Artikel mit dem Tag re-publica

Digital Bohemian Rhapsody: re:publica 13 – Tage 2 und 3 und das obligatorische große Fazit

Die re:publica 2013 ist nun auch schon wieder Geschichte. Alle fahren nach Hause, die Medien suchen nach der Message und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bloggen und twittern sich einen ab über das in den letzten Tagen erlebte. Ich auch, und es geht um Cyborgs, Roboter, Arbeit, Podcasts, die »jungen Leute« und die große »Message« über allem die es eh nie gibt…

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re:publica 13 in Sicht

!http://www.uninformation.org/images/IMG_3473.jpg! Das Banner oben im Kopfbereich dieses kleinen Blogs am Rande der Stadt zeigt es an: Es ist wieder Zeit für "re:publica":http://re-publica.de/. Das kleine "kuschelige Treffen der Blogger":https://www.uninformation.org/weblog/37 ist ein ganz schönes Monstrum von einer Konferenz geworden. Nachdem ich "2007":https://www.uninformation.org/tags/re:publica, "2008":https://www.uninformation.org/tags/republica08, "2009":https://www.uninformation.org/tags/republica09, "2010":http://uninform.at/tags/rp10 und "2011":http://uninform.at/tags/rp11 dabei war, ließ ich die Ausgabe 2012 »aus Gründen« aus. Deshalb bin ich wirklich gespannt auf den 2012 eingeführten neuen Veranstaltungsort. Die überfüllte Kalkscheune und der finstere Friedrichstadtpalast "waren zuletzt nicht mehr das Wahre":http://uninform.at/e/re-publica-11 und letztes Jahr hörte man vom neuen Ort nur Gutes. Es wird ein "kaum zu überblickendes Programm an Sessions":http://re-publica.de/sessions und Tausende Besuchende geben. Und neben der obligatorischen Flut an Tweets und Gebloggtem aus den Kreisen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer natürlich die Berichte der Journaille, die (die Prognose wage ich mal) auch bei der 7. Ausgabe im Jahre 2013 nicht die ihren Berichten innewohnende Grundhaltung in der Art von Anthropologen, die einen Menschenfresserstamm in Papua-Neuguinea besuchen, wird ablegen können. Und "einen täglich produzierten Reader als E-Book":https://re-publica.de/news/rp13-reader-schnellste-buch-welt wird es auch geben. Sachen gibt's!

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re:publica XI – Von jenen die hoffen die »Pro’s« zu sein und andere Abenteuer

!http://uninform.at/images/re-publica-11-1.jpg! Wie "angekündigt":http://uninform.at/e/republica-11-die-rueckkehr ging es also zum fünften Mal zur "re:publica":http://re-publica.de/11/ nach Berlin. tl;dr: Voll war es, noch voller als 2010, da aber "schon angekündigt wurde":http://www.spreeblick.com/2011/04/16/ruckblick-republica-2011/, dass es zur nächsten Ausgabe neue größere Räumlichkeiten geben wird, wird in dieser Hinsicht wohl alles gut. Die Vorträge waren wechselhaft, einige informative und einige wirklich schlechte waren dabei. Und sehr schön war natürlich der »Klassentreffen-Aspekt«, also genau das, was bei den Relevanzfanatikern aller Art immer als »selbstbezogen« wahrgenommen wird.

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re:publica XI - Die Rückkehr

"!(floatleft)http://re-publica.de/11/wp-content/banner/250.jpg!":http://re-publica.de/11/ Und da ist es auch schon wieder soweit: "re:publica XI":http://re-publica.de/11/ steht vor der Tür. Wie bei allen bisherigen Ausgaben werde ich auch dieses mal wieder mit von der Partie sein. Erwartungen habe ich keine großartigen, einfach mal schauen wie es da so sein wird. Und ebenfalls schauen, ob sich der Trend fortsetzt, dass all' die schönen Veranstaltungen, wo einst nur »wir kühle BloggerInnen und Nerds« rum liefen und unseren Spaß hatten, nach und nach von den »Social Media«(sic!)-Borgs, Beratern, PR-Fraggles, Marken-Kommunikations-Replikanten u.ä. übernommen werden. Denn es hat noch keiner gemerkt: Niemand will mit seinem Getränk, Sommerreifen oder Hämorrhoidensalbe in einen »Social-Media-Dialog« treten und vernetzen, wir (wer immer das auch genau ist) wollen eigentlich nur einen (mittlerweile nicht mehr gar so) neuen Kommunikationsraum bevölkern und entwickeln. Das "Programm":http://re-publica.de/11/schedule/ liest sich wie immer vielversprechend, wenn ich "das richtig verstanden habe":http://re-publica.de/11/faq/ gibt es für Euch daheim gebliebene zumindest einen Livestream aus dem Friedrichstadtpalast. Gebloggtes von mir "zu den vergangenen vier re:publicas der Jahre 2007-2009 findet das geneigte Auge im alten Blog":http://www.uninformation.org/tags/republica, im neuen gibt es "Gebloggtes zur Ausgabe des Jahres 2010":http://uninform.at/tags/re-publica10. Und natürlich Bilder von den Vorjahren: * "2010":http://www.flickr.com/photos/leralle/sets/72157623735943267/ * "2009":http://www.flickr.com/photos/leralle/sets/72157616124644893/ * "2008":http://www.flickr.com/photos/leralle/sets/72157604355046933/ * "2007":http://www.flickr.com/photos/leralle/sets/72157600064345846/

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re:publica 10 - Tag 3 und Fazit - Alles ist Beta und das vereinnahmende Wir

Kalkscheune, Veranstaltungsort der rp10 ["Foto: Kalkscheune bei der rp10 von alice_c":http://www.flickr.com/photos/alice_c/4530087767/] Da ist sie auch schon wieder Geschichte, die "re:publica 2010":http://re-publica.de/10/. Und weil die re:publica immer größer wird und »everyone a publisher« ist, gibt es im Anschluss eine wahrhaft exorbitante Flut von Rückblicken, Analysen und Schmähschriften aller Art zu lesen, zu hören und zu schauen. Durch dieses ergiebige digitale Konvolut habe ich mich, bedingt durch das nach drei Tagen fast schon logische postkonferenzielle Aufmerksamkeitsdefizit, noch nicht mal ansatzweise durchgewühlt. Auch am dritten Tag gab es überraschenderweise noch Vorträge zu sehen und zu hören. Deren Besuch war leider nicht nur von individuellen Interessen, sondern auch durch schnöde Verfügbarkeit von Raum gesteuert. So landete man mitunter in Sessions, in die man eigentlich gar nicht wollte, aber trotzdem rein ging, weil dort die Verfügbarkeit von Plätzen lockte. »Jean Luc und die Singularität vorm falschen Fenster« eröffnete meinen Session-Reigen an Tag 3. In der Gegenwart leben heisst, die Zukunft vergangener Zeiten zu erleben, und diese Session wollte, thematisch anknüpfend an den "»Think Tank« Atoms and Bits":http://atomsandbits.net/ unter Rückblick auf Zukunftsvisionen vergangener Zeiten sollten Visionen für unser Leben in der technischen und gesellschaftlichen Zukunft ausgearbeitet werden. Neue Formen der Arbeit wie Coworking und die durch das Internet gegebene Unabhängigkeit der Arbeit vom großen Raum »Firma« wurden darunter verstanden. Die Diskussion drehte sich um diese, in meinen Augen für den klangvollen Titel voller lockender Utopien eher gegenwärtigen allzu konkreten Themen, ich hätte mir mehr »Vision« (fliegende Autos, nahrungssynthetisierende Realweltdrucker und anderen utopischen Kram) gewünscht. Nichtsdestotrotz gab das Stündchen durchaus Denkanstöße und "eine Literaturlist zum Thema »Zukunftsvisionen«":http://inselnderunordnung.blogspot.com/2010/04/einfuhrende-literatur-zum-thema.html. flickr: Foto vom Vortrag von Miriam Meckel bei der rp10 ["Foto: Miriam Meckel bei der rp10 von Mario Sixtus":http://www.flickr.com/photos/sixtus/4528366475/] Danach ging es in den großen Saal, zum Vortrag von Miriam Meckel. Die allenthalben darüber zu lesende getwitterte Begeisterung kann ich leider überhaupt nicht teilen, viel mehr begannen mich ihre in einem furiosen Wortschwall viel zu ausufernden Ausführungen über die im Grunde recht banale Tatsache, dass menschliches Verhalten dann am besten ist, wenn es nicht vorhersehbar ist, recht schnell zu langweilen. Um »Maptivism«, also Aktivismus mit Hilfe von Karten und Geodaten, ging es beim Vortrag von "Christian Kreutz":http://www.crisscrossed.net/. Dabei wurden verschiedene Projekte vorgestellt, die mit Hilfe im Netz verfügbarer Karten und Daten ein Hilfsmittel bei der Verfolgung sozialer Anliegen aller Art zur Verfügung stellen. Ein schönes Beispiel dafür ist "»Frankfurt gestalten«":http://www.frankfurt-gestalten.de/, ein »hyperlokales« Portal hinunter auf Straßenebene, wo mit auf die Karte gemappten Daten lokale Entscheidungen und Geschehnisse transparent gemacht und zu »bürgerlicher Partizipation« eingeladen werden soll. »Hyperlocal« ist eh das nächste große Ding, sagen alle. ;) Sachen aus diesem Bereich werden wir in den nächsten Jahren einige sehen, und daraus wird ein Druck entstehen an die »öffentlichen Hände«, die Daten dafür rauszurücken, Stichwort »OpenData«. Um das ominöse »Leistungsschutzrecht«, das die Verlage der sterbenden Medienkonzerne in ihren glitzernden Glaspalästen gerne vom Staat als Geschenkle hätten, ging es beim Diskussionspanel unter dem schönen Titel »Let’s screw up the entire Internet to save newspapers«. Die "einführende Mindmap des Moderators Matthias Spielkamp ist bei irights.info verfügbar":http://irights.info/blog/arbeit2.0/2010/04/16/mindmap-zum-leistungsschutzrecht/. Irritierend war für mich bereits die erste Prämisse, die mit dem vereinnahmenden »Wir« als Metaargument behauptete, das System der Verlage, Medienhäuser und Verleger, dass die selbsternannte »Vierte Gewalt« aka Medienlandschaft in Deutschland ausmacht, sei an sich schon einmal als wünschens- und erhaltenswert zu betrachten. Das sehe ich z.B. nicht so, ich wäre da mal vorsichtig mit dem dauernden »Wir«. Die Diskussion war recht kurzweilig, krankte aber daran, dass es keinen Befürworter des Leistungsschutzrechts auf der Bühne gab. Und natürlich an der simplen Tatsache, dass "man über das Leistungsschutzrecht außer einer nebulösen Absichtserklärung aus dem schwarz-gelben Koalitionsvertrag und einiger polemischer Auftritte seiner Befürworter aus dem Hause Springer nicht sonderlich viel Konkretes weiß":http://www.heise.de/newsticker/meldung/Schlagabtausch-zwischen-Axel-Springer-und-Google-941187.html. Ergebnis gab es eigentlich keins. Alles Beta. flickr: Foto von der Diskussion zur Freiheit im Internet bei der rp10 ["Foto: Diskutanten beim Freiheits-Panel bei der rp10 von bosch_hh":http://www.flickr.com/photos/bosch_hh/4528946396/] Zum Abschluß musste man sich bei der Diskussion »Kann denn Freiheit grenzenlos sein?« über die, wie der Name schon andeutet, Grenzen der Freiheit im Internet, erst einmal tüchtig aufregen. Die Veranstaltung wurde von einer Horde SPDler heimgesucht, deren Partei, ich sage nur »Otto-Katalog« und begeisterte Mittäterschaft am »Zensursula-Komplex«, in den letzten Jahren nicht unbedingt für eine Politk stand, die im Zweifel primär für die Freiheit einsteht. Argumentativ wollte die geballte sozialdemokratische Wir-Weisheit uns erzählen, »wir« (schon wieder!) hätten uns als Gesellschaft darauf geeinigt, dass es Inhalte gäbe, die »wir nicht sehen wollen«, und dass diese deshalb aus dem Internet weg müssten, oder zumindest vor unseren deutschen Wir-Augen verborgen werden müssten. Auch der staunende Moderator konnte sich an diese Übereinkunft des sozialdemokratischen Über-Wir mit der Gesellschaft über unerwünschte Inhalte nicht so recht erinnern. "plomlompom":http://www.plomlompom.de/ übernahm die Rolle des Verteidigers der totalen Freiheit im Netz und mahnte Ausbau von Kompetenz im Umgang mit dem Medium Internet als erfolgsversprechendere Alternative zu einer typisch sozialdemokratischen Verbotsorgie an. Herrlich, wie die Befürworter von Zensur und Kontrolle in polemische und stammtischeske Tiraden abglitten und plomlompom trotzdem ruhig auf seinen Standpunkt beharrte. Eine lehrreiche Veranstaltung, nicht wg. der Erkenntnistiefe bezüglich des Themas (auch Beta), sondern eher wg. der diskursiven Natur des »Wir«.
["Video von GillyBerlin auf Youtube":http://www.youtube.com/watch?v=IJMClDvWEfE] Und zum Abschluss wurde dann »Bohemian Rhapsody« gesungen… Und was bleibt als Fazit? Wir stecken mittendrin in der Revolution, Erkenntnisse über deren Natur und Richtung müssen deshalb naturgemäß immer vorläufig sein. Diesen Status der andauernden Entwicklung inmitten einer großen sozialen, ökonomischen und politischen Vorläufigkeit kann man wohl am besten als »Alles Beta, Baby« beschreiben. »Nowhere« ist so gesehen wohl nur die Beta-Phase von »Everywhere«. Die fachliche Dimension mit der Jagd nach der Erkenntnis ist aber natürlich nur ein Aspekt, der andere ist das »social« sein mit allerlei Netzbekanntschaften im Rahmen einer solchen Konferenz. Und so hat es dem Autor dieser Zeilen auch bei der vierten Ausgabe eine Menge Spaß gemacht, die drei Tage vergingen im Fluge. Deshalb sage ich "Danke":http://www.netzpolitik.org/2010/republica-2010-danke/ und "Danke":http://www.spreeblick.com/2009/04/07/review-meine-republica-nachlese/, ein Riesen-Kompliment an alle »Macher«. Die Woche im April 2011 für rp11 ist schon vorgemerkt. ;)

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re:publica 10 - Tag 2 - Volle Räume, große Themen

Die "re-publica":http://www.re-publica.de/10/ hat in ihrer vierten Auflage langsam das Problem, das auch die letzten Ausgaben des CCC-Congress zur Hölle gemacht hatte: Es wird zu voll. Aus 700 Besuchern 2007 sind mittlerweile 2.500 geworden, gerade die kleinen Räume platzen aus allen Nähten und es geht dort zu Beginn der Veranstaltungen zu wie bei der Eröffnung von Elektronik-Discountern in Berlin. Da ich irgendwann bei einem der letzten Congresse für mich festgelegt habe, dass kein Vortrag es wert ist, wie ein Pendler in der U-Bahn von Tokyo zu stehen, musste ich auf einige mich thematisch interessierende Vorträge verzichten. Am Morgen ging es in die Rotlichtatmosphäre des »Quatsch Comedy Club«, wo Geert Lovink über »Radical Critique Of Free Culture« reden sollte. Leider war der Vortrag nur eine kommentierte Übersicht über die Projekte seines "»Institute Of Network Cultures":http://www.networkcultures.org und eine Literaturübersicht zu Netzkultur-Pessimisten von Frank Schirrmacher über Nicholas Carr bis hin zum notorischen Jaron Lanier. Etwas enttäuschend, da konnte auch "San Precario":http://www.sanprecario.info/, der Schutzpatron der Digitalen Bohème, nichts mehr raus reißen. re:publica 10 - Bre Pettis mit dem MakerBot "Bre Pettis":http://www.brepettis.com/ stellte den "»MakerBot«":http://www.makerbot.com/ vor, einen schon vom Congress bekannten 3D-Drucker. Das Dingen ist eine Art programmierbarer Heißklebestift, der in der Lage ist, dreidimensionale Objekte aus Plastik zu erstellen. Durchaus beeindruckend, "was damit alles hergestellt wird":http://www.flickr.com/search/?q=Makerbot&w=all&s=int, wie z.B. der MP3-Player in den Zeitläuften angemessener Handgranetenform auf dem Bild. Nach dem Vortrag konnte ich das Dingen mal aus der Nähe bei der Arbeit betrachten. Da fehlt nicht mehr viel, und bald können wir dreidimensionale Objekte genaus einfach »ausdrucken« wie ein Dokument auf ein Blatt Papier. re:publica 10 - Daniel Schmitt von Wikileaks Mittags sprach Daniel Schmitt über "Wikileaks":http://wikileaks.org/, die seit dem Irak-Video neulich fast jedermann bekannte Plattform für das Befreien von irgendwen aus irgendwelchen Interessen vor der Öffentlichkeit verborgenen Dokumenten, dem sogenannten »Whistleblowen«. Der Vortrag ähnelte ein wenig einem Verkaufsvortrag mit Slogans wie »your premier supplier for fresh documents«. Wikileaks wurde als »Partner« der etablierten Medien angepriesen, dort könne man Dokumente sicher ablegen, die sonst vielleicht zu einer Redaktionsdurchsuchung führen könnten. "Das Interview mit Daniel Schmitt aus der Berliner Morgenpost":http://www.morgenpost.de/web-wissen/article1292409/Wikileaks-Geheimnisverrat-aus-Prinzip.html erzählt im Grunde das, was auch im Vortrag gesagt wurde. Zum Abschluss gab es noch eine Diskussionsveranstaltung der Fußballblogger. Die Profivereine tun sich noch ein wenig schwer, die Blogs als »richtige« Medien anzuerkennen, der Umgang mit den Emporkömmlingen aus dem Web ist, je nach Verein, sehr unterschiedlich und reicht von totaler Ignoranz bis hin zu vorsichtiger Partnerschaft. Und zwischendurch trifft man neue und alte Netzbekannte und schimpft über das langsame WLAN, also wie immer auf Veranstaltungen dieser Art.

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re:publica 10 - »The Internet is a public place« - Jeff Jarvis und die »Grundrechtecharte für den Cyberspace«

Der Vortrag von "Jeff Jarvis":http://www.buzzmachine.com/ war einer der bisherigen (dieser Artikel wurde am Ende des zweiten Tags geschrieben) Höhepunkte. Jarvis referierte das "schon in einem Blog-Eintrag ausgearbeitete »German Paradoxon«":http://www.buzzmachine.com/2010/02/11/the-german-privacy-paradox/ aus. Sein amerikanisches Erstaunen über das splitternackte Erscheinen gemischter Sauna-Besatzungen auf der einen, aber fürchterliche Aufregung über Dinge wie Google Streeview auf der anderen Seite, verleitete ihn zu der Behauptung: Deutsche interessieren sich für »Privacy«, aber diese gilt nicht für die »Private Parts«. Nach einigen Ausführungen über die unterschiedlichen Ausprägungen von »Privatsphäre« in unterschiedlichen Gesellschaften forderte Jarvis, dass wir das Internet als öffentlichen Raum garantieren müssen. Ein Verbot für Google Streetmap, wie es deutsche Dorfbürgermeister und andere lokale Potentaten fordern, wäre nur ein Anfang, am Ende dieser Verbotskette stände ein eingeschränkter öffentlicher Raum, in dem auch Du und ich keine Bilder mehr machen dürften, um diese z.B. im Blog unter die Leute zu bringen. Deshalb bedarf es einer »Grundrechtecharte für den Cyberspace«, deren eigentümliche Wortwahl (wer sagt in diesem Jahrtausend schon noch »Cyberspace«) natürlich deren Verwurzelung in der legendären "»Cyberspace Declaration Of Independance«":http://www.ibiblio.org/netchange/hotstuff/barlow.html von John Perry Barlow aus dem Jahre 1996 geschuldet ist. Jeff Jarvis´ Deklaration fordert (abgetippt von seinen Vortragsfolien): * Wir haben das Recht auf Vernetzung. * Wir haben das Recht zu Reden. * Wir haben das Recht uns zu versammeln. * Wir haben das Recht zu handeln. * Wir haben das Recht auf Kontrolle über unsere Daten. * Wir haben das Recht auf unsere eigene Identität. * Was öffentlich ist, ist ein öffentliches Gut. * Alle Bits sind gleich geschaffen. (Damit meint er »Netzneutralität«, RG.) * Das Internet sollte offen sein. Donnernder Applaus für den sympathischen Professor aus den USA. Die "re:publica-Website hat ein Interview mit Jeff Jarvis":http://re-publica.de/10/2010/04/15/interviews-peter-kruse-peter-sunde-david-sasaki-und-jeff-jarvis/ und "eine kurze Zusammenfassung":http://re-publica.de/10/2010/04/14/jeff-jarvis-das-deutsche-privatsphare-paradox/. Nicht "allen hat es gefallen, aber gerade bei dem Text":http://meedia.de/nc/details-topstory/article/die-web-worthlsen-des-jeff-jarvis_100027414.html hat die very german Angst aus der Abteilung »Medienkonzerne« die Tastatur geführt.

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re:publica 10 - »We are nowhere, and its now«

!/images/republica10-1.jpg! re:publica mal wieder! 2010 sieht die vierte Ausgabe, und wie "bei den bisherigen drei":http://www.uninformation.org/tag/republica bin ich auch dieses Mal dabei. Wie Peter Glaser zur Eröffnung anmerkte: »Was ist das Netz anderes als ein Ofenloch, in dem das Feuer glüht?« Genau. Und manchmal muss man auch hin, um mit den anderen um eben jenes Feuer zu tanzen. !/images/republica10-2.jpg! Wie gesagt, Netzlegende Peter Glaser eröffnet die Veranstaltung mit ein paar warmen »Meta-Worten«, die man "in seinem Blog vollständig nachlesen kann":http://blog.stuttgarter-zeitung.de/netzkolumne/2010/04/14/die-digitale-faszination-vom-leben-auf-dem-achten-kontinent/. Interessant fand ich Glasers Gedanken, dass unser Leben im Internet nach dem »Klubprinzip« organisiert ist. Die Klubs heißen Facebook, iTunes oder Twitter. In Afrika soll es Gegenden geben, da spielen Musiker in Käfigen mit den Instrumenten, die sie dort vorfinden. Scheint so, dass wir in der Mehrheit genau so agieren. Nichtsdestotrotz ist das Netz für Glaser »der beste Ort, an dem man heute sein kann.« Damit das so bleibt, müssen die Zugänge für die Nicht-Nerds, den »Rest«, also 90% aller Menschen, einfacher werden. Menschen interessieren sich nicht für Technik, sondern für andere Menschen. Ein Beispiel dafür aus dem »prallen Leben« ist das Projekt "22 Pop":http://www.geeksugar.com/22-Pop-Typewriter-Sends-E-mail-454509, in dem eine mechanische Schreibmaschine für nicht-Computer-Menschen zu einer E-Mail-Versende-Maschine umgebaut wurde. Nun also drei Tage re:publica vor der Brust. Auch wenn ich das Echo der Art »Öhhh-bääh, da sind ja nur die Netz-Masturbateure mit den iPhones versammelt« wohl vernehme, mir gefällt es bis jetzt wieder und ich bin gespannt auf die »restlichen« Tage.

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re:publica: Schlussbetrachtung

"!http://farm1.static.flickr.com/219/459690705_d005069727_m_d.jpg!":http://www.flickr.com/photos/leralle/459690705/ Diese digitalen Zeiten sind schnelllebig. Da geniesst man mal einen problematisierfreien Tag in der Berliner Sonne, und schon erscheint das eigene Fazit der "re:publica":http://re-publica.de vom ewig weiter beschleunigenden Lauf der Dinge völlig irrelevant und überholt. Aber ein Moment der Reflektion nach "den Tagen der hektischen fast-Live-Artikel":https://uninform.at/tags/rp07/ muss sein! *Persönliches Fazit:* re:publica war perfekt organisiert, noch einmal ein »Danke schön« an "Markus":http://www.netzpolitik.org/ und "Johnny":http://www.spreeblick.com. Netz war da, Verhungern und Austrocknen muss an einer Lokalität im Herzen Berlins sowieso niemand, daher war das mancherorts beklagte Thema »Befriedigung physiologischer Grundbedürfnisse« am Orte der Veranstaltung für mich bedeutungslos. Und da ich sowieso nicht in Erwartung des Gewinns sensationeller Erkenntnis nach Berlin gefahren war, konnte ich mich an einer unterhaltsamen Veranstaltung mit netten Menschen erfreuen. Sehr erfreulich: Mit "einer Ausnahme":http://www.flickr.com/photos/leralle/458533274/ verkniffen sich die Anwesenden penetrante Reklame für ihre »großartigen web-2.0-igen« Klitschen, das war sehr angenehm. Wenn es nächstes Jahr eine Neuauflage gibt, bin ich wieder dabei! *Thema »Übel des Konsens«:* Tenor der Betrachtungen, die man allenthalben lesen kann, ist das Bedauern des »Konsens« auf den Podien und des Mangels an »Nicht-Konsens« durch das Publikum. »Konflikt« ist zunächst einmal kein Wert für sich, sondern kann nur über eine Sache festgemacht und ausgetragen werden. Das Ausfechten persönlicher Animositäten unter der Flagge von scheinbaren sachlichen Differenzen, das man bei den üblichen Verdächtigen in Blogs täglich lesen kann, halte ich nicht für eine wünschenswerte Erscheinung. Für die nächste Auflage müssen die Themen schärfer gefasst, ihren Einführungscharakter verlieren, zugespitzt und Diskutanten ohne persönliche ökonomische Interessen am Thema gefunden werden. Ein Vertreter eines »AAL-Portals« auf dem Podium wird niemals scharf debattieren, da die Angst, dass jede schärfere Äußerung auf seinen/ihren Arbeitgeber zurückfallen würde, streitbare Äußerungen verhindert. Auf das Publikum kann man nicht zählen, die Frontstellung Podium vs. Publikum ist nicht das, was Habermas als »herrschaftsfreien Diskurs« definieren würde. Wünscht man das, muss man die Podien auflösen und die Panels als Unkonferenz im Barcamp-Stil organisieren. *Stimmen:* * "argh!":http://www.argh.de/archives/2236/ Ein Konsens-Beklager. * "Manuela":http://www.pixelgraphix.de/log/2007-04/republica-nachlese.php * "Johnny auf Spreeblick":http://www.spreeblick.com/2007/04/15/republica-nachlese-kurz/ * "Robert":http://www.basicthinking.de/blog/2007/04/14/republica-fazit/ * "Ein komisches Video":http://www.watchberlin.de/vipo/portal/watchberlin_video_62580 * "Markus":http://netzpolitik.org/2007/republica-nachlese-auch-kurz/ * "Jan":http://www.bamberg-gewinnt.de/wordpress/archives/725 * "StefanMz stellt einen Randaspekt unangemessen in den Mittelpunkt.":http://www.keimform.de/2007/04/14/republica-scheitern-am-geld/ Vielleicht bin ich aber auch schon zu lange dabei, um beim Thema »Blogs und Geld« in mehr als routiniertes Gähnen zu verfallen... Und dann nahm eine schöne Veranstaltung "für Tim noch ein übles Ende":http://tim.geekheim.de/2007/04/16/freitag-der-dreizehnte/.

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re:publica: Von Filmen und alten Schlachten

"!http://farm1.static.flickr.com/203/458533306_e584f56ff6_m_d.jpg!":http://www.flickr.com/photos/leralle/458533306 Hier liegen noch Notizen von zwei Veranstaltungen auf der "re:publica":http://re-publica.de im Editor herum, die ich ob der lockenden Alternativen Sonne und Bier noch nicht verbloggt habe. Eigentlich schon »alt«. Andererseits soll hier im Blog mal wieder der alte Gedanke der Ego-Dokumentation im Web das ausufernde Gelaber ersetzen. Darum kann man nach der Klickpause Notizen lesen zu zwei Panels: * Bewegte Bilder. Wie das Netz die Film-Branche verändert. * Entwicklung der Weblogs in Deutschland.

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re:publica: Der Empfänger als Sender

Ein Panel zu einem »heißen Buzz-Thema«: Bürgerjournalismus, neudeutsch »Citizen Journalism«: "»Der Empfänger als Sender. Der »Citizen Journalism« lässt die Redaktion rotieren, doch bewegt er auch die Bürger?":http://07.re-publica.de/programm/events/15.de.html Teilnehmer sind "Falk Lüke":http://blog.zeit.de/blogruf, "Katharina »Lyssa« Borchert":http://www.lyssas-lounge.de/, "Jens Matheuszik":http://www.pottblog.de/, "Jörg Kantel":http://www.schockwellenreiter.de und "Hugo E. Martin":http://www.readers-edition.de/. Jörg Kantel gibt zum Auftakt seine bekannte Position zum Besten: Bürgerjournalismus ist nur dann Bürgerjournalismus, wenn der schreibende Bürger auch im Besitz der Produktionsmittel ist. Katharina Borchert findet die Diskussionen in dieser Hinsicht aber zu theoretisch. Jens Matheuszik, der Pottblogger, auch. Er bloggt einfach nur. Jens schrieb über regionale Themen, wurde deshalb von Falk auf das Podium eingeladen. Und Themen, die in »traditionellen« Medien eher selten aufgegriffen werden. Jörg prangert an, dass die Tageszeitungen die regionale Berichtserstattung aus Profitgründen aufgegeben hat. Es gebe nur noch massenkompatible Themen. Lyssa verteidigt die WAZ-Gruppe, diese sei *natürlich* nicht von böser Profitgier getrieben, sondern von wirtschaftlicher Notwendigkeit... Jörg stellt fest: Wir brauchen Plattformen wie die Readers-Edition oder ähnliche geplante Plattformen nicht. Vernetzung muss »von unten« kommen, und bringt das Beispiel Neukölln. Würde man alle Weblogs aus Neukölln »von unten« vernetzen, hätte man mehr gewonnen als mit allen (Gedächtniszitat) »Kopfgeburten aus den Verlagen«. Lyssa erzählt ein wenig über ihr WAZ-Projekt. Dort sind sie (Gedächtniszitat) »auf ganz viel Scheitern eingerichtet«. Das nenne ich mal eine optimistische Herangehensweise. Eine Frage aus dem Publikum an Hugo E. Martin: Werbung auf die RE pappen und viele CC-Lizenzen, an denen sich die RE fleißig bedient, sind nicht kompatibel. Er windet sich mit allgemeinen Ausführungen zur finanziellen Situation der Readers Edition heraus, ohne auf die Frage einzugehen. Hugo Martin will in der RE Themen und Autoren mit Organisationen vernetzen, zum Thema »Nachhaltigkeit« und »Klimawandel«... Lyssa meint, es gehe in erster Linie um Meinungen, das Volk möchte sich äußern. Falk fragt im Publikum nach, wer darauf Lust hat. Die Anzahl der Meldungen ist eher niedrig… Jörg sagt, bezogen auf Werkzeuge zum Bürgerjournalismus: Man soll nicht darauf warten, dass irgendwer etwas macht. Es macht niemand was. Darum muss man selbst machen. Ist das nicht immer so im Leben? Fazit der etwas konfusen Runde: Der Begriff des »Bürgerjournalismus« wird vergehen, sein Inhalt sollte aber »Alltag« werden. Jens ist der Ansicht, dass der Bürger endlich wieder Meinungen äußern soll und sich vom passiven Medienkonsum befreien soll. Ein schönes Schlußwort!

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re:publica: Zwischenfazit vom Blog-Gipfel

Zwei von drei Tagen "re:publica":http://re-publica.de/ sind herum, Zeit für ein kleines Zwischenfazit. Als erstes ein ganz großes Kompliment an "Markus":http://www.netzpolitik.org/ und "Johnny":http://www.spreeblick.com/: Die Veranstaltung ist geradezu beängstigend perfekt organisiert, selbst allergrößte Nörglernaturen werden Schwierigkeiten haben, irgendetwas an der Organisation zu bemängeln. Wenn man so zwischen den Session mit den Kolleginnen und Kollegen plaudert, ist der allgemeine Tenor, dass es »zu kuschelig« zu geht. Exemplarisch war vielleicht der Vortrag "über Werbung in Blogs":http://www.uninformation.org/weblog/35/, wo trotz des kontroversen Themas keine richtig wilde Debatte aufkam. Was vielleicht auch daran liegt, dass dieses Thema schon seit 2002 völlig ausgelutscht ist. Entweder man klopft Werbung in sein Blog, oder man macht es eben nicht. Darüber gibt es im Grunde nichts zu diskutieren, weil es zwecklos ist. Keiner der Protagonisten der Litfasssäulenfraktion wird nach einer solchen Diskussion in sich gehen und denken »Boah, ich bin übel, weg mit dem Werbezeug«. Und vice versa. Über das einzige »No-No-Thema«., bezahlte Inhalte im Blog, herrschte auch weitestgehend Einigkeit. So sind die meisten Panels abgelaufen. Aber bei solchen Konferenzen finden die »wahren« Sachen eh zwischen den Panels statt. "!http://farm1.static.flickr.com/207/456912098_0144959ed9_m_d.jpg!":http://flickr.com/photos/tschneider/456912098/ Gestern abend gab es Unterhaltungsprogramm. Toni Mahoni (Bild: "tschneider@flickr":http://flickr.com/photos/tschneider/456912098/, CC) war ganz und gar großartig, er hat ab sofort "einen neuen Video-Podcast-Gucker":http://www.spreeblick.com/category/toni-mahoni/ gewonnen. Wie er da an seinem Tisch zwischen seiner Band sitzt und dann mit seiner seltsamen Stimme, die ständig zwischen Edith Piaf und Till Lindemann oszilliert, kleine Geschichten erzählt und Songs mit lakonischen Titeln wie »Beziehung«, »Kaffee« oder »Zigarette« intoniert - große Klasse! Ein Küchentischpoet mit Herz unter der rauen Schale... Die beiden anderen Bands, "Jammin Inc":http://jammin-inc.de/ und die Ohrbooten, waren nicht so mein Fall, da ich nun einmal an einer exorbitanten Allergie gegen alles, was auch nur entfernt mit Sprechgesang zu tun hat, leide. Und nun also der dritte Tag mit großen Problematisiergebirgen wie »Medienrevolution« und »Bürgerjournalismus« vor dem Bug... [Update] Interessante Berichte von der re_publica schreiben: * Mos "Daily Mo":http://www.dailymo.de/ * Christians "Plomlompom futur:plom":http://www.plomlompom.de/futurplom (nicht nur das Blog mit den merkwürdigsten Namen ;-)) * Der "re:publica-live-Tumblr":http://republica.tumblr.com/ von einem nicht zu identifizierenden Autor.

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re:publica: Politik 2.0

"Nico Lumma":http://lumma.de, "Jan Schmidt":http://www.bamberg-gewinnt.de/wordpress/, "Falk Lüke":http://blog.zeit.de/blogruf/ und "Markus Beckedahl":http://www.netzpolitik.org/ bilden das Panel zum Thema »Politik 2.0. Wie verändert das Netz die politische Kommunikation und Partizipation?« Zum Auftakt geht es um die Rolle der Parteien im »Web 2.0«. Nico Lumma fragt: »Wie kann man mit Web 2.0-Tools Politik so organisieren, dass Mitarbeit wieder Spass macht?« Das Podium ist sich einig: Die klassische Organisation der Parteien passt nicht mehr in die mobile Gesellschaft »von heute«. Die Parteien schauen sich aufmerksam die Wahlkampfaktivitäten in den USA an (Blogs, Social-Networks, etc.). Nico meint, dass das in Deutschland nicht funktionieren wird. Wegen der Tendenz zu fachpolitischem Expertentums der potenziellen Berufspolitiker zwecks Förderung der Karriere. Darum werden quereinsteigende Themen und Personen abgeblockt. Und das auf diesem Weg in die Ämter gekommene Personal ist nicht netzaffin. Ansonsten wollen die Parteien keinen Kontrollverlust durch Netzpartizipation. Und Überhaupt, amerikanische Parteien sind ganz anders organisiert als deutsche. Sie sind mehr Zweckbündnisse, und vor allem sind die Netzaktivitäten von der Kasse motiviert… Und Nico meint: Wir Deutsche haben eine andere, schlechtere Diskussionskultur. Einwurf aus dem Publikum: Alles zu parteizentriert. Wo sind die Möglichkeiten, die brachliegenden nicht-Parteileute zu interessieren und an der Willensbildung zu beteiligen? Markus bringt das Beispiel Online-Petition. hohe Mitwirkung, aber keiner weiß was es bringen wird. Markus fordert daher: Parteien müssen einfach lernen, mit Offenheit umzugehen. Das ist aber ein evolutionärer Prozess, keine »Revolution«. Nico stellt fest: Politiker und Netzaffinität schließen sich derzeit aus. Die aktuellen Bestrebungen zum gläsernen Bürger würden dies deutlich beweisen... Ein Einwurf aus dem Publikum: Man solle einfach warten, bis eine netzaffine Generation die politische Macht inne hat. Markus möchte nicht aber nicht bis 2020 warten, denn *jetzt* werden unsere Daten gespeichert, werden Filesharer kriminalisiert, usw. Ein junger Grünen-Politiker, Jan-Philipp Albrecht greift sich das Mikro: »Ich habe schon seit einem Jahr einen Blog!« Darauf Nico: »*Das* Blog, gib' mal das Mikro weiter...« ;-) Nico kommt noch einmal auf die mangelnde politische Diskussionskultur in der deutschen Blogosphäre zurück. Es käme zu keinen politischen Debatten in den Blogs, die einzigen Kommentare seien: »Ja, Danke.« Es käme zu keinen ergebnisoffenen Diskussionen. Der politisch interessierte Teil der Blogosphäre möge auch sein soziales Umfeld für die »bebloggten« Themen sensibilisieren. Ein skurriler Einwurf kommt von Marcel, dem Parteibuchblogger. Erstaunlicherweise hält er sein Blog für ein politisches Blog, danach gibt er ein obskures Sammelsurium verschwörerischer Andeutungen über den wahren Lauf der Dinge in Deutschland zum besten. Falk bedankt sich für den Beitrag und wertet ihn süffisant als »Meinungsbeitrag«… Fazit: Politik und Netz haben eine schwierige Beziehung. Über eine Bestandsaufnahme kam das Panel nicht hinaus. Die Frage bleibt: Wie kann sich der »amtliche« politische Diskurs zur Netzöffentlichkeit hin öffnen. Das setzt aber voraus, dass es erst einmal eine politikaffine Netzöffentlichkeit gibt. Netzaffine Politiker und politikaffines Netz bedingen sich im gewissen Grade gegenseitig…

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re:publica: Cash from Chaos - Geld verdienen mit Blogs

Ein Allstar-Blog-Panel mit "Don Dahlmann":http//don.antville.org, "Johnny Haeusler":http://www.spreeblick.com/, "Thomas »Supatyp« Lau":http://mark.antville.org/ und "Sascha Lobo":http://wirnennenesarbeit.de/ diskutieren das allzeit beliebte Thema »Geld verdienen mit Blogs.« Zunächst geht es um Adical. Der »content-generatende« User bleibt immer ganz weit hinten, alle verdienen, nur der User nicht, meint Johnny. Darum sollen selbige auch Geld verdienen. Darum adical. Blogs als Medium sollen die Chance haben, sich zu refinanzieren, damit auch erwachsene Menschen sich bloggen leisten können. Denn Qualität kostet Geld. Darum das umstrittene Mittel: Werbung. Don Dahlmann fragt Supatyp nach Anlogien zur Kommerzialisierung der Punk-Szene. Der antwortet: "Die Solidarisierung der Szene mit Bahnhofspenner hat der Punk-Szene mehr geschadet als ein Album der Toten Hosen." Supatyp ist übrigens »Old School«: Blogs brauchen Kommentare, sonst sind es keine. Don vermutet eine gewisse devote Haltung von Bloggern gegenüber Anzeigenkunden. Supatyp verlangt nach begrifflicher Klarstellung. Supatyp: »Sie können im Weblog länger cool sein als draußen im richtigen Leben.« Lobo: »Eine etwas zu vierzehnjährige Einstellung über das, was cool ist.« Johnny ist das zu öde, er will lieber Grundsatzfragen klären: »Schadet Werbung Blogs, ja oder nein?« Und da darauf niemand anspringt, fragt er statt dessen rhetorisch: »Wie kann man als Blogger Geld verdienen?« Und plaudert aus dem Nähkästchen der Versuche von Spreeblick, Geld zu verdienen. Google Adsense ist ein gutes System - für Google. Geld brachte es Spreeblick nur zu Group-Tekkan-Zeiten. Johnny würde niemandem empfehlen, sein werbefinanziertes Weblog als Haupteinnahmequelle zu betrachten. Adical ist nun der nächste Versuch. Johnny vergleicht Blogs mit Bands. Blogs sind für ihn »Künstler«. Es gibt keine Formel, wie man mit Blogs Geld verdient. Sagt Johnny. Und fügt noch hinzu, dass Werbung auffallen muss. Sonst ist es keine. Also kein »Gepienze« wg. Bannergrößen, wenn Ihr Euch verkauft, meine Damen und Herren verkaufswilligen Blogger! Eine Frage aus dem Publikum zum Thema »bezahlte Artikel«. Johnny lehnt das kategorisch ab, für Spreeblick. Sascha Lobo hingegen erzählt, dass Riesenmaschine das macht, und redet sich das als »spannendes Experiment« schön. In Adical wird es das aber nicht geben. Sascha Lobo hält Werbung für eine »Kulturform«. »Kultur« ist halt ein dehnbarer Begriff... Don Dahlmann mahnt: Man darf sich nicht kaufen lassen. Wenn man z.B. ein neues Handy vom Hersteller bekommt, und drüber schreibt, soll man sich auf *gar keinen Fall* rein reden lassen, was man drüber schreibt. Fazit: Einige im Publikum, dass lassen auch die SMS an der Wand vermuten, hatten wohl Patent-Rezepte für den Blogger zum Geldverdienen erwartet. Naivität und Gier sind janusköpfige Geschwister. Das konnte natürlich nicht geliefert werden.

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re:publica: Brauchen wir eine Blogetikette?

"!http://farm1.static.flickr.com/229/455426317_b12ee8d4d4_m_d.jpg!":http://www.flickr.com/photos/leralle/455426317/ Jetzt übt sich ein Podium in der Diskussion, im großen Meta-Problematisieren - "Brauchen wir eine Blog-Etikette?":http://07.re-publica.de/programm/events/6.de.html "Johnny":http://www.spreeblick.com erläutert seine eigene Blogetikette. Und geht auf die "Blogetiketten-Idee von Tim O'Reilly":http://radar.oreilly.com/archives/2007/03/call_for_a_blog_1.html ein. "Stefan Niggemeier":http://www.bildblog.de findet: "Gut, dass wir drüber reden." Prof. Kuhlen, auserkoren für die Rolle des akademischen Expertens von »draußen«, meint: »Ethik entwickelt sich in den Räumen, in denen wir uns bewegen. Das war schon immer so.« Denn: »Die Ethik der Schwein ist der Stall.« Die Schweine hätten eine andere Ethik, wären sie auf der Wiese. Nette Analogie. Wir bewegen uns in elektronischen Räumen, daher entwickelt sie sich genau dort. Die Philosophen kommen sowieos immer erst anschließend und erläutern diese Entwicklung. Don Dahlmann empfindet den Versuch, ein ethisches Regelwerk zu schaffen, als Einschränkung seiner Kreativität. Davon hält er nix von O'Reillys Ansatz. 10 - 15% Idioten hat man immer und wird man immer haben, darum sollte man diese nicht zum Anlass nehmen, ein Regelwerk aufzustellen. Er löscht übrigens auch Kommentare, nach »Gutsherrenart«, wenn notwendig. Kuhlen meint, Blogeinträge sind »pragmatische« Texte, da sie auf eine Reaktion aus sind. Das Problem ist nur: Man weiß nur nicht, was der eigene Text für Konsequenzen hat und wie er aufgenommen wird. Im Grunde aber, so sind sich die Protagonisten auf dem Podium einig, gelten die »normalen«, für uns gewohnten Regeln des menschlichen Zusammenlebens, auch im Netz. Darum sind sich alles einig: Wir (also, die Blogger an sich) brauchen keine unterschriebene Ethik-Konvention. Aber man sollte nicht vergessen, das zum »lebendigen« Bloggen auch eine gewisse Prise Provokation gehört. Johnny wirft die Frage auf, ob und wie man sich gegen Beleidigungen, Lügen oder falsche Anschuldigungen in der Blogosphäre wehrt. Don hat aus seiner »Opel-Story« gelernt, dass man sich ein dickes Fell zulegen sollte. Zu guter Letzt sind sich alle einig: Wir brauchen keine geschriebenen Blogger-Regeln mit Unterschrift und Logo auf dem Blog. Was aber nicht geht, macht Don nach einem Einwurf aus dem Publikum klar: Einfach das Medienrecht der »alten Medien« auf das neue Medium Blog zu kopieren geht nicht!

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re:publica geht los!

"!http://farm1.static.flickr.com/200/455152810_61ea51651b_m_d.jpg!":http://www.flickr.com/photos/leralle/455152810/ Pünktlich um 11:00 eröffneten "Markus":http://www.netzpolitik.org und "Johnny":http://www.spreeblick.com die "re:publica":http://re-publica.de/2007/04/11/republica-ist-eroffnet/ in Berlin. Die re:publica , so die beiden, soll das Phänomen »Weblog« von innen betrachten. Dazu passt, dass 80% der angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer »im Netz publizierende Amateure« sind. "!http://farm1.static.flickr.com/184/455152522_3ce3bea239_m_d.jpg!":http://www.flickr.com/photos/leralle/455152522/ Der Ort des Geschehens, die "Kalkscheune in Berlin":http://www.kalkscheune.de/, ist sehr gut gewählt, es ist Platz genug und der Ansturm verteilt sich gut. Mangel gibt es eigentlich nur an Strom. Die ersten Vorträge gab es auch schon. "Volker Grassmucks kleine Geschichte der Wissensallmende":http://07.re-publica.de/programm/events/51.de.html wurde leider vom Referenten selbst »getötet«, da er seinen Vortrag etwas uninspiriert vom Blatt ablas. Das war schon einst in sozialwissenschaftlichen Seminaren ein bewährtes Mittel, um das Publikum einzuschläfern... Danach sprach "Jan Schmidt":http://www.bamberg-gewinnt.de/wordpress/ über "Mythen der Blogosphäre":http://07.re-publica.de/programm/events/46.de.html. Das war schon interessanter von Stil und Form. Die drei Mythen sind: * Alle Blogger sind Nerds. Stimmt nicht, da die Untersuchungen, die solche Ergebnisse zeitigen, an ihren eigenen methodischen Unzulänglichkeiten scheitern. * Blogs sind Gegenöffentlichkeit. Stimmt auch nicht, da die meisten Blogs ein im fachlichen und sozialen Umfeld zu suchendes sehr überschaubares Publikum haben und nicht die Gesellschaft umwälzen wollen. * Blogs sind irrelevant. Verkünden die etablierten Berufskommunikatoren wie Agenturen und Medien. Aus eigenem Interesse, und weil sie ein Blog z.B. mit der Tagesschau vergleichen, was nicht passt. Und manche Blogger selbst behaupten das, um sich von den Horden der Katzencontent- und Strickblogger abzugrenzen. Am Ende kam dann noch die bekannte Geschichte von der A-Liste und dem »Long Tail«. Was ist sonst noch so los? Die »üblichen Verdächtigen« laufen herum, die Mac-Dichte ist hoch und es gibt sogar Club-Mate. Wenn es interessiert: Was gerade so los ist "twittere ich flugs":http://twitter.com/leralle, und was an Bildern anfällt, kommt in das passende "Flickr-Set":http://www.flickr.com/photos/leralle/sets/72157600064345846/. Und nun schauen wir mal, was sonst noch so los ist und sagen ein paar Bloghelden »Tach«... ;-)

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Speise 2.0

"!http://farm1.static.flickr.com/193/454131635_b28cadebdd_m_d.jpg!":http://www.flickr.com/photos/leralle/454131635/ Auf dem Weg nach Berlin zu "re:publica":http://www.re-publica.de/. Schon im Speisewagen beginnt der »Irrsinn 2.0«. Zufällig sitzt "Herr OliverG":http://blog.oliver-gassner.de/ im selben Zug und "fotografiert das »Making Of«":http://blog.oliver-gassner.de/archives/1913-LeRalle-beim-Flickern-seines-Mittagessen.html dieses meines Meisterwerks der zeitgenössischen Speisefotografie. Nichts ist mehr unbeobachtet in diesen Zeiten. Was re:publica angeht: Ich bin sehr gespannt!

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