Digitale Teilhabe und statische Seiten

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Armin Hanisch hat zwei schöne »Weblog-Meta-Longreads« gebloggt (via Schockwellenreiter):

In »WordPress, Hugo & Digitale Teilhabe« wird anlässlich der »DSGVO-Blog-Abschaltwelle« der Bogen gespannt von den Anfängen der Bloggerei, der Weltherrschaft von Wordpress, den aktuellen Trends zu statischen Blogging-Systemen wie Jekyll, Hugo, Hexo, Gatsby und Co. bis hin zum Anspruch, seine Inhalte nicht in irgendeiner Plattform zu versenken, sondern unter eigener Domain und eigener Kontrolle zu halten.

Soweit so gut und lesenswert, doch IMHO geht es dabei inhaltlich ein wenig durcheinander. Ich kontrolliere meine Inhalte selbstverständlich auch dann, wenn ich auf meinem Server oder Webspace ein Wordpress installiere. In der Hinsicht unterscheidet sich das nicht von statisch generierten Webseiten, natürlich muss ich dann für die Daten auf dem Server eine Backup-Strategie haben. So wie ich das auch für mein Verzeichnis mit Markdown-Dateien auf meinem Computer daheim haben muss.

Und am Ende heißt es, als statische Generatoren als einfachere Alternative zu Wordpress und Co. vorgeschlagen werden:

»Der überwiegende Teil alle der Auftritte, die im Zuge der DSGVO panikartig abgeschaltet wurden, ging deshalb vom Netz, weil die Betreiber schlichtweg keine Ahnung hatten, was da alles passiert.«

Nach meiner Erfahrung wird aber jemand, der durch ein doch relativ übersichtliches (sofern man es bei Themes und Plugins nicht übertreibt) System wie Wordpress nicht durchblickt, mit statischen Generatoren auch nicht glücklich werden. Ohne Kommandozeile kommt man praktisch nicht aus, man muss die benötigten Komponenten installieren (je nach System mit Ruby und RubyGems oder man begibt sich gar in die selbst unter Entwicklerinnen und Entwicklern verhasste »npm-Hölle«) und sich ein Deployment (Übertragen der fertig gerenderten Website zum Hoster oder Server) überlegen. Nicht umsonst war die erste »Catchline« der ersten Jekyll-Versionen damals »Blogging for Hackers«…

In »Warum Markdown« liefert Armin Hanisch dann noch eine schöne Einführung in Markdown. Früher war ich eigentlich eher der Typ für Textile, aber es ist wie mit VHS vs Beta oder Windows vs Mac: Das bessere System hat verloren und man gewöhnt sich auch an Markdown…

Grundsätzlich finde ich es natürlich hervorragend, dass durch DSGVO, die »Datenkonzerne« und dem modischen Trend zu statischen Generatoren das Bloggen auf dem eigenen digitalen Grundstück wieder einen zarten Aufschwung nimmt. Weiter so!

Sie kommen alle wieder!

weblogs hugo

Wenigstens ein paar Konstanten gibt es in diesen unsteten Zeiten: Viele der »alten« Blogger von »damals« (als wir noch eine »Blogosphäre« hatten) sind noch da oder kommen wieder. So auch Konstantin, dessen Bloggerabschied nicht allzu lange andauerte. Und das auch noch hypermodern mit Hugo, einem rasend schnellen Generator für statische Seiten (via Schockwellenreiter, auch so ein »Alt-Blogger«…).

Hugo habe ich mir auch schon mal angeschaut. Das Ding ist in Go geschrieben und wirklich rasend schnell. Letztendlich bin ich bei Jekyll geblieben, weil Ruby halt »meine« Programmiersprache ist und ich mir, wenn ich ein Feature für die Blogs brauche, stets mit einem kleinen Plugin zu helfen weiß. Was in Hugo deutlich komplizierter ist.

Pleroma

pleroma socialmedia mastodon

(This post is also available in english…)

Regelmäßig wandern Social-Media-Alternativen zu Twitter und »Evil Facebook« durch die Kanäle. Dann macht sich jede(r) einen Account und postet drei Nachrichten, um dann mit den Worten »Hier ist ja gar nix los« nie mehr wiederzukommen. Kürzlich war der Kandidat für einen solchen kurzen Ruhm das etwas zweifelhafte Vero

Vor etwa einem Jahr war es Mastodon, das ähnlich wie Identica, Friendica und Co. einen dezentralen Ansatz hat und mit anderen Instanzen via GNU Social, ActivityPub oder OStatus (Kurz-)Nachrichten austauschen kann.

Eine Mastodon-Instanz kann im Prinzip jeder aufsetzen, die technischen Anforderungen sind allerdings recht hoch. Das möchte ein neues Projekt namens Pleroma ändern. Eigentlich sind es zwei Projekte, ein Frontend (also das was man im Browser sieht und in dem man seine Nachrichten absetzt) und ein Backend (das im Hintergrund die Kommunikation erledigt). Ein Projektbeteiligter namens »soykaf« hat eine gut verständliche Einführung zu Pleroma geschrieben, die auch eine kleine Liste laufender Instanzen enthält (via A Fresh Cup).

Wenn die Entwicklung der »Großen« so weitergeht, werden die Alternativen in Sachen »Social-Gedöns« sein: Es bleiben lassen. Oder etwas eigenes dezentrales aufsetzen. Letzteres ist natürlich Arbeit…

Einen Mastodon-Account habe ich natürlich auch: mastodon.social/@leralle. Aber da ist nicht viel los…

Naiver Hype wie 2006, oder: Vero

socialmedia vero

Man sollte es nach all den Jahren seit »Web 2.0« echt besser wissen: Wenn durch Twitter mal wieder eine Hype-Welle für das »nächste großartige Social-Network wo man dabei sein muss« braust (»Haste mal nen Pownce-Invite?«), sollte man nicht hastig die App downloaden und sich datengroßzügig anmelden, sondern erst einmal abwarten und sich informieren, was und vor allem wer dahinter steckt…

Und was macht der Autor dieser Zeilen? Loadet die App down und meldet sich an…

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Jekyll hat eine neue Chefin!

jekyll

Der Seitengenerator jekyll, der auch dieses kleine Weblog und seinen Fußballblog-Zwilling antreibt, hat eine neue Chefentwicklerin, Olivia Hugger: »Meet Jekyll's New Lead Developer«:

»In my [Parker Moore, der bisherige Chefentwickler] conversations with Olivia, it is clear that Jekyll’s vision of simplicity for the user (no magic!) and letting users’ content be king will remain a top priority.«

Welcome! Man darf gespannt sein, wie sich mein Lieblingsblogsystem weiterentwickelt. Der Hype um statische Seitengeneratoren nimmt gefühlt von Monat zu Monat zu. Wir sind schon in der Phase, in der sich Menschen wohlklingende Abkürzungen ausdenken. So wurde aus »ich baue mir mit einem Generator eine statische Site und mache darin mit JavaScript ein paar Sachen« der »JAMStack«

Jekyll gefällt mir noch stets außerordentlich. Es ist ein sehr flexibles System, wenn man in Ruby programmieren kann gibt es fast nix, was man damit nicht bauen könnte.

Nichtsdestotrotz missfällt mir bei der aktuellen »offiziellen« Entwicklungsrichtung vor allem der Fokus auf das Deployment auf Github-Pages. Warum soll man nach dem Code der Welt auch noch die Blogs der Welt auf Github zentralisieren?

Ebenso missfällt der Trend zum Verkomplizieren. Warum soll man ein Plugin, das 10 Zeilen funktionalen Code enthält, als Gem ins Blog packen, statt einfach eine Datei im plugins-Ordner anzulegen?

John Perry Barlow

johnperrybarlow internet netzpolitik

John Perry Barlow 2009, Wikimedia Commons

John Perry Barlow, Viehzüchter, Greatful-Dead-Songwriter und Netzaktivist, ist gestern im Alter von 70 Jahren verstorben. Seine »Declaration of the Independence of Cyberspace« war, wie Heise im Nachruf schreibt, »einer der wichtigsten Aufrufe der frühen Internetbegeisterung«. In der Tat hat dieser Text auch mich damals in meiner »begeisterten« Internet-Anfangszeit maßgeblich geprägt…

[Bild: John Perry Barlow, Wikimedia Commons, CC BY 2.0 von Joi unter Creative Commons Attribution 2.0 Generic Licence, thanks!]

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