re:publica 09

flickr-Bild: Ruhe vor dem Sturm

Auch in diesem Jahr sind wir wieder bei der re:publica in Berlin dabei. Bekanntlich ist diese noch ein mal gewachsen und präsentiert sich dieses Jahr im großen Rund des Friedrichstadtpalast, wo sonst Revue-Girls die Beinchen schwingen.

flickr-Bild: Publikum lauscht einer weißen Gestalt

Gleich zum Auftakt gab es »schwäre Kost, Vitali«, als Blogforscher John Kelly das weite Rund in ein Stahlgewitter aus Powerpoint-Folien schubste.

Das Programm findet man hier, es gibt einen Livestream, es wird von hier getwittert, und wenn es im Stahlgewitter Überlebende gibt, bloggt sogar mal wieder einer richtig von hier, so wie früher, als sich Erschöpfung noch nicht nach 140 Zeichen breit machte. Und während die Blog-und-Zwonull-A-Promis die ersten Autogramme geben, stürzen wir uns wieder in das Getümmel…

republica rp09 republica09

Gentoo-Linux auf dem Powerbook G4, oder: Wenn dem Mac-Benutzer zu wohl wird...

Warum denn das?

Der Schreiber dieser Zeilen war von 1994 bis 2003 vornehmlich mit Linux unterwegs. Geswitcht wurde damals vor allem, weil in Sachen »Notebook und Linux« bspw. die Rumfrickelei mit ndiswrapper-Skripten und dem Herausfinden des Chipsatzes einer WLAN-Karte für das Benutzen eines Computers im 21. Jahrhundert völlig unangemessen erschien. Und das habe ich nie bereut, der Mac ist und war die perfekte Plattform für meine Arbeit, er funktioniert einfach.

Mein schönes altes Powerbook G4 aber, dass noch stets als mein Zweitgerät für Reisen und Konferenzen aller Art am Start ist, wird demnächst von Apple offiziell zum alten Eisen erklärt. Man bemerkt schon, dass Apple einen rigorosen Strich ziehen möchte. Der »Snow Leopard« wird Gerüchten zufolge keine Unterstützung mehr für Power-PC-Prozessoren enthalten, und der aktuelle Leopard und neuere Programme überfordern das kleine Powerbook mit seinen 867Mhz und 640 MB RAM ein wenig. Man sieht trotz leistungsfördernder Massnahmen wie das Deaktivieren von Spotlight fast so oft den Strandball wie auf vergurkten Windows-Kisten die Sanduhr. ;)

Also entstand die Idee, mal wieder ein wenig in die nerdige Welt des Betriebssystem-Frickeln abzutauchen und das kleine Powerbook mit einem alternativen, schnelleren Betriebssystem für den Alltags-Bedarf unterwegs zu versehen.

Der Power-PC, das Stiefkind der Distributionen

Mein Lieblingslinux Ubuntu wäre eigentlich erster Kandidat dafür gewesen, aber PowerPC-Rechner werden seit Ausgabe 6.10 nicht mehr unterstützt, es gibt nur noch einen inoffiziellen veralteten Release, der schon beim Boot von CD abstürzt. Danke, Herrschaften, so viel frickeln wollte ich dann auch wieder nicht. ;)

Nach ein wenig Herumschauen blieb als ernsthafte halbwegs aktuelle Alternative nur noch die »Linux-Distribution für Masochisten«, Gentoo, übrig. Auch das hatte ich einst schon mal im Einsatz, war dann aber nach dem ersten Ubuntu-Release gewechselt, weil die ewige Kompiliererei für alles und jedes eigentlich ein Witz ist. Auf dem PowerPC stellt sich gerade das als Stärke heraus. Da nicht irgendwer eine Binärdistribution erzeugen muss, steht für fast alles, was man so braucht, ein Paket zur Verfügung.

Installation

Frisch ans Werk, mit einem Boot von der Leopard-DVD wurde die Festplatten-Partition von Mac OS X um 15 GB verkleinert, das funktionierte wunderbar ohne Datenverlust.

Dann besorge man sich die Installations-CD für ppc/ppc64 und boote das Powerbook durch das Halten der »C«-Taste beim »Tataa« von der Installations-CD. Es folgt der mühsame Part, grafische Installation und ähnliches neumodisches Zeug gibt es nicht. Die Installation von Gentoo läuft noch wie im letzten Jahrhundert mit der Eingabe einer Myriade von Kommandozeilen-Befehlen ab. Man halte sich sklavisch an die Installationsanleitung der Online-Dokumentation, dann klappt die Installation ohne größere Probleme. Dabei nicht vergessen, ein Ethernet-Kabel an das Powerbook zu hängen.
Und bei der Erstellung des Kernels unbedingt die manuelle Methode verwenden, die genkernel-Prozedur funktioniert nämlich nicht.
Und auf gar keinen Fall die plausibel klingende Tastaturbelegung »mac-latin-1« verwenden, diese führt zum kompletten Chaos auf allen Tasten und der Notwendigkeit, von der CD zu booten, die Festplatte zu mounten und die Tastaturbelegung wieder auf »de-latin-1« umzustellen…

Grundkonfiguration

Nach dem ersten Boot mit dem neuen System steht man vor einem nackten Terminal-Login. Nun ist man noch lange nicht fertig, denn wir wollen ja auch eine grafische Oberfläche haben. Was es bei der Konfiguration der einzelnen Komponenten zu beachten gibt, steht im Gentoo Linux/PowerPC-FAQ.

Es wurde zunächst einmal nach dem X-Server-Konfigurations-HOWTO der X-Server eingerichtet und als Window-Manager Fluxbox installiert. Für das Alu-Powerbook G4 aus dem Baujahr 2003 verwendet man übrigens den »nv«-Videotreiber. Nach der Eingabe der entsprechenden emerge-Kommandos stellt man dann das Powerbook erst einmal ein paar Stündchen in die Ecke, denn das ganze Zeug muss nun erst einmal aus dem Code kompiliert werden. Am Ende stand dann ein funktionierendes grafisches System mit fluxbox, ein wenig »gepimpt« mit dem GSM-Theme.

flickr-Bild: Gentoo with fluxbox on a Powerbook G4

Software besorgen

Man braucht natürlich auch eine Software-Grundausstattung für den Unterwegs-Einsatz, als da wäre:

  • Firefox als Webbrowser: emerge firefox. Stundenlange Kompilierung.
  • mutt als E-Mail-Client für Zugriff auf den E-Mail-Server: emerge mutt. Als grafische Alternative claws.
  • Der Midnight-Commander für Dateimanagement: emerge mc.
  • mpg123 als MP3-Player für die Konsole: emerge mpg123.
  • vlc für Streams, Video und sonstigen Bedarf an Tönen und Bewegtbildern. Damit der auch etwas Abspielen kann, muss vlc per USE-Flags auf alle denkbaren Formate vorbereitet werden:
    USE=“aac altivec dvd flac id3tag matroska mmx mp3 mpeg ogg skins stream theora vorbis win32codecs x264” emerge vlc.
    Stundenlange Kompilierung folgt.
  • Als kleines Gadget für die Anzeige des Batteriestands, CPU-Auslastung etc., gkrellm: emerge gkrellm gkrellm-themes gkrellm-pmu.
  • Psi für Jabber: emerge psi.
Problemzonen

Wie sich das für ein ordentliches Frickel-Linux gehört, funktioniert natürlich außer den Basisfunktionen nichts »einfach so«.

Trackpad und die drei Maustasten

Das Trackpad hat natürlich keine rechte Taste, und die Sache mit »Ctrl-Klick« ist eine Funktion von Mac OS X, nicht der Hardware. In den weiten des Webs findet sich ein Würgaround, nämlich das Legen von Maustaste 3 und 2 auf die Funktionstasten F11 und F12, dazu schreibt man in /etc/sysctl.conf an das Ende:

	dev/mac_hid/mouse_button2_keycode=87
	dev/mac_hid/mouse_button3_keycode=88
	dev/mac_hid/mouse_button_emulation=1

Sonderzeichen auf der Tastatur

Die Powerbook-Tastatur wird nicht vernünftig unterstützt, also muss man sich eine Datei ins Home-Verzeichnis legen unter dem Namen .Xmodmap. Da Alt unter Linux als Meta-Key benötigt wird, und die Apfel-Taste beschäftigungslos ist, und eine unterschiedliche Tastaturbelegung auf unterschiedlichen Systemen die geistige Flexibilität bis ins hohe Alter erhält, habe ich die Sonderzeichen wie »[]|{}@« auf die Apfel-Taste umgelegt, die .Xmodmap:

	keycode 13 = 4 dollar dead_tilde
	keycode 14 = 5 percent bracketleft
	keycode 15 = 6 ampersand bracketright
	keycode 16 = 7 slash bar
	keycode 17 = 8 parenleft braceleft
	keycode 18 = 9 parenright braceright
	keycode 20 = ssharp question backslash
	keycode  94 = less greater bar
	keycode 115 = Mode_switch
	keycode 46 = l L at 
	keycode 57 = n N dead_tilde 

Je nach verwendetem Window-Manager wird die .Xmodmap evtl. nicht gelesen, dann muss man mit einem xmodmap ~/.Xmodmap in einem Terminal nachhelfen.

Hässliche Schriften

Die Standardschriften im Browser sind einfach unbeschreiblich abscheulich. Mit den Informationen aus dem Gentoo-Wiki kann man Abhilfe schaffen. Ein emerge world, wie dort empfohlen wird, habe ich aber nicht ausgeführt, denn das hätte zu einem tagelangen Rekompilieren des gesamten Systems geführt.

Sound

Töne möchte man auch gerne hören. Ist aber nicht so einfach, natürlich. In der Kernel-Config »ALSA« (Advanced Linux…) aktivieren, PowerPC-Sound-Devices in den Kernel einbauen und »Apple Onboard Audio Driver« als Modul erstellen. Drauf achten, dass das Modul snd_powermac durch einen Eintrag in /etc/modules.autoload.d/kernel-2.6 beim Systemstart geladen wird. Alsa-Mixer mit emerge installieren und schauen, dass der Ton nicht stumm geschaltet ist, was er als Standardeinstellung aus welchem Grund auch immer stets ist…

WLAN

Eine einzige Katastrophe, offensichtlich gibt es hier seit 2003 nur marginalen Fortschritt zu verzeichnen. Das PowerPC-FAQ von Gentoo gibt nur eine marginale Hilfestellung, man muss dann hier im Forum weiterlesen und mit obskuren Tools mit Firmware rummachen und dann die systemunabhängigen Ratschläge im Handbuch beachten.
Das hat dann irgendwie tatsächlich funktioniert. Und Hände weg von grafischen Tools wie NetworkManager, der stundenlang kompiliert, um dann die Einstellungen des obskuren »WPA-Supplicant« zu zerstören. Oder gar »wicd«, der für überhaupt keine Konnektivität mehr sorgt, sondern mit D-BUS-Fehlern glänzt. Man arbeitet lieber mit iwlist wlan0 scanning im Terminal, das funktioniert besser und zerstört nichts.

Epic FAIL

Was überhaupt nicht funktioniert: Der »Sleep-Modus«, hibernate und Co. führten nur zum Einfrieren des Rechners. Ärgerlich, aber verkraftbar, da der Rechner mit Gentoo innerhalb eineinhalb Minuten hoch- bzw. runter fährt.

Und es gelang mir nicht, das USB-Kernel-Geschlonz samt gphoto davon zu überzeugen, Bilder von meiner Powershot G5 herunter zu laden.

Und es gibt kein Flash und kein AIR, da Adobe nichts für Linux auf PowerPC anbietet, das sind die Freuden proprietärer Pseudo-Standards. Und auch keinen brauchbaren Twitter-Client, da ohne Gnome, KDE und Adobe-AIR einfach nichts Brauchbares im Gentoo-Angebot steckt.

xfce

Da mir fluxbox doch zu minimalistisch erschien, habe ich mir zum guten Schluss noch die Pakete des Window-Managers xfce besorgt: emerge xfce4 xfce4-mixer. Dessen Kompilierung dauert dann auch »ein wenig«, ist aber problemlos. xfce ist resourcenschonend, aber trotzdem in Verhalten und Optik einem richtigen Computer ähnlich und sieht auch leidlich hübsch aus:

flickr-Bild: Gentoo with xfce on a Powerbook G4

Praxiseinsatz

Diese Woche war das kleine Powerbook dann unterwegs im Einsatz. Hat gut funktioniert, das episch kompilierte Gentoo läuft rasend schnell und ist auch beim Offenhalten eines Firefox mit 10 Tabs sehr genügsam, im typischen Einsatz benötigt es nicht mehr als etwa 300 MB RAM. Und das grausame WLAN-Gefrickel buchte sich tatsächlich automatisch in die verfügbaren Hotspots ein, einem technischen Wunder gleich.

Fazit

Eigentlich ist der Einsatz von Gentoo grotesk, jede Installation kann den Rechner für Stunden beschäftigen, vieles was selbstverständlich funktionieren müsste, erfordert ewige Frickeleien. Ohne meine 14 Jahre Linux-Erfahrung und dem reichhaltigen Refugium Google wäre ich daran grandios gescheitert. Der Frickelfaktor beim Einsatz von Linux auf einem Notebook ist auch 15 Jahre nach Erscheinen des Linux-Kernels 1.0 unverändert hoch, zumindest mit Gentoo und einem Powerbook.

Auf der »Haben-Seite« steht ein flottes System mit einer Grundausstattung für den elementaren Bedarf, ein »Eigenbau-Netbook«, dass dem kleinen Powerbook neues Leben einhaucht.

powerbook linux gentoo ppc powerpc howto

Aus der Podcast-Playlist

iPod-Shuffle-Impression

Das Marathontraining hat wieder begonnen. Das bedeutet: Bei stundenlangen Läufen durch den Wald hat man Zeit für das Hören von Podcasts, Pendeln ist bei mir ja nicht mehr. Dieses Jahr möchte ich hörenswerte Podcasts als Empfehlung weitergeben, ich werde mich sowohl durch meine Lieblings-Podcasts hören als auch mal (für mich) neue Podcasts ausprobieren.

Z.B.: Küchenradio Nr. 195, mit Herrn Spreeblick Johnny Häusler zu Gast. Es geht dort etwas chaotisch zu, nichtsdestotrotz gibt es einen für Blogarchäologen interessanten Streifzug durch die Spreeblick-Historie. Man muss anschließend den iPod trocken föhnen, denn ein Teil des Küchenradio-Personals geifert durch das Audio-File nach Informationen und Zahlen, als es um das heikle Thema »Werbung in Blogs« geht. ;) Außerdem erfährt man noch, wieso Nachwuchskräfte auf Journalistenschulen fürchterliche Spießer sind. Hörenswert, kurzweilig – Empfehlung!

Bewährte Kost ist Chaosradio Express 100 »Das Internet und die Hacker« mit Hans Hübner. Es gibt zunächst einen etwas zähen Streifzug durch die Historie der Vernetzung und der Hacker der 80er Jahre. Ab etwa 1:30 h wird es aber richtig interessant, es geht u.a. um den KGB-Hack aus der Sicht eines Beteiligten, nach dem Motto: »Ich wollte eine VAX, und ich wollte sie in Ost-Berlin«. Wer Zeitmangel hat, bis etwa 1:30 h »vorspulen«.

Ebenfalls Chaosradio Express, anderes Thema in Episode 101 »iPhone Anwendungsentwicklung«. Für am Thema interessierte Pflichtprogramm, der Rest langweilt sich furchtbar.

Meta Meta Meta

Ich will nicht dissen und daher lasse ich mich nicht über die Podcasts aus, die ich nach 10 Minuten weggedrückt habe. Generell frage ich mich stets, wie sich das die Damen und Herren Podcaster so vorstellen: Es gibt da draußen mehr als einen Podcast, und das Zeitbudget der potenziellen Hörerinnen und Hörer ist begrenzt. Denn ich bin nicht der Ansicht, dass man Sprachprogramme hören kann, während man etwas anderes macht dessen Grad geistiger Beanspruchung über Spülen und Wäsche falten hinausgeht. Dazu ist der Mensch nicht konstruiert. Warum also soll ich mir einmal in der Woche ausgerechnet Euren Podcast geschlagene 2 bis 3 Stunden anhören?

Viele Podcasts ufern zeitlich immer mehr aus, ohne dass der Inhalt das hergeben würde. Kann man z.B. »ja, ich glaube Du bist ein bisschen leise«, »du musst mal Skype lauter pegeln« etc. nicht raus schneiden? Und einigen würde ich etwas mehr Konzentration auf den »roten Faden« empfehlen. Zumindest wenn Ihr wollt, dass ich zuhöre, ziellos brabbeln ohne Punkt und Komma kann ich nämlich selbst ausgesprochen gut, dazu brauche ich keinen Podcast. ;)

Und natürlich würde ich mich über Empfehlungen freuen, was man denn noch so hören kann, unterwegs zu Fuß in den endlosen Weiten der Wälder.

podcast

Mehdorn raus!

Die Abmahnung gegen netzpolitik.org ist nur der letzte Eintrag im langen Sündenregister von Bahnchef Mehdorn und seinen treuen Vasallen bei der Bahn. Ich kann mich dem Kollegen mspro nur anschließen: Mehdorn ist längst überfällig. Mehdorn ist nicht der Lehnsherr der Bahn, sondern vielmehr gehört die Bahn uns allen.

Interessant ist dieser bei mspro verlinkte Artikel bei stern.de aus den Zeiten des Theaters um den Börsengang der Bahn im März 2008. Und darin besonders die Rolle von Mehdorns Schutzherren bei der SPD. Und ein Kommentator dieses Artikels war prophetisch begabt (Zitat):

»Ob es schon eine Bahn-Geheimpolizei gibt, die Privatisierungsgegner aufspürt ? Würde mich nicht wundern, bei dem Propagandaapparat im Bahntower. Wenn dazu sogar Spitzenpolitiker brav nicken.«

Tja, gut getroffen.

Mehdorn raus!

bahn mehdorn mehdorn raus

Ein Jahr ByteFM

Heute vor einem Jahr wurde an dieser Stelle das neue Internetradio ByteFM begrüsst. Und just heute feiert es sein einjähriges Jubiläum. Da gratulieren wir natürlich.

ByteFM ist mein Lieblings-Radiosender geworden. Keine Werbung, keine Verkehrsdurchsagen, keine berufslustigen Dummschwätzer. Ich weiß es zu schätzen, dass da echte Menschen die Musik aussuchen, die sie spielen möchten, und nicht Algorithmen wie bei Last.FM nur die Musik vorschlagen, die ich sowieso schon kenne.

Oder wie Karin Ceballos Betancur in der FR schrieb:

»Dabei sah ich, dass es auch Geräte gibt, mit denen man sowohl fernsehen als auch Radio hören kann, sie kosten nur etwa doppelt so viel. Weil ich das aber 2009 gar nicht mehr tun möchte, jedenfalls nichts Öffentlich-rechtliches, brauche ich das teurere Gerät nicht, spare 60 Euro und kaufe davon zwei Flaschen Champagner, in dem ich meine Füße bade, wenn ich das nächste Mal byte.fm höre.«

Radio ist tot, und Radio lebt. Aber nur im Internet. Wer in diesen Zeiten richtiges Radio hören möchte, braucht kein Radio, sondern einen Computer. Komische Zeiten, oder?

Bild: Wikimedia Commons

[Nachtrag 18.1.] Im ByteFM-Blog kann man sich eine kleine Sammlung von Video-Beiträgen aus den untergehenden überkommenden Medien über ByteFM und seinen Macher Ruben Jonas Schnell anschauen.

radio musik bytefm internetradio

25c3 - Der volle Congress

[Bild: »The eagle has landed – 25c3« by MrTopf]

Congress also wieder. Der überfüllteste von allen, zum ersten Mal waren 4-Tages-Tickets schon am ersten Abend ausverkauft. Es ist wirklich voll. Voll in den Vortragssälen, voll im WLAN, voll in der Lounge und im Hackcenter, voll auf den WCs ;), voll bei der Getränkeausgabe. Die Popularität des Congress’ wird langsam zum Problem, Örtlichkeit und Infrastruktur skalieren nicht mehr mit.

Den Preis für den verpeiltesten Nerd des Congresses bekomme übrigens ich, denn ich habe die Kamera daheim vergessen. Epic Fail!

Dieses Mal also keine Bilder, aber man kann ja im reichhaltigen Fundus des Netzes (oder auch hier) gucken oder sich bedienen. Theoretisch zumindest. Praktisch stehen aber die meisten Bilder in flickr unter »böser« Lizenz. Ich finde partout kein Bild von einem vollen Raum das unter einer freien Lizenz steht. Toll, Kameraden, vom freien Austausch beim Congress partizipieren, aber selbst in eifersüchtiger Raffzahn-Pose auf alte Lizenzen setzen. Fail, um nicht zu sagen: epic fail!
Eigentlich würde es wieder besser und leerer, würde man alle rauswerfen, die ihre Fotos vom Congress nicht unter eine freie Lizenz stellen. Verstoss gegen die ideellen Grundlagen der ganzen Veranstaltung wäre das damit zu ahndende Vergehen. ;)

25c3 congress berlin bcc

Der Congress naht

24C3: Simulation

Dezember, Jahresendzeitfestivitäten rücken näher, und damit auch der Congress. Wie stets in den letzten Jahren, bin ich auch in diesem Jahr dabei. Mittlerweile gibt es ein gut gefülltes Wiki und den Fahrplan.

Eine Neuerung dieses Jahr, im im Wiki versteckt: Es gibt an Tag 0 und Tag 1 zwei verschiedene Schlangen zum Ticketerwerb, vielleicht wird dadurch dieses Mal das fast schon obligatorische etwas längliche Warten in der Schlange verkürzt.

Wie jedes Mal werde ich auch ein wenig von dort bloggen. Irgendwie bin ich, wenn ich irgendwo bin, motivierter zu bloggen, als wenn ich nirgendwo bin. Dabei wären doch auch Beiträge aus den Nirgendwo irgendwo lesenswert. Aber wir schweifen ab. ;)

Wer vielleicht noch nie beim Congress war und in Sachen Teilnahme noch ein wenig unentschlossen ist (es lohnt sich, das ist etwas anderes als die »normalen« Web-(Un-)-Konferenzen), möge ein wenig in der folgenden Sammlung Congress-bezogener Blog-Beiträge aus den letzten Jahren in meinen diversen finsteren Archiven wühlen.

Und etwas zur Information zum anstehenden 25C3:

Demo gegen Vorratsdatenspeicherung beim 24C3

25c3 congress berlin

Arbeitswelt 2.0, oder: Der Dot-Com-Tod ist wieder da!

Die Älteren unter den drei LeserInnen dieses kleinen Blogs werden sich noch an die so genannte »Dot-Com-Tod-Phase« zu Beginn des Jahrtausend erinnern. Nun, in den Zeiten der ökonomischen Rezession, fallen zwischen den kippenden Dominosteinen des Banken- und Autokonzernmonopolys auch Arbeitsplätze in »coolen Internetunternehmen« vom Spielbrett, und die »coolen Internetunternehmen« zeigen ihre hässlichen Seiten.

So zum Beispiel Yahoo bei der selbst für Ami-Unternehmen besonders stillosen Entlassung des bei flickr für »The Commons« zuständigen George Oates (siehe auch »The Tragedy Of The Commons«). Derartiges Verhalten scheint bei Yahoo! wohl auch kein Einzelfall zu sein, unangenehmer Laden.

Wie gesagt, das hatten wir ja alles schon einmal. Ende des letzten Jahrtausends kamen sie, die ein Geschäft witterten, an, zu jedem der »Internet« sagen konnte:
»Arbeite für uns, hey, hier, coole Internet-Projekte, und hey, das ist »New Economy«, wir haben nicht mehr die alten Hierarchien und Grenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wir arbeiten alle als große Familie an coolen Sachen und sind alle Freunde«. Bis etwa 2000 und 2001, dann gab es reihenweise die »Du hast 5 Minuten, Deinen Schreibtisch auszuräumen«-Shows zu bewundern, die »Freundschaft« war beendet.

In der Web-2.0-Blase wiederholt sich das. Die Arbeitswelt sieht nicht mehr so aus wie auf dem Bild ganz oben. Heute gibt es coole Büros (Bild nicht ganz oben), Sitzsäcke, ’nen Mac auf dem Schreibtisch, und auch ’ne Wii für die Pause. Und wieder sind wir eine große Familie die coole Internetprojekte baut. Bis zu dem Zeitpunkt, wo das Geld ausgeht, dann unterscheiden sich die Arbeitswelten auf den beiden Bildern nicht mehr. Die Frage der Macht in Arbeitsverhältnissen ist unverändert und glasklar und hat sich seit der Industrialisierung nicht geändert.

Das bedeutet: Auch wenn Ihr in coolen zwonulligen Startups oder sich zwonullig gebenden Alt-Unternehmen mit ja ach so flachen Hierarchien arbeitet – achtet auf klare vertragliche Regelungen des Arbeitsverhältnisses, macht Euch Eure Rechte als Arbeitnehmer bewusst. Zieht eine klare Grenze zwischen der abhängigen Arbeit und dem »Rest des Lebens«, auch wenn die Arbeit Spaß macht.
Gründet vielleicht ab einer bestimmten Größe des Unternehmens Betriebsräte – ja, ist so gar nicht neu, bunt, cool und zwonullig und scheinbar ja so total altmodisch. Aber es kann der Tag kommen, wo man froh sein könnte über solche ach so altmodischen Sachen. Glaubt es einfach einem alten Mann ;), der so manches ruhmlose Ende einer »coolen« Internet- oder IT-Unternehmung und die damit einhergehenden Verwerfungen miterlebt hat.

[Bilder: Bundesarchiv und jiry@flickr.]

Und passend zum Comeback des digitalen ökonomischen Sensemanns ist auch DotComTod 2.0 da. ;)

web2.0 neweconomy web2.0-blase arbeit kapital

Netztand VI - Kauf, Du Sau!

Der Tag ist nicht mehr fern, wir sind auf dem besten Weg dahin, da transportiert das so genannte »Social Web« nur noch eine »Message«:

»Kauf, Leser. Hörst Du nicht? Kauf, Leser, Du Sau, kauf endlich!«

Ich negiere nicht die individuelle Notwendigkeit eines Netz-Publizisten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, wenn aber der Feed eines bekannten deutschen Mac-Weblogs nur noch aus Überschrift, Lamer-Bar-Links und fettem Werbe-Banner besteht, dann ist einfach ein Punkt erreicht, wo ich mir sage:

Nö Du, Blogger, Publisher, was auch immer, ich abonniere das nicht mehr.

Das ist natürlich zunächst einmal nur mein höchstpersönliches Problem. Es ist aber meine Überzeugung, dass jemand, der für seine treuen Leser, und das sind ja in der Regel die, die einen Feed abonnieren, keinen Inhalt, sondern nur noch ein »Kauf, Du Sau« übrig hat, auf die Dauer diese treuen Leser verlieren wird.

Alle Artikel der »Netztand«-Reihe

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Bundesarchiv bei Wikimedia Commons

Da entrutscht einem vor Verblüffung schon mal ein »Hell freezes over«:
Das Bundesarchiv in Koblenz stellt 100.000 Bilder aus dem Archiv unter eine Creative-Commons-Lizenz bei Wikimedia Commons ein. Das Bundesarchiv stellt die Bilder unter Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC-BY-SA) zur Verfügung (Zitat):

»Unseres Wissens ist die Spende von 100.000 Bildern die bisher größte Einzelspende an Wikimedia Commons und wir hoffen, dass dies nur der Anfang einer längerfristigen Zusammenarbeit und für andere Archive und Bilddatenbanken beispielhaft sein wird.«

Die Bilder sind zwar nur 800 Pixel breit, aber immerhin, wer hätte gedacht, dass es so etwas in Deutschland geben würde?

Netzpolitik.org hat ein Interview mit Mathias Schindler von Wikimedia e.V. zu den Hintergründen.

Ich habe gleich mal ein wenig herum geguckt und gleich dieses wunderschöne Bild da oben mit Erich Honnecker bei einer FDJ-Konferenz in Chemnitz aus dem Jahre 1951 gefunden.

Schöne Sache, ein erster Schritt Sachen, die sowieso uns, den Bürgern, gehören, auch zugänglich zu machen. Wie das in den USA z.B. mit der Library Of Congress schon länger üblich ist. Mathias Schindler im Interview:

»Was aus öffentlichen Mitteln finanziert ist, sollte bereits von Anfang an der Öffentlichkeit zur uneingeschränkten Verwendung freistehen. Die Kooperation mit dem Bundesarchiv ist deshalb sehr wichtig, denn sie zeigt auf, was alles mit Inhalten möglich ist, sobald sie Teil der Allmende geworden sind.«

[Nachtrag 6.12.] Es gibt noch ein paar Hintergründe dazu bei Wikimedia Deutschland zu lesen.

wikimedia bundesarchiv cc commons