Dieser Artikel erschien ursprünglich in der zweiten Version meines Weblogs, uninformation.org, das von Dezember 2006 bis Juni 2009 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Neue Artikel hat die aktuelle Blogversion der Uninformat im Angebot.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!

(Das großartige Bild: »Fenced« – asvensson@flickr aka Alexander von »Wortfeld«)

So sieht das aus, wenn sich die »Führer der freien Welt« zu ihrem jährlichen Treffen, dieses Jahr in Heiligendamm an der Ostsee, rüsten. Was dem einen sein »antifaschistischer Schutzwall« war, ist dem anderen seine »technische Sperre«, wie der Drahtzaun um die Stätte des kommenden G8-Gipfels in der Sprache der so genannten Sicherheitsbehörden genannt wird. Genau wie dem historischen Vorbild darf man sich auch diesem Bauwerk nicht ungestraft nähern. Schöner kann man das »ihr potenziell Bösen da unten, wir Guten hier oben« nicht symbolisieren. Wer sich freiwillig umzäunt, hat böse Absichten oder ein schlechtes Gewissen…

Jetzt erhältlich: Der Move-Against-G8-Soli-Sampler, mit Beteiligung eines bunten Reigens aus der deutschen Indie- und Not-So-Indie-Szene, u.a. – es gibt auch Gutes im Bösen – ein neuer Song von Kettcar. Der Verkauf kommt der Finanzierung der Protestaktionen gegen den G8-Gipfel zu Gute.

Links zum G8-Gipfel:



7 Kommentare


andI am 05.05.2007:


Kann man hier auch Trackbacks setzen?


Ansonsten: als gebranntes Kind der Zone lässt mich diese Aktion nur völlig sprachlos in der Gegend stehen.

Ralf G. am 06.05.2007:


Ne, Trackbacks sind nur ein Spameinfalltor! ;-)


Dieser Zaun ist schon ein Hammer, aber heutzutage kommt man ja mit allem durch, wenn man »Sicherheit« sagt…

srisri am 07.05.2007:


ok, man kann die G8-abschottung kritisch sehen. das bild ist super, die überschrift dazu knallt rein, ohne frage.


aber: macht doch einen unterschied, ob die mauer dazu errichtet wird, leuten die ausreise zu verhindern, oder eben “nur” dazu, “ungebetene gäste” von einer konferenz fernzuhalten.


oder?

Ralf G. am 08.05.2007:


Politik ist immer ein öffentliches Hantieren mit Symbolen. Der Gipfel ist eines. Er ist eine Machtdemonstration. Und diese Machtdemonstration möchte man sich nicht durch Demonstrationen, die nun einmal in Demokratien legitim sind, kaputt machen lassen. Oder meinst Du im Ernst, es gäbe bei so einem Gipfel etwas ernsthaftes zu besprechen, was nicht sowieso besprochen werden würde?


Und der Zaun ist natürlich auch ein Symbol. Ebenso wie die amerikanischen Kriegsschiffe, die vor Heiligendamm in der Ostsee dümpeln werden. Und die Schnellgerichte, die eingerichtet werden.


Aber zurück zum Zaun. Er sagt uns: »Du, Volk, bist böse und undankbar und unwürdig, die Weisheit unseres Handelns zu schätzen, darum müssen wir uns vor Dir schützen.« Okay, da ist ein Unterschied. Mauer und Zaun der DDR sagte den Bewohnern des sozialistischen Paradieses: »Du, Volk, bist böse und undankbar und unwürdig, die Weisheit unseres Handelns zu schätzen, darum müssen wir Dich vor Dir selbst schützen.« Da ist dann natürlich schon ein Unterschied…


Und was so richtig schön verlogen ist: Damit die Herrschaften in ihrem Edelhotel sich nicht zu »DDR-mäßig« fühlen, ist der Zaun ein paar Kilometer weg und so verlegt, dass man (und die ausländischen Journalisten, vor allem) ihn vom Tagungsort nicht sehen kann…


fpk am 08.05.2007:


Toll wie hier dem Relativismus gefrönt wird. Da ist die Bundeskanzlerin eines demokratischen Rechtsstaates fast nicht mehr von den Appartchiks einer kommunistischen Diktatur zu unterscheiden.
Weiter so!

Florian Horváth am 11.05.2007:


@fpk: Dann kann mir deine Relativismus wahrscheinlich klarmachen, warum weder in Brüssel, noch in Berlin solch eine Mauer steht. Erinner dich mal genau daran, wie die Mauer zu DDR-Zeiten genannt wurde!


Im übrigen hat sich Christeleit im ZDF verplappert:
http://www.florian-horvath.de/blog/?p=89

fpk am 11.05.2007:


Lieber Florian,
keine Ahnung auf was du hinauswillst. Mein Relativismus?
Sorry, ab und an steh ich ein bisschen auf dem Schlauch.

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