Meta-Bloggen: Wie ich blogge

Deko-Bild Hafenkran

Meta-Bloggen ist schon traditionell immer das liebste Bloggen, und da Frau Donnerhall da eine schöne Meta-Geschichte losgetreten hat und die großen alten Männer ;-) des Bloggens auch mitmachen fühle ich mich auch dazu berufen:

  • Blogger-Typ: Technik, Nerdgedöns und »sinnloses Aufregen«.
  • Gerätschaften digital: MacBook und iPhone.
  • Gerätschaften analog: Noch stets so wie damals ein teures Moleskine.
  • Arbeitsweise: Wenn was raus muss, wird es gebloggt. Außer ich habe gerade eine Blogpause, wie das in den nunmehr 10 Jahren des Bloggens häufiger mal vorkam.
  • Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?: Gebloggt wird mit einem Eigenbau in Ruby On Rails, an dem ich schon jahrelang herum schraube. Das ist ein datenbankgetriebenes Rails-App-Dings, das die Beiträge nach dem ersten Aufruf in statische Seiten cached und damit ein Mittelding zwischen statischen Dateien (Daten die nicht in einer DB liegen sind für mich keine Daten, die Erfahrung zeigt dass nichts für die Ewigkeit ist und mit SQL bekommt man alles strukturiert wieder raus und irgendwo rein) und voll-dynamisches Dingens (alles und jedes ständig aus Datenbanken holen erzeugt nur überflüssige Last) ist. Bookmarks und aufhebenswerte Fundstellen landen in meinem Pinboard oder bei Historious.
  • Wo sammelst du deine Blogideen?: In einer Textdatei namens “bloggen.md”.
  • Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet?: Nix bloggen. Ist aber für viele auch keine Option.
  • Benutzt du eine To-Do List-App? Welche?: Things für Mac und iPhone, aber nur für meine Arbeit, das Rumgeblogge läuft in der Regel völlig ungeplant.
  • Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät ohne das du nicht leben kannst?: Den Fernseher, weil ich ohne selbigen keinen Fußball sehen könnte oder zumindest nur in ruckelnden Streams. ;-)
  • Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?: Rennen. Nur 2 Promille der Gesamtbevölkerung sind in der Lage länger als 40 Minuten am Stück zu rennen, habe ich mal gelesen. Ich gehöre dazu und schaffe das auch über 42,2 km.
  • Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?: Nix.
  • Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall?: Ganz gewöhnlich.
  • Eher introvertiert oder extrovertiert?: Weiß nicht, eher »intro«.
  • Wer sollte diese Fragen auch beantworten?: Alle die ins Internetz schreiben.
  • Der beste Rat den du je bekommen hast?: Immer gucken bevor man über die Straße geht.
  • Noch irgendwas wichtiges?: Ich schließe mich den beiden Altbloggern an und zitiere dazu ein Zitat das der unvergessene majo immer zitiert hat: »Nichts ist wichtig, dazu ist die Welt zu groß.«

meta weblogs egosachen

»Reclaim Identity!«

Ein brillianter Text von Julius Endert bei Carta: »Reclaim Identity« (Zitat):
»Datenbrillen nach der Bauart der jetzt vorgestellten Google Glasses führen zum Verlust der Definitionsmacht über unsere Identität.«

Die Datensammelei ohne unser Wissen (z.B. mit Google Glass) führe zu einem Verlust über unsere eigene Identität. Aber Gesellschaften würden nur mit Individuen funktionieren, die als Subjekt selbst Herr über ihre Identitäten seien. Und eben nicht als Objekt.

datenschutz glasshole identität

Digital Bohemian Rhapsody: re:publica 13 – Tage 2 und 3 und das obligatorische große Fazit

Die re:publica 2013 ist nun auch schon wieder Geschichte. Alle fahren nach Hause, die Medien suchen nach der Message und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bloggen und twittern sich einen ab über das in den letzten Tagen erlebte. Ich auch, und es geht um Cyborgs, Roboter, Arbeit, Podcasts, die »jungen Leute« und die große »Message« über allem die es eh nie gibt…

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berlin republica re-publica rp13 re-publica13

re:publica 13 in Sicht

Das Banner oben im Kopfbereich dieses kleinen Blogs am Rande der Stadt zeigt es an:
Es ist wieder Zeit für re:publica. Das kleine kuschelige Treffen der Blogger ist ein ganz schönes Monstrum von einer Konferenz geworden.

Nachdem ich 2007, 2008, 2009, 2010 und 2011 dabei war, ließ ich die Ausgabe 2012 »aus Gründen« aus. Deshalb bin ich wirklich gespannt auf den 2012 eingeführten neuen Veranstaltungsort.
Die überfüllte Kalkscheune und der finstere Friedrichstadtpalast waren zuletzt nicht mehr das Wahre und letztes Jahr hörte man vom neuen Ort nur Gutes.

Es wird ein kaum zu überblickendes Programm an Sessions und Tausende Besuchende geben. Und neben der obligatorischen Flut an Tweets und Gebloggtem aus den Kreisen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer natürlich die Berichte der Journaille, die (die Prognose wage ich mal) auch bei der 7. Ausgabe im Jahre 2013 nicht die ihren Berichten innewohnende Grundhaltung in der Art von Anthropologen, die einen Menschenfresserstamm in Papua-Neuguinea besuchen, wird ablegen können. Und einen täglich produzierten Reader als E-Book wird es auch geben. Sachen gibt’s!

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20 Jahre NCSA Mosaic

Heute vor 20 Jahren, am 21. April 1993, schrieb Marc Andreesen auf der Mailing-Liste www-talk:

»Version 1.0 of NCSA Mosaic for the X Window System, a networked information systems and World Wide Web browser, is hereby released.«

Mosaic war nicht der erste Web-Browser der Grafiken »inline« darstellen konnte (das waren Erwise und Viola), aber der erste grafische Browser der auf den »Jedermann-Computern« jener Zeit (sprich, Windows und Macs) installiert werden konnte.

Den historischen Mosaic-Browser kann man übrigens noch immer downloaden und installieren (Windows ist in seinen Strukturen alt genug dass ein Download von 1997(!) problemlos installiert werden kann).

1994 wurden die kommerziellen Rechte an Mosaic vom NCSA einer Firma übergeben, die diese an Microsoft weiterverkaufte. Microsoft entwickelte auf der Basis von Mosaic die ersten Versionen des »Werkzeug des Teufels«, dem berüchtigten Internet Explorer. Im gleichen Jahr verließ Mosaic-Entwickler Marc Andreesen das NCSA und gründete mit einigen anderen Netscape, die dann ja auch einen recht bekannten Browser herausgaben. ;-) So haben beide Fronten des ersten großen Browserkriegs »Netscape vs. Internet Explorer« ihre Ursprünge im selben Projekt.

browser historie www

Neues aus dem PPC-Lager

Das gute alte PowerBook G4, dessen »verlängertes Leben dank Linux« hier ja schon in einigen der spärlichen Beiträge thematisiert wurde, läuft immer noch wunderbar, obwohl es in ein paar Monaten schon seinen 10. Geburtstag erlebt. Das war halt noch Qualität, damals, als Apple noch richtige Rechner für Geekettes und Geeks herstellte statt Gadgets für Social-Media-Poserinnen und Poser die damit ihr Essen fotografieren und es twittern. ;-)

Das Setup ist seit den letzten Einträgen zum Thema vor schon fast 2 Jahren unverändert, das gute alte Motto »never touch a running system« habe ich mir dafür zu eigen gemacht. Es funktioniert, und Update-Bedarf sehe ich eigentlich nur bei Browsern und Clients für Twitter und ADN. Aber da wird sich wohl sowieso nicht mehr viel tun, gerade der Bereich »Clients für Twitter und ADN« sieht in Linux an sich ziemlich mau aus…

Ganz tot ist die Szene aber noch nicht. Auf Youtube hat jemand ein etwas langatmiges Video von seinem PowerBook mit Ubuntu 12.10 PPC gestellt. Scheint leidlich zu laufen, aber bei Ubuntus merkwürdigen Strategien habe ich meine Zweifel ob es den PPC-Port noch lange geben wird.

»PPC Luddite« testete kürzlich MintPPC 11 und Lubuntu 13.04 PPC an. Gerade MintPPC sieht recht vielversprechen aus, aber wie der Tester schrieb: »This being Linux, though, there are issues.«

Ja, »Issues«. Von daher hält sich meine Experimentierlust mit neuen Distributionen derzeit in Grenzen. Ich bin mir nicht mal sicher ob ich auf Debian 7 upgraden soll wenn es demnächst final wird, denn, wie gesagt: »Never touch a running system…«

linux debian powerbook ppc powerpc

Echtes Bloggen

Schreibt Jürgen Finn auf Carta in einer ebenso wahren wie lesenswerten Replik auf Sascha Lobos »UNSERE MÜTTER, UNSERE FEHLER«:

»Kommerzielle Blogs sind keine Blogs. Deshalb können sie auch keinen Einfluß haben. Im Gegenteil: Gerade mit der Kommerzialisierung benimmt sich ein Blogger seines Einflusses. Er macht sich gemein mit den „Professionellen“, die nach dem Brot gehen und ihren Werbekunden verpflichtet sind. So entstehen rasch Interessenkonflikte und Abhängigkeiten. Er verliert seine Glaubwürdigkeit. Das Blog degeneriert zur „Plattform“, zur Werbeplattform nämlich. Es wird zum „Format“, das befüllt werden muß, um ständig neue Leser zu ziehen – siehe oben. Die Kommerzialisierung ist keine Lösung, sie bringt nur Probleme mit sich.«

Das haben »wir alten aus der alten Bloggerzeit« ja schon damals gesagt. Es fehlte nicht an Versuchen, wir erinnern uns an schauerliche Monetarisierungsversuche wie bezahlte Auftrags-Blogeinträge für den Gegenwert von zwei Kästen Bier. Oder sehen täglich »Pro-Blogs« Banalitäten zu Artikeln aufblasen weil ja wg. der Werbung täglich etwas im Blog stehen muss. Und wir erinnern uns auch an die schon vor 10 Jahren ausufernd diskutierte Relevanz-Huberei. Bloggen reicht nicht, nein, es muss die Massen mobilisieren und bei Schirrmacher und Co. das blogferne Bildungsbürgertum erreichen. Nö. Bloggen lebt, gerade in den angeblich »irrelevanten« Nischen. Und das prächtig.

Wird Zeit wieder ein wenig mitzumischen. Wo ich doch schon letztes Jahr mein eigenes zehnjähriges Blog-Jubiläum ver-blog-paust habe.

weblogs

In getwitterten Stahlgewittern

»Aufgewachsen im Geiste einer materialistischen Zeit, wob in uns allen die Sehnsucht nach dem Ungewöhnlichen, nach dem großen Erleben. Da hatte uns der Krieg gepackt wie ein Rausch. In einem Regen von Blumen waren wir hinausgezogen in trunkener Morituri-Stimmung. Der Krieg mußte es uns ja bringen, das Große, Starke, Feierliche. Er schien uns männliche Tat, ein fröhliches Schützengefecht auf blumigen, blutbetauten Wiesen. Kein schönrer Tod ist auf der Welt . . . . Ach, nur nicht zu Haus bleiben, nur mitmachen dürfen!«
[Aus: Ernst Jünger: »In Stahlgewittern«]

Die Zeiten ändern sich. Zog Ernst Jüngers Generation noch höchstpersönlich, von der Gerechtigkeit ihrer Sache überzeugt, »in einem Regen von Blumen« in den Krieg, so hat die arbeitsteilige Gesellschaft des 21. Jahrhunderts dafür natürlich längst besoldete Stellvertreter, die in einem Regen von Tweets, aber nicht minder begeistert, los geschickt werden.

Ein Lehrbeispiel war der Libyen-Feldzug der NATO. Im Windschatten des »afrikanischen Frühlings« nutzte die libysche Oppostion die Gunst der Stunde und begann, mit getwitterten Splatter-Fotos und Gräuelberichten von unbekannter Authentizität die Social-Media-Öffentlichkeit des Westens zu beeinflussen, indem sie ihre Revolte als »Volksaufstand« dar stellte. Mit dem Gerücht über ein angeblich bevorstehendes Luftbombardement der libyschen Armee gegen die »Demokratiebewegung« liefen die twitternden und bloggenden Amateur-Strategen zur Hochform auf und schließlich wurde mit dieser Begründung das Eingreifen der NATO durch den UN-Sicherheitsrat gepeitscht. Das entsprach zwar wahrscheinlich nicht den Tatsachen (»Der Bundesregierung liegen keine detaillierten Informationen über Angriffe der libyschen Luftwaffe auf Zivilisten vor«, Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion am 21.4.2011), aber nun nahm das Geschehen seinen Lauf.

Ein großer Erfolg der Libyschen Opposition, Social-Media bewegt und mobilisiert. Qed. In Twitter brach ein Shitstorm gegen Westerwelle los, weil er einmal in seinem politischen Leben etwas richtig machte und sich gegen dieses militärische Abenteuer stellte. Man wollte dabei sein, man wollte in den Krieg, auf der Seite der Guten. Natürlich nicht persönlich, sondern mit dem Notebook auf dem Schoß.

Tweet von taz-Redakteur Mike Söhler am 19. März 2011

Nun, 7 Monate später, hat die NATO zu Ende bombardiert, Gaddafi ist tot, und was nun kommt in Libyen weiß noch niemand, wir werden es erleben. Die im Social-Media-Windschatten publizistisch mitmarschierenden Medien geben sich aber alle Mühe, das was kommen könnte schon einmal prophylaktisch schön zu schreiben.

Somit bleibt das erstaunliche Social-Media-Geschehen rund um den Libyen-Krieg der »Social-Media-Tiefpunkt« des Jahres 2011. Wir mögen tolle neue Technik haben und uns im alltäglichen Netzgeschehen als gesellschaftlich fortschrittlich gerieren, was haben wir doch gelacht und werden weiter lachen über die altmodischen Internet-Ausdrucker.
Letztendlich, das zeigte der März 2011, verhalten wir uns auch im Jahre 2011 wie Jüngers Generation 1914. Nur dass wir natürlich nicht mehr selbst los ziehen wollen, zu gefährlich, dem sei die arbeitsteilige post-industrielle Gesellschaft vor. Wir beobachten das lieber allzeit meinungsfreudig hinter dem Notebook und mokieren uns in Twitter und Co. über den Außenminister, weil er nicht fröhlich mit marschieren wollte. Die »trunkene Morituri-Stimmung« produziert nur noch Tweets.

twitter krieg libyen