This Developers Life

Noch stets renne ich durch die Gegen und höre Podcasts. Die neueste Empfehlung:

This Developer’s Life

Ein Gesprächs-Podcast über das Leben als Software-Entwickler, immer an einem bestimmten Meta-Thema wie »Getting Fired« aufgehängt. Ich bin über die Episode »Homerun« darauf aufmerksam geworden und habe anschließend alle Episoden nachgeholt. Rob und Scott unterhalten sich über das Meta-Thema und reichern selbiges mit passenden Interviews mit großen und kleinen Helden aus der Szene an, schön dramatisiert mit passender Musik. Ein Hörbefehl, wenn man sich für Programmieren und Entwicklung interessiert.

podcast

Linux auf dem Powerbook G4 »Reloaded«: Debian GNU/Linux


Die guten alten Stammleserinnen und -leser werden sich erinnern: Vor fast zwei Jahren wurde mein Lieblings-Mac, das Powerbook G4, mit Gentoo-Linux einer zweiten Karriere zugeführt. Gentoo stellte sich aber als grandiose Fehlentscheidung heraus, ein Wirrwarr von undurchsichtigen Abhängigkeiten, verbunden mit grotesken Kompilierorgien, machte jedes Update einer noch so kleinen Komponente oder eines Stücks Software zu einer Geduldsprobe.

Abhilfe musste her! Ein erneutes Sondieren des GNU/Linux-Marktes für PowerPC brachte das Resultat, dass der Ubuntu-PowerPC-Build auch anderthalb Jahre später immer noch nicht booten wollte. [Und wenn schon die CD nicht sauber bootet, sollte man an eine Installation gar nicht erst denken]. Die Rettung kam dieses Mal vom Debian PowerPC-Build.

Und warum? Habe ich ja bereits damals geschrieben:

Mein schönes altes Powerbook G4 aber, dass noch stets als mein Zweitgerät für Reisen und Konferenzen aller Art am Start ist, wird demnächst von Apple offiziell zum alten Eisen erklärt. Man bemerkt schon, dass Apple einen rigorosen Strich ziehen möchte. Der »Snow Leopard« wird Gerüchten zufolge keine Unterstützung mehr für Power-PC-Prozessoren enthalten, und der aktuelle Leopard und neuere Programme überfordern das kleine Powerbook mit seinen 867Mhz und 640 MB RAM ein wenig. Man sieht trotz leistungsfördernder Massnahmen wie das Deaktivieren von Spotlight fast so oft den Strandball wie auf vergurkten Windows-Kisten die Sanduhr. ;)
Also entstand die Idee, mal wieder ein wenig in die nerdige Welt des Betriebssystem-Frickeln abzutauchen und das kleine Powerbook mit einem alternativen, schnelleren Betriebssystem für den Alltags-Bedarf unterwegs zu versehen.

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linux howto debian powerbook ppc powerpc

Technischer Status 2010

Ein gutes neues Jahr den Rest-Leserinnen und -Lesern, möge Euch das Jahr 2011!11 Gesundheit, Wohlstand und Erfüllung in jeglicher denkbarer Hinsicht geben!

Test, Test, Test – scheint zu funktionieren. Sie sehen ein frisch renoviertes Blogsystem, mein persönliches Dauerprojekt, rübergehoben auf Rails 3. Was nicht so einfach war, da es eben ein Dauersystem ist, steckt da noch Code drin, der mal für Rails 1.0 geschrieben wurde.

Eigentlich macht die Programmierung eines solchen Systems fast mehr Spaß als dann etwas damit zu schreiben, aber wir wollen nicht für die Galerie programmieren und es nun aber wirklich mal benutzen.

Wie der stets unverdrossen bloggende Kollege nebenan möchte ich zu Jahresbeginn mal kurz den technischen Stand der Dinge beleuchten.

Arbeitspferd ist noch stets ein Mac mit Mac OS X, mittlerweile sind wir bei einem Macbook Pro in der Größe 13 Zoll angelangt. Seit dem »Switch« 2003, damals, als einen Mac zu benutzen noch nicht dazu führte, den Nutzenden automatisch in den großen Klub der für kühle Produkte die Freiheit des Netzes durch vom Steve kontrollierten rigiden Entertainment-Kommerz abwürgenden Tech-Poser zu verorten, hat mich Mac OS X noch nie im Stich gelassen. Es gab keine Überraschungen durch nicht funktionierende Dinge nach Systemupdates. Es gab keine Ausfälle zum falschen Zeitpunkt.
Wenn mal eine Deadline etwas »dead« wurde lag es an mir, nicht an Problemen irgendwelcher Art mit dem System. Diese Grundzuverlässigkeit, meine Damen und Herren, ist bei der Nutzung von Computern das Allerwichtigste. Darum müsste Steve schon eine ordentliche Armada von Kontroll-Daumenschrauben neben dem bösen App-Store auffahren, um einen Systemwechsel für mein Produktionsmittel »Computer« bei mir herbei zu führen.

Was nicht heisst, dass man nicht über den Zaun schaut. Auch in Sachen Linux war ich einigermaßen aktiv, dazu mehr in einigen Beiträgen in der näheren Zukunft. Und Windows… [An dieser Stelle mögen Sie sich, verehrte Leserin, verehrter Leser, bitte ein hysterisches Gelächter denken!]

Von der Wolke aka »Cloud« halte ich für alles, was über »digitale Wegwerfware« wie Tweets hinaus geht, gar nichts. Nicht zuletzt die Amazon-vs-Wikileaks-Geschichte zeigt sehr deutlich, worauf man sich einlässt, wenn man die Herrschaft über seine digitalen Dinge in die Hände irgendeines Unternehmens gibt.

Mobil bin ich mit dem »bösen« iPhone unterwegs. Eigentlich ideologisch untragbar für einen Fanatiker wie mich, aber es gibt so recht keine Alternative. Was ich von Android gesehen habe, hat mich nicht überzeugt, es erinnert doch von der ganzen Anmutung fatal an diese vergangene Mobiltelefon-Welt, die Apple durch das iPhone zermalmt hat. Und mobiles Windows… [An dieser Stelle mögen Sie sich, verehrte Leserin, verehrter Leser, bitte ein hysterisches Gelächter denken!]

Was wir 2010 ausgelassen haben: Das iPad, keinen rechten Bedarf dafür gefunden. Für den kleinen Datenhunger zwischendurch reicht das iPhone, für die große Datenmahlzeit gibt es das Macbook. Auch ein denkbarer Einsatz als Gerät für die Teilung der digitalen Arbeits- und Freizeit des selbständigen WebWorkers kann mich nicht so recht überzeugen, weder die künstliche Trennung noch der Einsatz des iPads als »Flachbildfernseher mit interaktiver Komponente«.

Schauen wir also, was uns Zwanzig11 bringt. Vielleicht auch ein paar Blogeinträge…

weblogs egosachen

re:publica 10 - Tag 3 und Fazit - Alles ist Beta und das vereinnahmende Wir

Kalkscheune, Veranstaltungsort der rp10

Foto: Kalkscheune bei der rp10 von alice_c

Da ist sie auch schon wieder Geschichte, die re:publica 2010. Und weil die re:publica immer größer wird und »everyone a publisher« ist, gibt es im Anschluss eine wahrhaft exorbitante Flut von Rückblicken, Analysen und Schmähschriften aller Art zu lesen, zu hören und zu schauen. Durch dieses ergiebige digitale Konvolut habe ich mich, bedingt durch das nach drei Tagen fast schon logische postkonferenzielle Aufmerksamkeitsdefizit, noch nicht mal ansatzweise durchgewühlt.

Auch am dritten Tag gab es überraschenderweise noch Vorträge zu sehen und zu hören. Deren Besuch war leider nicht nur von individuellen Interessen, sondern auch durch schnöde Verfügbarkeit von Raum gesteuert. So landete man mitunter in Sessions, in die man eigentlich gar nicht wollte, aber trotzdem rein ging, weil dort die Verfügbarkeit von Plätzen lockte.

»Jean Luc und die Singularität vorm falschen Fenster« eröffnete meinen Session-Reigen an Tag 3. In der Gegenwart leben heisst, die Zukunft vergangener Zeiten zu erleben, und diese Session wollte, thematisch anknüpfend an den »Think Tank« Atoms and Bits unter Rückblick auf Zukunftsvisionen vergangener Zeiten sollten Visionen für unser Leben in der technischen und gesellschaftlichen Zukunft ausgearbeitet werden. Neue Formen der Arbeit wie Coworking und die durch das Internet gegebene Unabhängigkeit der Arbeit vom großen Raum »Firma« wurden darunter verstanden. Die Diskussion drehte sich um diese, in meinen Augen für den klangvollen Titel voller lockender Utopien eher gegenwärtigen allzu konkreten Themen, ich hätte mir mehr »Vision« (fliegende Autos, nahrungssynthetisierende Realweltdrucker und anderen utopischen Kram) gewünscht. Nichtsdestotrotz gab das Stündchen durchaus Denkanstöße und eine Literaturlist zum Thema »Zukunftsvisionen«.

flickr: Foto vom Vortrag von Miriam Meckel bei der rp10

Foto: Miriam Meckel bei der rp10 von Mario Sixtus

Danach ging es in den großen Saal, zum Vortrag von Miriam Meckel. Die allenthalben darüber zu lesende getwitterte Begeisterung kann ich leider überhaupt nicht teilen, viel mehr begannen mich ihre in einem furiosen Wortschwall viel zu ausufernden Ausführungen über die im Grunde recht banale Tatsache, dass menschliches Verhalten dann am besten ist, wenn es nicht vorhersehbar ist, recht schnell zu langweilen.

Um »Maptivism«, also Aktivismus mit Hilfe von Karten und Geodaten, ging es beim Vortrag von Christian Kreutz. Dabei wurden verschiedene Projekte vorgestellt, die mit Hilfe im Netz verfügbarer Karten und Daten ein Hilfsmittel bei der Verfolgung sozialer Anliegen aller Art zur Verfügung stellen. Ein schönes Beispiel dafür ist »Frankfurt gestalten«, ein »hyperlokales« Portal hinunter auf Straßenebene, wo mit auf die Karte gemappten Daten lokale Entscheidungen und Geschehnisse transparent gemacht und zu »bürgerlicher Partizipation« eingeladen werden soll. »Hyperlocal« ist eh das nächste große Ding, sagen alle. ;) Sachen aus diesem Bereich werden wir in den nächsten Jahren einige sehen, und daraus wird ein Druck entstehen an die »öffentlichen Hände«, die Daten dafür rauszurücken, Stichwort »OpenData«.

Um das ominöse »Leistungsschutzrecht«, das die Verlage der sterbenden Medienkonzerne in ihren glitzernden Glaspalästen gerne vom Staat als Geschenkle hätten, ging es beim Diskussionspanel unter dem schönen Titel »Let’s screw up the entire Internet to save newspapers«. Die einführende Mindmap des Moderators Matthias Spielkamp ist bei irights.info verfügbar. Irritierend war für mich bereits die erste Prämisse, die mit dem vereinnahmenden »Wir« als Metaargument behauptete, das System der Verlage, Medienhäuser und Verleger, dass die selbsternannte »Vierte Gewalt« aka Medienlandschaft in Deutschland ausmacht, sei an sich schon einmal als wünschens- und erhaltenswert zu betrachten. Das sehe ich z.B. nicht so, ich wäre da mal vorsichtig mit dem dauernden »Wir«.
Die Diskussion war recht kurzweilig, krankte aber daran, dass es keinen Befürworter des Leistungsschutzrechts auf der Bühne gab. Und natürlich an der simplen Tatsache, dass man über das Leistungsschutzrecht außer einer nebulösen Absichtserklärung aus dem schwarz-gelben Koalitionsvertrag und einiger polemischer Auftritte seiner Befürworter aus dem Hause Springer nicht sonderlich viel Konkretes weiß. Ergebnis gab es eigentlich keins. Alles Beta.

flickr: Foto von der Diskussion zur Freiheit im Internet bei der rp10

Foto: Diskutanten beim Freiheits-Panel bei der rp10 von bosch_hh

Zum Abschluß musste man sich bei der Diskussion »Kann denn Freiheit grenzenlos sein?« über die, wie der Name schon andeutet, Grenzen der Freiheit im Internet, erst einmal tüchtig aufregen. Die Veranstaltung wurde von einer Horde SPDler heimgesucht, deren Partei, ich sage nur »Otto-Katalog« und begeisterte Mittäterschaft am »Zensursula-Komplex«, in den letzten Jahren nicht unbedingt für eine Politk stand, die im Zweifel primär für die Freiheit einsteht. Argumentativ wollte die geballte sozialdemokratische Wir-Weisheit uns erzählen, »wir« (schon wieder!) hätten uns als Gesellschaft darauf geeinigt, dass es Inhalte gäbe, die »wir nicht sehen wollen«, und dass diese deshalb aus dem Internet weg müssten, oder zumindest vor unseren deutschen Wir-Augen verborgen werden müssten. Auch der staunende Moderator konnte sich an diese Übereinkunft des sozialdemokratischen Über-Wir mit der Gesellschaft über unerwünschte Inhalte nicht so recht erinnern.
plomlompom übernahm die Rolle des Verteidigers der totalen Freiheit im Netz und mahnte Ausbau von Kompetenz im Umgang mit dem Medium Internet als erfolgsversprechendere Alternative zu einer typisch sozialdemokratischen Verbotsorgie an. Herrlich, wie die Befürworter von Zensur und Kontrolle in polemische und stammtischeske Tiraden abglitten und plomlompom trotzdem ruhig auf seinen Standpunkt beharrte. Eine lehrreiche Veranstaltung, nicht wg. der Erkenntnistiefe bezüglich des Themas (auch Beta), sondern eher wg. der diskursiven Natur des »Wir«.

Und zum Abschluss wurde dann »Bohemian Rhapsody« gesungen

Und was bleibt als Fazit? Wir stecken mittendrin in der Revolution, Erkenntnisse über deren Natur und Richtung müssen deshalb naturgemäß immer vorläufig sein. Diesen Status der andauernden Entwicklung inmitten einer großen sozialen, ökonomischen und politischen Vorläufigkeit kann man wohl am besten als »Alles Beta, Baby« beschreiben. »Nowhere« ist so gesehen wohl nur die Beta-Phase von »Everywhere«.

Die fachliche Dimension mit der Jagd nach der Erkenntnis ist aber natürlich nur ein Aspekt, der andere ist das »social« sein mit allerlei Netzbekanntschaften im Rahmen einer solchen Konferenz. Und so hat es dem Autor dieser Zeilen auch bei der vierten Ausgabe eine Menge Spaß gemacht, die drei Tage vergingen im Fluge. Deshalb sage ich Danke und Danke, ein Riesen-Kompliment an alle »Macher«. Die Woche im April 2011 für rp11 ist schon vorgemerkt. ;)

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re:publica 10 - Tag 2 - Volle Räume, große Themen

Die re-publica hat in ihrer vierten Auflage langsam das Problem, das auch die letzten Ausgaben des CCC-Congress zur Hölle gemacht hatte: Es wird zu voll. Aus 700 Besuchern 2007 sind mittlerweile 2.500 geworden, gerade die kleinen Räume platzen aus allen Nähten und es geht dort zu Beginn der Veranstaltungen zu wie bei der Eröffnung von Elektronik-Discountern in Berlin. Da ich irgendwann bei einem der letzten Congresse für mich festgelegt habe, dass kein Vortrag es wert ist, wie ein Pendler in der U-Bahn von Tokyo zu stehen, musste ich auf einige mich thematisch interessierende Vorträge verzichten.

Am Morgen ging es in die Rotlichtatmosphäre des »Quatsch Comedy Club«, wo Geert Lovink über »Radical Critique Of Free Culture« reden sollte. Leider war der Vortrag nur eine kommentierte Übersicht über die Projekte seines »Institute Of Network Cultures und eine Literaturübersicht zu Netzkultur-Pessimisten von Frank Schirrmacher über Nicholas Carr bis hin zum notorischen Jaron Lanier. Etwas enttäuschend, da konnte auch San Precario, der Schutzpatron der Digitalen Bohème, nichts mehr raus reißen.

re:publica 10 - Bre Pettis mit dem MakerBot

Bre Pettis stellte den »MakerBot« vor, einen schon vom Congress bekannten 3D-Drucker. Das Dingen ist eine Art programmierbarer Heißklebestift, der in der Lage ist, dreidimensionale Objekte aus Plastik zu erstellen. Durchaus beeindruckend, was damit alles hergestellt wird, wie z.B. der MP3-Player in den Zeitläuften angemessener Handgranetenform auf dem Bild. Nach dem Vortrag konnte ich das Dingen mal aus der Nähe bei der Arbeit betrachten. Da fehlt nicht mehr viel, und bald können wir dreidimensionale Objekte genaus einfach »ausdrucken« wie ein Dokument auf ein Blatt Papier.

re:publica 10 - Daniel Schmitt von Wikileaks

Mittags sprach Daniel Schmitt über Wikileaks, die seit dem Irak-Video neulich fast jedermann bekannte Plattform für das Befreien von irgendwen aus irgendwelchen Interessen vor der Öffentlichkeit verborgenen Dokumenten, dem sogenannten »Whistleblowen«. Der Vortrag ähnelte ein wenig einem Verkaufsvortrag mit Slogans wie »your premier supplier for fresh documents«. Wikileaks wurde als »Partner« der etablierten Medien angepriesen, dort könne man Dokumente sicher ablegen, die sonst vielleicht zu einer Redaktionsdurchsuchung führen könnten. Das Interview mit Daniel Schmitt aus der Berliner Morgenpost erzählt im Grunde das, was auch im Vortrag gesagt wurde.

Zum Abschluss gab es noch eine Diskussionsveranstaltung der Fußballblogger. Die Profivereine tun sich noch ein wenig schwer, die Blogs als »richtige« Medien anzuerkennen, der Umgang mit den Emporkömmlingen aus dem Web ist, je nach Verein, sehr unterschiedlich und reicht von totaler Ignoranz bis hin zu vorsichtiger Partnerschaft.

Und zwischendurch trifft man neue und alte Netzbekannte und schimpft über das langsame WLAN, also wie immer auf Veranstaltungen dieser Art.

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re:publica 10 - »The Internet is a public place« - Jeff Jarvis und die »Grundrechtecharte für den Cyberspace«

Der Vortrag von Jeff Jarvis war einer der bisherigen (dieser Artikel wurde am Ende des zweiten Tags geschrieben) Höhepunkte.

Jarvis referierte das schon in einem Blog-Eintrag ausgearbeitete »German Paradoxon« aus. Sein amerikanisches Erstaunen über das splitternackte Erscheinen gemischter Sauna-Besatzungen auf der einen, aber fürchterliche Aufregung über Dinge wie Google Streeview auf der anderen Seite, verleitete ihn zu der Behauptung: Deutsche interessieren sich für »Privacy«, aber diese gilt nicht für die »Private Parts«.
Nach einigen Ausführungen über die unterschiedlichen Ausprägungen von »Privatsphäre« in unterschiedlichen Gesellschaften forderte Jarvis, dass wir das Internet als öffentlichen Raum garantieren müssen. Ein Verbot für Google Streetmap, wie es deutsche Dorfbürgermeister und andere lokale Potentaten fordern, wäre nur ein Anfang, am Ende dieser Verbotskette stände ein eingeschränkter öffentlicher Raum, in dem auch Du und ich keine Bilder mehr machen dürften, um diese z.B. im Blog unter die Leute zu bringen.

Deshalb bedarf es einer »Grundrechtecharte für den Cyberspace«, deren eigentümliche Wortwahl (wer sagt in diesem Jahrtausend schon noch »Cyberspace«) natürlich deren Verwurzelung in der legendären »Cyberspace Declaration Of Independance« von John Perry Barlow aus dem Jahre 1996 geschuldet ist. Jeff Jarvis´ Deklaration fordert (abgetippt von seinen Vortragsfolien):

  • Wir haben das Recht auf Vernetzung.
  • Wir haben das Recht zu Reden.
  • Wir haben das Recht uns zu versammeln.
  • Wir haben das Recht zu handeln.
  • Wir haben das Recht auf Kontrolle über unsere Daten.
  • Wir haben das Recht auf unsere eigene Identität.
  • Was öffentlich ist, ist ein öffentliches Gut.
  • Alle Bits sind gleich geschaffen. (Damit meint er »Netzneutralität«, RG.)
  • Das Internet sollte offen sein.

Donnernder Applaus für den sympathischen Professor aus den USA.

Die re:publica-Website hat ein Interview mit Jeff Jarvis und eine kurze Zusammenfassung. Nicht allen hat es gefallen, aber gerade bei dem Text hat die very german Angst aus der Abteilung »Medienkonzerne« die Tastatur geführt.

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re:publica 10 - »We are nowhere, and its now«

re:publica mal wieder! 2010 sieht die vierte Ausgabe, und wie bei den bisherigen drei bin ich auch dieses Mal dabei. Wie Peter Glaser zur Eröffnung anmerkte: »Was ist das Netz anderes als ein Ofenloch, in dem das Feuer glüht?« Genau. Und manchmal muss man auch hin, um mit den anderen um eben jenes Feuer zu tanzen.

Wie gesagt, Netzlegende Peter Glaser eröffnet die Veranstaltung mit ein paar warmen »Meta-Worten«, die man in seinem Blog vollständig nachlesen kann.

Interessant fand ich Glasers Gedanken, dass unser Leben im Internet nach dem »Klubprinzip« organisiert ist. Die Klubs heißen Facebook, iTunes oder Twitter. In Afrika soll es Gegenden geben, da spielen Musiker in Käfigen mit den Instrumenten, die sie dort vorfinden. Scheint so, dass wir in der Mehrheit genau so agieren.

Nichtsdestotrotz ist das Netz für Glaser »der beste Ort, an dem man heute sein kann.« Damit das so bleibt, müssen die Zugänge für die Nicht-Nerds, den »Rest«, also 90% aller Menschen, einfacher werden. Menschen interessieren sich nicht für Technik, sondern für andere Menschen.

Ein Beispiel dafür aus dem »prallen Leben« ist das Projekt 22 Pop, in dem eine mechanische Schreibmaschine für nicht-Computer-Menschen zu einer E-Mail-Versende-Maschine umgebaut wurde.

Nun also drei Tage re:publica vor der Brust. Auch wenn ich das Echo der Art »Öhhh-bääh, da sind ja nur die Netz-Masturbateure mit den iPhones versammelt« wohl vernehme, mir gefällt es bis jetzt wieder und ich bin gespannt auf die »restlichen« Tage.

republica rp10 re-publica berlin

Das Comeback des Jahres

Da sind wir also wieder mal. Wer mir auf Twitter folgt, wird wissen, dass ich ja nicht »weg« war aus dem Netz, sondern in erster Linie in kurzen Worten problematisiert habe und eine gewisse, nach nunmehr fast 8 Jahren seit der Eröffnung meines ersten Blogs »das Netzbuch« eigentlich auch durchaus normale Blogmüdigkeit sich breit machte.

140 Zeichen sich aber irgendwie doch nicht genug für mein mitunter ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis. Letztens habe ich mal wieder festgestellt, wie praktisch es ist, in eigenen richtigen Texten von vergangenen re:publicas zu schmökern. Von damals, vor den großen Twitter-Kriegen, als man noch gebloggt hat. ;)

Nun also die III. Inkarnation, mal wieder unter einer neuen Domain und einem neuen, der II. Inkarnation angelehnten Namen: »Der Uninformat«.

Dieses Mal gibt es kein irgendwie geartetes dann doch nicht einzuhaltendes Konzept. Ich werde einfach konträr zu der von Social-Media-Beratern und anderen, vorwiegend in den sterbenden Strukturen des Papierjournalismus beheimateten Relevanzfaschisten verkündeten Weisheit »oh oh oh oh, Du musst Deine fokussierte Nische finden damit Du relevant bist beim Bloggen, Baby« wild ins Blaue hinein schreiben.

Hinter den Kulissen arbeitet ein renoviertes Multi-Blog-System in Rails. Das Rumeiern mit Systemen wie Textpattern und dem damit verbundenen ständigen unversionierten Rumfrickeln in Textareas halte ich in keinster Weise für zeitgemäße Web-Entwicklung, das musste alles weg. Mein diesbezügliches Blog- und Tool-Universum ist nun komplett PHP-frei.

Da mein Blog auch immer mein technisches Spielzeug ist und war, habe ich hier mal ein bisschen was reingehauen, was HTML5 und Webfonts angeht, mehr dazu in einem späteren Beitrag. Mir ist klar, dass es Probleme in 10 Jahre alten Windows-Schleudern mit pixeliger Schriftdarstellung geben könnte, aber ich probiere einfach mal und schaue, was so an Echo kommt. ;)

Auf ein neues, mal schauen ob und was dieses Mal dabei heraus kommt.

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Ein großer Tag

Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen, darum muss er unbedingt noch dokumentiert werden. Wer auch nur Auszüge der Debatte gesehen hat, wird bestätigen, dass die politische Klasse Deutschlands erneut ein erbärmliches Bild abgegeben hat.

Wählerinnen und Wähler, vielen Dank, dass Ihr Leute, die in ihrer intellektuellen Fähigkeit zur Erfassung und angemessenen Verarbeitung von etwas komplexeren Vorgängen ein wenig unterkomplex strukturiert sind, zu unseren »Volksvertretern« gemacht habt.

Der Worte zum Thema sind im Grunde genug gebloggt, getwittert und geschrieben, es bleibt das Fazit von Kontrapunkt auf netzpolitik.org:

»Mag die große konservative Koalition dem Fortschritt auch abschwören, sterben werden sie trotzdem. Wenn sie sich nicht bald anfangen zu ändern. Etwas nervig ist es natürlich, dass wir so lange mit ihnen und ihrem gemeingefährlichen Unfug leben und die Folgen tragen müssen. Aber wir werden sie schon irgendwie überleben. Und ihnen dann zeigen: es geht auch anders. Ganz ohne Euch.«

Es steht auch noch stets das Gerücht im Raum, das Zensursula vorgeschickt wurde mit der Kipo-Keule das Gesetz durchzusetzen, was Schäuble vorschwebt, aber niemals realisiert bekommen hätte…

Und Danke für das putzige Filterbild.

Siehe auch Bluelectric, Indiskretion, Anke Gröner, und vieles andere von Netzpolitik gesammelte zum Thema.

zensursula stasi20

100.000! 72 Stunden Countdown für Zensursula-E-Petition

netzpolitik.org schreibt:

»Der aktuelle Stand der ePetition “Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten” sind 93248 Mitzeichner. Nachdem die erforderlichen 50.000 Mitzeichner zur Anhörung vor dem Petitionsausschuss in der Rekordzeit von unter vier Tagen geschafft worden sind, ist die nächste magische Zahl die 100.000er Marke.«

Also: Wer noch nicht die Petition gegen das Netzzensurgesetz der Bundesgebärministerin gezeichnet hat: Auf geht’s!

Und nein, Ihr braucht nicht mit einer schwarzen Limousine vor der Haustüre rechnen, wenn Ihr Euch auf dem Petitionsserver registriert, so weit sind wir (noch) nicht.

[Banner von jabka.de, Danke]

[Update 25.5.09 17:30] Und wer sich erst noch informieren muss, findet in der material- und kenntnisreichen kommentierten Linkliste von Netzpolitik.org eine Menge Stoff zum Lesen, Hören und Gucken.

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Die Krise des Webdesign-Bloggens, oder: Wo sind die neuen Helden?

Früher, da war alles besser. So um 2004 herum, da schrieben viele bloggende Helden Inspirierendes und Kluges über das Erstellen von Websites. So klug, dass (u.a.) daraus die »Web-Standards-Bewegung« entstand.

Nun haben wir 2009. Die Helden von damals genießen ihren Ruhm durch das Verkaufen von Büchern und dem Halten von Vorträgen. Bloggen tun sie höchstens noch, wenn ein neues Apple-Gadget erworben wurde. ;) Das sei ihnen gegönnt, denn nach den alten Helden sollten, wie überall im Leben, neue Helden kommen.

Und da ist das Problem. Wir finden eigentlich nur noch das hier:

Bild: Schema eines typischen Webdesignblogs Anno 2009

Listenbloggen nach Schema F, Ausgabe »Smashing-Magazin«. Uninspiriertes Raushauen möglichst umfangreicher Listen, die dann wie blöde überall verlinkt und in Deli abgelegt werden und die Werbe-Einnahmen befeuern sollen. Wenn diese Liste tatsächlich die »The 21 Most Popular Blogs for Web Designers« enthält, dann ist das nicht weniger als eine Bankrotterklärung. Die sehen alle gleich aus (siehe schematische Darstellung oben), enthalten alle ähnliche Listen. Eigentlich wirkt die Zusammenstellung fast unfreiwillig satirisch…

Uninspiriertes Listen-Schema hin oder her, vielleicht liegt es auch an mir, ich kenne einfach nichts Gutes mehr. ;)

Also, raus mit der Sprache, wo sind die Blogs, die auch 2009 in guter Schreibe inspirierende und kluge Dinge über das Erstellen von Websites bloggen, auch mal jenseits des Anfängerniveaus und vor allem, in ganzen Sätzen und nicht in Listen?

Bitte herein damit in die Kommentare. Danke.

P.S. Ich bin mir durchaus bewusst, dass in solchen Dingen »selber besser machen« angesagt ist statt andere Blogschreiber zu »dissen«. Braucht man also nicht in die Kommentare zu schreiben. ;) Es geht hier nicht um mich oder andere Blogger, sondern um die stets vorhandene gewaltige und alles umfassende Meta-Ebene über den konkreten Dingen.

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Das kleine Überwachungsstaat-Quiz: Wer hats gesagt?

»Es gibt jedoch gute Gründe, Internetsperren gegen Kinderpornographie zu installieren: Kinderpornographie fügt den betroffenen Kindern schwerste Verletzungen zu und traumatisiert sie oftmals für ihr ganzes Leben. Das dürfen wir nicht zulassen. Die Sperrungen haben eine Signalwirkung – für die Gesellschaft und für die Täter. Das Internet kann und darf kein rechtsfreier Raum sein.«

Auflösung: Nein, nicht die Zensursula. Es war die Grünen-Poltikerin Ekin Deligöz im Interview mit Cicero. Das zeigt, wie unübersichtlich die Fronten im gegenwärtigen »Kampf der Kulturen« verlaufen. Gerade von den Grünen, die sich mit ihrem eigenem Social-Network, eingeladenen Bloggern und einer Facebook- und Twitter-Offensive ihrer Amts- und Mandatsträger für die netzaffine Partei schlechthin halten, hätte man mehr erwarten können als das lächerliche und auch durch jahrelange Wiederholung nicht stichhaltiger werdende »Das Internet kann und darf kein rechtsfreier Raum sein«…

Übrigens lässt sich in all dem Grünen Netzkram keine klare Stellungnahme gegen die Netzsperrungen ausmachen, auch die Pressemitteilung des Bundesvorstands redet um eine klare Stellungnahme mit Wahlkampfgetöse herum. Schade, Grüne, so seid Ihr leider nicht mehr wählbar.

stasi2.0 überwachungsstaat zensursula grüne