Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel meines ersten Weblogs das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war. Aktuellere Artikel hat die neueste Version der Uninformat im Angebot.

Archivierte Artikel mit dem Tag windows

Mac Techkram

Der Mythos der »Roten Box«

Seit der Boot-Camp-Vorstellung kann man Spekulationen lesen, Apple würde ins nächste OS X eine »Red Box« einbauen, die das Starten von Windows-Programmen (à la Classic) unter OS X erlauben würde, so in der Art von Wine. Schöner und detaillierter als ich es je könnte, führt Daniel Eran aus, warum derartige Vorstellungen von einer gewissen technischen Naivität gespeist und daher eher unwahrscheinlich sind: »Unraveling the Red Box Myth«:

»Which raises a question for the second leap of logic: why? Why would Apple have an interest, desire, or profit motive to sideline its existing business, and developments already in progress, to devote a massive investment in maintaining a secondary version of the Windows platform, entirely dependent on the whim of Microsoft? […] No, Cringely and an army of wishful thinkers demand that Apple spend up its limited resources making Mac OS X run a limited selection of Windows applications in a strange compatibility box, where they look and feel neither exactly like Windows nor native to Mac OS X. How ridiculous! The ideas behind the Red Box Myth are so patently absurd that anyone who refers to it as the logical next step for Apple deserves to have their credibility seriously called into question.«

Für jede(n) mit Interesse am immerwährenden Betriebssystemzirkus aus der Perspektive eines angebissenen Stück Obstes gilt: Lesebefehl!

mac apple windows microsoft redbox bootcamp

Mac

Die Hölle friert zu: Windows auf Macs!

Sowas! Apple ist immer wieder für eine Überraschung gut und unterstützt mit Boot Camp offiziell die Installation von WinXP auf Intel-Macs. Vielleicht lässt die Namenswahl ja auf die Intention schließen: Wikipedia – Bootcamp.

Mir persönlich würde schlecht und ich bräuchte ganz schnell eine Tüte, wenn auf dem schönen Mac das abscheuliche Virenschleudersystem booten würde. Abgesehen davon lehrt die Dual-Boot-Erfahrung mit Linux und Windows auf einem PC, dass man keinen Bock hat, ständig das System zu rebooten, nur um eine Anwendung zu starten.
Dual- (oder Multi-)Boot ist also, außer man ist Softwareentwickler und braucht einen Zoo von Systemen zum Testen, auf die Dauer nicht praktikabel. Zumal es auf Macs mit Mac OS X nicht üblich ist, das System nach der Arbeit herunter zu fahren und zu Beginn der nächsten Session wieder neu zu booten.

Aber: Ist das ein genialer Schachzug oder der Anfang von Apples Ende?

Geschichte wiederholt sich zwar nicht. Aber man kann, soll und muss aus ihr lernen. Also: Einst gab es ein System namens OS/2. Innerhalb des Systems lief das damalige Windows 3.1. Also sagten die Softwarehäuser: »Hey, OS/2-User, warum sollen wir uns der Mühsal unterziehen, eine OS/2-Version von KannNichtVielAberKostetNeMenge zu entwickeln, wo Du doch problemlos die Windows-Version nutzen kannst?«
Tja, und so wollte irgendwann niemand mehr das schöne OS/2 benutzen, weil es keine Software dafür gab, und heimlich still und leise verstarb es, weil es nur noch auf Geldautomaten Verwendung fand…

Man darf gespannt sein. Vielleicht markiert dieser Tag den Anfang vom Ende.

apple macosx windows bootcamp

Linux

Hässliche Desktops

Ein schönes Freitags-Thema ;-) wirft Computerwoche-Autor und Blogger Thomas Cloer auf: »Last, but not least ist das ganze Open-Source-Zeug (natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel) auch noch immer irgendwie hässlich. Woran das liegt, weiß ich auch nicht. Programmierer verstehen halt selten was von Eye Candy, und Designer umgekehrt selten was vom Coden. Aber die Community muss irgendwann mal kapieren, dass das sprichwörtliche Auge auch mitisst.« Leute, mal ehrlich: Gibt es etwas hässlicheres als Windows? Von Benutzer-Konsistenz mal ganz zu schweigen. Jeder, der mal in einem hässlichen Dialog voller Reiter den Erweitert-Knopf gedrückt hat, um dann einen neuen Dialog mit hässlichen Tabs und Erweitert-Knöpfen präsentiert zu bekommen, weiss, wovon ich rede. Und dass Thomas ausgerechnet OpenOffice als Beispiel für die Hässlichkeit von Open-Source-Software anführt, ist mehr als unfair, denn das verbreitet in dem Bestreben, DAU-sicher zu sein, mit seiner Windows-95-Optik auf jedem System, egal ob Windows, Linux oder Mac OS X, die übelriechende Aura von Tod, Verderben, Flickwerk, Viren und Datenverlust, die man logischerweise gemeinhin mit Windows assoziiert. Sprich: Es ist so hässlich, weil es so nach Windows aussieht. Darum suchen auch alle auf dem Mac händeringend nach Office-Alternativen.

Und wahrscheinlich hat Thomas noch gar nicht mitbekommen, dass man Linux-Desktops optisch so tunen kann, wie man gerne möchte. Im Gegensatz zu Windows, übrigens…

linux windows desktop openoffice

Techkram

Happy Birthday, MS Windows!

Heute vor 20 Jahren, am 20. November 1985, erschien in den USA die erste Version von Microsoft Windows. Bei der Gelegenheit fällt mir einmal mehr auf, dass es praktisch keine Windows-Fan-Blogs gibt, die solche Daten ähnlich den zahlreichen Mac- und Linux-Blogs angemessen feiern würden. Anscheinend benutzen es (fast) alle, weil sie es nicht anders wollen/können/dürfen. Während aber die Mac- und Linux-User ihr System »ins Herz geschlossen haben«, behandeln die Windows-UserInnen ihr System eher wie eine Grippeschutzimpfung: Man braucht es, aber man mag es eigentlich nicht.

Da ich ja alt bin ;-), kann ich ein wenig vom Krieg erzählen. Damals, Mitte der 80er, hat das Erscheinen von Windows niemanden wirklich interessiert. Selbst Microsoft Deutschland muss angesicht des Geburtstags eingestehen, dass »Windows im Jahre 1985 noch eine Software für EDV-Enthusiasten« war. Wir PC-Benutzer schauten damals ein wenig neidisch auf die Benutzer von Apple-, Atari- und Amiga-Rechnern. Während wir DOS booteten und der Norton Commander der einzige Luxus auf der kargen Benutzeroberfläche war, konnten sich die Benutzer der anderen Rechner den Luxus graphischer Benutzeroberflächen gönnen.
Nicht Windows war damals der Favorit auf die Position der grafischen Standard-Oberfläche für PCs, sondern eine Portierung der Atari-Oberfläche für PCs namens GEM (Bild: Toastytech via Wikipedia):

Als die Pläne für die Portierung von GEM auf den PC ruchbar wurden, verklagte Apple (schon damals klagefreudig) den Hersteller Digital Research, und GEM auf dem PC musste so verkrüppelt werden, dass es niemand benutzen mochte. Letztendlich bereitete damit Apple den Boden für den Siegeszug von Windows, der aber erst 1990 mit Windows 3.0 beginnen sollte.
GEM ist übrigens im Laufe der Zeit zu einer OpenSource-Anwendung mutiert und kann erstaunlicherweise sogar noch gesaugt und installiert werden.

Zurück in die Mitte der 80er-Jahre. Selbstverständlich sahen die zeitgenössischen Entwickler für die PC-Plattform die Notwendigkeit, $AnwenderIn mit einer komfortableren Oberfläche für die tägliche Büroarbeit auszustatten. Es entstanden die so genannten integrierten Pakete, die MS-DOS mit einer eigenen Oberfläche für Standardanwendungen und Dateimanagement ausstatteten. Sehr verbreitet war ein Paket namens »Framework« von Ashton-Tate, einer Firma die damals berühmt war für die später von Borland geschluckte Datenbank »dBase«. Mit solchen Paketen bewältigte $AnwenderIn die tägliche Arbeit, so dass, wenn überhaupt ein Desktop als Symbol für den PC der 80er-Jahre steht, es der von Framework sein muss (Quelle):

Framework existiert übrigens auch noch, als Windows-Software der eher exotischen Art.

Was bleibt zum Geburtstag von Windows? War ein weiter Weg in den letzten 20 Jahren, vom 1.0er-Exotensystem für PC-Frickler zum Hoffnungsträger in Version 3.0 zum omnipräsenten Sicherheitsrisiko in den aktuellen Varianten, dass in seinen aktuellen Entwicklungen nur noch Standards hinterher hechelt, die andere Systeme längst gesetzt haben.
Objektiv gesehen liegt es auf der Hand, dass mit einem Betriebssystem, dass man nur benutzen kann, wenn man diverse so genannte »Sicherheitspakete« von Drittanbietern installiert, etwas nicht stimmen kann und es nicht empfehlenswert ist, einer solchen Dauer-Baustelle wichtige Daten anzuvertrauen. Ich persönlich hatte bereits 1994 genug davon (das war damals Win 3.1 mit guter alter 8+3-Dateinamenkonvention und einem Desktop, der schneller abstürzte als man gucken konnte) und wechselte zu OS/2 und Linux, und später, im neuen Jahrtausend, zum Mac.

windows gem framework dos microsoft

Techkram

Aus-ge-vista-t?

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich Microsoft ob des Umstands, dass (in Redmond!) schon eine Firma namens Vista existiert, vielleicht genau mit der passionierten Prozesshanselei konfrontiert sehen wird, die sie selbst so gerne an den Tag legen. Aber wahrscheinlich wird das Problem in bewährter Manier mit einer handvoll Dollars gelöst.

Apropos Vista, es gibt mit installvista.com und vistalicious.com bereits mindestens zwei Vista-Blogs.

microsoft windows vista

Techkram Seltsames

Simpel gestrickt

Philipp über Windows NT 6.0 aka Longhorn aka Vista: » Vista steht eigentlich für die wunderbare Abkürzung Viruses – Instability – Spyware – Trojans und Adware.« Nennt mich simpel gestrickt, aber ich finde das amüsant.
Es ist natürlich leicht, über M$ zu spotten. Aber hey! Ich kenne M$-Systeme seit 1986, sie haben Spott verdient. Schon im Vorfeld zu Windows 95 hieß es »Hey, jetzt kommt der radikale Windows-Umbau« aber seitdem haben sie an jeder Version nur halbgar herumgebastelt. Was nicht zuletzt zu den hinlänglich bekannten Problemen mit Windows geführt hat. Mancher mag es normal nennen, dass man einen Windows-Rechner ohne ein obskures Sammelsurium so genannter »Security-Tools« nicht vernetzt benutzen kann. Ich nenne das ridikül und indiskutabel. Mal gespannt, ob Vista daran etwas ändert.

windows vista