Dieser Artikel erschien ursprünglich in der zweiten Version meines Weblogs, uninformation.org, das von Dezember 2006 bis Juni 2009 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Neue Artikel hat die aktuelle Blogversion der Uninformat im Angebot.

Congress-Leben

24C3: bcc und Rakete

So ein Congress ist schon hart. Lange Tage, kurze Nächte, stets ist man auf der Jagd nach Konnektivität und Elektrizität. Man tut gut daran, erst nach Einbruch der Dunkelheit den Ort des Geschehens zu verlassen, denn der Schock des Tageslichts nach dem Halbdunkel im Kreise der versonnen auf ihre Notebooks schauenden und hackenden Nerds wäre zu groß. Übrigens erweitert sich von Jahr zu Jahr das Spektrum. Man sieht tatsächlich Notebooks von deren Schirmen Windows häßlich entgegen grinst. Und dessen Benutzer nach »Linux« googlen, ein guter Anfang!
Als vom inneren Drang des Bloggens besessenes Individuum hat man ein besonderes Problem: Kaum hat man etwas notiert und verarbeitet und würde was drüber bloggen wollen, steht schon die nächste Veranstaltung vor der Tür. Und wenn man gar die Stunden verquatscht, kommt man zu gar nix mehr…

24C3: Das Auge der Datenkrake

Die beiden Vortragshöhepunkte des ersten Tages konnten unterschiedlicher nicht sein.

Es gab den hier schon vor ein paar Tagen angekündigten Beitrag von Anne Roth über das Leben unter Überwachung. Anne schilderte in ihrem beeindruckenden Vortrag Begebenheiten, die man so eigentlich nur aus Filmen wie »Das Leben der anderen« kennt. Die »Anekdoten« kann man in ihrem mittlerweile ja weidlich bekannten Blog nachlesen. Das Thema kommt herunter von seiner sachlichen Abstraktionsebene, wenn vorne jemand steht, der sich mit dem, was die politische Klasse »Sicherheit« nennt, konfrontiert wird. In den 80ern, in den Zeiten meiner politischen Sozialisation, war die Forderung nach Abschaffung des 129a und des Verfassungsschutzes mal ziemlich populär. Hier wäre eine neue Retro-Bewegung angebracht. »Standing ovations« für Anne nach ihrem Vortrag, wo gleich ihr Mobiltelefon eine der rätselhaften »Fehlfunktionen« hatte.

Kontrastprogramm gab es zu später Stunde, Johannes Grenzfurthner von monochrom referierte, besser gesagt, »performte« einen Vortrag über das Erscheinen des Computers in der populären Musik seit den 40er Jahren. Absonderliche Musikbeispiele wurden ausgegraben, der Höhe- und Schlusspunkt war eine krude Disco-Nummer aus Knüttelversen von einer Damen-Kapelle namens »Eurocats«. Christian hat dankenswerterweise ein paar Bilder gemacht. Das Publikum klatschte wild im Rythmus mit, wie sonst nur ihre Großeltern bei Florian Silbereisen.

Es ist genau diese thematische Bandbreite an Vorträgen, die den Congress jedes Jahr auf’s Neue so einzigartig macht.

Wer schreibt noch über den Congress:

Theoretisch sollte man die Vorträge auch live per Stream verfolgen können, ich weiß aber nicht wie gut das »da draußen« wirklich funktioniert.



1 Kommentar


Christian am 29.12.2007:


Die Vollständigkeit. Sie wird mir nicht entkommen. Gnadenlos werde ich sie niederstrecken. Muahaha! :-)

24c3 berlin ccc stasi2.0