Dieser Artikel erschien ursprünglich in der zweiten Version meines Weblogs, uninformation.org, das von Dezember 2006 bis Juni 2009 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Neue Artikel hat die aktuelle Blogversion der Uninformat im Angebot.

re:publica: Cash from Chaos - Geld verdienen mit Blogs

Ein Allstar-Blog-Panel mit Don Dahlmann, Johnny Haeusler, Thomas »Supatyp« Lau und Sascha Lobo diskutieren das allzeit beliebte Thema »Geld verdienen mit Blogs.«

Zunächst geht es um Adical. Der »content-generatende« User bleibt immer ganz weit hinten, alle verdienen, nur der User nicht, meint Johnny. Darum sollen selbige auch Geld verdienen. Darum adical. Blogs als Medium sollen die Chance haben, sich zu refinanzieren, damit auch erwachsene Menschen sich bloggen leisten können. Denn Qualität kostet Geld. Darum das umstrittene Mittel: Werbung. Don Dahlmann fragt Supatyp nach Anlogien zur Kommerzialisierung der Punk-Szene. Der antwortet: “Die Solidarisierung der Szene mit Bahnhofspenner hat der Punk-Szene mehr geschadet als ein Album der Toten Hosen.” Supatyp ist übrigens »Old School«: Blogs brauchen Kommentare, sonst sind es keine. Don vermutet eine gewisse devote Haltung von Bloggern gegenüber Anzeigenkunden.

Supatyp verlangt nach begrifflicher Klarstellung. Supatyp: »Sie können im Weblog länger cool sein als draußen im richtigen Leben.« Lobo: »Eine etwas zu vierzehnjährige Einstellung über das, was cool ist.«

Johnny ist das zu öde, er will lieber Grundsatzfragen klären: »Schadet Werbung Blogs, ja oder nein?« Und da darauf niemand anspringt, fragt er statt dessen rhetorisch: »Wie kann man als Blogger Geld verdienen?« Und plaudert aus dem Nähkästchen der Versuche von Spreeblick, Geld zu verdienen. Google Adsense ist ein gutes System – für Google. Geld brachte es Spreeblick nur zu Group-Tekkan-Zeiten.
Johnny würde niemandem empfehlen, sein werbefinanziertes Weblog als Haupteinnahmequelle zu betrachten. Adical ist nun der nächste Versuch.

Johnny vergleicht Blogs mit Bands. Blogs sind für ihn »Künstler«. Es gibt keine Formel, wie man mit Blogs Geld verdient. Sagt Johnny. Und fügt noch hinzu, dass Werbung auffallen muss. Sonst ist es keine. Also kein »Gepienze« wg. Bannergrößen, wenn Ihr Euch verkauft, meine Damen und Herren verkaufswilligen Blogger!

Eine Frage aus dem Publikum zum Thema »bezahlte Artikel«. Johnny lehnt das kategorisch ab, für Spreeblick. Sascha Lobo hingegen erzählt, dass Riesenmaschine das macht, und redet sich das als »spannendes Experiment« schön. In Adical wird es das aber nicht geben. Sascha Lobo hält Werbung für eine »Kulturform«. »Kultur« ist halt ein dehnbarer Begriff…

Don Dahlmann mahnt: Man darf sich nicht kaufen lassen. Wenn man z.B. ein neues Handy vom Hersteller bekommt, und drüber schreibt, soll man sich auf gar keinen Fall rein reden lassen, was man drüber schreibt.

Fazit: Einige im Publikum, dass lassen auch die SMS an der Wand vermuten, hatten wohl Patent-Rezepte für den Blogger zum Geldverdienen erwartet. Naivität und Gier sind janusköpfige Geschwister. Das konnte natürlich nicht geliefert werden.



4 Kommentare


Boris am 12.04.2007:


Wem seine Neun Euro Fuffzich pro Monat für Domain und Webraum “refinanzierbar” sein müssen, damit er gescheit bloggen kann, oder wer noch sein Privatleben in Stundensätzen berechnet und somit auch sein Geblogge ökonomisiert, der wird sich minutiös um Reklamemethoden kümmern müssen, die ihm Geld einbringen und seine Leser nicht verärgern.


Kann man so eng sehen, muss man aber nicht.


Wer meint, kommerziell bloggen zu müssen, schreibt seine Artikel für Geld. Das ist ein nicht hintergehbares Faktum. Er lebt also selbstverständlich mit den Beschwernissen der bunten Reklamewelt und dem gelegentlichen Verdacht der Käuflichkeit.


Es gibt im Übrigen keine knuddelige und liebreizende Werbung speziell für das Bloggerherz, das auch das Leserherz höher schlagen lässt und ganz positiv im Gegensatz zu der restlichen “bösen” Reklamewelt in den anderen Medien steht.


Interessante Diskussion, die nie enden wird – und die aber auch eigentlich nichts Neues bringt, außer dass die Reklameanbieter ab und zu wechseln…


Ralf G. am 13.04.2007:


Im Grunde hatten wir diese Diskussionen schon 2002. ;-)


Ein »bißchen schwanger« gibt es genausowenig wie ein »bißchen Werbung«. Ob ja oder nein, muss letztendlich jeder selbst wissen.


Aber wenn man sich dafür entscheidet, dann soll man dazu stehen und sich das an seine Leser gerichtete relativierend verharmlosende »Ja, aber ist ja ganz dezent und nur 400 Pixel breit« ;-) und, meine persönliche Lieblingsrelativierung, (ist immer wieder ein Schenkelklopfer wenn man es liest) »Meine Werbung ist nur ein Experiment« ruhig ganzheitlich schenken.


Was in meinen Augen aber gar nicht geht ist ein Mischmasch im Blog mit bezahlten Einträgen. Wer so etwas macht, hat in meinen Augen keinerlei Glaubwürdigkeit mehr.

Boris am 13.04.2007:


Letzteres wäre wohl sogar ein gravierender Verstoß gegen das Gebot der jederzeit sichtbaren Trennung von Reklame und redaktionellem Inhalt.

404 am 16.04.2007:


Wunderbare Wiedergabe der doch sehr amüsanten Dialoge. Schöner Beitrag hier!


Hab ich in meinem Artikel dazu verlinkt!

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