re:publica 10 - »The Internet is a public place« - Jeff Jarvis und die »Grundrechtecharte für den Cyberspace«

Der Vortrag von Jeff Jarvis war einer der bisherigen (dieser Artikel wurde am Ende des zweiten Tags geschrieben) Höhepunkte.

Jarvis referierte das schon in einem Blog-Eintrag ausgearbeitete »German Paradoxon« aus. Sein amerikanisches Erstaunen über das splitternackte Erscheinen gemischter Sauna-Besatzungen auf der einen, aber fürchterliche Aufregung über Dinge wie Google Streeview auf der anderen Seite, verleitete ihn zu der Behauptung: Deutsche interessieren sich für »Privacy«, aber diese gilt nicht für die »Private Parts«.
Nach einigen Ausführungen über die unterschiedlichen Ausprägungen von »Privatsphäre« in unterschiedlichen Gesellschaften forderte Jarvis, dass wir das Internet als öffentlichen Raum garantieren müssen. Ein Verbot für Google Streetmap, wie es deutsche Dorfbürgermeister und andere lokale Potentaten fordern, wäre nur ein Anfang, am Ende dieser Verbotskette stände ein eingeschränkter öffentlicher Raum, in dem auch Du und ich keine Bilder mehr machen dürften, um diese z.B. im Blog unter die Leute zu bringen.

Deshalb bedarf es einer »Grundrechtecharte für den Cyberspace«, deren eigentümliche Wortwahl (wer sagt in diesem Jahrtausend schon noch »Cyberspace«) natürlich deren Verwurzelung in der legendären »Cyberspace Declaration Of Independance« von John Perry Barlow aus dem Jahre 1996 geschuldet ist. Jeff Jarvis´ Deklaration fordert (abgetippt von seinen Vortragsfolien):

  • Wir haben das Recht auf Vernetzung.
  • Wir haben das Recht zu Reden.
  • Wir haben das Recht uns zu versammeln.
  • Wir haben das Recht zu handeln.
  • Wir haben das Recht auf Kontrolle über unsere Daten.
  • Wir haben das Recht auf unsere eigene Identität.
  • Was öffentlich ist, ist ein öffentliches Gut.
  • Alle Bits sind gleich geschaffen. (Damit meint er »Netzneutralität«, RG.)
  • Das Internet sollte offen sein.

Donnernder Applaus für den sympathischen Professor aus den USA.

Die re:publica-Website hat ein Interview mit Jeff Jarvis und eine kurze Zusammenfassung. Nicht allen hat es gefallen, aber gerade bei dem Text hat die very german Angst aus der Abteilung »Medienkonzerne« die Tastatur geführt.

republica rp10 re-publica re-publica10 berlin jeffjarvis

re:publica 10 - »We are nowhere, and its now«

re:publica mal wieder! 2010 sieht die vierte Ausgabe, und wie bei den bisherigen drei bin ich auch dieses Mal dabei. Wie Peter Glaser zur Eröffnung anmerkte: »Was ist das Netz anderes als ein Ofenloch, in dem das Feuer glüht?« Genau. Und manchmal muss man auch hin, um mit den anderen um eben jenes Feuer zu tanzen.

Wie gesagt, Netzlegende Peter Glaser eröffnet die Veranstaltung mit ein paar warmen »Meta-Worten«, die man in seinem Blog vollständig nachlesen kann.

Interessant fand ich Glasers Gedanken, dass unser Leben im Internet nach dem »Klubprinzip« organisiert ist. Die Klubs heißen Facebook, iTunes oder Twitter. In Afrika soll es Gegenden geben, da spielen Musiker in Käfigen mit den Instrumenten, die sie dort vorfinden. Scheint so, dass wir in der Mehrheit genau so agieren.

Nichtsdestotrotz ist das Netz für Glaser »der beste Ort, an dem man heute sein kann.« Damit das so bleibt, müssen die Zugänge für die Nicht-Nerds, den »Rest«, also 90% aller Menschen, einfacher werden. Menschen interessieren sich nicht für Technik, sondern für andere Menschen.

Ein Beispiel dafür aus dem »prallen Leben« ist das Projekt 22 Pop, in dem eine mechanische Schreibmaschine für nicht-Computer-Menschen zu einer E-Mail-Versende-Maschine umgebaut wurde.

Nun also drei Tage re:publica vor der Brust. Auch wenn ich das Echo der Art »Öhhh-bääh, da sind ja nur die Netz-Masturbateure mit den iPhones versammelt« wohl vernehme, mir gefällt es bis jetzt wieder und ich bin gespannt auf die »restlichen« Tage.

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Das Comeback des Jahres

Da sind wir also wieder mal. Wer mir auf Twitter folgt, wird wissen, dass ich ja nicht »weg« war aus dem Netz, sondern in erster Linie in kurzen Worten problematisiert habe und eine gewisse, nach nunmehr fast 8 Jahren seit der Eröffnung meines ersten Blogs »das Netzbuch« eigentlich auch durchaus normale Blogmüdigkeit sich breit machte.

140 Zeichen sich aber irgendwie doch nicht genug für mein mitunter ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis. Letztens habe ich mal wieder festgestellt, wie praktisch es ist, in eigenen richtigen Texten von vergangenen re:publicas zu schmökern. Von damals, vor den großen Twitter-Kriegen, als man noch gebloggt hat. ;)

Nun also die III. Inkarnation, mal wieder unter einer neuen Domain und einem neuen, der II. Inkarnation angelehnten Namen: »Der Uninformat«.

Dieses Mal gibt es kein irgendwie geartetes dann doch nicht einzuhaltendes Konzept. Ich werde einfach konträr zu der von Social-Media-Beratern und anderen, vorwiegend in den sterbenden Strukturen des Papierjournalismus beheimateten Relevanzfaschisten verkündeten Weisheit »oh oh oh oh, Du musst Deine fokussierte Nische finden damit Du relevant bist beim Bloggen, Baby« wild ins Blaue hinein schreiben.

Hinter den Kulissen arbeitet ein renoviertes Multi-Blog-System in Rails. Das Rumeiern mit Systemen wie Textpattern und dem damit verbundenen ständigen unversionierten Rumfrickeln in Textareas halte ich in keinster Weise für zeitgemäße Web-Entwicklung, das musste alles weg. Mein diesbezügliches Blog- und Tool-Universum ist nun komplett PHP-frei.

Da mein Blog auch immer mein technisches Spielzeug ist und war, habe ich hier mal ein bisschen was reingehauen, was HTML5 und Webfonts angeht, mehr dazu in einem späteren Beitrag. Mir ist klar, dass es Probleme in 10 Jahre alten Windows-Schleudern mit pixeliger Schriftdarstellung geben könnte, aber ich probiere einfach mal und schaue, was so an Echo kommt. ;)

Auf ein neues, mal schauen ob und was dieses Mal dabei heraus kommt.

weblogs egosachen

Ein großer Tag

Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen, darum muss er unbedingt noch dokumentiert werden. Wer auch nur Auszüge der Debatte gesehen hat, wird bestätigen, dass die politische Klasse Deutschlands erneut ein erbärmliches Bild abgegeben hat.

Wählerinnen und Wähler, vielen Dank, dass Ihr Leute, die in ihrer intellektuellen Fähigkeit zur Erfassung und angemessenen Verarbeitung von etwas komplexeren Vorgängen ein wenig unterkomplex strukturiert sind, zu unseren »Volksvertretern« gemacht habt.

Der Worte zum Thema sind im Grunde genug gebloggt, getwittert und geschrieben, es bleibt das Fazit von Kontrapunkt auf netzpolitik.org:

»Mag die große konservative Koalition dem Fortschritt auch abschwören, sterben werden sie trotzdem. Wenn sie sich nicht bald anfangen zu ändern. Etwas nervig ist es natürlich, dass wir so lange mit ihnen und ihrem gemeingefährlichen Unfug leben und die Folgen tragen müssen. Aber wir werden sie schon irgendwie überleben. Und ihnen dann zeigen: es geht auch anders. Ganz ohne Euch.«

Es steht auch noch stets das Gerücht im Raum, das Zensursula vorgeschickt wurde mit der Kipo-Keule das Gesetz durchzusetzen, was Schäuble vorschwebt, aber niemals realisiert bekommen hätte…

Und Danke für das putzige Filterbild.

Siehe auch Bluelectric, Indiskretion, Anke Gröner, und vieles andere von Netzpolitik gesammelte zum Thema.

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100.000! 72 Stunden Countdown für Zensursula-E-Petition

netzpolitik.org schreibt:

»Der aktuelle Stand der ePetition “Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten” sind 93248 Mitzeichner. Nachdem die erforderlichen 50.000 Mitzeichner zur Anhörung vor dem Petitionsausschuss in der Rekordzeit von unter vier Tagen geschafft worden sind, ist die nächste magische Zahl die 100.000er Marke.«

Also: Wer noch nicht die Petition gegen das Netzzensurgesetz der Bundesgebärministerin gezeichnet hat: Auf geht’s!

Und nein, Ihr braucht nicht mit einer schwarzen Limousine vor der Haustüre rechnen, wenn Ihr Euch auf dem Petitionsserver registriert, so weit sind wir (noch) nicht.

[Banner von jabka.de, Danke]

[Update 25.5.09 17:30] Und wer sich erst noch informieren muss, findet in der material- und kenntnisreichen kommentierten Linkliste von Netzpolitik.org eine Menge Stoff zum Lesen, Hören und Gucken.

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Die Krise des Webdesign-Bloggens, oder: Wo sind die neuen Helden?

Früher, da war alles besser. So um 2004 herum, da schrieben viele bloggende Helden Inspirierendes und Kluges über das Erstellen von Websites. So klug, dass (u.a.) daraus die »Web-Standards-Bewegung« entstand.

Nun haben wir 2009. Die Helden von damals genießen ihren Ruhm durch das Verkaufen von Büchern und dem Halten von Vorträgen. Bloggen tun sie höchstens noch, wenn ein neues Apple-Gadget erworben wurde. ;) Das sei ihnen gegönnt, denn nach den alten Helden sollten, wie überall im Leben, neue Helden kommen.

Und da ist das Problem. Wir finden eigentlich nur noch das hier:

Bild: Schema eines typischen Webdesignblogs Anno 2009

Listenbloggen nach Schema F, Ausgabe »Smashing-Magazin«. Uninspiriertes Raushauen möglichst umfangreicher Listen, die dann wie blöde überall verlinkt und in Deli abgelegt werden und die Werbe-Einnahmen befeuern sollen. Wenn diese Liste tatsächlich die »The 21 Most Popular Blogs for Web Designers« enthält, dann ist das nicht weniger als eine Bankrotterklärung. Die sehen alle gleich aus (siehe schematische Darstellung oben), enthalten alle ähnliche Listen. Eigentlich wirkt die Zusammenstellung fast unfreiwillig satirisch…

Uninspiriertes Listen-Schema hin oder her, vielleicht liegt es auch an mir, ich kenne einfach nichts Gutes mehr. ;)

Also, raus mit der Sprache, wo sind die Blogs, die auch 2009 in guter Schreibe inspirierende und kluge Dinge über das Erstellen von Websites bloggen, auch mal jenseits des Anfängerniveaus und vor allem, in ganzen Sätzen und nicht in Listen?

Bitte herein damit in die Kommentare. Danke.

P.S. Ich bin mir durchaus bewusst, dass in solchen Dingen »selber besser machen« angesagt ist statt andere Blogschreiber zu »dissen«. Braucht man also nicht in die Kommentare zu schreiben. ;) Es geht hier nicht um mich oder andere Blogger, sondern um die stets vorhandene gewaltige und alles umfassende Meta-Ebene über den konkreten Dingen.

weblogs webdesign dev

Das kleine Überwachungsstaat-Quiz: Wer hats gesagt?

»Es gibt jedoch gute Gründe, Internetsperren gegen Kinderpornographie zu installieren: Kinderpornographie fügt den betroffenen Kindern schwerste Verletzungen zu und traumatisiert sie oftmals für ihr ganzes Leben. Das dürfen wir nicht zulassen. Die Sperrungen haben eine Signalwirkung – für die Gesellschaft und für die Täter. Das Internet kann und darf kein rechtsfreier Raum sein.«

Auflösung: Nein, nicht die Zensursula. Es war die Grünen-Poltikerin Ekin Deligöz im Interview mit Cicero. Das zeigt, wie unübersichtlich die Fronten im gegenwärtigen »Kampf der Kulturen« verlaufen. Gerade von den Grünen, die sich mit ihrem eigenem Social-Network, eingeladenen Bloggern und einer Facebook- und Twitter-Offensive ihrer Amts- und Mandatsträger für die netzaffine Partei schlechthin halten, hätte man mehr erwarten können als das lächerliche und auch durch jahrelange Wiederholung nicht stichhaltiger werdende »Das Internet kann und darf kein rechtsfreier Raum sein«…

Übrigens lässt sich in all dem Grünen Netzkram keine klare Stellungnahme gegen die Netzsperrungen ausmachen, auch die Pressemitteilung des Bundesvorstands redet um eine klare Stellungnahme mit Wahlkampfgetöse herum. Schade, Grüne, so seid Ihr leider nicht mehr wählbar.

stasi2.0 überwachungsstaat zensursula grüne

re:publica 09

flickr-Bild: Ruhe vor dem Sturm

Auch in diesem Jahr sind wir wieder bei der re:publica in Berlin dabei. Bekanntlich ist diese noch ein mal gewachsen und präsentiert sich dieses Jahr im großen Rund des Friedrichstadtpalast, wo sonst Revue-Girls die Beinchen schwingen.

flickr-Bild: Publikum lauscht einer weißen Gestalt

Gleich zum Auftakt gab es »schwäre Kost, Vitali«, als Blogforscher John Kelly das weite Rund in ein Stahlgewitter aus Powerpoint-Folien schubste.

Das Programm findet man hier, es gibt einen Livestream, es wird von hier getwittert, und wenn es im Stahlgewitter Überlebende gibt, bloggt sogar mal wieder einer richtig von hier, so wie früher, als sich Erschöpfung noch nicht nach 140 Zeichen breit machte. Und während die Blog-und-Zwonull-A-Promis die ersten Autogramme geben, stürzen wir uns wieder in das Getümmel…

republica rp09 republica09

Gentoo-Linux auf dem Powerbook G4, oder: Wenn dem Mac-Benutzer zu wohl wird...

Warum denn das?

Der Schreiber dieser Zeilen war von 1994 bis 2003 vornehmlich mit Linux unterwegs. Geswitcht wurde damals vor allem, weil in Sachen »Notebook und Linux« bspw. die Rumfrickelei mit ndiswrapper-Skripten und dem Herausfinden des Chipsatzes einer WLAN-Karte für das Benutzen eines Computers im 21. Jahrhundert völlig unangemessen erschien. Und das habe ich nie bereut, der Mac ist und war die perfekte Plattform für meine Arbeit, er funktioniert einfach.

Mein schönes altes Powerbook G4 aber, dass noch stets als mein Zweitgerät für Reisen und Konferenzen aller Art am Start ist, wird demnächst von Apple offiziell zum alten Eisen erklärt. Man bemerkt schon, dass Apple einen rigorosen Strich ziehen möchte. Der »Snow Leopard« wird Gerüchten zufolge keine Unterstützung mehr für Power-PC-Prozessoren enthalten, und der aktuelle Leopard und neuere Programme überfordern das kleine Powerbook mit seinen 867Mhz und 640 MB RAM ein wenig. Man sieht trotz leistungsfördernder Massnahmen wie das Deaktivieren von Spotlight fast so oft den Strandball wie auf vergurkten Windows-Kisten die Sanduhr. ;)

Also entstand die Idee, mal wieder ein wenig in die nerdige Welt des Betriebssystem-Frickeln abzutauchen und das kleine Powerbook mit einem alternativen, schnelleren Betriebssystem für den Alltags-Bedarf unterwegs zu versehen.

Der Power-PC, das Stiefkind der Distributionen

Mein Lieblingslinux Ubuntu wäre eigentlich erster Kandidat dafür gewesen, aber PowerPC-Rechner werden seit Ausgabe 6.10 nicht mehr unterstützt, es gibt nur noch einen inoffiziellen veralteten Release, der schon beim Boot von CD abstürzt. Danke, Herrschaften, so viel frickeln wollte ich dann auch wieder nicht. ;)

Nach ein wenig Herumschauen blieb als ernsthafte halbwegs aktuelle Alternative nur noch die »Linux-Distribution für Masochisten«, Gentoo, übrig. Auch das hatte ich einst schon mal im Einsatz, war dann aber nach dem ersten Ubuntu-Release gewechselt, weil die ewige Kompiliererei für alles und jedes eigentlich ein Witz ist. Auf dem PowerPC stellt sich gerade das als Stärke heraus. Da nicht irgendwer eine Binärdistribution erzeugen muss, steht für fast alles, was man so braucht, ein Paket zur Verfügung.

Installation

Frisch ans Werk, mit einem Boot von der Leopard-DVD wurde die Festplatten-Partition von Mac OS X um 15 GB verkleinert, das funktionierte wunderbar ohne Datenverlust.

Dann besorge man sich die Installations-CD für ppc/ppc64 und boote das Powerbook durch das Halten der »C«-Taste beim »Tataa« von der Installations-CD. Es folgt der mühsame Part, grafische Installation und ähnliches neumodisches Zeug gibt es nicht. Die Installation von Gentoo läuft noch wie im letzten Jahrhundert mit der Eingabe einer Myriade von Kommandozeilen-Befehlen ab. Man halte sich sklavisch an die Installationsanleitung der Online-Dokumentation, dann klappt die Installation ohne größere Probleme. Dabei nicht vergessen, ein Ethernet-Kabel an das Powerbook zu hängen.
Und bei der Erstellung des Kernels unbedingt die manuelle Methode verwenden, die genkernel-Prozedur funktioniert nämlich nicht.
Und auf gar keinen Fall die plausibel klingende Tastaturbelegung »mac-latin-1« verwenden, diese führt zum kompletten Chaos auf allen Tasten und der Notwendigkeit, von der CD zu booten, die Festplatte zu mounten und die Tastaturbelegung wieder auf »de-latin-1« umzustellen…

Grundkonfiguration

Nach dem ersten Boot mit dem neuen System steht man vor einem nackten Terminal-Login. Nun ist man noch lange nicht fertig, denn wir wollen ja auch eine grafische Oberfläche haben. Was es bei der Konfiguration der einzelnen Komponenten zu beachten gibt, steht im Gentoo Linux/PowerPC-FAQ.

Es wurde zunächst einmal nach dem X-Server-Konfigurations-HOWTO der X-Server eingerichtet und als Window-Manager Fluxbox installiert. Für das Alu-Powerbook G4 aus dem Baujahr 2003 verwendet man übrigens den »nv«-Videotreiber. Nach der Eingabe der entsprechenden emerge-Kommandos stellt man dann das Powerbook erst einmal ein paar Stündchen in die Ecke, denn das ganze Zeug muss nun erst einmal aus dem Code kompiliert werden. Am Ende stand dann ein funktionierendes grafisches System mit fluxbox, ein wenig »gepimpt« mit dem GSM-Theme.

flickr-Bild: Gentoo with fluxbox on a Powerbook G4

Software besorgen

Man braucht natürlich auch eine Software-Grundausstattung für den Unterwegs-Einsatz, als da wäre:

  • Firefox als Webbrowser: emerge firefox. Stundenlange Kompilierung.
  • mutt als E-Mail-Client für Zugriff auf den E-Mail-Server: emerge mutt. Als grafische Alternative claws.
  • Der Midnight-Commander für Dateimanagement: emerge mc.
  • mpg123 als MP3-Player für die Konsole: emerge mpg123.
  • vlc für Streams, Video und sonstigen Bedarf an Tönen und Bewegtbildern. Damit der auch etwas Abspielen kann, muss vlc per USE-Flags auf alle denkbaren Formate vorbereitet werden:
    USE=“aac altivec dvd flac id3tag matroska mmx mp3 mpeg ogg skins stream theora vorbis win32codecs x264” emerge vlc.
    Stundenlange Kompilierung folgt.
  • Als kleines Gadget für die Anzeige des Batteriestands, CPU-Auslastung etc., gkrellm: emerge gkrellm gkrellm-themes gkrellm-pmu.
  • Psi für Jabber: emerge psi.
Problemzonen

Wie sich das für ein ordentliches Frickel-Linux gehört, funktioniert natürlich außer den Basisfunktionen nichts »einfach so«.

Trackpad und die drei Maustasten

Das Trackpad hat natürlich keine rechte Taste, und die Sache mit »Ctrl-Klick« ist eine Funktion von Mac OS X, nicht der Hardware. In den weiten des Webs findet sich ein Würgaround, nämlich das Legen von Maustaste 3 und 2 auf die Funktionstasten F11 und F12, dazu schreibt man in /etc/sysctl.conf an das Ende:

	dev/mac_hid/mouse_button2_keycode=87
	dev/mac_hid/mouse_button3_keycode=88
	dev/mac_hid/mouse_button_emulation=1

Sonderzeichen auf der Tastatur

Die Powerbook-Tastatur wird nicht vernünftig unterstützt, also muss man sich eine Datei ins Home-Verzeichnis legen unter dem Namen .Xmodmap. Da Alt unter Linux als Meta-Key benötigt wird, und die Apfel-Taste beschäftigungslos ist, und eine unterschiedliche Tastaturbelegung auf unterschiedlichen Systemen die geistige Flexibilität bis ins hohe Alter erhält, habe ich die Sonderzeichen wie »[]|{}@« auf die Apfel-Taste umgelegt, die .Xmodmap:

	keycode 13 = 4 dollar dead_tilde
	keycode 14 = 5 percent bracketleft
	keycode 15 = 6 ampersand bracketright
	keycode 16 = 7 slash bar
	keycode 17 = 8 parenleft braceleft
	keycode 18 = 9 parenright braceright
	keycode 20 = ssharp question backslash
	keycode  94 = less greater bar
	keycode 115 = Mode_switch
	keycode 46 = l L at 
	keycode 57 = n N dead_tilde 

Je nach verwendetem Window-Manager wird die .Xmodmap evtl. nicht gelesen, dann muss man mit einem xmodmap ~/.Xmodmap in einem Terminal nachhelfen.

Hässliche Schriften

Die Standardschriften im Browser sind einfach unbeschreiblich abscheulich. Mit den Informationen aus dem Gentoo-Wiki kann man Abhilfe schaffen. Ein emerge world, wie dort empfohlen wird, habe ich aber nicht ausgeführt, denn das hätte zu einem tagelangen Rekompilieren des gesamten Systems geführt.

Sound

Töne möchte man auch gerne hören. Ist aber nicht so einfach, natürlich. In der Kernel-Config »ALSA« (Advanced Linux…) aktivieren, PowerPC-Sound-Devices in den Kernel einbauen und »Apple Onboard Audio Driver« als Modul erstellen. Drauf achten, dass das Modul snd_powermac durch einen Eintrag in /etc/modules.autoload.d/kernel-2.6 beim Systemstart geladen wird. Alsa-Mixer mit emerge installieren und schauen, dass der Ton nicht stumm geschaltet ist, was er als Standardeinstellung aus welchem Grund auch immer stets ist…

WLAN

Eine einzige Katastrophe, offensichtlich gibt es hier seit 2003 nur marginalen Fortschritt zu verzeichnen. Das PowerPC-FAQ von Gentoo gibt nur eine marginale Hilfestellung, man muss dann hier im Forum weiterlesen und mit obskuren Tools mit Firmware rummachen und dann die systemunabhängigen Ratschläge im Handbuch beachten.
Das hat dann irgendwie tatsächlich funktioniert. Und Hände weg von grafischen Tools wie NetworkManager, der stundenlang kompiliert, um dann die Einstellungen des obskuren »WPA-Supplicant« zu zerstören. Oder gar »wicd«, der für überhaupt keine Konnektivität mehr sorgt, sondern mit D-BUS-Fehlern glänzt. Man arbeitet lieber mit iwlist wlan0 scanning im Terminal, das funktioniert besser und zerstört nichts.

Epic FAIL

Was überhaupt nicht funktioniert: Der »Sleep-Modus«, hibernate und Co. führten nur zum Einfrieren des Rechners. Ärgerlich, aber verkraftbar, da der Rechner mit Gentoo innerhalb eineinhalb Minuten hoch- bzw. runter fährt.

Und es gelang mir nicht, das USB-Kernel-Geschlonz samt gphoto davon zu überzeugen, Bilder von meiner Powershot G5 herunter zu laden.

Und es gibt kein Flash und kein AIR, da Adobe nichts für Linux auf PowerPC anbietet, das sind die Freuden proprietärer Pseudo-Standards. Und auch keinen brauchbaren Twitter-Client, da ohne Gnome, KDE und Adobe-AIR einfach nichts Brauchbares im Gentoo-Angebot steckt.

xfce

Da mir fluxbox doch zu minimalistisch erschien, habe ich mir zum guten Schluss noch die Pakete des Window-Managers xfce besorgt: emerge xfce4 xfce4-mixer. Dessen Kompilierung dauert dann auch »ein wenig«, ist aber problemlos. xfce ist resourcenschonend, aber trotzdem in Verhalten und Optik einem richtigen Computer ähnlich und sieht auch leidlich hübsch aus:

flickr-Bild: Gentoo with xfce on a Powerbook G4

Praxiseinsatz

Diese Woche war das kleine Powerbook dann unterwegs im Einsatz. Hat gut funktioniert, das episch kompilierte Gentoo läuft rasend schnell und ist auch beim Offenhalten eines Firefox mit 10 Tabs sehr genügsam, im typischen Einsatz benötigt es nicht mehr als etwa 300 MB RAM. Und das grausame WLAN-Gefrickel buchte sich tatsächlich automatisch in die verfügbaren Hotspots ein, einem technischen Wunder gleich.

Fazit

Eigentlich ist der Einsatz von Gentoo grotesk, jede Installation kann den Rechner für Stunden beschäftigen, vieles was selbstverständlich funktionieren müsste, erfordert ewige Frickeleien. Ohne meine 14 Jahre Linux-Erfahrung und dem reichhaltigen Refugium Google wäre ich daran grandios gescheitert. Der Frickelfaktor beim Einsatz von Linux auf einem Notebook ist auch 15 Jahre nach Erscheinen des Linux-Kernels 1.0 unverändert hoch, zumindest mit Gentoo und einem Powerbook.

Auf der »Haben-Seite« steht ein flottes System mit einer Grundausstattung für den elementaren Bedarf, ein »Eigenbau-Netbook«, dass dem kleinen Powerbook neues Leben einhaucht.

powerbook linux gentoo ppc powerpc howto

Aus der Podcast-Playlist

iPod-Shuffle-Impression

Das Marathontraining hat wieder begonnen. Das bedeutet: Bei stundenlangen Läufen durch den Wald hat man Zeit für das Hören von Podcasts, Pendeln ist bei mir ja nicht mehr. Dieses Jahr möchte ich hörenswerte Podcasts als Empfehlung weitergeben, ich werde mich sowohl durch meine Lieblings-Podcasts hören als auch mal (für mich) neue Podcasts ausprobieren.

Z.B.: Küchenradio Nr. 195, mit Herrn Spreeblick Johnny Häusler zu Gast. Es geht dort etwas chaotisch zu, nichtsdestotrotz gibt es einen für Blogarchäologen interessanten Streifzug durch die Spreeblick-Historie. Man muss anschließend den iPod trocken föhnen, denn ein Teil des Küchenradio-Personals geifert durch das Audio-File nach Informationen und Zahlen, als es um das heikle Thema »Werbung in Blogs« geht. ;) Außerdem erfährt man noch, wieso Nachwuchskräfte auf Journalistenschulen fürchterliche Spießer sind. Hörenswert, kurzweilig – Empfehlung!

Bewährte Kost ist Chaosradio Express 100 »Das Internet und die Hacker« mit Hans Hübner. Es gibt zunächst einen etwas zähen Streifzug durch die Historie der Vernetzung und der Hacker der 80er Jahre. Ab etwa 1:30 h wird es aber richtig interessant, es geht u.a. um den KGB-Hack aus der Sicht eines Beteiligten, nach dem Motto: »Ich wollte eine VAX, und ich wollte sie in Ost-Berlin«. Wer Zeitmangel hat, bis etwa 1:30 h »vorspulen«.

Ebenfalls Chaosradio Express, anderes Thema in Episode 101 »iPhone Anwendungsentwicklung«. Für am Thema interessierte Pflichtprogramm, der Rest langweilt sich furchtbar.

Meta Meta Meta

Ich will nicht dissen und daher lasse ich mich nicht über die Podcasts aus, die ich nach 10 Minuten weggedrückt habe. Generell frage ich mich stets, wie sich das die Damen und Herren Podcaster so vorstellen: Es gibt da draußen mehr als einen Podcast, und das Zeitbudget der potenziellen Hörerinnen und Hörer ist begrenzt. Denn ich bin nicht der Ansicht, dass man Sprachprogramme hören kann, während man etwas anderes macht dessen Grad geistiger Beanspruchung über Spülen und Wäsche falten hinausgeht. Dazu ist der Mensch nicht konstruiert. Warum also soll ich mir einmal in der Woche ausgerechnet Euren Podcast geschlagene 2 bis 3 Stunden anhören?

Viele Podcasts ufern zeitlich immer mehr aus, ohne dass der Inhalt das hergeben würde. Kann man z.B. »ja, ich glaube Du bist ein bisschen leise«, »du musst mal Skype lauter pegeln« etc. nicht raus schneiden? Und einigen würde ich etwas mehr Konzentration auf den »roten Faden« empfehlen. Zumindest wenn Ihr wollt, dass ich zuhöre, ziellos brabbeln ohne Punkt und Komma kann ich nämlich selbst ausgesprochen gut, dazu brauche ich keinen Podcast. ;)

Und natürlich würde ich mich über Empfehlungen freuen, was man denn noch so hören kann, unterwegs zu Fuß in den endlosen Weiten der Wälder.

podcast

Mehdorn raus!

Die Abmahnung gegen netzpolitik.org ist nur der letzte Eintrag im langen Sündenregister von Bahnchef Mehdorn und seinen treuen Vasallen bei der Bahn. Ich kann mich dem Kollegen mspro nur anschließen: Mehdorn ist längst überfällig. Mehdorn ist nicht der Lehnsherr der Bahn, sondern vielmehr gehört die Bahn uns allen.

Interessant ist dieser bei mspro verlinkte Artikel bei stern.de aus den Zeiten des Theaters um den Börsengang der Bahn im März 2008. Und darin besonders die Rolle von Mehdorns Schutzherren bei der SPD. Und ein Kommentator dieses Artikels war prophetisch begabt (Zitat):

»Ob es schon eine Bahn-Geheimpolizei gibt, die Privatisierungsgegner aufspürt ? Würde mich nicht wundern, bei dem Propagandaapparat im Bahntower. Wenn dazu sogar Spitzenpolitiker brav nicken.«

Tja, gut getroffen.

Mehdorn raus!

bahn mehdorn mehdorn raus

Dezentrales digitales Treiben, oder: Noch ein Blog - Railssprech.de

Die Zerfaserung des meiner digitalen Identität schreitet weiter voran: Ab sofort blogge ich gemeinsam mit Beate über Ruby On Rails auf railssprech.

Nach wie vor fasst der großartige Aggregator Panta Rei aber natürlich alles zusammen und aggregiert auch dieses neue Unterfangen, und bietet, wie StammleserInnen wissen, einen Ralle-total-RSS-Feed mit allen Produkten meines digitalen Seins an.

Letztendlich bin ich in dieser ganzen Frage des digitalen Treibens, des Aggregierens des selbigen in Tateinheit mit dem ganzen unter dem schönen Namen »Lifestream« zusammenzufassenden Gedöns ebenso hin- und her gerissen wie unentschlossen. Was denn nun die wahre Taktik dafür ist? Man weiß es nicht! Bis von irgendwo eine Erleuchtung kommt, haut man halt überall die Sachen raus. ;)

weblogs rails