Dieser Artikel erschien ursprünglich in der zweiten Version meines Weblogs, uninformation.org, das von Dezember 2006 bis Juni 2009 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Neue Artikel hat die aktuelle Blogversion der Uninformat im Angebot.

re:publica 08: Das endgültige Fazit!

Was haben wir denn so bei re:publica gemacht? Die SZ klärt auf (vgl. Bild oben): Wir haben die Museumslaptops aus dem Keller geholt und Windows98 installiert…

Das Bild ist nur das I-Tüpfelchen auf einen der schlechtesten Artikel, die ich seit langen außerhalb von Byld gelesen habe. Herr Knüwer hat dazu bereits alles gesagt. Die letzten Zuckungen einer einstigen Qualitätszeitung, die ihre Zukunft hinter sich hat, weil sie Busen-Fotostecken über 25 Klickseiten für das Rezept zum Überleben in der digitalen Zukunft hält, aber deren Akteure trotzdem stets lautstark das große Wort von den »journalistischen Standards« im Munde führen. Symptomatisch. Auch für die Berichterstattung über die re:publica in den alten Medien. Die Schreiber betrachten die Teilnehmer aus der Perspektive des Zoobesuchers. Deshalb reagieren sie auch wie der Zoobesucher auf Knuts Angeleinlagen, wenn wir in unsere Notebooks schauen. Kulturelles Nichtverstehen (-wollen) ist keine Basis für eine angemessene Berichterstattung. Aber das war nun schon wieder viel zu viel Platz für die Protagonisten der sterbenden »vierten Macht«…

re:publica 08

Natürlich schreit das Ende einer Konferenz immer nach »Fazit«.

Also, ist ja Gebot, auch das definitive Fazit von mir: Wir waren Zeuge des endgültigen historischen Aufbruchs in eine neue intellektuelle und publizistische Zukunft, wir sehen das Ende des Meinungsmonopols am Horizont, wir sehen die Massen, behangen mit den Waffen des freien Publizierens, bloggend, twitternd, fotografierend und mogulierend in die Burgen der alten Medien marschieren. Sie schreien nicht mehr nach Brot, sie fordern Aufmerksamkeit. Sie zertrümmern die Kabelnetze und Satellitenschüsseln und ehren die Netzwerkkabel. Ja, in der Tat, es ist Zeitenwende. Wie Peter Weibel sagen würde: Die Leute haben die Nase voll von den alten Medien, deshalb machen sie sich selbst welche…

Okay, Spaß beiseite. re:publica hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht. Aus Gesprächen, Diskussionen und ja, auch aus einigen Vorträgen, nahm man interessante Anregungen und Gedanken mit. Banal? Sicher. Einige suchen auf so einer Konferenz immer nach dem großen fahnentauglichen griffigen Zukunftsentwurf in Manifest-Form (s.o. ;)), den es so natürlich nicht geben kann und geben wird. Und auch das beliebte Genöhle »Ey, issja nur ne Nabelschau, ey« ist zwar wahr, aber nicht logisch, da Fachkonferenzen immer Nabelschauen sind.

Was bleibt? Danke an Markus, Johnny und allen anderen hilfreichen Händen für die gelungene Konferenz, ein besonderer Gruß an die anderen Stadtbloggerinnnen und Stadtblogger, und die Vorfreude auf re:publica 09.

Vor lauter sozialer Interaktion ;) habe ich viele Vorträge gar nicht gesehen, das werde ich dank der hervorragenden Videos von Hobnox noch nachholen und über die Themen das eine oder andere Wort verlieren. Im Gegensatz zu Herrn ix halte ich das Bloggen über Vorträge auf solchen Konferenzen für sinnvoll. Ich schaue zum einen gerne in meinem eigenen Archiv nach, was bei vergangenen Veranstaltungen erzählt wurde, und zum anderen ist das geschriebene Wort nun einmal weniger flüchtig als ein Video bei irgendeinem Anbieter, ganz zu schweigen vom Ge-Twitter. Auch wenn wir mittlerweile auf Häppchen konditioniert sind – manche Dinge sind doch ein wenig komplexer als 140 Zeichen. Darum: In Zukunft mehr Bloggen, bitte!



4 Kommentare


oliver am 08.04.2008:


die Flüchtigkeit von Twitter ist übrigens der Grund, warum ich meine Twits täglich autobloggen lasse. U never know ;) (Wobei ggf. könnte man dafür fast ein separates Blog, hm ;) ) INteressant fand ich eher, dass Mogulus eine geringe Rolle gespielt hat an der re:publica, oder? Gerde für die nichtaufgenommenen Sesssions… hm…

Ralf G. am 08.04.2008:


Naja, ich sehe in Twitter mehr einen Chat als ein Blog, darum speise ich es auch nicht in »Panta Rei« ein, obwohl das technisch natürlich kein Problem wäre.

140 Zeichen ist für vernünftige Texte auch zu wenig, höchstens zur rudimentären Live-Info wenn es keinen Video-Stream gibt geeignet.

Mogulus kann man doch nicht aufzeichnen, oder?

Falk am 09.04.2008:


Doch, man kann mit Mogulus aufzeichnen.. Aber wohin bloß? Die Videos aus Mogulus herauszubekommen ist verflixt schwer.

Ralf G. am 10.04.2008:


Okay, Mogulus ist also nicht so das richtige Medium für unaufgezeichnete Sessions.

Aber es liefen doch genug mit Kameras herum (man konnte ja unten in der Entspannungs- und Nahrungszone nichts machen, ohne sich heimlich gefilmt zu fühlen), kann da nicht einer mal etwas Sinnvolles machen und die kleineren Sessions »richtig« aufzeichnen, ohne Web-Spielkram? ;)

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