re:publica 13 in Sicht

Das Banner oben im Kopfbereich dieses kleinen Blogs am Rande der Stadt zeigt es an:
Es ist wieder Zeit für re:publica. Das kleine kuschelige Treffen der Blogger ist ein ganz schönes Monstrum von einer Konferenz geworden.

Nachdem ich 2007, 2008, 2009, 2010 und 2011 dabei war, ließ ich die Ausgabe 2012 »aus Gründen« aus. Deshalb bin ich wirklich gespannt auf den 2012 eingeführten neuen Veranstaltungsort.
Die überfüllte Kalkscheune und der finstere Friedrichstadtpalast waren zuletzt nicht mehr das Wahre und letztes Jahr hörte man vom neuen Ort nur Gutes.

Es wird ein kaum zu überblickendes Programm an Sessions und Tausende Besuchende geben. Und neben der obligatorischen Flut an Tweets und Gebloggtem aus den Kreisen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer natürlich die Berichte der Journaille, die (die Prognose wage ich mal) auch bei der 7. Ausgabe im Jahre 2013 nicht die ihren Berichten innewohnende Grundhaltung in der Art von Anthropologen, die einen Menschenfresserstamm in Papua-Neuguinea besuchen, wird ablegen können. Und einen täglich produzierten Reader als E-Book wird es auch geben. Sachen gibt’s!

berlin republica re-publica rp13 re-publica13

20 Jahre NCSA Mosaic

Heute vor 20 Jahren, am 21. April 1993, schrieb Marc Andreesen auf der Mailing-Liste www-talk:

»Version 1.0 of NCSA Mosaic for the X Window System, a networked information systems and World Wide Web browser, is hereby released.«

Mosaic war nicht der erste Web-Browser der Grafiken »inline« darstellen konnte (das waren Erwise und Viola), aber der erste grafische Browser der auf den »Jedermann-Computern« jener Zeit (sprich, Windows und Macs) installiert werden konnte.

Den historischen Mosaic-Browser kann man übrigens noch immer downloaden und installieren (Windows ist in seinen Strukturen alt genug dass ein Download von 1997(!) problemlos installiert werden kann).

1994 wurden die kommerziellen Rechte an Mosaic vom NCSA einer Firma übergeben, die diese an Microsoft weiterverkaufte. Microsoft entwickelte auf der Basis von Mosaic die ersten Versionen des »Werkzeug des Teufels«, dem berüchtigten Internet Explorer. Im gleichen Jahr verließ Mosaic-Entwickler Marc Andreesen das NCSA und gründete mit einigen anderen Netscape, die dann ja auch einen recht bekannten Browser herausgaben. ;-) So haben beide Fronten des ersten großen Browserkriegs »Netscape vs. Internet Explorer« ihre Ursprünge im selben Projekt.

browser historie www

Neues aus dem PPC-Lager

Das gute alte PowerBook G4, dessen »verlängertes Leben dank Linux« hier ja schon in einigen der spärlichen Beiträge thematisiert wurde, läuft immer noch wunderbar, obwohl es in ein paar Monaten schon seinen 10. Geburtstag erlebt. Das war halt noch Qualität, damals, als Apple noch richtige Rechner für Geekettes und Geeks herstellte statt Gadgets für Social-Media-Poserinnen und Poser die damit ihr Essen fotografieren und es twittern. ;-)

Das Setup ist seit den letzten Einträgen zum Thema vor schon fast 2 Jahren unverändert, das gute alte Motto »never touch a running system« habe ich mir dafür zu eigen gemacht. Es funktioniert, und Update-Bedarf sehe ich eigentlich nur bei Browsern und Clients für Twitter und ADN. Aber da wird sich wohl sowieso nicht mehr viel tun, gerade der Bereich »Clients für Twitter und ADN« sieht in Linux an sich ziemlich mau aus…

Ganz tot ist die Szene aber noch nicht. Auf Youtube hat jemand ein etwas langatmiges Video von seinem PowerBook mit Ubuntu 12.10 PPC gestellt. Scheint leidlich zu laufen, aber bei Ubuntus merkwürdigen Strategien habe ich meine Zweifel ob es den PPC-Port noch lange geben wird.

»PPC Luddite« testete kürzlich MintPPC 11 und Lubuntu 13.04 PPC an. Gerade MintPPC sieht recht vielversprechen aus, aber wie der Tester schrieb: »This being Linux, though, there are issues.«

Ja, »Issues«. Von daher hält sich meine Experimentierlust mit neuen Distributionen derzeit in Grenzen. Ich bin mir nicht mal sicher ob ich auf Debian 7 upgraden soll wenn es demnächst final wird, denn, wie gesagt: »Never touch a running system…«

linux debian powerbook ppc powerpc

Echtes Bloggen

Schreibt Jürgen Finn auf Carta in einer ebenso wahren wie lesenswerten Replik auf Sascha Lobos »UNSERE MÜTTER, UNSERE FEHLER«:

»Kommerzielle Blogs sind keine Blogs. Deshalb können sie auch keinen Einfluß haben. Im Gegenteil: Gerade mit der Kommerzialisierung benimmt sich ein Blogger seines Einflusses. Er macht sich gemein mit den „Professionellen“, die nach dem Brot gehen und ihren Werbekunden verpflichtet sind. So entstehen rasch Interessenkonflikte und Abhängigkeiten. Er verliert seine Glaubwürdigkeit. Das Blog degeneriert zur „Plattform“, zur Werbeplattform nämlich. Es wird zum „Format“, das befüllt werden muß, um ständig neue Leser zu ziehen – siehe oben. Die Kommerzialisierung ist keine Lösung, sie bringt nur Probleme mit sich.«

Das haben »wir alten aus der alten Bloggerzeit« ja schon damals gesagt. Es fehlte nicht an Versuchen, wir erinnern uns an schauerliche Monetarisierungsversuche wie bezahlte Auftrags-Blogeinträge für den Gegenwert von zwei Kästen Bier. Oder sehen täglich »Pro-Blogs« Banalitäten zu Artikeln aufblasen weil ja wg. der Werbung täglich etwas im Blog stehen muss. Und wir erinnern uns auch an die schon vor 10 Jahren ausufernd diskutierte Relevanz-Huberei. Bloggen reicht nicht, nein, es muss die Massen mobilisieren und bei Schirrmacher und Co. das blogferne Bildungsbürgertum erreichen. Nö. Bloggen lebt, gerade in den angeblich »irrelevanten« Nischen. Und das prächtig.

Wird Zeit wieder ein wenig mitzumischen. Wo ich doch schon letztes Jahr mein eigenes zehnjähriges Blog-Jubiläum ver-blog-paust habe.

weblogs

In getwitterten Stahlgewittern

»Aufgewachsen im Geiste einer materialistischen Zeit, wob in uns allen die Sehnsucht nach dem Ungewöhnlichen, nach dem großen Erleben. Da hatte uns der Krieg gepackt wie ein Rausch. In einem Regen von Blumen waren wir hinausgezogen in trunkener Morituri-Stimmung. Der Krieg mußte es uns ja bringen, das Große, Starke, Feierliche. Er schien uns männliche Tat, ein fröhliches Schützengefecht auf blumigen, blutbetauten Wiesen. Kein schönrer Tod ist auf der Welt . . . . Ach, nur nicht zu Haus bleiben, nur mitmachen dürfen!«
[Aus: Ernst Jünger: »In Stahlgewittern«]

Die Zeiten ändern sich. Zog Ernst Jüngers Generation noch höchstpersönlich, von der Gerechtigkeit ihrer Sache überzeugt, »in einem Regen von Blumen« in den Krieg, so hat die arbeitsteilige Gesellschaft des 21. Jahrhunderts dafür natürlich längst besoldete Stellvertreter, die in einem Regen von Tweets, aber nicht minder begeistert, los geschickt werden.

Ein Lehrbeispiel war der Libyen-Feldzug der NATO. Im Windschatten des »afrikanischen Frühlings« nutzte die libysche Oppostion die Gunst der Stunde und begann, mit getwitterten Splatter-Fotos und Gräuelberichten von unbekannter Authentizität die Social-Media-Öffentlichkeit des Westens zu beeinflussen, indem sie ihre Revolte als »Volksaufstand« dar stellte. Mit dem Gerücht über ein angeblich bevorstehendes Luftbombardement der libyschen Armee gegen die »Demokratiebewegung« liefen die twitternden und bloggenden Amateur-Strategen zur Hochform auf und schließlich wurde mit dieser Begründung das Eingreifen der NATO durch den UN-Sicherheitsrat gepeitscht. Das entsprach zwar wahrscheinlich nicht den Tatsachen (»Der Bundesregierung liegen keine detaillierten Informationen über Angriffe der libyschen Luftwaffe auf Zivilisten vor«, Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion am 21.4.2011), aber nun nahm das Geschehen seinen Lauf.

Ein großer Erfolg der Libyschen Opposition, Social-Media bewegt und mobilisiert. Qed. In Twitter brach ein Shitstorm gegen Westerwelle los, weil er einmal in seinem politischen Leben etwas richtig machte und sich gegen dieses militärische Abenteuer stellte. Man wollte dabei sein, man wollte in den Krieg, auf der Seite der Guten. Natürlich nicht persönlich, sondern mit dem Notebook auf dem Schoß.

Tweet von taz-Redakteur Mike Söhler am 19. März 2011

Nun, 7 Monate später, hat die NATO zu Ende bombardiert, Gaddafi ist tot, und was nun kommt in Libyen weiß noch niemand, wir werden es erleben. Die im Social-Media-Windschatten publizistisch mitmarschierenden Medien geben sich aber alle Mühe, das was kommen könnte schon einmal prophylaktisch schön zu schreiben.

Somit bleibt das erstaunliche Social-Media-Geschehen rund um den Libyen-Krieg der »Social-Media-Tiefpunkt« des Jahres 2011. Wir mögen tolle neue Technik haben und uns im alltäglichen Netzgeschehen als gesellschaftlich fortschrittlich gerieren, was haben wir doch gelacht und werden weiter lachen über die altmodischen Internet-Ausdrucker.
Letztendlich, das zeigte der März 2011, verhalten wir uns auch im Jahre 2011 wie Jüngers Generation 1914. Nur dass wir natürlich nicht mehr selbst los ziehen wollen, zu gefährlich, dem sei die arbeitsteilige post-industrielle Gesellschaft vor. Wir beobachten das lieber allzeit meinungsfreudig hinter dem Notebook und mokieren uns in Twitter und Co. über den Außenminister, weil er nicht fröhlich mit marschieren wollte. Die »trunkene Morituri-Stimmung« produziert nur noch Tweets.

twitter krieg libyen

Neues von der Linux-PowerPC-Front

Das alte PowerBook G4 mit seinem Debian Squeeze gedeiht noch stets auf das Allerfeinste. Es heilt sich sogar selbst! War der Kontakt, der beim Zuklappen des Lieblings-Mac normalerweise den Ruhezustand auslöst (unter OS X, mit Linux funktioniert das bei mir nicht) jahrelang kaputt, so funktioniert er neuerdings wieder einwandfrei! Das sind die heilenden Kräfte der Freiheit! ;-)

Auch wenn man so langsam merkt, dass PowerPC eine sterbende Plattform ist, so gibt es doch trotzdem auch noch brauchbare Linux-Softwareperlen (nicht nur) für die PPC-Plattform.

Mirage

Mirage ist ein wirklich sehr schneller Bilder-Angucker für Linux. apt-get install mirage bringt es in das System und man kann auch große Verzeichnisse mit großen Bildern außerordentlich schnell durchschauen, neben sxiv das schnellste Programm seiner Art.

Minitube

Ein anderes Problem ist Flash. Das gibt es von Adobe schon lange nicht mehr für Linux/PPC, was natürlich mal wieder hervorragend belegt, wie hirnrissig das von den so genannten »Pragmatikern« stets gebrachte Argument, Flash sei zwar keine freie Software aber trotzdem praktisch frei verfügbar, in der Realität tatsächlich ist. Aber ich schweife ab. Ab und an möchte man mal ein Youtube-Video schauen, HTML5-Video ist dort aber noch in den Kinderschuhen.
Dafür gibt es Minitube. Auf PPC besorgt man sich den Source und kompiliert das Dingen selbst.

sudo apt-get install build-essential qt4-dev-tools libphonon-dev
sudo make install

Das war schon alles, nun kann man Youtube durchsuchen und Videos schauen. Da oben auf dem Screenshot, da wo das blaue Rechteck ist, da würde nun das Video laufen, der Screenshotter scrot mochte das laufende Video partout nicht mitknipsen. Das Video läuft auch in Fullscreen und so genügsam, dass auf der alten Kiste nicht einmal der Lüfter anspringt.

Browser-Krise

Wie erwähnt, PowerPC ist eine sterbende Plattform, die neuen scharfen Browser sind alle nach und nach nicht mehr für diese Plattform verfügbar, Intel-Monokultur rulez!

Weder der Opera 11 noch der Firefox 4 sind mehr für Linux/PPC verfügbar, Chromium/Chrome bekanntlich noch nie, weil deren V8-Engine zwingend einen Intel-Prozessor voraussetzt.
Noch gibt es brauchbare Alternativen wie Midori (installieren mit apt-get install midori), einen flotten Webkit-Browser im GTK-Kleid (sogar mit Werbeblocker, damit auch in der Praxis einsetzbar), aber letztendlich wird man in der Welt der freien Systeme früher oder später in eine veritable Browser-Krise geraten, wenn man ein System abseits der Intel-Monokultur benutzt. Zumindest im Browser-Bereich ist die Vielfalt der freien Software also eigentlich keine.

linux debian powerbook ppc powerpc midori minitube mirage

re:publica XI – Von jenen die hoffen die »Pro’s« zu sein und andere Abenteuer

Wie angekündigt ging es also zum fünften Mal zur re:publica nach Berlin.

tl;dr: Voll war es, noch voller als 2010, da aber schon angekündigt wurde, dass es zur nächsten Ausgabe neue größere Räumlichkeiten geben wird, wird in dieser Hinsicht wohl alles gut. Die Vorträge waren wechselhaft, einige informative und einige wirklich schlechte waren dabei. Und sehr schön war natürlich der »Klassentreffen-Aspekt«, also genau das, was bei den Relevanzfanatikern aller Art immer als »selbstbezogen« wahrgenommen wird.

Weiter lesen…

berlin republica re-publica rp11 re-publica11

re:publica XI - Die Rückkehr

Und da ist es auch schon wieder soweit: re:publica XI steht vor der Tür. Wie bei allen bisherigen Ausgaben werde ich auch dieses mal wieder mit von der Partie sein. Erwartungen habe ich keine großartigen, einfach mal schauen wie es da so sein wird. Und ebenfalls schauen, ob sich der Trend fortsetzt, dass all’ die schönen Veranstaltungen, wo einst nur »wir kühle BloggerInnen und Nerds« rum liefen und unseren Spaß hatten, nach und nach von den »Social Media«(sic!)-Borgs, Beratern, PR-Fraggles, Marken-Kommunikations-Replikanten u.ä. übernommen werden. Denn es hat noch keiner gemerkt: Niemand will mit seinem Getränk, Sommerreifen oder Hämorrhoidensalbe in einen »Social-Media-Dialog« treten und vernetzen, wir (wer immer das auch genau ist) wollen eigentlich nur einen (mittlerweile nicht mehr gar so) neuen Kommunikationsraum bevölkern und entwickeln.

Das Programm liest sich wie immer vielversprechend, wenn ich das richtig verstanden habe gibt es für Euch daheim gebliebene zumindest einen Livestream aus dem Friedrichstadtpalast.

Gebloggtes von mir zu den vergangenen vier re:publicas der Jahre 2007-2009 findet das geneigte Auge im alten Blog, im neuen gibt es Gebloggtes zur Ausgabe des Jahres 2010.

Und natürlich Bilder von den Vorjahren:

republica rp11 re-publica re-publica11 berlin

Weiter, weiter, immer weiter

Und es wird immer weiter gelaufen, der nächste Marathon wartet im Mai und will gut vorbereitet sein. Und wenn man so eine ganz schön lange Zeit durch einen langen Raum rennt, passt »Raumzeit« sehr gut. Diese Podcast-Reihe beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Erforschung des Weltraums. Die ersten Episoden liefen etwas zäh an, ab »Raketenantriebe« kann man getrost einsteigen, und der zuletzt konsumierte zum Thema »Planetenforschung« war ein erster Höhepunkt der Reihe.
Als Einstieg zum Thema kann ich auch "CRE156 »Das Sonnensystem« ":http://chaosradio.ccc.de/cre156.html und CRE »Mikrokosmos, Makrokosmos« empfehlen. Hat man das alles verdaut, ist man auf dem aktuellen Forschungsstand in Sachen Weltraum und kann über die absonderlichen Fehlgriffe des Boulevards zu solchen Themen nur grinsend sein Haupt schütteln…

podcast weltraum

Übers Schreiben

Ein guter Text über das »Comeback-Bloggen« von Matt Webb (gefunden bei Johannes):

»The last time I wrote on my blog with any kind of regularity was early 2008. […] I’ve tried to write since. It’s not come. I was finding myself over-thinking my words. They’d seem to me try-hard poetic, and I prefer to write the way I speak. Or I didn’t have anything to say. Anything I said was obvious. Or I’d over-explain.«

Das geht wohl allen so, die früher mal regelmäßig ins Netz geschrieben haben: Es ist schwieriger als man denkt, zurück zu der Regelmäßigkeit und Selbstverständlichkeit zu kommen, mit der man damals Zeug raus gehauen hat. Da kommt man, wie Matt schreibt, wohl nur durch’s »Drauflos-Schreiben« raus. Ist heute auch schwieriger, gerade »Aktuelles« ist nach kürzester Zeit in Twitter und Co. sowas von durchgenudelt, dass die innere Relevanzaxt das zarte Pflänzchen eines Blog-Textes gleich wegholzt. Da hilft nur, um noch mal Matt zu zitieren: »Okay, fine, do it anyway.«

weblogs egosachen

Der App-Store – Fanal für die Flucht zu Ubuntu?

Da ist er nun also, der neue »App Store« auf dem Mac. Im Moment nur eine Ansammlung von einigen alten Bekannten und ein Füllhorn gefüllt mit dem Zeugs, das man schon beim letzten Macheist nicht auf seinem Rechner haben wollte. Aber das kann und wird sich sicher ändern.

Die Reaktionen reichen von den $-Zeichen in den Augen manch eines Entwicklers über »haha, boah ey, sowas hatten wir bei Debian schon 1998« bis hin zu Untergangsszenarien wie beim geschätzten Bloggerkollegen:

»Erst stellt Apple sein (von mir) vielgenutztes Download-Verzeichnis ein, dann erfindet die Firma aus Cupertino (ab MacOS X 10.6.6) einen AppStore für Desktop-Macs. Der nächste Schritt wird sein, daß man — ähnlich wie bei iPad und iPhone — Software nur noch über diese AppStore beziehen kann. Ich glaube, es wird wirklich Zeit, daß ich mich mit Ubuntu beschäftige.«

Letzteres ist ja unabhängig vom Untergang immer eine gute Idee. Linux-Distributionen hatten in der Tat schon immer einen »App Store«, der heisst nur von alters her »Paketverwaltung« und beinhaltet die gesamte Software des Betriebssystem und keine Angebote von der Distribution unabhängiger Entwickler. Von daher hinkt dieser Vergleich ziemlich gewaltig.

Einen Schritt weg von der reinen Paketverwaltung und damit am App-Store-ähnlichsten ist aber das »Ubuntu Software Center« (im folgenden USC genannt):

Interessanterweise ist im USC aber mitnichten nur die freie Software des Systems enthalten, sondern – das weiß kaum jemand – auch kommerzielle Software, auch wenn die Auswahl sehr bescheiden ist:

Und ganz wie bei Apple braucht man einen zentralen Account bei Ubuntu One, bei dem man seine Kreditkartendaten angibt und dann die Software kaufen kann. Kommt dem Mac-Nutzer irgendwie bekannt vor, es könnte sein dass die Flucht zu Ubuntu, weg vom gierigen Steve, vom Regen in die Traufe führt. ;)

Wie realistisch ist die vom Herrn Schockwellenreiter beschworene Gefahr überhaupt? Ist der App Store der erste Schritt hin zum abgeriegelten iOSifizierten Mac OS X? Ich kann es mir nicht so recht vorstellen. Apple verkauft eine Menge Alu an Entwickler und andere Anwender, die in Sachen Software Ansprüche haben, die mit dem Distributionskanal App Store und seinen Beschränkungen nicht abzudecken sind. Das hätte sich dann erledigt.

Der Ist-Zustand gibt noch keinen Grund zur Sorge. Der App Store ist derzeit lediglich eine Softwareliste mit Bezahlfunktion, wie z.B., s.o., das USC.

Und der Sog? Der scheint noch nicht gar so unwiderstehlich zu sein, wie die gierige Begeisterung einiger Entwickler uns glauben machen will.

Also, Fazit: Erst mal locker bleiben. Das nächste Release 10.7 »Lion« wird uns zeigen, wohin die Reise beim Mac geht.

mac osx ubuntu appstore