Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel meines ersten Weblogs das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war. Aktuellere Artikel hat die neueste Version der Uninformat im Angebot.

Archivierte Artikel mit dem Tag web2.0

Internet Zeugs

Gamma!

Na, Netzwanderer, der Du Dich in Deinen etablierten Mechanismen der alltäglichen Prokrastination hier hin verirrt hast, auch einen Schock bekommen, als Du flickr aufgerufen hast? Plötzlich ist alles anders, die Sets sind rechts, das stellt unsere Fähigeit zur Anpassung an neue Situationen auf eine harte Probe.

Und, flickr ist jetzt gamma, nicht mehr beta. Ich bin gespannt, ob das Spielchen nun bis omega getrieben wird. Web 2.0 war beta, Web 2.1 ist gamma. Das wird bestimmt ein neuer Trend 2.0!

flickr web2.0 beta gamma

Weblogtalk Webworking

»We must stare into a crystal ball and only see the past«

Wenn die Kulturen zusammenprallen und ein (oder mehrere) Blogger dabei ist (sind), darf man auf das Ergebnis gespannt sein, und im Falle von »next10years« wurde man nicht enttäuscht, darum gehet hin und leset in Telepolis »Nach der Party ist vor dem Boom – oder doch dem Kater?« von Multiblogger Oliver Gassner, der das komplexe Problem des unterschiedlichen Verständnis von Web 2.0 in zwei Sätzen erläutert:

»Es ist ein ‘Clash of Cultures’, Netizens und Business versuchen sich mit einer Art rudimentären Lingua Franca auszutauschen, aber während die einen immer nur nach dem Geschäftsmodell fragen und der Skalierbarkeit, reden die anderen von Nischenthemen, von Citizen Media, von Storytelling und […] davon, dass die neuen Dienste den Menschen das wiedergeben, was ihnen die Fließbänder genommen haben: eine Kommunikationsgemeinschaft, die nicht nur aus Konsumenten besteht sondern Gespräch und Reaktion ermöglicht. Das Internet sieht nur aus wie ein Netz aus Computern. Es ist ein Netz aus Menschen. Es sieht nur so aus, als sei es aus Geld und Technik gemacht. Es besteht aus den Gesprächen von Einzelnen, die sich zusammenfinden. Web 2.0 sieht nur so aus wie einen neue Technik mit neuen Geschäftsmodellen. Es will aber eigentlich eine alte und neue Denkweise sein, das Web vor dem Kommerz und das Web mit einem menschlicheren Kommerz. Daher die Sprachprobleme der einen mit den anderen.«

Was sonst noch so von dieser Festivität berichtet wurde, haben »Social Software @ BaWü« und »Telagon Sichelputzer« sehr schön zusammengestellt. Und die vom wirren Herrn ix erwähnte Gitarren-Performance von Spreeblick-Johnny kann man sich hier anhören. Womit dann auch der letzte Kulturbanause hoffentlich endlich weiss, woher die Tagline »I live by the river« eigentlich stammt. ;-)

»I’m happy just because
I found out I am really no one«
Bright Eyes – At the bottom of everything (auch die Überschrift)

web2.0 next10years

Zeugs

»Über die Schulter gucken« 2.0

A Spider!

Warum nur wollen die Leute alle Screenshots sehen? Nichts erreicht bei flickr in Windeseile höhere Zugriffszahlen als Screenshots. Okay, fast nichts, nackte Selbstportraits junger Damen schlagen Desktops natürlich locker. ;-)

Es muss dieser Reiz des »Blicks über die Schulter« sein. Denn ich schaue auch gerne Desktops an. Oder Bilder von Schreibtischen anderer Leute. Oder schaue ihnen in ihre Taschen. Web 2.0 macht Sachen möglich, die gibt es gar nicht. Oder geht man zu Leuten hin und sagt: »Entschuldigung, dürfte ich mal in ihre Tasche gucken?« Eben!

flickr web2.0 desktop macosx mac

Weblogtalk Ontour

Schon wieder Dienstag!

Nun ist er schon wieder vorbei, der 2. Webmontag in Frankfurt.

Ich erspare mir hier Zusammenfassungen der einzelnen Vorträge, denn gemeinsam mit Beate und Gerrit habe ich ein wenig im SubEthaEdit live gebloggt und im Chatraum ein wenig live gechatted. Die Live-Mitschrift ist hier verfügbar.

Die Vorträge von Sascha und Martin fand ich sehr gelungen. So wie sie auf einem Web Montag sein sollen: Das Thema kurz anreißen und im Rahmen der Zeit etwas darüber erzählen, so dass man anschließend weiß, ob man sich mit dem Thema näher beschäftigen möchte oder nicht.

Letzteres ist bei Ingos Vortrag, bei mir zumindest, auch gelungen. Niemals werde ich auf die Idee kommen, mit Typo3 bloggen zu wollen. Ingos Vortrag war auch eindeutig zu lang und zu tief in den ugly details von Typo3. Bei Zbigniews Vortrag gelang das auch, Perl ist einfach nicht mehr mein Ding. Aber sein Vortrag war von der Form her gelungen.

Aber Web Montag ist ja nicht nur Vorträge anhören, sondern auch das, was man so schön neudeutsch networken nennt. Dieser zweite inoffizielle Teil war nett und die Zeit verging im Fluge.

Fazit: Gelungen, ich werde ich auch die nächste Auflage besuchen. Man darf gespannt sein, wie sich die Web-Montage entwickeln. Ich habe das Gefühl, dass die gestrigen eher technischen Vorträge an den Leuten von draußen, also denen, die nicht direkt aus der Weblog-Wiki-Web2.0-Szene kommen, vorbei liefen. Andererseits werden unverbindliche Einführungen oder gar krawattenlastige, nur mühsam getarnte Verkaufsvorträge, wie ich sie in meinem Leben bei diversen Veranstaltungen oft genug erlebt und die Nase mehr als voll von habe, die Leute, die sich bereits auskennen, vertreiben. Es wird schwierig sein, die Balance zwischen diesen beiden Extremen zu finden und die Web-Montage als das zu erhalten, was sie meines Erachtens nach sein sollen: Ein Treffpunkt zwischen Aktiven und Entwicklern der Web 2.0-Szene und Interessenten aller Art.

webmontag webmontag20060410 web2.0

Webworking Techkram

Riya, oder: Keine Fotos mehr auf Bloggertreffen und Konferenzen

Riya ist die »Schily-Schäuble-Beckstein-Variante« von flickr und Konsorten. Also eine Bilder-Hochlade-Community, die alle Bilder mit Personen drauf einer automatischen Gesichtserkennung unterzieht. Damit der freiwillig selbstgeschaffene Große Bruder auch effektiv funktioniert, fordert das System nach der Registrierung (http://www.riya.com/groundTruth) dazu auf, mal eben 1.000 Bilder aus dem Fotoordner hoch zu laden und die vom System erkannten Gesichter mit Namen zu taggen. Ziel der ganzen Aktion ist es, nach Menschen und Orten und Kombinationen davon zu suchen.

Verblüffend finde ich die Reaktionen, die bisher dazu zu finden sind. Die meisten finden das »cool«. Hat denn niemand mehr auch nur ansatzweise ein Gespür für Datenschutz und Privatsphäre? Wenn das einmal Mainstream ist (im Moment ist es glücklicherweise viel zu viel Arbeit, das System zu trainieren, als dass wir in absehbarer Zeit einen Foto-Big-Brother-2.0 haben würden), muss auf Bloggertreffen und Konferenzen leider gelten: Keine Fotos, bitte. Und es muss Aufgabe der Blogosphäre werden, die (vorwiegend jüngeren) Leute, die allzu naiv mit persönlichen Daten umgehen, ein wenig zu sensibilisieren.

web2.0 riya

Weblogtalk

Die mit den Sternen schreien

Vom Web Montag in Frankfurt

Nach dem Motto »Ich bin dann mal ’ne Runde networken« versammelten sich ca. 60 Web2.0-Interessierte in der Brotfabrik zu Frankfurt am Main. Diese liegt nicht gerade zentral, entpuppt sich aber, wenn man sie erst einmal gefunden hat, als perfekte Lokalität für ein Ereignis dieser Art.

Zunächst gab es allerlei Vorträge. Mehr oder weniger ausführliche Materialien dazu sind übrigens auf der Web Montag-Wikiseite verlinkt.

Thomas Wanhoff machte den Anfang mit einer Tour-de-Force durch das Podcasting, »Radio 2.0«, »Social Media« und »Rosenzüchterpodcast« habe ich mir als Schlagworte notiert. Eine knackige Einführung in die Materie.

Arne Klempert von Wikimedia Deutschland referierte dann, für meinen Geschmack ob des straffen Zeitplans und der sowieso vorhandenen öffentlichen Debatte über die Problematik, viel zu lange über den so genannten »Fall Tron«, ohne dabei etwas Neues zu erzählen.

Jens Grochtdreis, Pontifex Maximus der Kirche der Webstandards aka »Webkrauts«, stellte selbige Intiative und ihr (in meinen Augen wichtiges) Ziel, nämlich ein Bewusstsein zu schaffen für die Vorteile und Notwendigkeit der Webpage-Entwicklung in Webstandards, vor. Ich will keine Layout-Tabellen-Höllen mehr sehen, Jungs und Mädels! Auf Seiten, an denen ich beteiligt bin, gibt es selbige bereits seit 2002 nicht mehr, also gibt es 2006 keine Ausreden mehr!

Danach gab es einen Schwenk in die düstere Corporate-Web-1.0-Welt. Sebastian Werner stellte qooxdoo vor, ein eindrucksvolles GUI-Toolkit für die Erstellung von Web-Anwendungen, die nach traditionellen (Windows-)Desktop-Anwendungen aussehen und sich auch so verhalten (Modale Dialoge im Browser!). Vor drei Jahren hatte ich ein Projekt, wo ich so etwas sehr gut hätte gebrauchen können, mit Grausen denke ich an JavaScript-Orgien zum Abfangen von Events zurück, um liebe Kollegen an schlimmen Dingen zu hindern. Gute Sache. Für einen solchen Anwendungszweck, wie gesagt, eher Web-1.0-Corporate-Welt als schillerndes Web 2.0. Aber Ihr wisst ja, wo man wirklich das Geld verdienen kann…

Gerrit van Aaken spürte drei Trends im »Web-Fonthandling« nach, nämlich dem Anwachsen der Font-Families in den Stylesheets dieser Welt, den neuen Windows-Font (jene, die mit Windows Vista erscheinen, also gegen 2010, mit den komischen Namen), und den mehr oder weniger brauchbaren (in meinen Augen überflüssigen) technischen Tricks zum dynamischen Umwandeln von Text in Bildern oder Flash-Filme im Browser des Anwenders. Wem der Powerbook-Lüfter lustig zum rollenden Strandball ins Ohr säuselt, weil eine Blogseite mit 50 Überschriften jene mit sIFR als 50 Flash-Filme ausliefern möchte, wird sich in seiner Begeisterung über diese Technik kaum zügeln können. Ein guter, kompakter und zügiger Vortrag von Gerrit.

Rany Keddo stellte in einem amüsanten Vortrag seine very social Kalender-Applikation »fleavent« vor. Er gab Einblicke in seinen Entwicklungsprozess und begeisterte das Publikum durch purzlets. Man kann sich bei Rany übrigens für das Beta-Programm von fleavent registrieren lassen, das ist sehr web-2.0-ig. ;-)

Beate Paland führte das Publikum in die Welt der meistgehypeten Programmierumgebung unserer 2.0-Zeit ein, nämlich Ruby On Rails. Und das selbstverständlich so brilliant, dass sogar bekennende Nicht-Programmierer nun einen Eindruck gewonnen haben, was das ist und worum es da geht, und warum Rails toll ist.

Um Abschluss gossen fukami und Lars Stojny Wasser in den süßen Wein 2.0 und nahmen das Publikum mit auf eine Reise in die Welt der Exploits und Skript-Attacken, die das Leben im Web 2.0 zu einer mitunter gefährlichen Sache machen können. Selbstverständlich taten die beiden das mit einer expliziten White Hat – Attitüde. ;-)

Nach diesen schönen Vorträgen war es dann schon ganz schön spät. Und so leerten sich die Reihen zunehmend, es gab noch einige interessante Gespräche und, Jens sei Dank, mussten The Girl und ich nicht den mühsamen Weg per Bahn nach Wiesbaden angehen.

Was nehmen wir mit von diesem Web Montag? Mir hat es gefallen, es war schön alte Bekannte aus der Rhein-Main-Bloggerszene zu sehen und neue kennen zu lernen, wie z.B. Gerrit oder Leo. Beim nächsten Mal sollte es mehr Zeit für das Labern und Trinken ;-) geben.
Rany erzählte mir, dass Angestellter sein und Software-Entwicklung mit konsequentem GTD besser unter einen Hut zu bringen sind, das nehmen wir als Ansporn mit. Und die Erkenntnis, dass Web 2.0 vielleicht doch mehr als nur die Wiederkehr von AGs mit windigen Geschäftsmodellen aus der Zeit der Jahrhundertwende ist, wie uns das die ganz ganz schlauen Leute wie Hal Faber immer erzählen. Beim nächsten Web Montag bin ich wieder dabei.

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Weblogtalk

Realitätswahrnehmung 2.0

Bild: Reality Dieses Bild »Reality« von Flickr-User Gridlock bringt die neuartige mediale Wahrnehmung von Realität in den Zeiten von Web 2.0 am Beispiel des desaströsen Feuerinfernos von Hemel Hempstead ohne große Worte auf den Punkt.
Natürlich sind wir, die wir das auf unserem Computerschirm anschauen, ohne von einem quasi-amtlichen medialen Vermittler darauf »angesetzt« worden zu sein, Teil jenes »auf den Punkt bringen«.

Flickr: Photos tagged with hempstead

web2.0 flickr hempstead