2.0 tötet die große Form

Bloggen ist auf dem absteigenden Ast. Es wird getwittert, getumbled oder alles in einen großen Feed geworfen. Die große Form aber, der durchdachte brilliant polemische subjektive erkenntnisfördernde Blogeintrag, ist irgendwie »weg«.

Dieses Bild da oben ist übrigens »voll die Visualisierung«, dachte ich mir, als ich nach einem Dekobild gesucht habe.
»Stricken« steht für die funktionierenden vitalen thematischen Nischen der Blogwelt, die Tonne davor für den Rest, das allgemeine traditionelle rundverlinkende Bloggen-Bloggen. Es beschweren sich ja sogar schon die ersten Barcamp-Veranstalter, dass zu wenig gebloggt wird. Und der Durchgang, da weiss man halt nicht wo es hin geht, was ist hinter der Mauer? Aber man muss durch, wenn man nicht in die Tonne hüpfen will.

Genug problematisiert, die unangekündigte Sommerpause, in dem nur die an ihre Eintragsfrequenzmindestanforderung geketteten Kommerzblogger das thematische Nichts des Netzgeschehens mit Einträgen aus den Tonnen da oben gefüllt haben, ist nun mal langsam beendet.
Rinjehauen, losgebloggt! Rettet die große Form des digitalen Publizierens. Oder ist 140 Zeichen alles, was wir noch zu Stande bringen, wenn uns nicht die Knute des Kommerzes zum Schreiben zwingt?

weblogs problematisieren web2.0

Frische Sonnenseiten!

Webkrauts können auch anders! Nicht immer müssen wir der »großen Full-Service-Multimedia-Agentur von nebenan« ihre erbarmungswürdige Code-Wüste um die Ohren hauen!
Deshalb gibt es nun eine schöne neue Sommer-Serie mit dem ebenso schönen Titel »Sonnenseiten«. Den Auftakt macht Kollege Nicolai und widmet sich der Begrüßung.

Auch von mir wird es dort demnächst etwas Lobendes zu lesen geben. Und von vielen anderen berühmten Webkrauts. Also auf, Lesen über die Sonnenseiten des Webs!

webkrauts webstandards

Adminpedia?

Sehr schöner süffisanter Artikel der futurezone – »Im Reich der Wikikraten«:

»Und Qualitätssicherung, so der promovierte Mathematiker [Wikimedia-Vorstandsmitglied Philipp Birken, RG], habe für ihn vor allem etwas mit Löschen zu tun. [..] In letzter Instanz entscheiden die 200 Administratoren über den Verbleib eines Artikels; meist Männer, alleinstehend, zwischen 20 und 35 Jahre alt […].«

Es ist mein Eindruck, dass viele der in Wikipedia aktiven »Löschfreunde« dort Kompensation, für was auch immer, suchen. Wikipedia ist auf einen unguten Weg. Und das nicht nur wg. der Löschfreudigkeit, kommerzielle Aktivitäten und Personalrochaden mit »Geschmäckle« kommen hinzu. Es scheint, dass die besten Zeiten der Wikipedia vorbei sind und sie sich auf einem durch ihren eigenen Erfolg begründeten Weg in den Abgrund befindet. Die Spiegel-Bertelsmann-Geschichten sind nur eine »Geschmackssache«, das wirkliche Problem sind die »Männer, alleinstehend, zwischen 20 und 35«, die sich mit ihrer administrativen Macht eine Wikipedia nach ihrem Gutdünken formen.

wikipedia adminpedia

»Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.« Zum 80. Geburtstag von Ernesto Che Guevara.

Heute, am 14. Juni, wäre Ernesto »Che« Guevara 80 Jahre alt geworden, wenn ihn nicht die Büttel des so genannten »Freien Westens«, die von der CIA tatkräftig unterstützten Regierungstruppen der bolivianischen Militärdiktatur, am 9. Oktober 1967 ermordet hätten. So wurde Che, nicht zuletzt durch das legendäre Foto von Alberto Korda, in den 60ern, 70ern und 80ern eine Ikone des Aufbegehrens gegen die verkrusteten Strukturen des »Freien Westens«. Und dann schließlich in diesem Jahrtausend vorwiegend eine Pop-Ikone, die von unpolitischen jungen Leuten auf ihrem T-Shirt spazieren getragen wird, ohne dass sie auch nur den leisesten Schimmer hätten, wer das ist und wofür er stand. Die Konsumgesellschaft rezipiert halt nur noch ironisierend oder stilisierend.

Che dient darüber hinaus aber auch heute noch als Reibungs- und Projektionsfläche für das konservative Spektrum. Exemplarisch dafür ist das Essay des bei seinem politischen Flankenwechsel, von ganz links außen kommend, mittlerweile an der rechten Seite bei Springers WELT angekommenen Thomas Schmid. Comandante Che als Ventil zur nachträglichen Abrechnung mit den eigenen Jugendsünden.

Selbstverständlich darf man das Wirken Ches, wie das jeder historischen Figur, nicht losgelöst von seiner Zeit betrachten. In den 50ern und 60ern gefiel sich der »Freie Westen« in seiner antikommunistischen Hysterie in der Unterstützung von dem Kapitalismus wohl gesonnener brutaler Militärdiktaturen in Südamerika. Nur in diesem Kontext ist seine Härte im Umgang mit Gegnern der Revolution zu verstehen und zu bewerten, und nicht aus der heutigen Perspektive des mit der Welt in seinem Laptop verbundenen Couchtheoretikers des globalisierten Kapitalismus, der mit dem Ende des Staatssozialismus in Osteuropa auch den Lauf der Geschichte für abgeschlossen hält und sich nun anschickt, die Geschichte des 20. Jahrhunderts und seine Akteure nachträglich in »Gut« und »Böse« einzuteilen. Weil bekanntlich immer der Sieger die Geschichte schreibt.

Che mahnt uns mit der ganzen gnadenlosen Härte und Konsequenz seines Handelns dazu, sich auch im 21. Jahrhundert nicht mit einer ungerechten Welt abzufinden, sondern an einer besseren zu arbeiten. In diesem Sinne: Cumpleaños Feliz, Comandante!

Noch ein paar Links:

[Bild: Wikimedia Commons]

che ernestoguevara revolution

Netztand IV: snackr

snackr ist so ein recht obsoletes RSS-Dingen auf der Basis von Adobe AIR. Nichts Schlimmes, aber es ist offensichtlich ein Bastelprojekt, denn es zerstört Logfiles mit seinem nicht-RFC-kompatiblen Referrer-Feld namens »app:/Snackr.swf« (Zitat RFC):

»The Referer field MUST NOT be sent if the Request-URI was obtained from a source that does not have its own URI, such as input from the user keyboard.«

Mein diesbezügliches An-Twittern des Enwicklers brachte nichts, darum muss Strafe sein, und wer möchte denn nicht wenigstens einmal im Leben ein RFC-Pedant sein? ;)

Man nehme in seiner .htaccess folgende Einstellungen vor:

SetEnvIfNoCase Referer "app:/Snackr.swf" amateur
<FilesMatch "(.*)">
Order Allow,Deny
Allow from all
Deny from env=amateur
</FilesMatch>

snackr netztand rss

Geschwindigkeit als Tugend 2.0

Wann immer in der Welt etwas Schlimmes passiert, trompetet es durch das Netz: »Jaaaa, wir hier im Web 2.0 sind ja soooooo viel schneller als diese ganze komischen langsamen Hanseln in den alten Medien.« Twitter, everybody’s web darling – zumindest, wenn es gerade nicht an Skalierungsschmerzen leidet – wird in diesem Zusammmenhang stets besonders lobgepriesen. Ob Erdbeben in China oder Rauch über Berlin, über Twitter erfährt man sofort davon.

Die Frage ist nur: Was habe ich davon, ist Geschwindigkeit überhaupt eine unumstrittene Tugend auf dem weiten Feld der Information?

Rückblende: 2002, der so genannte »11. September« war noch frisch. Drei- bis viermal im Monat gab es auf dem (oft auch »so genannten«) Nachrichtensender n-tv ein journalistisch entwürdigendes Spektakel zu bewundern. Wann immer in den USA irgend etwas passierte, bspw. ein brennendes Auto an einem Flughafen (was dann letztendlich nur ein Unfall war), wischte n-tv sein Programm beiseite und hing sich, ganz Zweitverwerter, an die stundenlangen Übertragungen der sensationslüsternen amerikanischen TV-Networks, offenkundig von der Hoffnung beseelt, das »nächste große Terror-Ding« live auf dem Sender zu haben. Letztendlich aber wurde eine Menge Sendezeit für irrelevantes Zeug geopfert.

Zurück in das Jetzt. Es ist die Zeit des »benutzererzeugten Inhalts«, und wenn Frau oder Herr Bürger, ausgestattet mit technischem Equipment zur direkten Übertragung in Ton, Wort und Bild, etwas Aufregendes erlebt, so geben sie in der Regel dem Drang nach, der Welt davon zu erzählen. Und in den Zeiten 2.0 kann man »der Welt davon erzählen« durchaus wörtlich nehmen.

Aber es hat einen guten Grund, dass nicht für alles und jedes die Programme unterbrochen werden: Es geht nicht nur um Geschwindigkeit, sondern auch um Fakten sammeln und Einordnen des Geschehens. Ohne natürlich die Opfer verhöhnen zu wollen (man weiss ja, alle kriegen alles in den falschen Hals), aber es ist egal, ob ich von einem Erdbeben in China jetzt, in der nächsten Tagesschau oder erst am nächsten Morgen aus der Zeitung erfahre. Dass Twitter schnell ist, ist schön. Aber wertlos, so lange der Bürgerjournalimus 2.0 nicht einordnet, sondern lediglich die »Klein-Fritzchen erlebt auch mal etwas Aufregendes«-Perspektive durch die technischen Möglichkeiten in die ganze Welt befördert. Das Glorifizieren der Geschwindigkeit ist lediglich ein Berauschen an der plötzlich zufallenden technischen »Macht«.

So weit, so gut. Man muss lernen, im Kult des Schnellen Dinge zu ignorieren.
Was aber viel schlimmer ist: Dieses »schnell schnell, was Aufregendes!«-Gehabe ist schon lange auf den »richtigen« Journalismus übergesprungen. So krass, dass sich die deutschen Auslandskorrespondenten in einem Buch über diese Mentalität beschweren. Ein Zitat aus dem FR-Artikel darüber:

»So berichtet Jörg Armbruster, der bis 2005 für die ARD im Nahen Osten war, wie ihn ein Tagesschau-Redakteur aus dem Bett klingelte. Gegen zwei Uhr morgens habe der von einem Anschlag erzählt. Eine Diskothek brenne, Hotels seien zerstört und westliche Touristen getötet worden. ›Mein Einwand, ich müsse mich erst einmal informieren, zählte wenig‹, schreibt Armbruster. Hamburg habe ihm die ersten Informationen einfach durchgegeben, die er dann als ›Jörg Armbruster live aus Kairo‹ ausgab.«

So läuft das, und das ist untragbar. Kann man das Werten von Geschwindigkeit als Primärtugend den Laien im Web verzeihen, geht das bei Journalisten nicht. Geschwindigkeit mag eine Tugend sein. Aber Informationsqualität ist auch eine. Und nicht einmal die unwichtigere. Es ist an uns Zuschauern, diese Qualität einzufordern und zu honorieren.

weblogs journalismus web2.0

Ein Besuch am Karl-Marx-Monument

Karl-Marx-Monument

Wenn ich eine Stadt besuche, kann man davon ausgehen, dass das berühmteste Gebäude gerade renoviert wird und deshalb verhüllt ist. So sah es auf dem ersten Blick auch in Chemnitz aus, als ich das Karl-Marx-Monument besuchen wollte, dass schon vor vielen Jahren in meiner kindlichen Briefmarkensammlung einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte.

Prompt war das Monument natürlich von einem Gerüst umgeben. Dieses Mal wird aber nicht renoviert, sondern Kunst geschaffen. Denn aus den Rohrstreben rund um das steinerne Abbild des Trierer Philosophen entsteht das »Temporary Museum Of Modern Marx«. Am 7.6.08 soll es dann fertig errichtet und besuchbar sein, das temporäre Museum um den dann verhüllten Marx-Kopf. Christo lässt schön grüßen. Mit einem auf den ersten Blick etwas dünnen theoretischen Überbau (vgl. diese Pressemeldung) soll die Aktion »zur Auseinandersetzung mit den Ideen von Karl Marx und der künftigen Stadtgestaltung von Chemnitz anregen« (Zitat Pressemeldung).

Randnotiz: Erschreckend ist, dass die Projektbeteiligten uns tatsächlich eine Website zur Aktion vorsetzen, deren Text allen Ernstes komplett aus Bildern zusammen dilettiert wurde. Hoffen wir mal für die Besucherinnen und Besucher, dass die Aktion selbst handwerklich sauberer ausgeführt wird…

chemnitz karl-marx-monument skulptur

Die Unendlichkeit im Endlichen: Endlose Seiten

Rolle

Mein »Alles-Web-2.0-Live-Stream« namens »Panta Rei« ist nun, dem taufrischen »Endless Page Plugin« für Rails sei Dank, als »endlose Seite« implementiert. D.h., es gibt keine Paginierung à la »Suchmaschinenergebnisseite«, sondern es werden automatisch per »Ajax« Artikel nachgeladen, wenn Mensch vor dem Schirm zum unteren Ende der Seite vorgedrungen ist.

Dieses »Endless Pageless« genannte Pattern tauchte erstmals mit dem Humanized Reader auf und wurde schon 2006 von Peter Forde beschrieben. Heutzutage ist es auch bei soup.io zu bewundern, und, wie gesagt, nun gibt es auch ein schmuckes Rails-Plugin.

Wie ist das Meinungsbild da draußen an den Geräten für den Einsatz von endlosen Seiten, sinnvoll oder sinnlos?

ruby rails endlesspageless ajax dev endless

In diesem Krieg sind alle Tricks erlaubt

Bild: great patriotic war 2

[Bild: »great patriotic war 2« – axiepics@flickr CC by-nc-nd, Thanx!]

In Deutschland tobt ein Krieg! Es wird um die Zukunft der überkommenen Medien im Web gekämpft. Verleger, Öffentlich-Rechtliche Sender und die gewählten Regenten dieser Republik sind der Ansicht, dass im Web jetzt mal »Schluss mit lustig« ist und Regulierungen her müssen. Politiker regulieren gerne, und die Verleger freuen sich stets über Regulierung, wenn sie ihren ökonomischen Interessen dient. Deshalb verläuft die Front derzeit zwischen der gemeinsamen Heeresleitung von Verlegern und Ministerpräsidenten (vor allem schwarzer politischer Couleur) auf der einen und den Öffentlich-Rechtlichen Sendern auf der anderen Seite. Die mögen zwar auch Regulierung, aber anders, sehen sie sich doch als Gralshüter des »Schönen Wahren Guten« gegen die fiesen kommerziell motivierten Meinungsmachtkonglomerate der Verleger.

Die Verleger führen den Kampf mit den ihnen zur Verfügung stehenden publizistischen Bodentruppen, besonders hervor tat sich dabei die FAZ, die seit Monaten mit tendenziösen Artikeln wie diesem die Öffentlich-Rechtlichen (ÖR) unter schweres Artilleriefeuer nimmt. Dass diese, insbesondere mit dem GEZ-Unwesen, mitunter ein leichtes Ziel abgeben, ist zwar wahr, ändert aber nichts an Schussrichtung und Motivation der Angriffe.

Gestern abend (30.4.08) schlug die ARD mit einem gezielten Raketenangriff zurück. Im Beitrag »Quoten, Klicks und Kohle« wurde über den Schatten des für die ÖR typischen Abwägungsgebot gesprungen und eine volle publizistische Breitseite abgefeuert. Nach dem bei »Wortfeld« zu lesenden durchgesickerten Entwurf eines neuen Rundfunkstaatsvertrag sollen die Aktivitäten der ÖR auf reine Sendungsbegleitung gedeckelt werden, was den Abschied für Angebote wie tagesschau.de bedeuten würde. Den Verlegern sind die Nachrichtenangebote der ÖR ein Dorn im Auge, denn wer sich dort umfassend informiert, besucht nicht mehr die ebenso seriösen wie informativen Klickstrecken von Angeboten wie welt.de, um dort als Klickvieh Seitenabrufe zu generieren. Der ARD-Beitrag nahm sich dem Thema auf unterhaltsam polemische Weise an und unternahm eine Reise durch die schöne neue Welt der Verleger im Web.

Die Botschaft zusammen gefasst: Die Verleger wollen die ÖR im Web weg haben. Der gesetzliche Informationsauftrag der ÖR ist in Gefahr, wenn sich die Bürgerinnen und Bürger nur noch auf den niveauärmeren privaten Angeboten »informieren«. Autor Thomas Leif besuchte mit der Kamera die Chefs und Redaktionen der Verleger-Angebote im Web, und deren Motivation wurde hervorragend herausgearbeitet. Die Verleger merken, dass die alten Medien Seher und Leser verlieren und wittern nun im Web das Geschäft. Hier können sie expandieren, nun auch Fernsehen machen, das sie aber lieber »Videojournalismus« nennen, denn Fernsehen in Deutschland unterliegt bekanntlich strengen Regeln. Zuschauer, die lieber auch im Web den (m.E. im großen und ganzen hervorragenden) Journalismus der Tagesschau aufrufen, statt sich den etwas einfältigen »User-Generated-Häppchen-Content« à la Zoomer rein zu ziehen, stören das Geschäft.

Apropos, besonders unterhaltsam war der Besuch bei zoomer.de. Fremdschämen war angesagt als ein Zoomer-Redakteur befragt wurde und eigentlich nicht so recht wusste, was er bei Zoomer so treibt. Und es gab einen unrühmlichen Auftritt von Mercedes Bunz, Online-Chefredakteurin des Tagesspiegels (von Holtzbrinck, die auch hinter Zoomer stehen), die Leif mitteilte, dass sie alles, was die ARD dort gedreht hat, vor der Veröffentlichung erst kontrollieren möchte. Im Schützengraben des publizistischen Stellungskriegs redet man halt anders als auf den Podien der »Web-Yeah-User-Super-Freiheit«-Zusammenkünfte dieser Republik, das war die ganz alte Schule…

Leider gibt es den Beitrag (noch?) nicht komplett online zu sehen Den Beitrag kann man online anschauen (links, »Herunterladen«), auf der Website zum Film kann man auch nur einige der im Film gezeigten Interviews anschauen.

Der Staatsvertrag ist so nicht akzeptabel, darum stimme ich Netzpolitik zu, dass die Ministerpräsidenten ein wenig bearbeitet werden müssen. Das Web ist groß, es ist Raum für die benutzergenerierten Infohäppchen für die Pisa-Generation, Tennis-Spielerinnen-Po-Klickstrecken »seriöser« Zeitungen als auch bewährte Qualität à la Tagesschau. Auf keinen Fall darf das Web den Verlegern, die mit ihren regionalen Konglomeraten in vielen Regionen sowieso ein Print-Meinungsmonopol haben, als publizistisches »Geld-Verdien-Reservat« per Staatsvertrag zugeschlagen werden. Wenn wir ÖR wollen, muss es sie auch in der gewohnten Form im Web geben, die Verleger haben sich dieser Konkurrenz zu stellen.

Wer in diesem Krieg gar nicht vorkommt, sind wir, die wir »Web-2.0-mäßig« Inhalte unterhalb des Radars erzeugen. Das ist nicht das Schlechteste. Denn in einem Punkt sind sich die Kriegsparteien einig: Das mit dem Web jeder einfach so, am Ende auf eigene Rechnung und mit eigenen Produktionsmitteln, seine Inhalte einstellen kann, das geht auf keinen Fall…

journalismus web2.0 tv onlinejournalismus

Barcamp Offenburg

Barcamp Offenburg

Mein letzter Barcamp-Besuch ist schon anderthalb Jahre her, bei den in Frage kommenden Veranstaltungen seit der deutschen Barcamp-Initialzündung damals in Berlin kam stets etwas dazwischen. Also war es mal wieder höchste Zeit, da kam das Barcamp Offenburg, nicht weit vom Karlsruher »uninformation-HQ« entfernt, gerade richtig.

Zunächst mal ein großes »Danke schön« an das Orgateam, den Gastgeber Burda und die Sponsoren. Wir Barcamper wurden auf das Allerbeste versorgt mit Nahrung, Getränken, WLAN, einem Dach über den Kopf und einem für den plötzlichen Frühlingsausbruch im Badnerland perfekt passenden lauschigen Garten.
Wie sagen die jungen Leute: »Orga-Team, ihr habt gerockt!« ;)

Barcamp Offenburg

Der organisatorische Rahmen war also perfekt bereitet, es lag an den Barcampern, gemäß der ehernen Barcamp-Regel »keine Zuschauer, nur Teilnehmer« etwas daraus zu machen. Was nach meinen Eindrücken gelungen ist. In den Sessions, an denen ich teilgenommen habe, gab es einen regen fachlichen Austausch und niemand nutzte die Gelegenheit als Vehikel für irgendwelche Werbeaktionen für eigene Unternehmungen, was Barcamps bekanntlich gerne von denen, die gar nicht da waren, unterstellt wird. Im Gegenteil, in allen Gesprächen war eine Freude am freien Austausch zu spüren. Auch am Sonntag, als es spürbar leerer wurde, füllte sich die Session-Wand ziemlich schnell mit interessanten Themen. Und auch das Vergnügen bei informellen Gesprächen im Garten kam nicht zu kurz. Fazit: Ich war eigentlich ohne konkrete Erwartung angereist und angenehm überrascht, so macht das Spaß.

Da mich unter dem Motto »Meine Daten sind meine Daten« das Thema »Ausbruch aus den umzäunten Mauern der kommerziellen Social Networks« gerade interessiert, hatte ich kurzentschlossen eine unvorbereitete Session zum Thema »Freie soziale Netzwerke« vorgeschlagen, die zu einem interessanten Austausch wurde. Das Thema ist im Moment Objekt vielfältiger Bemühungen, Stichworte sind dazu bspw. Open Social, DataPortability oder OpenID und Werkzeuge wie OAuth, FOAF, xfn, APML und die Grundidee des »Semantischen Webs«. Es wurde beklagt, dass die großen »Player« in üppig besetzten Gremien gewaltige Dokumente verfassen, statt ein wenig »agiler« zu denken und mit den vorhandenen Werkzeugen und Möglichkeiten erst einmal zu starten. Wenn etwas implementiert wie, wie z.B. OpenID bei Yahoo!, dann ist das halbherzig. So kann man z.B. Yahoo! als OpenID-Provider benutzen, sich dort aber nicht mit einer außerhäusigen OpenID einloggen. Beides gehört aber eigentlich zusammen.
Es gibt auch Ansätze für freie Vernetzung von unten, wie das Projekt Noserub, das aber noch in den Kinderschuhen steckt. Man darf gespannt sein, ob und was aus diesem Mix aus Technologien und Organisationen entstehen wird und wer mitspielen wird. Ein Thema, wo man dran bleiben und mal etwas experimentieren muss.

Wer nun beim Lesen auf den Barcamp-Geschmack gekommen ist: Nach dem Barcamp ist vor dem Barcamp, bei Medienrauschen gibt es eine Übersicht über die im deutschsprachigen Raum geplanten nächsten Barcamps. Und fürchten muss sich davor keiner, Johannes gibt eine Hilfestellung für Anfänger, und beim Elektrischen Reporter kann man schauen, wie es da so zu geht.

Und natürlich nicht die Regeln vergessen: »Regel 1: Du sprichst über ein BarCamp. Regel 2: Du bloggst über ein BarCamp.« Wer sich dran gehalten hat ;), kann man im Barcamp-Wiki nachlesen.

[Nachtrag 29.04.08] Im »seriösen Filial-Blog« gibt es eine Zusammenfassung einer weiteren interessanten Session zum Stand der Dinge in Sachen Web-Video.

barcampoffenburg bcog barcamp offenburg web2.0

0x64

Meine Lieblingsbank im Hardtwald

Den 100. Artikel in uninformation.org widme ich hiermit feierlich meiner Lieblingsbank im Karlsruher Hardtwald, die ein unbekannter Künstler mit dem Antlitz meines uneingeschränkten Lieblingsministers verschönt hat…

Übrigens: Im ersten Blog, damals, Anno 2002, dauerte es nicht einmal 2 Monate, bis die 100 Artikel geschrieben waren. Hier waren es nun 16 Monate. Allerdings: Früher hatte man ein Weblog und sonst nichts. Es gab ja nichts, mit Kartoffelstempeln haben wir Botschaften in 140 Zeichen an Hauswände getwittert.

Heute produziert man in den vielfältigen Wirren des so genannten »Web 2.0« Inhalte an vielen vielen digitalen Orten, die damals ein eigener Blogeintrag gewesen wären. Und weil man eben nun, Anno 2008, sich so dezentral fühlt, versucht man, diese Dezentralität der eigenen Online-Persona mit Eigenbauten oder einem weiteren dezentralen Dienst wie Friendfeed wieder zu zentralisieren.

Ziemlich komisch eigentlich, ist es nicht?

photo stasi2.0

Rails-Konferenz 2008. Anmelden. Jetzt!

Rails-Konferenz 2008

Wie schon mal erwähnt, am 10. Juni gibt es die dritte Auflage der Rails-Konferenz in Frankfurt (und tags zuvor, am 9. Juni einen Workshop-Tag). Das ist bekanntlich die einzige Rails-Konferenz in deutscher Sprache.

Seit gestern ist auch die Anmeldung (Preise) eröffnet. Wie auch schon mal erwähnt, ich war bei den beiden ersten Auflagen als zahlender Kunde dabei, es hat sich gelohnt, wurde ich nicht dümmer von… ;)

Disclosure: Ich kenne eine der Organisatorinnen recht gut, und bin auch für digitale Hilfsarbeiten der Organisation eingespannt.

rails ruby railskonferenz frankfurt dev