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Linux auf dem Powerbook G4 »Reloaded«: Debian GNU/Linux

!http://uninform.at/images/debian-gnome.png! Die guten alten Stammleserinnen und -leser werden sich erinnern: "Vor fast zwei Jahren wurde mein Lieblings-Mac, das Powerbook G4, mit Gentoo-Linux einer zweiten Karriere zugeführt.":http://www.uninformation.org/weblog/133 Gentoo stellte sich aber als grandiose Fehlentscheidung heraus, ein Wirrwarr von undurchsichtigen Abhängigkeiten, verbunden mit grotesken Kompilierorgien, machte jedes Update einer noch so kleinen Komponente oder eines Stücks Software zu einer Geduldsprobe. Abhilfe musste her! Ein erneutes Sondieren des GNU/Linux-Marktes für PowerPC brachte das Resultat, dass der Ubuntu-PowerPC-Build auch anderthalb Jahre später immer noch nicht booten wollte. [Und wenn schon die CD nicht sauber bootet, sollte man an eine Installation gar nicht erst denken]. Die Rettung kam dieses Mal vom "Debian PowerPC-Build":http://www.debian.org/ports/powerpc/. Und warum? Habe ich ja bereits "damals":http://www.uninformation.org/weblog/133 geschrieben: bq. Mein schönes altes Powerbook G4 aber, dass noch stets als mein Zweitgerät für Reisen und Konferenzen aller Art am Start ist, wird demnächst von Apple offiziell zum alten Eisen erklärt. Man bemerkt schon, dass Apple einen rigorosen Strich ziehen möchte. Der »Snow Leopard« wird Gerüchten zufolge keine Unterstützung mehr für Power-PC-Prozessoren enthalten, und der aktuelle Leopard und neuere Programme überfordern das kleine Powerbook mit seinen 867Mhz und 640 MB RAM ein wenig. Man sieht trotz leistungsfördernder Massnahmen wie das Deaktivieren von Spotlight fast so oft den Strandball wie auf vergurkten Windows-Kisten die Sanduhr. ;) Also entstand die Idee, mal wieder ein wenig in die nerdige Welt des Betriebssystem-Frickeln abzutauchen und das kleine Powerbook mit einem alternativen, schnelleren Betriebssystem für den Alltags-Bedarf unterwegs zu versehen.

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Gentoo-Linux auf dem Powerbook G4, oder: Wenn dem Mac-Benutzer zu wohl wird...

!http://www.uninformation.org/images/gentoo-g4-kompilieren.jpg! h5. Warum denn das? Der Schreiber dieser Zeilen war von 1994 bis 2003 vornehmlich mit Linux unterwegs. "Geswitcht":http://www.das-netzbuch.de/article/1001/ralle-the-switcher wurde damals vor allem, weil in Sachen »Notebook und Linux« bspw. die Rumfrickelei mit ndiswrapper-Skripten und dem Herausfinden des Chipsatzes einer WLAN-Karte für das Benutzen eines Computers im 21. Jahrhundert völlig unangemessen erschien. Und das habe ich nie bereut, der Mac ist und war die perfekte Plattform für meine Arbeit, er funktioniert einfach. Mein schönes altes Powerbook G4 aber, dass noch stets als mein Zweitgerät für Reisen und Konferenzen aller Art am Start ist, "wird demnächst von Apple offiziell zum alten Eisen erklärt":http://www.tuaw.com/2009/02/04/apple-welcome-to-the-obsolete-list-powerbook-g4/. Man bemerkt schon, dass Apple einen rigorosen Strich ziehen möchte. Der »Snow Leopard« wird Gerüchten zufolge keine Unterstützung mehr für Power-PC-Prozessoren enthalten, und der aktuelle Leopard und neuere Programme überfordern das kleine Powerbook mit seinen 867Mhz und 640 MB RAM ein wenig. Man sieht trotz leistungsfördernder Massnahmen wie das Deaktivieren von Spotlight fast so oft den Strandball wie auf vergurkten Windows-Kisten die Sanduhr. ;) Also entstand die Idee, mal wieder ein wenig in die nerdige Welt des Betriebssystem-Frickeln abzutauchen und das kleine Powerbook mit einem alternativen, schnelleren Betriebssystem für den Alltags-Bedarf unterwegs zu versehen. h5. Der Power-PC, das Stiefkind der Distributionen Mein Lieblingslinux Ubuntu wäre eigentlich erster Kandidat dafür gewesen, aber "PowerPC-Rechner werden seit Ausgabe 6.10 nicht mehr unterstützt":https://wiki.ubuntu.com/PowerPCFAQ, es gibt nur noch "einen inoffiziellen veralteten Release":http://cdimage.ubuntu.com/ports/releases/hardy/release/, der schon beim Boot von CD abstürzt. Danke, Herrschaften, so viel frickeln wollte ich dann auch wieder nicht. ;) Nach ein wenig Herumschauen blieb als ernsthafte halbwegs aktuelle Alternative nur noch die »Linux-Distribution für Masochisten«, "Gentoo":http://www.gentoo.org/, übrig. Auch "das hatte ich einst schon mal im Einsatz":http://www.das-netzbuch.de/article/769/gentoo-linux, war dann aber nach dem ersten Ubuntu-Release gewechselt, weil die ewige Kompiliererei für alles und jedes eigentlich ein Witz ist. Auf dem PowerPC stellt sich gerade das als Stärke heraus. Da nicht irgendwer eine Binärdistribution erzeugen muss, steht für fast alles, was man so braucht, ein Paket zur Verfügung. h5. Installation Frisch ans Werk, mit einem Boot von der Leopard-DVD wurde die Festplatten-Partition von Mac OS X um 15 GB verkleinert, das funktionierte wunderbar ohne Datenverlust. Dann besorge man sich "die Installations-CD für ppc/ppc64":http://www.gentoo.org/main/en/where.xml und boote das Powerbook durch das Halten der »C«-Taste beim »Tataa« von der Installations-CD. Es folgt der mühsame Part, grafische Installation und ähnliches neumodisches Zeug gibt es nicht. Die Installation von Gentoo läuft noch wie im letzten Jahrhundert mit der Eingabe einer Myriade von Kommandozeilen-Befehlen ab. Man halte sich sklavisch an "die Installationsanleitung der Online-Dokumentation":http://www.gentoo.org/doc/en/handbook/handbook-ppc.xml?part=1&chap=1, dann klappt die Installation ohne größere Probleme. Dabei nicht vergessen, ein Ethernet-Kabel an das Powerbook zu hängen. Und bei der Erstellung des Kernels unbedingt "die manuelle Methode":http://www.gentoo.org/doc/en/handbook/handbook-ppc.xml?part=1&chap=7#doc_chap3 verwenden, die genkernel-Prozedur funktioniert nämlich nicht. Und auf gar keinen Fall die plausibel klingende Tastaturbelegung »mac-latin-1« verwenden, diese führt zum kompletten Chaos auf allen Tasten und der Notwendigkeit, von der CD zu booten, die Festplatte zu mounten und die Tastaturbelegung wieder auf »de-latin-1« umzustellen… h5. Grundkonfiguration Nach dem ersten Boot mit dem neuen System steht man vor einem nackten Terminal-Login. Nun ist man noch lange nicht fertig, denn wir wollen ja auch eine grafische Oberfläche haben. Was es bei der Konfiguration der einzelnen Komponenten zu beachten gibt, steht im "Gentoo Linux/PowerPC-FAQ":http://www.gentoo.org/doc/en/gentoo-ppc-faq.xml. Es wurde zunächst einmal nach dem "X-Server-Konfigurations-HOWTO":http://www.gentoo.org/doc/de/xorg-config.xml der X-Server eingerichtet und als Window-Manager "Fluxbox":http://www.gentoo.org/doc/de/fluxbox-config.xml installiert. Für das Alu-Powerbook G4 aus dem Baujahr 2003 verwendet man übrigens den »nv«-Videotreiber. Nach der Eingabe der entsprechenden _emerge_-Kommandos stellt man dann das Powerbook erst einmal ein paar Stündchen in die Ecke, denn das ganze Zeug muss nun erst einmal aus dem Code kompiliert werden. Am Ende stand dann ein funktionierendes grafisches System mit fluxbox, ein wenig »gepimpt« mit dem "GSM-Theme":http://customize.org/fluxbox/themes/49241. flickr-Bild: Gentoo with fluxbox on a Powerbook G4 h5. Software besorgen Man braucht natürlich auch eine Software-Grundausstattung für den Unterwegs-Einsatz, als da wäre: * "Firefox":http://www.mozilla-europe.org/de/firefox/ als Webbrowser: _emerge firefox_. Stundenlange Kompilierung. * "mutt":http://www.mutt.org/ als E-Mail-Client für Zugriff auf den E-Mail-Server: _emerge mutt_. Als grafische Alternative "claws":http://www.claws-mail.org/. * Der "Midnight-Commander":http://de.wikipedia.org/wiki/Midnight_Commander für Dateimanagement: _emerge mc_. * "mpg123":http://www.mpg123.de/ als MP3-Player für die Konsole: _emerge mpg123_. * "vlc":http://www.videolan.org/vlc/ für Streams, Video und sonstigen Bedarf an Tönen und Bewegtbildern. Damit der auch etwas Abspielen kann, muss vlc per USE-Flags auf alle denkbaren Formate vorbereitet werden: _USE="aac altivec dvd flac id3tag matroska mmx mp3 mpeg ogg skins stream theora vorbis win32codecs x264" emerge vlc_. Stundenlange Kompilierung folgt. * Als kleines Gadget für die Anzeige des Batteriestands, CPU-Auslastung etc., "gkrellm":http://members.dslextreme.com/users/billw/gkrellm/gkrellm.html: _emerge gkrellm gkrellm-themes gkrellm-pmu_. * "Psi":http://psi-im.org/ für Jabber: _emerge psi_. h5. Problemzonen Wie sich das für ein ordentliches Frickel-Linux gehört, funktioniert natürlich außer den Basisfunktionen nichts »einfach so«. *Trackpad und die drei Maustasten* Das Trackpad hat natürlich keine rechte Taste, und die Sache mit »Ctrl-Klick« ist eine Funktion von Mac OS X, nicht der Hardware. "In den weiten des Webs":http://www.ncc.up.pt/~rvr/kh/kh.html findet sich ein Würgaround, nämlich das Legen von Maustaste 3 und 2 auf die Funktionstasten F11 und F12, dazu schreibt man in /etc/sysctl.conf an das Ende:
	dev/mac_hid/mouse_button2_keycode=87
	dev/mac_hid/mouse_button3_keycode=88
	dev/mac_hid/mouse_button_emulation=1
*Sonderzeichen auf der Tastatur* Die Powerbook-Tastatur wird nicht vernünftig unterstützt, also muss man sich eine Datei ins Home-Verzeichnis legen unter dem Namen _.Xmodmap_. Da Alt unter Linux als Meta-Key benötigt wird, und die Apfel-Taste beschäftigungslos ist, und eine unterschiedliche Tastaturbelegung auf unterschiedlichen Systemen die geistige Flexibilität bis ins hohe Alter erhält, habe ich die Sonderzeichen wie »[]|{}@« auf die Apfel-Taste umgelegt, die _.Xmodmap_:
	keycode 13 = 4 dollar dead_tilde
	keycode 14 = 5 percent bracketleft
	keycode 15 = 6 ampersand bracketright
	keycode 16 = 7 slash bar
	keycode 17 = 8 parenleft braceleft
	keycode 18 = 9 parenright braceright
	keycode 20 = ssharp question backslash
	keycode  94 = less greater bar
	keycode 115 = Mode_switch
	keycode 46 = l L at 
	keycode 57 = n N dead_tilde 
Je nach verwendetem Window-Manager wird die .Xmodmap evtl. nicht gelesen, dann muss man mit einem _xmodmap ~/.Xmodmap_ in einem Terminal nachhelfen. *Hässliche Schriften* Die Standardschriften im Browser sind einfach unbeschreiblich abscheulich. Mit den "Informationen aus dem Gentoo-Wiki":http://en.gentoo-wiki.com/wiki/X.Org/Fonts kann man Abhilfe schaffen. Ein _emerge world_, wie dort empfohlen wird, habe ich aber nicht ausgeführt, denn das hätte zu einem tagelangen Rekompilieren des gesamten Systems geführt. *Sound* Töne möchte man auch gerne hören. Ist aber nicht so einfach, natürlich. In der Kernel-Config »ALSA« (Advanced Linux...) aktivieren, PowerPC-Sound-Devices in den Kernel einbauen und »Apple Onboard Audio Driver« als Modul erstellen. Drauf achten, dass das Modul snd_powermac durch einen Eintrag in /etc/modules.autoload.d/kernel-2.6 beim Systemstart geladen wird. Alsa-Mixer mit emerge installieren und schauen, dass der Ton nicht stumm geschaltet ist, was er als Standardeinstellung aus welchem Grund auch immer stets ist… *WLAN* Eine einzige Katastrophe, offensichtlich gibt es hier seit 2003 nur marginalen Fortschritt zu verzeichnen. Das "PowerPC-FAQ von Gentoo gibt nur eine marginale Hilfestellung":http://www.gentoo.org/doc/en/gentoo-ppc-faq.xml#airportextreme, man muss dann "hier im Forum weiterlesen":http://forums.gentoo.org/viewtopic-t-409194.html und "mit obskuren Tools mit Firmware rummachen":http://linuxwireless.org/en/users/Drivers/b43?action=show&redirect=en%2Fusers%2FDrivers%2Fbcm43xx und dann die systemunabhängigen Ratschläge "im Handbuch beachten":http://www.gentoo.org/doc/en/handbook/handbook-ppc.xml?part=4&chap=4. Das hat dann irgendwie tatsächlich funktioniert. Und Hände weg von grafischen Tools wie NetworkManager, der stundenlang kompiliert, um dann die Einstellungen des obskuren »WPA-Supplicant« zu zerstören. Oder gar »wicd«, der für überhaupt keine Konnektivität mehr sorgt, sondern mit D-BUS-Fehlern glänzt. Man arbeitet lieber mit _iwlist wlan0 scanning_ im Terminal, das funktioniert besser und zerstört nichts. *Epic FAIL* Was überhaupt nicht funktioniert: Der »Sleep-Modus«, _hibernate_ und Co. führten nur zum Einfrieren des Rechners. Ärgerlich, aber verkraftbar, da der Rechner mit Gentoo innerhalb eineinhalb Minuten hoch- bzw. runter fährt. Und es gelang mir nicht, das USB-Kernel-Geschlonz samt gphoto davon zu überzeugen, Bilder von meiner Powershot G5 herunter zu laden. Und es gibt kein Flash und kein AIR, da Adobe nichts für Linux auf PowerPC anbietet, das sind die Freuden proprietärer Pseudo-Standards. Und auch keinen brauchbaren Twitter-Client, da ohne Gnome, KDE und Adobe-AIR einfach nichts Brauchbares im Gentoo-Angebot steckt. h5. xfce Da mir fluxbox doch zu minimalistisch erschien, habe ich mir zum guten Schluss noch die Pakete des Window-Managers "xfce":http://www.xfce.org/ besorgt: _emerge xfce4 xfce4-mixer_. Dessen Kompilierung dauert dann auch »ein wenig«, ist aber problemlos. xfce ist resourcenschonend, aber trotzdem in Verhalten und Optik einem richtigen Computer ähnlich und sieht auch leidlich hübsch aus: flickr-Bild: Gentoo with xfce on a Powerbook G4 h5. Praxiseinsatz Diese Woche war das kleine Powerbook dann unterwegs im Einsatz. Hat gut funktioniert, das episch kompilierte Gentoo läuft rasend schnell und ist auch beim Offenhalten eines Firefox mit 10 Tabs sehr genügsam, im typischen Einsatz benötigt es nicht mehr als etwa 300 MB RAM. Und das grausame WLAN-Gefrickel buchte sich tatsächlich automatisch in die verfügbaren Hotspots ein, einem technischen Wunder gleich. h5. Fazit Eigentlich ist der Einsatz von Gentoo grotesk, jede Installation kann den Rechner für Stunden beschäftigen, vieles was selbstverständlich funktionieren müsste, erfordert ewige Frickeleien. Ohne meine 14 Jahre Linux-Erfahrung und dem reichhaltigen Refugium Google wäre ich daran grandios gescheitert. Der Frickelfaktor beim Einsatz von Linux auf einem Notebook ist auch 15 Jahre nach Erscheinen des Linux-Kernels 1.0 unverändert hoch, zumindest mit Gentoo und einem Powerbook. Auf der »Haben-Seite« steht ein flottes System mit einer Grundausstattung für den elementaren Bedarf, ein »Eigenbau-Netbook«, dass dem kleinen Powerbook neues Leben einhaucht.

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