Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel meines ersten Weblogs das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war. Aktuellere Artikel hat die neueste Version der Uninformat im Angebot.

Archivierte Artikel mit dem Tag wahl05

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»Just because you like to destroy«

Danke, SPD! In einem Nachnahme-Paket, auf dem »Schröder« stand, steckten letztendlich Merkel und Stoiber drin. Es erstaunt, dass in der professionellen Publizistik noch niemand problematisiert hat, ob das denn den SPD-Wählern gegenüber fair ist. Und dann diese Ministerriege. Das kleine dicke Gabriel wird Minister! Warum nicht gleich noch den unsäglichen Kurt Beck dazu?

Es zeigt sich wieder einmal deutlich, dass die SPD nicht wählbar ist. Aus falsch verstandenem Pflichtbewusstsein eine kühle Macht-Technokratin ohne Vision zur Kanzlerin zu machen, ist keine gute Idee. Ich hoffe, sie bekommen dafür bei den nächsten Landtagswahlen die Quittung!

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SPD ohne Rückgrat?

Die CDU verkündet (lt. SpOn), dass der Regierungsauftrag und die Kanzlerschaft bei der Union als stärkster Fraktion lägen. Wenn die SPD Rückgrat besäße, würde sie auf ein solches Junktim mit einem freundlichen »Yo, dann schaut mal wo Ihr eine Mehrheit herbekommt« reagieren und jegliche Verhandlungen absagen. Es kann eigentlich nicht angehen, dass jede Partei ihre Maximalpositionen beibehält, aber die SPD, natürlich im Interesse des Landes, und der drängenden Sachfragen in der ja so schlimmen Lage, getrieben von den publizistischen Merkel-Spritzpistolen nachgeben soll und die völlig unakzeptable Merkel zur Kanzlerin wählt. Wäre ich Münte oder Gerhard, ich würde die ganze schwarze Bande auf Granit beißen lassen. Sollen sie doch schauen, wo sie ihre Merkel-Mehrheit herbekommen.

Aber, wie ich die SPD kenne, wird sie einknicken. Und wir werden Merkel ertragen müssen, unter dem publizistischen Jubilieren der schreibenden Jungspunde mit Gel in den Haaren …

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Ho ho ho, und ne Buddel voll Rum!

Ahoi, Ihr Leichtmatrosen und Landratten! Heute ist »International Talk Like A Pirate Day«, und ich werde Euch Kielholen, wenn Ihr nicht umgehend etwas wie ein Pirat bloggt.
Apropos, heute konnte man in Berlin erleben, dass eine windschiefe Kogge mit Pfeffersäcken und Landratten an Bord von Berlin aus Kurs auf Jamaika nehmen will. Ho ho ho, drei Steuerleute wollen sie auf die Brücke stellen. Jeder gibt einen anderen Kurs an, und statt in Jamaika landen sie an Kap Horn, wo sie die Frau Kapitän über die Planke laufen lassen werden. Den grünen Smutje werden sie zu den Haien schicken, und wenn die Kogge zerschmettert an den Gestaden der Osterinseln liegt, werden uns die Reeder ein weiteres Mal an die Wahlurne schicken.

Ne ne, Ihr Leichtmatrosen, lasst Euch man kein Seemannsgarn auftischen, öffnet ein Fass und singt den Seefahrern nach Jamaika zu Ehren: »Ja, wir sind Piraten und fahren zu Meere
Und fürchten nicht Tod und Teufel dazu!
Wir lachen der Feinde und aller Gefahren,
Im Grunde des Meeres erst finden wir Ruh!«

[Gefunden bei Sperrobjekt-Matthias]

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Nach der Wahl ist vor der Wahl?

Nun ist sie also fast ausgezählt, die Bundestagswahl, und wir wissen nur wenig. Fakt ist:

  • Rot-Grün ist Geschichte.
  • Schwarz-Gelb bleibt glücklicherweise noch länger zurück liegende Geschichte.

Aber sonst? Wenn man die Wahlsendungen verfolgt, dann möchte eigentlich niemand mit niemandem koalieren, aber jede/r Kanzler werden. Tja, mich dünkt, das wird so einfach nicht gehen.

Die Union, die vor einigen Wochen bereits Posten verteilt hat und nur über die Höhe des Sieges diskutierte, hat eines der schlechtesten Ergebnisse aller Zeiten eingefahren. Ein Dankestelegramm geht an den Professor aus Heidelberg. Daraus einen politischen Führungsanspruch für Merkel abzuleiten, ist noch abenteuerlicher als Gerhard Schröders Anspruch auf die Kanzlerschaft nach dem Verlust der rot-grünen Mehrheit. Ich denke, ab Montag werden die Geier aus der eigenen Partei über die gute Frau herfallen.
Das hohe Ergebnis der FDP ist ein Übel, das hätte es nun nicht gebraucht.

»Meine« grüne Farbe bleibt ungefähr da, wo sie beim letzten Mal war. Damit bin ich zufrieden. Eines ist aber klar: Sollten die Grünen sich auf eine sogenannte »Jamaika-Koalition« (Schwarz-Gelb-Grün) einlassen, kündige ich ihnen die politische Gefolgschaft auf.

Was passiert nun? Niemand weiß was. Es bleibt spannend, und vielleicht dürfen wir bald wieder an die Wahlurne …

Eines finde ich bemerkenswert: Es gibt nun die dritte Wahl hintereinander eine Mehrheit jenseits des so genannten bürgerlichen Lager aus Union und FDP!

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Die Stimme abgeben

Bilder von Promis bei der Stimmabgabe (es gibt ja Stimmen, die der Ansicht sind, dass man das mit dem Stimme abgeben durchaus wörtlich nehmen darf) sind einfach Pflichtprogramm an einem solchen Wahlsonntag. Das Bild oben zeigt den bekannten Weblogger Ralf G., der mit einem »Tomaten, Tomaten« auf den Lippen im Wiesbadener Wahllokal gesichtet wurde. Und der Stimmzettel? Der wird gefaltet und in die Tonne geworfen. Abgegeben, die Stimme. Nun heisst es warten …

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Bundestagswahl: Wiesbadener Kandidatenauswahl

Am Sonntag findet bekanntlich die Bundestagswahl statt (das ist mal eine Neuigkeit, wa?). Neben der wahlentscheidenden Zweitstimme, mit der man tunlichst keine Experimente machen sollte (sonst greifen einem, ehe man sich versieht, ein Professor aus Heidelberg und ein alter Rocker aus dem Sauerland in den Geldbeutel), hat man auch eine Erststimme für den oder die Wahlkreiskandidaten/in, mit der man ein wenig taktisch agieren kann.

Lässt man die esoterischen Kandidaten der obskuren Kleinparteien weg, stellt sich das Feld in Wiesbaden als Tummelplatz juveniler KandidatInnen und einer routinierten Favoritin dar.

Entwicklungshilfeministerin Heidi Wieczorek-Zeul hatte den Wahlkreis 180 (Wiesbaden) bei der letzten Wahl gewonnen und ist auch dieses Mal als hinreichend bewährte und bekannte Größe die Kandidatin der SPD für Wiesbaden.

Ihre Herausfordererin ist Kristina Köhler, die wieder für die CDU ins Wahlrennen geht. Jung, blond und weiblich zu sein, ist aber keine Tugend. Die Dame besticht auf ihrer Website in erster Linie mit larmoyantem Gejammer über angebliche Lügenkampagnen der SPD. Und mit dem peinlichsten Zitat aller Wiesbadener KandidatInnen, anlässlich eines Wahlkampfbesuchs des Altkanzlers und Geldboten Helmut Kohl in Wiesbaden: »Ihretwegen, Herr Bundeskanzler, bin ich an meinem 14. Geburtstag in die Junge Union eingetreten« Ich wusste gar nicht, dass unser Geldkofferfan noch Kanzler ist, und die Unfähigkeit, schlimme Jugendsünden (nämlich wg. Helmut Kohl in die CDU eingetreten zu sein) zu überwinden, macht Kristina Köhler für die Wahl als Kandidatin nicht geeigneter. Fazit: Unwählbar.

Für Bündnis90/Die Grünen geht Matti Seithe an den Start. Matti überzeugt mit vollem Einsatz, klaren Programmansagen und einem amüsanten Wahltagebuch: »Anna Lührmann, unsere Vertreterin in dieser Diskussion war echt gut. Sie nahm sich an richtigen Stelle einfach selbst das Wort, sie war auf einer 0-10 Zickigkeitsskala maximal bei einer 1,5, wobei meine Wiesbadener Gegenkandidatin Kristina Köhler hier schon jenseits der 7 lag.«

Auch die Linkspartei hat mit Hartmut Bohrer einen Kandidaten aufgestellt, auf seiner Website komme ich aber kaum mit der Aufnahme der vielen Informationen nach. Da der gute Mann auch sonst nicht gerade durch eine lokale Omnipräsenz überzeugt, wollen wir ihn nicht durch eine unvorsichtige Stimmabgabe mit Gewalt ins Rampenlicht zerren …

Bleibt noch ein weiterer junger Kandidat, Eric Starke von der FDP. Bei ihm erstaunt, dass er erst im Mai eine eigene Firma gegründet hat, aber nun, fünf Monate später, schon die Zeit findet, sich in den Bundestag zu verabschieden… Programmatisch und optisch ist Eric Starke ein klassisches Produkt seiner Partei und derartig »typisch FDP«, dass schnell klar wird: Den wählen wir nicht.

Die Entscheidung fällt somit zwischen Matti Seithe und der »Roten Heidi«. Politisch tendiere ich zu Matti, andererseits gilt es, eine Direktwahl von Kristina Köhler zu vermeiden, so dass eigentlich aus taktischen Erwägungen eine Wahl von Heidi geboten scheint. Schwierig! Darüber muss ich noch bis Sonntag problematisieren …

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Sie kommen!

Joschka kommt!Münte kommt!
Nun sind sie wieder überall zu sehen, die Plakate der Parteien, und die Politprominenz kommt vorbei um wahlkämpferische Worte zu schwingen.
Da ich, im Gegensatz zur harmoniesüchtigen (und damit nur die inhärente Sehnsucht nach dem großen weisen gütigen Herrscher verdeckenden) Mehrheit des Wahlvolks unseres Landes den sogenannten »Parteienstreit«, präziser gesagt, den Wettstreit der Parteien um Ideen und Wähler für essenziell in einer Demokratie halte, faszinieren mich Wahlkampf und -plakate.

In den Zeiten des Web 2.0 hat man die Werkzeuge um das öffentlich auszuleben. Daher:

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Die Republik der Zweifel

Lars Rambergs Projekt »Palast des Zweifels« ist zwar schon vor ein paar Wochen vom Dach des Berliner Palast der Republik entfernt worden, aber passt trotzdem gut in die augenblickliche Lage der Berliner Republik. Wir durchleben Wochen des Zweifels. Ist die rot-grüne Ära vorbei? Wie wird unser Super-Horst in der Frage der Neuwahlen entscheiden? Wurde durch die etwas dubiose Vertrauens-/Mißtrauensprozedur gar das Grundgesetz beschädigt?

Auch der scheinbar so sichere Ausgang der Bundestagswahl, wenn denn nun eine stattfinden sollte, ist voller Zweifel. Ich mag noch nicht so recht das Ende von Rot-Grün einleiten, und auch nicht ob der Aussicht auf Merkel/Westerwelle/Stoiber lamentieren. Dazu wird dann noch Zeit und Raum sein, wenn es notwendig wird.
Die neue, so genannte Linkspartei, bringt Bewegung in die politische Landschaft, grast der gute alte Oskar doch mit einer großen politischen Wundertüte, in der neben ein bißchen Attac auch ein Grasen im Stimmengewinn versprechenden Reservoir des rechten Populismus zu finden ist (Junge World: »Oskar für alle«), die Weiden der Volksparteien ab. Ein interessantes Szenario: CDU/CSU und FDP schaffen keine Mehrheit gegen SPD, Grüne und Liste Oskar, letztere drei können aus naheliegenden Gründen aber auch nicht zusammen gehen. Dann dräuen neue Konstellationen am Horizont, große Koalition oder eine Ampel. Spannende Zeiten!

Die Worte der Woche hat aber niemand anders als Joschka Fischer bei der Vertrauensfrage-Debatte am Freitag gesprochen (zitiert nach dem inoffiziellen Protokoll des Bundestags). So möchte ich das hören, kein Weltuntergangsgejammer! »Schmierstoff – was man bei diesem Wort doch für Assoziationen hat! [An die CDU gerichtet, RG] Ich kann Ihnen nur sagen: Sie mögen zwar für sich beanspruchen, die bessere Alternative zu sein. Aber Sie sollten nicht auf dem hohen moralischen Ross dahergetrabt kommen; denn angesichts der Schmiergeldaffären, die Sie zu verantworten haben, wäre es ein schändlicher Esel! […] Sie haben schon einmal Möbel bestellt, die Bilder waren auch schon geordert, aber es ist nichts geworden. Also schauen wir einmal! Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle Chancen haben, wenn wir kämpfen – und das werden wir –, zu gewinnen und nicht zu verlieren.«

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