Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel meines ersten Weblogs das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war. Aktuellere Artikel hat die neueste Version der Uninformat im Angebot.

Archivierte Artikel mit dem Tag Software

Musik Internet

»Social Software« mal nicht als Selbstzweck: Last.FM

Der erste Samstag seit Wochen im trauten hessischen Heim, Zeit einmal auszuprobieren, was seit Nicos Blogeintrag dazu bei mir auf der GTD-Maybe-Liste stand: Last.FM

Last.FM ist eine Online-Radio-Station der besonderen Art. Man saugt sich das zur eigenen Kombination aus Betriebssystem/bevorzugten Music-Player passende Audioscrobbler-Modul herunter, legt sich einen Account an, und hört Musik. Entweder die eigene, aus der eigenen Sammlung in iTunes, Winamp, XMMS und Konsorten, oder sucht sich durch die Eingabe von drei favorisierten Musikanten im Last.FM-Station Selector einen passenden Stream. Jeder Song, dem man nun lauscht, wird in das eigene Profil eingetragen. Wenn man etwa 100 Titel im eigenen Profil hat, fängt ein schlaues Skript in Last.FM an, nach Neighbours zu suchen, also Last.FM-Benutzern, deren musikalische Vorlieben den eigenen ähneln, und es wird ein Profile-Stream generiert, der ein Programm aus dem eigenen Bestand an Titeln und dem der Neighbours im Angebot hat.

Auf der Last.FM-Website bekommt man während des Lauschens einen kleinen Player eingeblendet: Wenn einem das, was man hört, sehr gut gefällt, klickt man auf das Herzchen, gefällt es weniger, klickt man auf Skip, wenn es gar furchtbar ist, auf Ban. Last.FM lässt diese Aktionen in seine Profilberechnungen einfließen, und mit der Zeit entsteht so ein immer feineres Profil des eigenen Musikgeschmacks, was wiederum bei der automatischen Auswahl der Neighbours berücksichtigt wird.
Während ich gestern mit to get things done beschäftigt war, habe ich das den ganzen Tag laufen lassen (die teure T-DSL-Leitung muß ja mal richtig beschäftigt werden ;-)), und ich bin wirklich begeistert. Richtig (für mich) üble Sachen wie Rap oder Hip-Hop traten nur anfangs auf, man muß dann halt schnell an den Rechner stürzen und auf Ban klicken. Man kann Alben, die im Last.FM-Datenbestand sind, übrigens manuell dem eigenen Profil hinzufügen, damit man schneller einen Grundbestand an Titeln im Profil erhält.

Last.FM ist auch »Social Software« um mal die Buzzword-Komponente dieses Blogeintrags ein wenig in die Höhe zu treiben. Früher, als ich jung war ;-), warf man beim ersten Blick in Wohnung oder Zimmer einer neuen Bekanntschaft einen prüfenden Blick auf die Plattensammlung. Oder man bekam einen Tipp von Leuten mit ähnlichen Musikgeschmack. Das macht Last.FM nun im netz-globalen Maßstab. Ein paar Links mit Gedanken zu Last.FM und dem Social Software-Aspekt:

Wenn man ein paar Dollar oder Euro donated (Summe steht im freien Belieben des edlen Spenders), erhält man eine persönliche Radio-Station, der jeder in der weiten Welt des Netzes lauschen kann. So kommt man auf einfache Art und Weise zu einem legalen eigenen Radio-Programm im Internet. Wie kühl ist das denn?

Wer mal dem lauschen möchte, was ich so mag, kann auf meiner Last.FM-Seite vorbei schauen. Es gibt noch allerlei Spielereien, bspw. eine Auswertung nach Herkunftsland, bei den Deutschen liegen peinlicherweise Die Ärzte weit in Front. Das muß anders werden ;-), wie “Nico schon schrieb”: »So, und nun meldet Euch an. Wir müssen was tun. Laut Statistik sind in Deutschland die Ärzte die Top-Band, das kann ja wohl nicht angehen, hier müssen mal mehr Leute mit gutem Musikgeschmack mitmachen.« Es lohnt sich, habe schon am ersten Tag Musikanten entdeckt, die mir gut gefallen und die ich bisher noch nicht kannte.

Noch eine Warnung für Apfelfreunde: Last.FM killt ab und an mal unvermittelt den Safari, also schön vorsichtig sein, wenn man noch wichtige Dinge in anderen Tabs hat!

Und noch etwas für die technischen Spielkinder: Auf seiner Audioscrobbler-Profilseite (Audioscrobbler und Last.FM benutzen den selben Datenbestand) findet man auch einen RSS-Feed der zuletzt gehörten Titel. Anregungen, was man damit anfangen könnte, liefert Joseph auf »Not Quite A Blog«.

Und nun viel Spaß beim Radio hören auf Last.FM, ohne Werbung, Gewinnspiele, Verkehrshinweise und den im Äther versammelten akustischen Ärgernissen des deutschen musikalischen Mainstreams. Last.FM ist die Rückeroberung der Idee Radio durch die Hörer!

Last.FM,Musik,Social Software