Netz-Tand 1

Dieses Snap-Zeugs breitet sich aus wie einst die Vogelgrippe im Sommerloch. Überflüssig wie ein Kropf. Die Vorschau ist nicht mal näherungsweise »live«, denn fährt man beim Tim mit der Maus über den Link zum 23C3 (s.o.), so sieht man die Vorschau der Congress-Seite, die aber bereits seit Tagen im Koma liegt. Und wieder ein Spielzeug, das Daten bereits irgendwohin überträgt, bevor ich eine Chance habe, mir zu überlegen, ob ich das will. Tand! Ab zum Flohmarkt damit, bzw. in den Adblocker, einfach alles blocken was snap.com ist.

Übrigens: Netz-Tand wird eine neue Reihe, die regelmäßig die nervigen Aspekte des Lebens im Web anprangert. Das ist auch bitter nötig, selbst Blogs, die ich von ihrem Inhalt her schätze, haben sich die Seitenleisten mit Tand aus dem Spannungsfeld zwischen Spielzeug und der »Ökonomisierung aller Lebenswelten« zugekleistert, das man mit dem »Adblocken« kaum noch nach kommt. Her mit dem Pranger, lasst uns Geschäftsmodelle ruinieren, deren Modell auf ungefragte Teilnahme ahnungsloser Besucher basiert…

snap.com snap tand netztand

Der letzte Mac?

Nach dreieinhalb Jahren ist es soweit: Mein etwas betagtes gutes altes PowerBook G4 wurde durch ein rasantes neues Macbook Pro ersetzt. Das kleine Kraftbüchlein aus dem Jahre 2003 mit seinen 867 MHz und 640MB RAM war als Hauptarbeitspferd eines als »Digitale Bohème« arbeitenden Webworkers doch ein wenig unterdimensioniert. Grund genug für eine pragmatische Betrachtung der Interoperabilität des neuen Macs mit dem kaputten Industrie-Standard und den philosophischen Aussichten in der Apfel-Welt nach Steves iPhone-Keynote.

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23C3: Das Fazit

Nun ist er also schon wieder Geschichte, der 23C3. Am gestrigen Silvesterabend waren die Nachwirkungen von vier Tagen Congress deutlich zu spüren, ich schaffte es so gerade noch ins neue Jahr hinein, man ist halt keine 20 mehr. ;-)

Der CCC-Congress ist wohl das einzige Ereignis, bei dem man bereits in der Nacht vor dem eigentlichen Start in einer Schlange steht, um das Ticket zu erwerben (Foto: ioerror@flickr). Das ist stets ein neuralgischer Punkt, da es keinen Vorverkauf gibt. Wir waren dieses Mal bereits am Abend vorher in Berlin eingetroffen und dachten, man könne um 01:00 Uhr in Ruhe vorher ein Ticket erwerben, denn man wollte schließlich nicht John Perry Barlow am ersten Tag verpassen. War nix!

Der Congress hat seine ganz eigene Atmosphäre, die man nur schwer denen vermitteln kann, die nicht dabei waren. Er ist nicht einfach nur ein weiteres Geek-Event mit Vorträgen, er ist auch nicht nur Hacken im schummrigen Licht des Hackcenters, er ist nicht nur ein Ort lebhafter Debatten über Themen der Netzkultur – er ist das alles zusammen und viel mehr. Man staunt immer wieder auf’s Neue über die tollen Ideen und Projekte, die dort vorgestellt werden. Bicyclemark hat einige Impressionen in einem hübschem Video zusammengestellt, das schon wieder Lust auf den nächsten Congress macht, wo man nicht mal die Tasche richtig ausgeräumt hat…

Fazit: Mir hat es auch dieses Mal gut gefallen, ein großes Danke schön geht an alle, die den Congress möglich gemacht haben. Und wenn nichts furchtbar Wichtiges dazwischen kommt, bin ich beim 24C3 natürlich wieder dabei.

Ein großes Problem, für das ich aber keine Lösung habe, ist die Sache mit der Konferenzsprache. Ich weiß, der Congress ist international, aber es gab einige Vorträge, bei denen man das Englisch der Sprecher kaum verstehen konnte, weil es von einem heftigen Akzent ihrer Muttersprache durchdrungen war. Und ich kann keinem noch so interessantem Thema folgen, wenn ich mich schon auf das nackte Verstehen der Worte höllisch konzentrieren muss. Martin hat die Problematik schon einmal sehr treffend geschildert. Simultanübersetzungen und ähnliche Dinge sind für eine solche Veranstaltung undenkbar, ergo scheint es so, dass wir uns mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner »Englisch« auf Kosten des Wortwitzes (man kann sich nun einmal in einer fremden Sprache nicht so ausdrücken wie in seiner eigenen) und (zumindest manchmal) der Verständlichkeit abfinden müssen. Schade.

Weitere Zusammenfassungen und Links:

23c3 berlin geotagged

Neujahrsansprache

Ein frohes, erfolgreiches, gesundes und in jeder Hinsicht gutes Jahr 2007 wünsche ich Euch allen!

Der 1.1. ist traditionell der große Tag des Schwadronierens, Resümierens und Prognostizierens. Da machen wir natürlich keine Ausnahme!

Das waren die zentralen Dinge in 2006: Den Heuschrecken »Lebewohl« gesagt – Der »digitalen Bohème« (nun ja, den Begriff gab es da noch gar nicht) »Hallo« gesagt – Wiesbaden »Ade« gesagt – Karlsruhe “Hallo” gesagt!

Und 2007: Spannende Sachen warten, Ihr werdet es mitbekommen! ;-)

Und noch Prognosen für 2007:

  • Große Dimension: Die Politik in ihrem Terrorwahn wird uns in immer neue Dimensionen ihrer Orwellschen Fieberträume einer ganzheitlich überwachten Un-Sicherheitsgesellschaft schubsen, und der Ernstfall für Art. 20 Abs. 4 GG wird langsam aber sicher am Horizont sichtbar.
  • Kleine Dimension 1: Immer mehr Menschen werden im Web als unbezahlte Hilfskräfte für Medienkonzerne arbeiten und sich allen Ernstes für «Bürgerjournalisten« halten. Während sich hinter den glitzernden Fassaden der industriellen Medienproduktion die glorreichen Strategen mit Designer-Brille und Gel in den Haaren prustend auf die Schenkel klopfen…
  • Kleine Dimension 2: Die ersten ganzheitlich obsoleten Web-2.0-Startups werden krachend zusammenstürzen und in ihren Trümmern zeternde Benutzer zurücklassen.
  • Kleine Dimension 3: Im Schatten dieser beiden schlagzeilenträchtigen Dimensionen wird zunehmend ein echter Bürgerjournalismus gedeihen, weil immer mehr Menschen bemerken, dass es nicht der Hilfestellung eines Ruhrgebietzeitungsmonopolisten oder Münchner Medienmultis bedarf, um im Web des Jahres 2007 eine Stimme zu haben.

Wir werden sehen!

2006 2007 neujahr prognose bürgerjournalismus

23C3: Podjournalism

»The Role of Podcasting in Critical and Investigative Journalism«

Bicyclemark, ein in Amsterdam lebender portugiesischer Podcaster, hält einen Vortrag über Podcasting als kritischen und investigativen Journalismus. Nach einer etwas länglichen und ein wenig gezwungen komödiantischen Einleitung über seinen Namen und sein Blog, erläutert er seinen Begriff »Podjournalism«. Wg. dieses Begriffs hat er irgendwelche Händel mit Wikipedia, lässt sich zumindest aus der Anzahl seiner Seitenhiebe auf selbige schließen…

Ausgangspunkt war in den späten 90ern (Zitat) »The Media Wasteland«, eine sich zusammenschließende schrumpfende Landschaft von Medienkonzernen in den klassischen Gebieten wie Zeitungen, Rundfunk etc.
Investigativer Journalismus, (Zitat) »the greatest we have in journalism«, wurde aus Kostengründen weitestgehend abgeschafft. Stattdessen gab es »Sensationalism« und »Bullshit Journalism«.
Merkmal des Old-Style-Journalism: Alles ist »Top-Down«. Oder auch: Medienkonzerne kochen. Wir essen es.

Irgendetwas musste diese Lücke füllen! Und was kam: Natürlich Blogs! ;-)

Und dann: Der Siegeszug der MP3-Player. Und “Media On Demand”. Und eine Sehnsucht nach dem »Ursprünglichen«, das in der kalten Perfektion allglatter Nachrichtenproduktionen verloren gegangen scheint.

Und auf all dem, dem Verfall der industriellen Medien, den in die Lücke stoßenden Blogs und die durch die Verbreitung von MP3-Playern geschaffene Basis zur Verbreitung von Sendungen »On Demand«, entsteht der Podjournalism, lt. Bicyclemark:

  • »The unpolished, personal research, focusing on a topic using available resources.«
  • »Sheds light on something happening in the world that effects people’s lives.«
  • »Opinion has its place besides actual fact based on research.«

Der Podjournalism hat den »Spirit« der guten alten investigativen Radio-Reporter.

Und die den Bloggern eigene, geradezu konstituierende Subjektivität, die im krassen Gegensatz zum Postulat der Objektivität, steht, welches sich der überkommene Journalismus auf die Fahne schreibt (zumindest formal)? Bicyclemark: »Is a myth!«

Der neue Podjournalism ist »Bottom-Up«: Keine Chefredakteure mehr, die Freiheit, ohne kommerzielle Zwänge kritisch (Werbekunden und damit einhergehende, auch implizite, Schreibverbote für gewisse Themen!) und kreativ sein zu können.

Podjournalism in Action:

Aussichten: Podjournalism steht im Wettbewerb mit den industriellen Medien, es gibt die Gefahr des Ausverkauf (Zitat): »Old Media has money, we don’t« – Industrielle Medien »kaufen« Podcaster und Blogger!

Und: »Will it survive?« Bicyclemark wagt keine Prognose, sondern sagt: »It’s up to you to decide what happens!«

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23C3: Lawrence Lessig - Creative Commons

Vorhin hielt Lawrence Lessig seinen Vortrag mit dem etwas verwirrenden Titel »On Free, and the Differences between Culture and Code«, und wurde vom Auditorium mit »Standing Ovations« gefeiert. Trotz des komischen Titels ging es darum, dass sein »Baby« Creative Commons (unter dessen Lizenzmodell übrigens auch dieses putzige kleine Blog steht) die Antwort auf die Herausforderungen für das Urheberrecht im digitalen Zeitalter des 20. Jahrhunderts ist. Lessig eröffnete mit einigen launigen Remix-Filmchen (u.a. diesem merkwürdigen Exemplar mit einer noch merkwürdigeren Website) und forderte, dass das Remixen vorhandener Werke der Kultur auf eine sichere rechtliche Grundlage gestellt werden müsse. Dies könne das gegenwärtige Urheberrecht nicht bieten, und Creative Commons (und seine Erweiterungen) sei die Antwort darauf.

Nichts Neues also für alle, die sich mit der Thematik schon einmal ein wenig beschäftigt haben. Aber es war meine erste Erfahrung mit dem mittlerweile schon legendären »Lessig-Präsentations-Stil«. Schon sehr beeindruckend und sehr effektiv. Die Ansicht einer solchen Präsentation sollte Pflicht für alle werden, die ihre Mitmenschen mit gräßlich überladenen und langatmigen Präsentationen tagaus tagein quälen…

23c3 lessig creativecommons copyright geotagged

23C3: Von Sputniks, Schienen, Pässen und Netzkunstdamen

Eines der interessanteren Projekte auf dem 23C3 ist die »Do-it-yourself«-Überwachung mit dem Sputnik. 1.000 dekorative Gadgets mit einem RFID-Chip wurden an die Besucherinnen und Besucher des Congress verkauft, die damit an einem Überwachungsexperiment teilnehmen. Ca. 30 RFID-Empfänger wurden im Gebäude verteilt. Diese empfangen und übermitteln die Signale an ein Visualierungssystem mit einem Terminal, auf dem die Bewegungen der Chip-Träger verfolgt werden können:

Was gab es sonst noch?

Peter Voigt, Rechtsanwalt, hielt einen ebenso materialreichen wie kundigen Vortrag über das anstehende gesetzliche Verbot des Hackings. Er versuchte, die Auswirkungen zu skizzieren und deutete das Handeln in der Grauzone an, sein Fazit: Man solle die noch verbleibenden nunmehr 75 Tage effektiv nutzen…

Sehr schön war wieder das nächtliche audiovisuelle Live-Feature der Hörspielwerkstatt der Humboldt-Universität zu Berlin. Dieses Jahr gab es ein Feature über den Computerpionier Konrad Zuse, das es demnächst bei 46halbe.org (ganz unten) zum nachlesen geben wird.

Eine Spur zu langatmig war dieses Mal der CCC-Jahresrückblick, zumal man als informierter Blogger von Welt ;-) die skizzierten Themen sowieso mitbekommen hat.

Eines der Highlights war natürlich der Vortrag von Beate über Ruby On Rails. Eigentlich war das ein Haecksen-Workshop für Frauen, aber der Raum war gerammelt voll, und vornehmlich männliches Publikum wurde dazu bekehrt, den Frickeleien Ade zu sagen und zukünftig in Rails zu entwickeln. ;-)

Die Abgründe des ePass beleuchteten starbug und Constanze. Fazit: Sicher ist was anderes!

Und Régine von we make money not art gebührt der Preis für den merkwürdigsten Vortrag bisher. Ohne Punkt und Komma und roten Faden stellte sie Projekte der Netzkunst vor. Unterhaltsam war es, aber mit dem eigentlichen Thema hatte es nix zu tun. Vielleicht ist der Vortrag auch deshalb nachträglich aus dem Fahrplan verschwunden?!?

23c3 sputnik ccc berlin geotagged

23C3: Kann ich mir trauen?

Auch dieses Jahr verbringen wir die, wie der Hund Marie sagen würde, »Tage ohne Haut« zwischen Weihnachten und Neujahr auf dem Congress, dem 23C3. Das Motto der diesjährigen Auflage fragt, wem man eigentlich noch vertrauen kann: »Who can you trust?« Denn, wie Tim Pritlove zur Eröffnung bemerkte, wir, »die Guten«, müssen uns einer unangenehmen Sache stellen (mitgeschriebenes Zitat): »The ugly thing we’re all afraid of: Reality.«

Und Netz-Legende John Perry Barlow brachte in seiner Keynote gleich einmal die ob des Motto scheinbar klaren Fronten (nämlich: Hier, wir, die Guten. Dort, die, die bösen Überwacher, traue ihnen nicht!) ins Wanken, als er, nach einer Anekdote aus alten Zeiten in »The Well« über Vertrauen und Identitäten von Online-Zeitgenossen sich unvermittelt an das Publikum wandte und trocken bemerkte: »I don’t trust you.« Denn die übelsten Bedrohungen des sozialen Zusammenlebens im Netz, Viren und Spam, würden letztendlich von Leuten realisiert, die mit »unseren« Fähigkeiten ausgestattet sein müssen. Wieso funktioniert die soziale Kontrolle zwischen »uns« nicht, wieso sind einige von uns bei den »Bösen«, und warum tun »wir« anderen nichts dagegen? Man hätte in dem Moment, als Barlow nach seiner Frage eine sehr effektive Pause einlegte, eine Stecknadel im voll besetzten Saal 1 fallen hören können. Das saß!

Für mich war es eine tolle Sache, John Perry Barlow einmal live zu erleben, zierte doch seine »Declaration of the Independence of Cyberspace« einst, im Jahre 1996, meine allererste Website an prominenter Stelle.

23c3 johnperrybarlow vertrauen geotagged

Da sind wir wieder

Was kann es schöneres geben, als kurz vor Ablauf des Jahres der Menschheit das großartigste Comeback seit dem Boxkampf von Axel Schulz zu schenken? Und das auch noch ausgerechnet auf dem 23C3 fertig zu stellen, wo man nicht weiß, worüber man sich mehr freuen soll: Die unzuverlässige Netzanbindung oder die blutrünstige ungewaschene Skript-Kiddie-Horde im Keller, die, während sie den Jahresstromverbrauch einer mitteldeutschen Kleinstadt mit ihren altertümlichen Schleudern verbraten, jeden meiner Schritte im Netz mitprotokollieren und nur auf einen Fehler warten?

Egal, da sind wir wieder! Es stellte sich heraus, dass ein Blogger ohne Blog ein Unding ist. Man schlendert auf dem Congress so herum, denkt sich »Boah, das blogge ich« und muss im nächsten Moment realisieren: »Aber isch abe ja gar kein Blog«. Geht gar nicht!
uninformation.org läuft auf einer Eigenentwicklung in Ruby On Rails. Dazu schreiben wir bei Gelegenheit mal mehr, jedenfalls sind wir noch zu 100% Beta und die de/reKONSTRUKTION ist noch lange nicht beendet, schließlich muss sie noch ihr einjähriges Jubiläum erleben!

Wie auch immer: Ab jetzt wird wieder gebloggt. Man muss ja, wenn schon Konstantin nicht mehr mag.

Das gute alte Netzbuch bleibt natürlich im Netz erreichbar, nur die Startseite und die Feed-Adressen werden weiter geleitet.

Wenn jemand auf technische Probleme und böse Sachen stösst, einfach kommentieren oder Mail an ralf (at) uninformation.org.

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Das Zeitalter der Uninformation

Ja, die Informationsgesellschaft. Versprechen einer prosperierenden Welt ohne schmutzige Hände. Aufgeklärte Bürger treffen informierte Entscheidungen. Immer schnellere digitalere Informationsmedien bilden die Basis für informierte Entscheidungen informierter Bürger.

Was haben wir gelacht. Nie gab es so technisch ausgefeilte Möglichkeiten der Übermittlung von Information. Nie wurden sie für so wenig Inhalt genutzt. Häppchen überall. Nicht-Information dominiert die Information, es ist ein neues Zeitalter, das Zeitalter der Uninformation: Hier ist uninformation.org!

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