Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel meines ersten Weblogs das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war. Aktuellere Artikel hat die neueste Version der Uninformat im Angebot.

Archivierte Artikel mit dem Tag dos

Techkram

Happy Birthday, MS Windows!

Heute vor 20 Jahren, am 20. November 1985, erschien in den USA die erste Version von Microsoft Windows. Bei der Gelegenheit fällt mir einmal mehr auf, dass es praktisch keine Windows-Fan-Blogs gibt, die solche Daten ähnlich den zahlreichen Mac- und Linux-Blogs angemessen feiern würden. Anscheinend benutzen es (fast) alle, weil sie es nicht anders wollen/können/dürfen. Während aber die Mac- und Linux-User ihr System »ins Herz geschlossen haben«, behandeln die Windows-UserInnen ihr System eher wie eine Grippeschutzimpfung: Man braucht es, aber man mag es eigentlich nicht.

Da ich ja alt bin ;-), kann ich ein wenig vom Krieg erzählen. Damals, Mitte der 80er, hat das Erscheinen von Windows niemanden wirklich interessiert. Selbst Microsoft Deutschland muss angesicht des Geburtstags eingestehen, dass »Windows im Jahre 1985 noch eine Software für EDV-Enthusiasten« war. Wir PC-Benutzer schauten damals ein wenig neidisch auf die Benutzer von Apple-, Atari- und Amiga-Rechnern. Während wir DOS booteten und der Norton Commander der einzige Luxus auf der kargen Benutzeroberfläche war, konnten sich die Benutzer der anderen Rechner den Luxus graphischer Benutzeroberflächen gönnen.
Nicht Windows war damals der Favorit auf die Position der grafischen Standard-Oberfläche für PCs, sondern eine Portierung der Atari-Oberfläche für PCs namens GEM (Bild: Toastytech via Wikipedia):

Als die Pläne für die Portierung von GEM auf den PC ruchbar wurden, verklagte Apple (schon damals klagefreudig) den Hersteller Digital Research, und GEM auf dem PC musste so verkrüppelt werden, dass es niemand benutzen mochte. Letztendlich bereitete damit Apple den Boden für den Siegeszug von Windows, der aber erst 1990 mit Windows 3.0 beginnen sollte.
GEM ist übrigens im Laufe der Zeit zu einer OpenSource-Anwendung mutiert und kann erstaunlicherweise sogar noch gesaugt und installiert werden.

Zurück in die Mitte der 80er-Jahre. Selbstverständlich sahen die zeitgenössischen Entwickler für die PC-Plattform die Notwendigkeit, $AnwenderIn mit einer komfortableren Oberfläche für die tägliche Büroarbeit auszustatten. Es entstanden die so genannten integrierten Pakete, die MS-DOS mit einer eigenen Oberfläche für Standardanwendungen und Dateimanagement ausstatteten. Sehr verbreitet war ein Paket namens »Framework« von Ashton-Tate, einer Firma die damals berühmt war für die später von Borland geschluckte Datenbank »dBase«. Mit solchen Paketen bewältigte $AnwenderIn die tägliche Arbeit, so dass, wenn überhaupt ein Desktop als Symbol für den PC der 80er-Jahre steht, es der von Framework sein muss (Quelle):

Framework existiert übrigens auch noch, als Windows-Software der eher exotischen Art.

Was bleibt zum Geburtstag von Windows? War ein weiter Weg in den letzten 20 Jahren, vom 1.0er-Exotensystem für PC-Frickler zum Hoffnungsträger in Version 3.0 zum omnipräsenten Sicherheitsrisiko in den aktuellen Varianten, dass in seinen aktuellen Entwicklungen nur noch Standards hinterher hechelt, die andere Systeme längst gesetzt haben.
Objektiv gesehen liegt es auf der Hand, dass mit einem Betriebssystem, dass man nur benutzen kann, wenn man diverse so genannte »Sicherheitspakete« von Drittanbietern installiert, etwas nicht stimmen kann und es nicht empfehlenswert ist, einer solchen Dauer-Baustelle wichtige Daten anzuvertrauen. Ich persönlich hatte bereits 1994 genug davon (das war damals Win 3.1 mit guter alter 8+3-Dateinamenkonvention und einem Desktop, der schneller abstürzte als man gucken konnte) und wechselte zu OS/2 und Linux, und später, im neuen Jahrtausend, zum Mac.

windows gem framework dos microsoft