Dieser Artikel erschien ursprünglich in der zweiten Version meines Weblogs, uninformation.org, das von Dezember 2006 bis Juni 2009 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Neue Artikel hat die aktuelle Blogversion der Uninformat im Angebot.

Adminpedia?

Sehr schöner süffisanter Artikel der futurezone – »Im Reich der Wikikraten«:

»Und Qualitätssicherung, so der promovierte Mathematiker [Wikimedia-Vorstandsmitglied Philipp Birken, RG], habe für ihn vor allem etwas mit Löschen zu tun. [..] In letzter Instanz entscheiden die 200 Administratoren über den Verbleib eines Artikels; meist Männer, alleinstehend, zwischen 20 und 35 Jahre alt […].«

Es ist mein Eindruck, dass viele der in Wikipedia aktiven »Löschfreunde« dort Kompensation, für was auch immer, suchen. Wikipedia ist auf einen unguten Weg. Und das nicht nur wg. der Löschfreudigkeit, kommerzielle Aktivitäten und Personalrochaden mit »Geschmäckle« kommen hinzu. Es scheint, dass die besten Zeiten der Wikipedia vorbei sind und sie sich auf einem durch ihren eigenen Erfolg begründeten Weg in den Abgrund befindet. Die Spiegel-Bertelsmann-Geschichten sind nur eine »Geschmackssache«, das wirkliche Problem sind die »Männer, alleinstehend, zwischen 20 und 35«, die sich mit ihrer administrativen Macht eine Wikipedia nach ihrem Gutdünken formen.



6 Kommentare


Sebastian am 24.06.2008:


Die deutsche Wikipedia ist ein Witz. Ich habe einmal ein englisches Template für Start-Ups ins deutsche Wikipedia importiert, es wurde gelöscht mit dem Kommentar “So ein schwachsinniges Template hab ich ja noch nie gesehen!”.

Wer Informationen will, sollte zur englischen Wikipedia gehen – die ist noch demokratisch aufgebaut, da zählt die Meinung des Einzelnen noch etwas.

Boris am 24.06.2008:


Vielleicht erweitert sich ja im Moment die Hierarchie der anstrebenswerten deutschen Machtpositiönchen:

1. Position in Unternehmensvorständen
2. Entscheidungsposition in Parteien
3. Entscheidungsposition in politischen Verbänden/Gewerkschaften
4. Vorstandspöstchen in Vereinen (von Sport über Kleingarten bis Kleintierzucht)
5. Wikipedia-Administrator

klml am 25.06.2008:


Das die de. eine an anderen Qualitätsanspruch hat, vielleicht elitärer, ist sicherlich so.

Es gibt aber auch viele Stimmen die in diesem ständigen Ringen im Content eben den Grund für eine hohe Qualität sehen.
Überlässt man ein Wiki der totalen Anomie klappt das nicht. Auch die en. wird administriert, wenn auch anders.

Das “kein Platzmangel” wird schon lang in der WP argumentiert, aber sollte man doch der aktiven community überlassen.

Und wenn alle Kritiker, die der WP Hochnässigkeit anhängen doch endlich mal eine eigene xxxpedia aufmachen würden, wäre die Diskussion obsolet. Nimm die freie Software, nimm die gesamte DB und los gehts.

Ralf G. am 25.06.2008:


klml, das digitale Gegenstück zum »geh doch nach drüben« vergangener Zeiten? ;)

Mit Qualität hat das Theater weniger zu tun, es ist ja nicht so dass die gelöschten Artikel alle schlecht wären. Eher mit rigiden Regeldenken à la »erst wenn ein Autor zwei Bücher verkauft hat, ist er es Wert, einen dt. WP-Artikel zu bekommen«. LOL.

Über die Motivation kann man nur spekulieren, vielleicht »lexikonfein« machen damit man im Kreise der überkommenen Tote-Holz-Enzyklopädisten nicht immer als »Schmuddelkind« verschrien wird und evtl. noch den einen oder anderen Deal mit Verlagen machen kann, wer weiß?

Jedenfalls offenbrat »geh doch nach drüben« als Alternative eine arg schlichte Denke.

klml am 25.06.2008:


> klml, das digitale Gegenstück zum »geh doch nach drüben« vergangener Zeiten? ;)
vielleicht, aber es ist heute einfacher. Und hier geht es um keine gemeinschaftliches Belangen (Staatsordnung etc), sondern um das Webangebot einer ‘community’

> Mit Qualität hat das Theater weniger zu tun, es ist ja nicht so dass die gelöschten Artikel alle schlecht wären.
Und wie definierst Du Qualität? Die ISO 9000 sagt z.B. das man diese Qualität für sich selbst festlegen muss. Das tut die WP.

> Über die Motivation kann man nur spekulieren, vielleicht »lexikonfein« machen damit man im Kreise der überkommenen Tote-Holz-Enzyklopädisten nicht immer als »Schmuddelkind« verschrien wird

Als »Schmuddelkind« wird sie immer verschrien, aber das hat die WP noch nie gestört; der Reichweite-Erfolg entspannt.

> und evtl. noch den einen oder anderen Deal mit Verlagen machen kann, wer weiß?
Sicherlich nicht. ‘deals’ mit Verlagen laufen eh (Wikipress, Spiegelwissen), das ist kein Motivationsgrund.

> Jedenfalls offenbrat »geh doch nach drüben« als Alternative eine arg schlichte Denke.
Ja das ist schlicht. Soll heißen, wenns Dir nicht passt mach es doch besser. Die WP ist kein sozialstaatliches Angebot auf das die reine Leserschaft einen demokratischen Einfluss hat. Die WP-Community ist wie eine Straßengang in die man durch (imho) qualitiativer™ Schreibleistung mehr Einfluss bekommt. Da sind aber auch schon viele frustiert wieder abgezogen (hauptsächlich aber Exklusionisten, die eben die Qualität zu lasch fanden).

Warum willst Du das Projekt Wikipedia von außen ändern? Was die WP macht, ist die alleinige Entscheidung dieser unkonkreten Masse an Community. Du gehörst nicht dazu und kannst diese auch nicht ändern. Aber Du kannst, mit all den anderen Inklusionisten, was neues aufmachen. Das ist aber nicht so gemeint wie »geh doch nach drüben« sondern ernst. ich hab leider noch kein erfolgversprechedes offeneres Projekt gesehen. Die Elitären hab das schon öfters probiert (wikiweise schon 2004, citizendium.org 2006), beide tun sich schwer.

Frank am 26.06.2008:


Ich halte es für gewagt, dies auf alleinstehende Männer zu schieben. Glaube mir Männer mit Frauen können noch viel dümmere sachen tun. ;)

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