Dieser Artikel erschien ursprünglich in der zweiten Version meines Weblogs, uninformation.org, das von Dezember 2006 bis Juni 2009 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Neue Artikel hat die aktuelle Blogversion der Uninformat im Angebot.

»Organisierte Internetauftritte der Verlage«

Gerade im Web-Stream eine Diskussionsveranstaltung des Journalistenverbandes DJV zum Thema »Journalismus im WWW« angeschaut. Jene, die auch Herr ix besucht hat. Die Diskussion war eine diskursive Aufbereitung einer wüsten Brandrede, die der DJV-Vorsitzende Konken im November 2007 gehalten hatte, und die u.a. das Bonmot enthielt (zit. nach Herrn Knüwer):

»Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.«

Darüber sollte also debattiert werden. Wurde aber nicht. Wie immer, wenn Journalisten anfangen, eine Runde über das Internet zu problematisieren, wurde das Thema vorher nicht klar genug eingegrenzt. Während Herr Knüwer und Herr Alphonso über die Rolle von Weblogs sprechen wollten, wollte Herr Konken in seiner Brandrede plötzlich gar nicht über Weblogs gesprochen haben. Und Herr Jörges von stern.de, der sich süffisant von Don Alphonso Qualitätscontent wie eine »Anni-fastnackt«- und eine »kleine-Eisbären«-Fotostrecke unter die Nase reiben lassen durfte, sorgte sich nur um die Kontrolle der wüsten unflätigen Kommentatorenhorden, die seinen (Zitat) »organisierten Internetauftritt des Verlages« überrennen möchten. Gerade bei Jörges konnte man förmlich die Verachtung für die Pleb-Horden, die sich gefälligst durch ellenlange werbeverseuchte Klickstrecken klicken und Einnahmen generieren, ansonsten aber ihr Maul halten sollen, mit den Händen greifen.

Und in der Mitte drin saß Prof. Donsbach, für den verlässliche und wahre Orientierung für die konsumierenden Pleb-Horden in den Angeboten des Internets nur aus den Qualitätsschmieden der Verlage kommen kann. Na klar, Herr Donsbach, Anni und der kleine Eisbär helfen uns, in der unübersichtlichen Welt den Überblick zu bewahren. Das könnten Blogs wirklich nicht. Danke, Profis, dass Ihr uns so aufklärt und informiert…

Fazit: Eine merkwürdige Veranstaltung. Wie eine TV-Talkshow. Aber im Unterschichten-TV.

[Nachtrag:] mspro hat ein wenig in den Abgründen und Zwistigkeiten der verbandsmäßig organisierten Journaille gewühlt und die Ursache für Konkens pathologischen Web- und Bloghass ausgegraben. Dass Konken nicht in der Lage ist, eine solche anonyme Seite vom Rest zu differenzieren, disqualifiziert ihn in meinen Augen als ernst zu nehmenden Journalisten. Wir bloggende Zeitgenossen sagen ja auch nicht: Alle Journalisten sind wie Kai Diekmann…



3 Kommentare


Boris am 11.01.2008:


Also Journaillen-Content vom qualitativ untersten Rand. Wie ich nicht anders erwartete. Don Alphonso und Herrn Knüwer nehme ich davon natürlich aus.

Ralf G. am 11.01.2008:


Wie schon geschrieben, die Herren Journalisten aus den »organisierten Internetauftritten« sahen nicht allzu gut aus.

Aber früher bekam man gar nicht mit, wer hinter journalistischen Erzeugnissen stand, heute, Web sei Dank, wird das transparenter und man bekommt einen anderen Blick darauf.

Boris am 11.01.2008:


Und wäre bei Gelegenheit doch froh, wenn es nicht so wäre und manche “Macher” im diffusen Hintergrund geblieben wären.

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