Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel meines ersten Weblogs das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war. Aktuellere Artikel hat die neueste Version der Uninformat im Angebot.

Archivierte Artikel mit dem Tag fußball

Rundesleder

Der Messias des offensiven Mittelfelds ist da!

Der Herr auf dem kleinen (in Argentinien gestohlenen ;)) Bild heisst Federico Insúa, ist sechsfacher argentinischer Nationalspieler und wird zukünftig bei Borussia Mönchengladbach die Nummer 10 auf dem Spielfeld tragen. Der Herr ist mit 4 Millionen Euro der teuerste Transfer in der Vereinsgeschichte. Und die Rückennummer 10 ist Programm! Senor Insúa hat die Aufgabe, auf der 10er-Position im offensiven Mittelfeld das insbesondere in Auswärtsspielen geradezu desaströs einfallslose Offensivspiel der Borussia anzutreiben. Ich bin enthusiasmiert und sehr gespannt. Mit dem neuen Trainer Jupp Heynckes und einer offensiv verstärkten Mannschaft sollte der Weg der Borussia weiter nach oben führen.

In zwei Wochen startet übrigens die Bundesliga. Mal schauen, wer dann von den »Spaß-WM-Fußball-Guckern« noch da ist. Denn man weiß, Fußball-Alltag ist kein Klinsi-Fest wie eine WM. Alltag ist, auch mal mit 10 Mann in der Abwehr ein 0:0 in Bielefeld über die Zeit zu retten, und trotzdem zu sagen: Mein Freund ist aus Leder!

borussia fußball gladbach insua

Rundesleder

Zerstörte Fußballhistorie in Karlsruhe: Der Engländerplatz

photo_title

Auf dem Engländerplatz in Karlsruhe wird durch den Neubau einer Mensa ein historischer Bolzplatz zerstört! 1889 war dieser Platz einer der ersten Orte in Deutschland, auf dem das »englische Spiel«, Fußball, gespielt wurde, folgerichtig heisst er seit 1913 »Engländerplatz«.

1899 gab es hier sogar vor 1.500 Zuschauern das dritte Länderspiel der deutschen Fußball-Geschichte auf heimischen Boden, als eine deutsche Mannschaft gegen eine englische Profi-Auswahl antrat und mit 0:7 unterlag. Kurios: Der Veranstalter Walther Bensemann fungierte auch als Schiedsrichter.

karlsruhe fußball engländerplatz

Rundesleder Momentaufnahme

Verfallende Historie: Das Stadion an der Telegrafenkaserne

KFV-Stadion Mitten in Karlsruhe verrottet mit dem »Stadion an der Telegrafenkaserne« des Karlsruher FV einer der historischen Orte des deutschen Fußballs. Ich habe es besucht, natürlich mit Kamera, das Ergebnis ist einem flickr-Set zu bewundern.

Der Karlsruher FV, 1891 gegründet, war einer der ruhmreichen Vereine der Frühgeschichte deutschen Kickerwesens. 1905 wurde das »Stadion an der Telegrafenkaserne« gebaut und war damals eines der modernsten in Deutschland. Während sich die Kicker an anderen Orten der frühen Fußballkunst nach getaner Arbeit an Waschschüsseln waschen mussten, gab es in Karlsruhe Wannen mit fließendem Wasser und entspannende Unterwasser-Massagen!

1910 wurde der KFV Deutscher Meister, im Jahr zuvor übrigens mit Phönix Karlsruhe der Lokalrivale und Vorläuferverein des heutigen Karlsruher SC. Der KFV hatte zu dieser Zeit mit Fritz Förderer, Gottfried Fuchs und Julius »Juller« Hirsch den gefährlichsten Sturm Deutschlands. Alle drei waren Nationalspieler, und Gottfried Fuchs hält mit 10 Toren in einem Spiel, erzielt beim 16:0-Sieg Deutschlands gegen Russland während der Olympischen Spiele 1912, den bis heute gültigen Rekord für deutsche Nationalspieler. Dieser Rekord wurde übrigens auch international erst 2001 überboten.
Berühmt wurden Fuchs und Hirsch aber weniger für ihre fußballerischen Heldentaten, sondern weil sie als Juden vom DFB in vorauseilender Anbiederung an die Nationalsozialisten 1933 aus allen Länderspiel-Statistiken gestrichen wurden (vgl. diesen Artikel von Hans Wille). Fuchs war schlau genug, rechtzeitig auszuwandern, Juller Hirsch blieb in Deutschland und wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Der DFB tat sich lange schwer mit der Aufarbeitung dieses dunklen und ruhmlosen Kapitels, erst in jüngster Zeit tat sich etwas in Sachen Aufarbeitung.

Und, um wieder die Kurve zum Stadion zu bekommen, in diesem Stadion rannten diese drei legendären Helden der deutschen Fußballgeschichte dem Ball hinter her. Ein historisches Länderspiel gab es auch an der Telegrafenkaserne, hier gelang der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit einem 1:0 über die Schweiz am 4. April 1909 vor 7.000 Zuschauern der erste Sieg in einem Länderspiel überhaupt.

Am Anstosspunkt

Haupteingang

KFV-Stadion: Die namensgebende ehemalige Telegrafenkaserne

KFV-Stadion: Blick auf die Haupttribüne

Aber die glorreichen Zeiten Karlsruher Fußball-Historie liegen fast 100 Jahre zurück, im Oktober 2004 fand der einst ruhmreiche Klub in den Niederungen der unteren Amateurligen ein ruhmloses Ende mit einer prosaischen Insolvenz. Seitdem rottet das Stadion an der Telegrafenkaserne vor sich hin.

Die meisten Zuschauer fanden sich an der Telegrafenkaserne am 19. Juni 1949 beim Wiederholungsspiel im Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft zwischen Offenbach und Worms ein: 35.000 (lt. dieser Quelle). Wenn man in dem Stadion heute steht, kann man sich kaum vorstellen, wo die einst alle Platz gefunden haben. Die reguläre Kapazität war 4.000 Zuschauer, auch wenn sich in den Niederungen der Amateurligen manches mal gerade noch 20 einfanden…

Wie man dem Stadtwiki entnehmen kann, soll auf dem historischen Grund ein Seniorenheim errichtet werden. Darum, wenn Euer Freund aus Leder ist und Ihr mal in Karlsruhe seid: Werft einen Blick auf das alte Stadion an der Telegrafenkaserne, Ihr findet es in der Hertzstraße.

Mein Freund ist aus Leder.

fußball karlsruhe kfv telegrafenkaserne

Rundesleder

Auswärtssieg!

Nun endete also die Bundesliga-Saison und das allsommerliche Reich der samstäglichen Finsternis hat das Regiment übernommen.
Zum Abschluss holte die Borussia aus Gladbach den zweiten Auswärtssieg der Saison (siehe Torfabrik und Seitenwahl), was die Auswärtsbilanz seit dem Wiederaufstieg 2001 auf die Bilanz von 9 Siegen, 26 Unentschieden und 50 Niederlagen in 85 Auswärtsspielen »verbessert«.

Immerhin, wir stehen auf Platz 10 und hatten mit dem Abstieg nichts zu tun. Andererseits wurde die Chance auf den UEFA-Cup im Schneckenrennen der am wenigsten schlechten Mannschaften geradezu fahrlässig verschenkt. Daher wage ich die Prognose, das in der nächsten Saison ein anderer Übungsleiter die Profis der Borussia über die Trainingsplätze des Gladbacher Nordparks scheuchen wird.

In der ewigen Tabelle der Bundesliga haben wir den 1.FC Köln überholt, der »leider« absteigen muss, und können uns in der nächsten Saison den 1.FC Kaiserslautern vorknöpfen, der »leider« auch absteigen muss, und auf Platz 5 springen. Überhaupt, was diese beiden Absteiger angeht: Gute Wahl, oh weise Fußballgötter.

Und Meister? Wer ist noch mal Meister? Gab’s einen? ;-)

Aber die Saison ist ja noch nicht vorbei! Heute nachmittag geht es mit The Girl ins Karlsruher Wildparkstadion, wo wir versuchen werden, mit vereinten Kräften ein Wunder zu bewirken.

Mein Freund ist aus Leder.

fußball bundesliga gladbach borussiamönchengladbach

Rundesleder

Das Spiel mit dem runden Ball und das verlorene Paradies

Fußball ist »Einübung ins Leben. Er symbolisiert das Leben selbst und nimmt es in einer frei gestalteten Weise voraus. […] Im Zusehen identifizieren sich die Menschen mit dem Spiel und den Spielern und sind so sehr am Miteinander und Gegeneinander, an seinem Ernst und seiner Freiheit beteiligt. Die Spieler werden zum Symbol des eigenen Lebens; das wirkt wieder auf sie zurück. Sie wissen, dass die Menschen in ihnen sich selbst darstellen und bestätigt finden. […] Natürlich kann dies alles verdorben werden durch einen Geschäftsgeist, der das Ganze dem düsteren Ernst des Geldes unterwirft und das Spiel aus einem Spiel in eine Industrie verkehrt, die eine Scheinwelt von erschreckendem Ausmaß hervorbringt. Aber selbst diese Scheinwelt könnte nicht bestehen, wenn es nicht den positiven Grund gäbe, der dem Spiel zugrunde liegt: die Vorübung des Lebens und die Überschreitung des Lebens in Richtung des verlorenen Paradieses.«

Der Papst aka Benni 16, als er noch Joseph Ratzinger war, 1978 in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk, zitiert von 11 Freunde.

So, und nun soll noch einmal irgendwer etwas sagen, wenn man mit der Bierpulle in der Hand vor dem TV hängt und Fußball schaut. Äußert jemand Unverständnis, antwortet man trocken: »Ey, ich mache eine Vorübung des Lebens, Du weisst schon, Überschreitung des Lebens in Richtung des verlorenen Paradieses…«

Und der erste paradiesische Schritt wäre: 3 Punkte gegen Hertha! Denn im Haus Borussia hängt schon wieder der Haussegen schief. Wir brauchen Punkte, Punkte, Punkte!

Mein Freund ist aus Leder.

fußball ratz benni16

Rundesleder

Das Leben als Möglichkeit zur Kunst begreifen

»Der linke Fußball ist für mich zugleich intelligent und kreativ. Er ist inspirierend und voll Leichtigkeit, fast eine Kunstform. Der rechte Fußball ist Kampf, ist Arbeit und eher destruktiv. Ich habe mich, wie ja auch Millionen Fußballfans, ganz klar dem linken Fußball verschrieben, und es wundert mich, dass wir in der Bundesliga fast nur rechten Fußball zu sehen bekommen. Vielleicht ist hier Werder Bremen noch die Ausnahme, aber ansonsten wird bei uns Fußball vor allem gearbeitet.«

Zitat des Gladbacher Mittelfeldspielers Thomas Broich in einem sehr sehr sehr guten Interview mit dem VfLog (Teil 1). Auch wer keine Fußballer-Interviews mag (wg. des Lukas P. Traumas) darf mal reinlesen. Man kann dann erfahren, wie ein Fußballer sich selbst unsympathisch finden kann, Fußball nicht immer nur arbeiten, sondern das Leben an sich als Möglichkeit zur Kunst begreifen möchte, und überhaupt einen kleinen Ausflug ins Innenleben eines Fußball-»Stars« unternehmen.

Nach dem souveränen Sieg vom Samstag kann man sich nun erst einmal beruhigt solchen Schöngeistereien hingeben, bevor man dann gegen Wochenende kühn wird und es wagt, heimlich im stillen Kämmerlein von drei Punkten in Hamburg zu träumen… ;-)

P.S.: Manchmal geht mir Textile so richtig auf die Nerven. Ich muss wie ein funktionaler Analphabet »Lukas P. Trauma« schreiben statt, wie es bekanntlich im Deutschen gehört, »Lukas-P.-Trauma«, weil Textile sonst den halben Absatz durchstreicht. Und wir alle wissen ja, dass es im Deutschen keine zusammengesetzten Substantive mit Leerzeichen gibt, immer wenn ich z.B. Web Montag lese habe ich große große Schmerzen…

fußball thomasbroich borussia borussiamönchengladbach gladbach

Rundesleder

Finsteres rundes Leder

Schaut Euch das an! Mal wieder unterwegs in den heimatlichen Gefilden des Westens, habe ich tatsächlich jemanden in Köln gefunden, der Fußball spielen kann. ;-)

Aber die Aussicht, dass der »geliebte« Geißbockklub demnächst den Weg in die Liga antritt, in die er gehört, kann für den Fan der Borussia aus Mönchengladbach nur ein schwacher Trost sein in diesen Tagen. Die erneute Auswärtsniederlage, eine 0:3-Packung, ausgerechnet bei den Unsympathen aus dem Pfälzer Wald, lässt es mal wieder hoch hergehen bei der Borussia und Zweifel daran aufkommen, ob der Verein es tatsächlich schafft, mal eine Saison ohne Trainerwechsel durch zu kommen. Die Torfabrik stellt berechtigte Fragen, und die Heimpartie gegen Borussia Dortmund am Wochenende bekommt den Charakter einer schicksalhaften Begegnung. Wie die Kollegen von Seitenwahl gleich wieder das Abstiegsgespenst an die Wand zu malen halte ich trotz allem für übertrieben, dazu ist die Liga insgesamt einfach zu schwach.

Bökelberg in Trümmern

Da ich einmal da war, habe ich auch mal wieder dem guten alten Bökelberg in Gladbach einen Besuch abgestattet, der bis auf eine Ecke nur noch eine Trümmerwüste ist. Und als solche fast schon als Symbol für den derzeitigen Zustand der Borussia taugt…

fußball köln mönchengladbach borussia bökelberg

Rundesleder

Kein Freund

Und, falls jemand warme Worte zum Rückrundenstart der Bundesliga erwartet: Diese Woche ist mein Freund in keinster Weise aus Leder. Solcherart schönfärberische Einschätzungen kann ich in keinster Weise teilen, sehr bitter, ausgerechnet gegen die unaussprechlichen Bajuwaren in Rot und Weiß daheim zu verlieren…

Nur die Aussicht, dass bei einem Punktgewinn der Lauterer am heutigen Sonntag die Geißbockkicker aus der verbotenen Stadt mit der schmutzigen Bahnhofskirche auf den letzten Tabellenplatz rutschen könnten, wärmt ein wenig das frierende Fußballherz…

fußball borussia bundesliga

Rundesleder

Tschöö Bökelberg!

Nun ist es soweit, heute hat der Abriss des ruhmreichen Gladbacher Bökelberg begonnen. Oh Du mein Fußballtempel, Stätte ruhmreicher Siege und elender Grottenkicke, da gehst Du ruhmlos dahin. Traurig bröseln Betonstücke auf Deinen ungemähten Rasen. Und was für eine letzte Demütigung, dass Du von einem Baggerfahrer aus Hoyerswerda mit den Worten »Ich hab’ nichts mit Fußball. Baustelle ist für mich Baustelle.« ruchlos nieder gerissen wirst…

Heute wurde als erstes der Spielertunnel, in dem ich im Oktober noch den Boden geküsst habe, der von den Stollen an den Schuhen Günter Netzers geadelt wurde, eingerissen, damit der Baggerführer aus Hoyerswerda in den Innenraum fahren und sein schlimmes Werk durchführen kann…

Schlimmes Werk auch bei sport.ard.de. Sie würdigen den heutigen Tag zwar mit einer Fotoserie (auf der Seite nach »Bye bye, Bökelberg« suchen, kann man nicht Verlinken, Javascript-Gedöns), aber verlegten fälschlicherweise das legendäre 12:0 gegen Borussia Dortmund und das 5:1 gegen Real Madrid auf den Bökelberg. Beide Spiele fanden aber im Düsseldorfer Rheinstadion statt (beim Spiel gegen Real war ich dabei). Rechercheschlampen! Mal schauen, ob sie das entfernen, als notorischer Querulant habe ich natürlich eine empörte E-Mail geschrieben.

Anlässlich solch’ tragischem Geschehens möchte ich noch einmal auf meine Bildergalerie »Mythos Bökelberg« aufmerksam machen, die ich im Oktober 2005 fotografiert habe.

fußball borussia gladbach bökelberg

Ontour Momentaufnahme

Aus den Zeiten des Spreeblicks

Spreeblick Die Zeiten des Blickens in die Spree sind wieder vorbei, die Jahresendzeittour ist beendet und die Redaktion befindet sich wieder im heimischen Bürohochhaus in Wiesbaden. Hä? Redaktion? Hochhaus? Klar, das macht man jetzt so, Pluralis Majestatis ist im Microcontent-Kosmos der Blogosphäre schwer en vogue. Das machen wir jetzt auch so. ;-)

Silvester trieben wir uns auf den Straßen Berlins herum. Noch nie haben wir so viele Knaller gehört und gesehen. Vom Nachmittag an knallte es in einer Tour, wobei die dumpfe Freude am reproduzierbaren Wunder des Knallens nach unseren empirischen Forschungen korreliert mit der Zugehörigkeit zu gewissen bildungsfernen Schichten, auf den Punkt gebracht: Je Unterschicht, desto laut. Jederzeit rechneten wir damit, dass ein Knaller neben unserem Ohr explodiert, weil die besonders unterschichtigen Unterschichtlicher maximale Satisfaktion erst aus dem Knallen in dicht bevölkerten Menschengruppen gewinnen können …

Vor dem Palast der Republik fand, von zwei Polizeiautos aufmerksam beobachtet, eine kleine Silvesterparty mit Musik und Lightshow statt. Es hätte dort aber voller sein können:

Silvester am Palast der Republik Silvester am Palast der Republik

Überhaupt, Palast der Republik. Eingedenk der Tatsache, dass selbiges Bauwerk demnächst wohl abgerissen wird, veranstalteten wir dort eine ausgiebige Fotosession, dessen Resultate peu à peu an den bekannten Orten zu sehen sein werden. Abgerissen wird der Palast sicher werden, denn es geht nicht um eine rationale städteplanerische Entscheidung, sondern um eine ideologische Abrechnung, wie die Wortwahl »sozialistischer Schandfleck« des CDU-Generalsekretärs Frank Henkel (lt. heute) sehr schön verdeutlicht. Für manch einen sind die ideologischen Kämpfe von damals noch lange nicht vorbei…

Palast der Republik Abbruch statt Aufbau Ost? Symbol Ost und Symbol West

Für die Palast-Bilder gibt es einen eigenen Flickr-Set, der in den nächsten Tagen noch Zuwachs bekommen wird.

Rundlederwelten

Am Neujahrstag ging es in die Rundlederwelten. Ein Ausstellung rund um Fußball und Kunst, noch bis zum 8. Januar im Gropius-Bau zu sehen. Tolle Sache, erstaunliche Werke gibt es da zu sehen, wie den Eckball mit Borussia-Enblem, der tatsächlich an einer Mauerecke klebt, oder die verbotenerweise mit dem Handy fotografierte Heldengalerie der Weltmeisterelf von 1974. Die Helden von einst schauen in bewährter Fußballbildermanier in den Trikots von damals, die Fotos sind aber von heute. Bei manch einem muss man zweimal hinschauen, um ihn wieder zu erkennen.

Danach waren wir durstig wie nach einem harten Spiel, darum stand ein kühler Trunk im FC Magnet auf dem Plan, denn dort gibt es nicht nur kühle Getränke, sondern auch eine Ausstellung mit Fotos des Gladbacher Ballgott Günter Netzer zu sehen. Netzer im ersten Ferrari auf den Straßen Mönchengladbachs, Netzer auf den Rängen des Bökelbergs, usw. Kann man sich anschauen, als Hardcore-Gladbacher, wenn man eh in der Nähe ist. Ist aber auf alle Fälle eine nette Bar, der FC Magnet.

Auf dem Weg dorthin verliefen wir uns ganz kräftig und standen plötzlich an den Überresten der Berliner Mauer in der Bernauer Straße: Die Mauer Dank allzeit bereitem Stativ in der Tasche konnten wir auch dort ein paar Fotos machen. Das Ambiente des ehemaligen Todesstreifens, der auch in seinem Zustand als Gedenkstätte vergangener Zeiten nicht gerade die Aura eines netten Plätzchens für einen lauschigen Spaziergang ausstrahlt, und das feuchte, leicht neblige Wetter schrien laut »Bilder machen«…

Die Mauer Die Mauer Die Mauer Die Mauer Nach so einem düsteren Ort braucht man ein wenig Spass, den hatten wir dann mit Kameras auf dem Bahnsteig der Berliner U-Bahn.

Und zum guten Schluss, damit wir die Tagebuchseite mit Berlin abschließen können, speziell für Herrn andI, das ultimative Old-School-Foto-Konferenz-Blogger-Mützen-Bild, aufgenommen als Selbstportrait auf dem Balkon an der Glasfront des verfallenen Palast der Republik: Auf dem Palast der Republik

berlin palastderrepublik fußball rundlederwelten mauer

Rundesleder

Jahresabschlussborussiabloggen

Ein letztes Mal in diesem Jahr »Borussia-Bloggen«. Man kann die Winterpause diese Saison mit einem in den letzten Jahren ungekannten wohligen Gefühl eines relativ sicheren Tabellenplatzes angehen, und die Art und Weise, wie die Helden mit der Raute auf der Brust das Spiel gegen Frankfurt nach einem 0:2-Rückstand noch in die richtige Bahn zu einem 4:3-Sieg umgedreht haben, macht Mut für die Rückrunde. So gut, mit Kontakt zu den UEFA-Pokal-Plätzen, standen wir schon lange nicht mehr. Gute Sache! ;-)

Ansonsten? Wer Herbstmeister wurde, ist mir soeben entfallen. Und die Liga entwickelt sich immer mehr zum Irrenhaus. Ein paar Spiele verloren und ein bißchen Unruhe – schwupps, weg ist der Trainer. Neuerdings auch der Manager gleich mit, so in der verbotenen Stadt mit der schmutzigen Bahnhofskirche (oops, auf welchem Tabellenplatz steht denn der Geißbockklub, sowas aber auch…) und beim VfL Wolfsburg. Wobei man fairerweise sagen muss, dass Strunz als Manager die Fehlbesetzung schlechthin war. Als ich im Sommer das Kicker-Sonderheft studiert habe, musste ich ob dieser Personalie schon arg zweifelnd mein von vielen Jahren Bundesliga erfahrenes Haupt wiegen…

Wie man es richtig macht, zeigt Mainz 05. Trotz katastrophalem Start hielt man am Mainzer Gott Kloppo fest, der Erfolg gibt ihnen Recht. Aber das ist die Ausnahme, darum kann man über Meldungen wie diese nur schmunzeln. Nix gegen Thomas Doll, aber wenn der HSV knapp die Champions League verpasst und mit, sagen wir, zwei Auswärtsniederlagen und drei Heimunentschieden in die nächste Saison startet, heisst es »und tschüss«. Darum kann man sich solche symbolischen Vertragsverlängerungen (der Vorstand will zeigen »Boah, machen wir einen auf Kontinuität«) eigentlich schenken.

Nun, das war es also für 2005 mit dem runden Leder. Ab jetzt kann der Fernseher aus bleiben, da nur noch obskure Wintersportarten zu sehen sind, bis man dann Ende Januar 2006 endlich wieder lauthals verkünden kann: Mein Freund ist aus Leder.

borussia gladbach fußball

Rundesleder

Bravo, Schweiz!

Das war ja dramatisch, Glückwunsch an die Schweizer zur WM-Teilnahme! Das die Türkei bei der Wm zuschauen muss, erfreut mich, die unfaire und unsportliche Art, wie sich Mannschaft und Publikum in der Türkei in diesen Tagen präsentieren, machen ihre Nichtqualifikation zur einzig angemessenen Strafe. Manchmal sind die Fußballgötter gerecht. ;-)

Aber auch sportlich eine gute Sache: Mit der Schweiz, Spanien und (hoffentlich) den Tschechen haben wir nächstes Jahr zur WM bei uns drei weitere attraktive Mannschaften im Teilnehmerfeld.

Mein Freund ist aus Leder!

fußball wm2006

Rundesleder

Oben festsetzen!

Na, das wird ja immer besser mit dem VfL Borussia! Offensichtlich bringt es Glück, wenn ich hier die Tabelle blogge (nicht, dass ich abergläubisch bin …), also muss das heute wieder sein. Ein souveränes 4:1 gegen Kaiserslautern, das sieht richtig gut aus. Auch wenn man nicht durchdrehen soll, so kann man doch den Kollegen von seitenwahl.de zustimmen: »Sicherlich soll man die aktuelle Platzierung und die bis dato gezeigten Leistungen nicht überbewerten, doch darf man ruhig mit breiter Brust und dem Anspruch auf weiteren Erfolg in die nächsten Partien gehen, in denen mit Dortmund, Hamburg und Leverkusen ungleich stärkere Gegner warten. […] In den vergangenen Jahren haben mehrere Mannschaften erstaunliches Stehvermögen in diesen Tabellenregionen bewiesen, auch wenn große Teile der Medien und im Umfeld wöchentlich darauf gewartet haben, dass irgendwann der Dämpfer kommen müsse.« Ansonsten erfüllt den Gladbach-Anhänger als solchen sicherlich auch die deftige Packung für unsere »Freunde« aus der verbotenen Stadt mit der schmutzigen Bahnhofskirche mit einer gewissen Schadenfreude. Ja, ich weiß, ist echt fies, aber bei denen okay! Hielten selbige sich doch bereits für die Größten, nur weil sie nicht gleich von Saisonbeginn an ordentlich Senge bezogen haben …

Als nächstes geht es diese Woche im Pokal zu Hertha BSC. Und am Samstag dann zur falschen Borussia aus Dortmund. Wir werden sehen, im Moment bin ich exorbitant optimistisch, denn: Mein Freund ist aus Leder!

borussia fußball gladbach

Rundesleder

Oh, Borussia: UEFA-Cup-Platz!

Ja, was sind denn das für Sachen mit dem VfL Borussia? Um ein Haar fast schon wieder Auswärts gewonnen, und trotz der leichtfertig verschenkten zwei Zähler auf einem UEFA-Cup-Platz – da reibt sich der Borussia-Fan als solcher die Augen, wann hat man sowas zuletzt erlebt?
Mit dem Eigentor in letzter Minute war das Unentschieden natürlich unglücklich, schade.

Ausgesprochen gut gefällt mir auch, dass die Bayern als Tabellenführer gestürzt wurden. So muss das sein! Im Moment gilt eindeutig: Mein Freund ist aus Leder.

borussia fußball

Rundesleder

Borussia - Grauen auf dem Rasen

Gestern hatte ich nicht einmal Lust, die Sportschau zu gucken, so hat mich die erneute Auswärtsniederlage der Borussia aus Mönchengladbach in Köln angeödet. Zur Erinnerung, der letzte Auswärtssieg war im April 2004 in Rostock. Und sich ausgerechnet von den Kölnern abschlachten lassen – das schmerzt. Und zwar so, dass sich Martin vom VfLog dazu hinreißen ließ, die zyklische obligatorische Gladbacher Trainerdiskussion vorzuziehen und schon einmal los zu poltern: »Es wird Zeit, dass man bei Borussia einsieht: Wir haben im Kader nur Mittelmaß, und mittelmäßige Neuverpflichtungen werden daran nie etwas ändern können, auch 100 nicht. Dieser Verein braucht nicht immer neue Trainer, die immer neue mediokre Kicker ihres Geschmacks serviert bekommen. Borussia braucht einen Trainer, der aus dem, was wir haben, eine Mannschaft formt. Horst Köppel ist dazu nicht in der Lage. Horst Köppel muss weg!« Und streckt schon begierig die Händchen aus nach Jürgen Klopp oder Ralf Rangnick, von denen mit Sicherheit einer demnächst verfügbar ist. Einserseits sind das Protagonisten modernern Fußballs, andererseits spielen ihre Vereine auch nicht unbedingt besser als die Borussia. Ich finde, man sollte ein wenig Geduld mit Horst Köppel und der neu formierten Mannschaft haben. Dass die Borussia mit ihren ewigen Spieler- und Trainer-Tauschereien ins neue Vereinsheim eine Drehtür hätte einbauen können, ist nicht Köppels Schuld. Andererseits sollte man Köppel an seinen eigenen Aussagen messen, im Interview mit der Torfabrik sagte er: »Man hat doch in den letzten Jahren gesehen, dass man keinen Schritt weiter gekommen ist, wenn es mal nicht lief und man etwas auf der Trainerposition geändert hat. Ich bin der Meinung, dass wir mit der Mannschaft, wenn sie sich besser eingespielt hat, unsere Ziele erreichen können. Und das ist nicht der UEFA-Cup. Ich habe davon gesprochen, dass wir mal nach zehn Spielen nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Ob uns das gelingt, müssen wir sehen. Aber wir sind keine Spitzenmannschaft, da soll man sich nicht irgendwas in die Tasche lügen.« Also denn, am Dienstag, gegen Werder Bremen, wollen wir Punkte. Drei Punkte!

borussia gladbach fußball