Filterfunktionen für die Videos der Kontakte, und man könne seine »liked videos« in einen eigenen RSS-Feed exportieren. Außerdem sei Vimeo ein Vorbild für die Kommunikation eines Anbieters im Web mit der »Community«.

Ebenfalls empfehlenswert sei Viddler, das mit seiner »Im-Video-kommentieren-Funktion" ein Alleinstellungsmerkmal habe. Dieses Feature kann man z.B. bei diesem Video in Aktion sehen.

Und nicht zu vergessen: Hobnox, bekannt von den vorzüglichen Videoübertragungen bei der re:publica.

Bild: mogulus.com

Ein anderes heißes Thema: Liveübertragungen im Web, Stichwort »Mogulieren«, also Liveübertragungen vom eigenen Rechner an die Gemeinde im Web, »heiße« Anbieter sind:

  • live.yahoo.com, mit Chat- und Videokonferenzmöglichkeit während der Sendung.
  • ustream.tv
  • mogulus bildet ein Produktionsstudio in Flash ab, und hat bereits ein eigenes Verb. ;)

Weitere zu beobachtende Anbieter:

Bild: seesmic.com

Auch ganz heiß: »Mobile Streaming« mit dem Mobiltelefon:

  • seesmic.com, eine Art »Twittern mit Video kombiniert«, derzeit noch in »Closed Alpha«.
  • kyte.tv, Handyvideos mit einem direktem »backchannel«.
  • qik.com, ebenso

Und zum Abschluss gab es noch »Guck-Empfehlungen« für Web-Videoshows, die mit solchen oder ähnlichen Produktionsmitteln erstellt werden:

Ein großes »Danke« für diese Präsentation, immer schön wenn man so gemütlich sitzend einen knackigen Überblick über die Szene geboten bekommt. Wie man sieht: Barcamps lohnen sich, natürlich nicht nur deshalb.

Eine »verbose« Variante dieses Vortrags gibt es heute bei zeit.de zu lesen: »Das Handy als Live-Kamera«.