Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel meines ersten Weblogs das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war. Aktuellere Artikel hat die neueste Version der Uninformat im Angebot.

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Bright Eyes, doppelt!

Musik

Bright Eyes Tja, auch die Weisheit des Alters schützt nicht vor dem gelegentlichen irrlichtigen Aufflackern der Infantilität. Nach dem Auftritt von Bright Eyes letzten Samstag in Wiesbaden kam ich nicht umhin, mir meine derzeitige Lieblingskapelle auch am Mittwoch (6.7.) in Karlsruhe beim Zeltival noch einmal anzuschauen. Wiederum im Doppelpack mit The Faint. Die begannen schon eine halbe Stunde zu früh, so dass wir von ihnen nicht mehr viel mitbekamen. Schade.

Das junge Genie Conor Oberst, dessen One-Man-Show Bright Eyes ist, hat bekanntlich die Tendenz, ein bißchen viel Alkohol zu trinken. Folgerichtig kam er am Samstag in Wiesbaden auch ziemlich breit auf die Bühne, strangulierte sich fast mit dem Gurt der Gitarre und redete zwischen den Songs ziemlich wirres Zeug. Aber wenn ein Song beginnt, wird in seinem Kopf ein Schalter umgelegt, und man merkt ihm davon nichts mehr an. Da bei dieser Tour sein elektronisches angehauchtes Werk »Digital Ash In A Digital Urn« vorgestellt wurde, präsentierten sich Bright Eyes in großer Besetzung mit 8 Mann, einer Frau am Cello und Conor Oberst. Die Dame und die Herren spielten die Songs zwei Zacken lauter als vom Album gewohnt, gleich zwei Schlagzeuger sorgten für einen druckvollen Sound und eine lautstarke Interpretation der filigranen Songs.

In Karlsruhe dann präsentierte sich Conor für seine Verhältnisse nüchtern und glänzend aufgelegt, plauderte halbwegs verständliche Sätze ;-) über die Mißverständnisse, die dem armen Kerl bei seinem musikalischen Treiben auf der Welt so begegnen. Eine der zahlreichen jungen Damen in den ersten Reihen reichten Conor einen Ausdruck einer Internet-Fakemeldung über seinen Tod auf die Bühne, der bei der ganzen Band kopfschüttelnd rumgezeigt wurde und dann vom Gitarristen verbrannt wurde. Conor meinte nur trocken, dass es im Jenseits eigentlich gar nicht so übel sei, und hatte die Lacher auf seiner Seite.
Interessant ist das gemischte Publikum, das Bright Eyes anziehen, von eher älteren Herrschaften bis zu schwärmerischen jungen Damen ist alles dabei.

Fazit: Mir hat es sehr gut gefallen, das Konzert in Karlsruhe war das bessere der beiden.
Von Conor Oberst, dem musikalischen Wunderknaben, wird man noch einiges hören, ich kann dann sagen: »Hey, ich habe ihn schon gesehen als er noch in kleinen badischen Zelten spielte« ;-). Conor wirkt authentisch, sein »Leiden an der Welt«, dass er wie kaum jemand anderes so packend musikalisch umzusetzen weiß, wirkt echt. Oder, wie es weiland der taz-Rezensent ausdrückte: »Aber wir haben gelernt, dem angeblich Authentischen mit besonderem Misstrauen zu begegnen. Also blättern wir weiter, auch wenn die Triebwerke längst ausgefallen sind. Wir halten uns für abgeklärt und aufgeklärt, wo wir doch eigentlich nur versteinern. Wer wissen will, ob er schon verloren ist, sollte Bright Eyes hören – und dabei auf seine Nackenhaare achten.« Bei Saddle Creek gibt es übrigens ein bißchen was von Bright Eyes als MP3 zu hören.

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»Sun turns us to stone«

Musik

Bright EyesAnd you will know us by the trail of dead

Heisst es in einem Song von Bright Eyes. Wenn sich dieses trübe Schicksal trotz der gegenwärtigen Sonnenscheinintensität vermeiden lässt, werde ich das junge Genie Conor Oberst und seine Band Bright Eyes am 2.7. in Wiesbaden live sehen. Und dann am 4.7. in Karlsruhe die bombastischen und fantastischen … and you will know us by the trail of dead …. Ich bin in Hinsicht auf diese beiden Konzerte bereits jetzt hochgradig enthusiasmiert.

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