Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel meines ersten Weblogs das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war. Aktuellere Artikel hat die neueste Version der Uninformat im Angebot.
Weblogtalk

London calling

Apropos Web 2.0-Meetings: In London findet heute der Carson Workshops Summit »The Future Of Web Apps« statt. Dort versammeln sich Fans und Heroen der Web 2.0-Welt. Jeremy, rikman und viele andere mehr bloggen live. Ich muss gestehen, da wäre ich auch gerne dabei gewesen. Fotos von Geeks in Aktion gibt es selbstverständlich auch.

Und ganz was feines: Man kann zuschauen, wie die kühlen Leute im Publikum, also jene mit Mac und SubEthaEdit, live notieren, beobachten und bloggen.

futureofwebapps web20

Internet

»I come from Cyberspace, the new home of Mind«

Vor 10 Jahren: John Perry Barlows Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace, ein (Zitat) »Kammerstück der neueren Literatur amerikanischer liberaler Politikvorstellungen«: »Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer vergangenen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr.« Das Original findet man bei der EFF. Damals war ich davon, wie bereits nicht ganz so damals erwähnt, schwer begeistert. Heute klingt schon der Begriff »Cyberspace« ein bißchen merkwürdig. Und die »müden Giganten« erwiesen sich als widerstandsfähiger, als Barlow glaubte.

Andererseits, Notwendiges bleibt nun einmal Notwendiges. Wer möchte in einer Zeit, in der ein paar dumme Karikaturen Aufruhr und Tote verursachen, die Notwendigkeit einer neuen »Zivilisation des Geistes« bestreiten? Darum bleibt Barlows Vision ein Ansporn für uns alle, die wir das Netz mit gestalten wollen: »Wir werden im Cyberspace eine Zivilisation des Geistes erschaffen. Möge sie humaner und gerechter sein als die Welt, die Eure Regierungen bislang errichteten.«

barlow cyberspacedeclaration

Weblogtalk

Die mit den Sternen schreien

Vom Web Montag in Frankfurt

Nach dem Motto »Ich bin dann mal ’ne Runde networken« versammelten sich ca. 60 Web2.0-Interessierte in der Brotfabrik zu Frankfurt am Main. Diese liegt nicht gerade zentral, entpuppt sich aber, wenn man sie erst einmal gefunden hat, als perfekte Lokalität für ein Ereignis dieser Art.

Zunächst gab es allerlei Vorträge. Mehr oder weniger ausführliche Materialien dazu sind übrigens auf der Web Montag-Wikiseite verlinkt.

Thomas Wanhoff machte den Anfang mit einer Tour-de-Force durch das Podcasting, »Radio 2.0«, »Social Media« und »Rosenzüchterpodcast« habe ich mir als Schlagworte notiert. Eine knackige Einführung in die Materie.

Arne Klempert von Wikimedia Deutschland referierte dann, für meinen Geschmack ob des straffen Zeitplans und der sowieso vorhandenen öffentlichen Debatte über die Problematik, viel zu lange über den so genannten »Fall Tron«, ohne dabei etwas Neues zu erzählen.

Jens Grochtdreis, Pontifex Maximus der Kirche der Webstandards aka »Webkrauts«, stellte selbige Intiative und ihr (in meinen Augen wichtiges) Ziel, nämlich ein Bewusstsein zu schaffen für die Vorteile und Notwendigkeit der Webpage-Entwicklung in Webstandards, vor. Ich will keine Layout-Tabellen-Höllen mehr sehen, Jungs und Mädels! Auf Seiten, an denen ich beteiligt bin, gibt es selbige bereits seit 2002 nicht mehr, also gibt es 2006 keine Ausreden mehr!

Danach gab es einen Schwenk in die düstere Corporate-Web-1.0-Welt. Sebastian Werner stellte qooxdoo vor, ein eindrucksvolles GUI-Toolkit für die Erstellung von Web-Anwendungen, die nach traditionellen (Windows-)Desktop-Anwendungen aussehen und sich auch so verhalten (Modale Dialoge im Browser!). Vor drei Jahren hatte ich ein Projekt, wo ich so etwas sehr gut hätte gebrauchen können, mit Grausen denke ich an JavaScript-Orgien zum Abfangen von Events zurück, um liebe Kollegen an schlimmen Dingen zu hindern. Gute Sache. Für einen solchen Anwendungszweck, wie gesagt, eher Web-1.0-Corporate-Welt als schillerndes Web 2.0. Aber Ihr wisst ja, wo man wirklich das Geld verdienen kann…

Gerrit van Aaken spürte drei Trends im »Web-Fonthandling« nach, nämlich dem Anwachsen der Font-Families in den Stylesheets dieser Welt, den neuen Windows-Font (jene, die mit Windows Vista erscheinen, also gegen 2010, mit den komischen Namen), und den mehr oder weniger brauchbaren (in meinen Augen überflüssigen) technischen Tricks zum dynamischen Umwandeln von Text in Bildern oder Flash-Filme im Browser des Anwenders. Wem der Powerbook-Lüfter lustig zum rollenden Strandball ins Ohr säuselt, weil eine Blogseite mit 50 Überschriften jene mit sIFR als 50 Flash-Filme ausliefern möchte, wird sich in seiner Begeisterung über diese Technik kaum zügeln können. Ein guter, kompakter und zügiger Vortrag von Gerrit.

Rany Keddo stellte in einem amüsanten Vortrag seine very social Kalender-Applikation »fleavent« vor. Er gab Einblicke in seinen Entwicklungsprozess und begeisterte das Publikum durch purzlets. Man kann sich bei Rany übrigens für das Beta-Programm von fleavent registrieren lassen, das ist sehr web-2.0-ig. ;-)

Beate Paland führte das Publikum in die Welt der meistgehypeten Programmierumgebung unserer 2.0-Zeit ein, nämlich Ruby On Rails. Und das selbstverständlich so brilliant, dass sogar bekennende Nicht-Programmierer nun einen Eindruck gewonnen haben, was das ist und worum es da geht, und warum Rails toll ist.

Um Abschluss gossen fukami und Lars Stojny Wasser in den süßen Wein 2.0 und nahmen das Publikum mit auf eine Reise in die Welt der Exploits und Skript-Attacken, die das Leben im Web 2.0 zu einer mitunter gefährlichen Sache machen können. Selbstverständlich taten die beiden das mit einer expliziten White Hat – Attitüde. ;-)

Nach diesen schönen Vorträgen war es dann schon ganz schön spät. Und so leerten sich die Reihen zunehmend, es gab noch einige interessante Gespräche und, Jens sei Dank, mussten The Girl und ich nicht den mühsamen Weg per Bahn nach Wiesbaden angehen.

Was nehmen wir mit von diesem Web Montag? Mir hat es gefallen, es war schön alte Bekannte aus der Rhein-Main-Bloggerszene zu sehen und neue kennen zu lernen, wie z.B. Gerrit oder Leo. Beim nächsten Mal sollte es mehr Zeit für das Labern und Trinken ;-) geben.
Rany erzählte mir, dass Angestellter sein und Software-Entwicklung mit konsequentem GTD besser unter einen Hut zu bringen sind, das nehmen wir als Ansporn mit. Und die Erkenntnis, dass Web 2.0 vielleicht doch mehr als nur die Wiederkehr von AGs mit windigen Geschäftsmodellen aus der Zeit der Jahrhundertwende ist, wie uns das die ganz ganz schlauen Leute wie Hal Faber immer erzählen. Beim nächsten Web Montag bin ich wieder dabei.

webmontag webmontag20060206 web2.0

Weblogtalk Ontour

Es leuchten Buchstaben über der Stadt

Und zwar leuchtet heute (der 6.2.2006 ist damit gemeint, falls dieser Eintrag in 10.500 Jahren von einer außerirdischen Macht gelesen wird) in großen Lettern, den abgeklärten klugen Alleswissern, die schon alles kennen und alles gesehen haben zum Trotze, Web 2.0 über Frankfurt am Main. Denn es findet zum ersten Mal in Frankfurt ein Web Montag statt. Eine solche Veranstaltung bringt (Zitat) »[…] Anwender, Entwickler, Gründer, Unternehmer, Forscher, Web-Pioniere, Blogger, Podcaster, Designer und sonstige Interessenten zum Thema Web 2.0 (im weitesten Sinne) zusammen.« Das klingt interessant, dementsprechend voll ist die Teilnehmerliste. Neben den altbewährten Blogszene-Größen aus dem Rhein-Main-Gebiet haben sich auch zahlreiche (für mich) neue Gesichter angekündigt. Und sogar aus dem fernen Karlsruhe eilt eine Bloglegende herbei, um einen Vortrag über Ruby On Rails zu halten. Kurz und gut, es verspricht ein interessanter Abend zu werden. Live-Bloggen werde ich nicht, denn ich nehme keinen Rechner mit ;-), aber eifrig Notizen machen. Vielleicht.

Links:

webmontag webmontag20060206 frankfurt web20

Linux

Reload - Internet Explorer 6 unter Linux

Wunder der Interoperabilität Das Thema MS Internet Explorer unter Linux war bereits vor fast zwei Jahren ein Thema im Netzbuch. Da ich mich in meinem Home-Netz nun von der letzten Windows-Installation getrennt habe (unnötige Verschwendung meines kostbaren Festplatten-Platzes), es aber leider notwendig ist, Web-Kreationen in dem antiken Windows-Stamm-Stöberer MSIE 6 zu testen, wurde dieses Thema re-problematisiert. So wie es damals beschrieben wurde, kann man es natürlich noch stets machen. Heutzutage ist es aber geradezu kindisch einfach, eine Kollektion von drei IEs zu Testzwecken unter Linux zu installieren.

Zur Vorbereitung installiert man mit dem Paketmanager der GNU/Linux-Distribution des Vertrauens Wine, cabextract und die Truetype-Schriften. Danach steuert man seinen Browser zur Seite »IEs 4 Linux – Internet Explorers für Linux«. Dort lässt man sich von der etwas merkwürdigen Sprache nicht weiter beeindrucken, sondern besorgt sich das Installationsskript. Das heruntergesaugte Archiv packt man aus und startet das darin enthaltene Skript. Man beantwortet ein paar Fragen (bspw. nach dem Zielort für die IEs, ich habe sie in ~/bin installieren und mir Shortcuts auf dem Desktop anlegen lassen, s. Screenshot), geht einen Kaffee trinken, und wenn man zurück kommt, kann man die IEs unter Linux benutzen.

Der Screenshot zeigt den IE unter Ubuntu, das wiederum per VNC auf dem Mac-Desktop angezeigt wird, so dass die Testsession für den unsäglichen Schleuderbrowser ohne Unterbrechung des Mac-WebWorker-Workflows erfolgen kann. So liebe ich das!

Und so ist es nun tatsächlich so, meine Damen und Herren, nachdem ich nun die letzte WinXP-Partition geplättet habe: Erstmals seit 1986 ist auf meinen Rechnern kein einziges Betriebssystem von M$ mehr zu finden! :-)

linux wine msie ubuntu gnulinux

Internet

Webwatching, oder: Schrei nach technischer Kompetenz

Webwatching möchte in Interviews mit Netz-Aktiven und -Beobachtern »Trends der Netzkultur« aufzeigen (via Cem bei vowe). Aber bei allen Göttern des Digitalen, wie kommt man auf die Idee ein solches Unterfangen ausgerechnet in Flash(!) zu realisieren? Kann man Leute als kompetente Beobachter des Netzes ernst nehmen, die offensichtlich elementare Regeln des Publizierens im Netz nicht verstanden haben und technische Nicht-Kompetenz demonstrieren?

Womit ich nichts gegen Flash gesagt haben will, für Magazine wie Mooncruise ist es exakt das richtige technische Mittel. Aber für ein Text-Magazin, das man so auch mit ajaxifiziertem HTML hin bekommen hätte? Wirklich sehr schade!

[Update] Nachdem der Tenor dieses Artikels in vielen weiteren Stimmen einhellig durch die Blogosphäre hallte, wurde eine HTML-Version nachgereicht. Sehr schön!

webwatching netzkompetenz flash

Internet

Googles Lokalisierung in China, oder: Ausflugsbilder statt Panzer

Moe berichtete über die interessanten Auswirkungen der Google-Zensur in China anhand einer Suche nach Tiananmen auf Google.com (Klick öffnet einen Screenshot von mir) und Google.cn (dto.). Weg sind die Panzer, und Schnappschüsse von Ausflügen auf den Platz des Himmlischen Friedens werden gefunden. Zensur, weil sie dem Geschäft dient. Ein gefährlicher Weg, denn so ein Einknicken weckt sicher nicht nur in Diktaturen vom Schlage Chinas gewisse Begehrlichkeiten. Ich schätze, auch ein bekannter Regierungspräsident sieht da interessante Möglichkeiten.

Die .cn-Variante kann man sich nur ürbigens nur anschauen, wenn man in seinem Browser Chinesisch als erste Sprachpräferenz einstellt.

google zensur tiananmen

Mac

Bluetooth-Fernsteuerung für den Mac: Romeo

Wenn von Fernsteuerung per Bluetooth für Mac OS X die Rede ist, fällt meistens der Name Sailing Clicker. Eine weniger bekannte, freie Alternative dazu ist Romeo. Wenn man nur iTunes fernsteuern möchte, ab und an mal auf Geekveranstaltungen einen Vortrag mit Keynote halten oder auf der OS X-Oberfläche eingeblendet bekommen möchte, wer gerade anruft, wenn in der Tasche das Mobiltelefon klingelt, ist Romeo wahrscheinlich schon ausreichend. Und man kann es über fremde oder eigene Plugins auf simple Art und Weise erweitern, was für alle Applikationen und Aktionen funktioniert, die per AppleScript erreichbar sind (wobei sich die AppleScript-»Programmierung« auf, am Beispiel von Keynote demonstriert, »tell application “KeyNote” / activate / end tell« beschränkt) und für die es Tastaturkommandos gibt, die man dann in einem Dialog von »Romeo« zuordnen kann. Und es gibt eine Liste mit fertigen Plugins, wenn man keine Lust hat, sie sich selbst zusammen zu klicken.

Mit meinem T610 funktioniert Romeo ausgezeichnet, es hat eigentlich alles, was ich für meine bescheidenen Bluetooth-Anforderungen benötige.

romeo bluetooth mac osx

Rundesleder

Kein Freund

Und, falls jemand warme Worte zum Rückrundenstart der Bundesliga erwartet: Diese Woche ist mein Freund in keinster Weise aus Leder. Solcherart schönfärberische Einschätzungen kann ich in keinster Weise teilen, sehr bitter, ausgerechnet gegen die unaussprechlichen Bajuwaren in Rot und Weiß daheim zu verlieren…

Nur die Aussicht, dass bei einem Punktgewinn der Lauterer am heutigen Sonntag die Geißbockkicker aus der verbotenen Stadt mit der schmutzigen Bahnhofskirche auf den letzten Tabellenplatz rutschen könnten, wärmt ein wenig das frierende Fußballherz…

fußball borussia bundesliga

Zeugs

Ich, der prinzipienlose Kretin!

Es musste etwas geschehen. Die Zugriffe aus Google-Suchergebnissen, geschuldet der exorbitanten Beliebtheit, die Weblogs nun einmal haben, wenn sie »schöne URLs« mit Stichworten haben, fressen mir die Haare vom Kopf.

Bleiben zwei Alternativen:

Zum einen der Google-Suizid. Aber, ist man nicht in Google, existiert man nicht im Web. Aus der liebevollen Umklammerung der allwissenden Datenkrake gibt es keinen Weg mehr zurück. Und selbstverständlich bin ich auch der Hybris jedes mir bekannten Webloggers verfallen, die davon ausgeht, dass der Content, den man unverlangt und freiwillig ins Netz stellt, für die Mitmenschen so unfassbar wertvoll ist, dass man ihnen das nicht vorenthalten darf. Und sie im Zweifelsfall auch ruhig dafür zahlen können. Eben weil der freiwillig reingestellte Content so furchtbar bedeutsam ist.

Und zum anderen, der letzte Absatz deutet es schon an: Man bleibt in Google und lässt irgendwen zahlen. Und so, getreu dem alten Motto, dass Geschwätz von gestern nur Geschwätz von gestern ist, gibt es ab sofort für Google-Besucher Textads zu sehen. Wenn schon Google-Umarmung, dann richtig. Ich bin gespannt, ob und was dabei rauskommt. Aber ohne es mal ausprobiert zu haben, kann man nicht guten Gewissens Option 1 durchführen. ;-)

So, nun steinigt mich, den prinzipienlosen Kretin!

The Girl meint übrigens, dass die Archivseite noch locker einen Skyscraper mit 10 Ads vertragen könnte. Ist ’ne Überlegung wert… ;-)

google kommerz böse

Internet

Spiderman in Frankfurt

Spiderman in Frankfurt An der Wand des MMK in Frankfurt hängt Spiderman, Teil der Ausstellung “spinnwebzeit”, die in den heiligen Hallen der bildenden Kunst, dem Museum, Gegenstände präsentiert, die in eBay erworben wurden und mit etablierten Werken der modernen Kunst gemeinsam präsentiert werden.

Die Frage: Macht das Museum den Gegenstand erst interessant? Die Macher führen den Besucher auf das glatte Eis des Kunstverstandes, wenn eine Rose im Kolben aus der Ferne als eBay-Gegenstand eingeschätzt wird, sich beim näheren Hinsehen aber als berühmtes Meisterwerk von Beuys offenbart. Autsch, daneben gelegen.

Noch bis 28. Januar, wer noch nicht da war: Nix wie hin! Und ich verspreche, demnächst frühzeitiger über interessante Ausstellungen zu bloggen. ;-)

moblog spiderman mmk frankfurt spinnwebzeit

Weblogtalk

Werber mit Demokratiedefiziten

Der Demokratiepreis, Ausgabe Januar 2006, geht an Jean-Remy von Matt, der sich fragt, lt. Jens: »Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?« Dem Mann kann geholfen werden, er schaue nach bei Artikel 5, Absatz 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik: »Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten […]« Erstaunlich, wie wenig jemand von den Grundsätzen eben jener freien Gesellschaft hält, in der er dank jener verbürgten Freiheit seine bezahlten Werbebotschaften frei herumtragen darf und dadurch zu Wohlstand und Ansehen kommen konnte. Und das ist kein bedauerlicher Einzelfall, denn vor fast genau einem Jahr wurde sein Agenturkollege Peter Kabel bei Heiko Hebig mit den Worten zitiert: »But it’s no good that every citizen finally has a voice. It’s OK for renowned journalists to raise controversial issues. Knowing that ordinary citizens finally have the same power is not necessarily a good thing.« Scheint eine Berufskrankheit zu sein…

vonmatt kabel

Linux

nUbuntu - Network Ubuntu

Eine feine Sache: nUbuntu – Network Ubuntu. nUbuntu ist eine Ubuntu-Version, die als Live-System von CD bootet und auf einem Fluxbox-Desktop alles anbietet, was das Herz derer erwärmt, die sich in Netzwerken bewegen wollen/müssen/sollen. Neben allerlei Security-Werkzeugen findet man auch Firefox, Gaim und Irssi, so dass man sich umgehend mit der Welt verbinden kann und bei seinen »Untersuchungen« (welcher Art auch immer ;-)) nicht so alleine ist. Kühl ausehen tut es auch, finde ich.

Interessanterweise funktioniert die Hardware-Erkennung besser als mit der Original-Ubuntu-Live-CD. Mein Rechner im Büro hat Schwierigkeiten mit der Grafikkarte und startete Ubuntu von der Live-CD nur nach vorherigem manuellen Eingriff in die xorg.conf, nubuntu dagegen startet ohne »Gegenwehr«.

nubuntu linux ubuntu

Momentaufnahme

Aus die Maus: Palast der Republik endgültig dem Untergang geweiht!

Aus die Maus! Wenig überraschend hat der Bundestag Anträge von Linkspartei und Grünen abgelehnt, den Abriss des Palastes der Republik aufzuschieben oder ganz abzublasen. Wen interessiert da schon, dass es vor 2020 an der Stelle nix Neues geben wird, also im Grunde überhaupt keine Eile besteht? »Vae victis« (Wehe den Besiegten!), wusste man schon aus der Antike zu berichten. Der Palast muss einfach weg, als Symbol der untergegangenen DDR, als symbolischer Akt, ohne Sinn und Zweck. Adrian Pohr in ZEIT.de: »Abgesehen von den 12 Millionen Euro, die diese neue Baustelle im Herzen Berlins kosten wird, ist der Abriss Vorbote eines noch sehr viel mehr Geld verschlingenden Projekts: dem Wiederaufbau des alten Stadtschlosses. Falls es gebaut wird. Denn wie sparsamer Bund und bankrottes Berlin das fast eine Milliarde Euro teure Projekt finanzieren wollen, ist rätselhaft.« Und man beachte das wirklich schwache Bild, das Bauminister Tiefensee im Zeit-Interview abgibt! Überzeugend ist etwas anderes.

So geht er also demnächst dahin, der Palast. Ein visuelles Denkmal, offen für jedermensch: flickr-Gruppe »Palast der Republik«.

[Nachtrag:] Unbedingt lesen: Andrea im Küchenkabinett: »palast vs. schloß«

palastderrepublik

Rundesleder

Tschöö Bökelberg!

Nun ist es soweit, heute hat der Abriss des ruhmreichen Gladbacher Bökelberg begonnen. Oh Du mein Fußballtempel, Stätte ruhmreicher Siege und elender Grottenkicke, da gehst Du ruhmlos dahin. Traurig bröseln Betonstücke auf Deinen ungemähten Rasen. Und was für eine letzte Demütigung, dass Du von einem Baggerfahrer aus Hoyerswerda mit den Worten »Ich hab’ nichts mit Fußball. Baustelle ist für mich Baustelle.« ruchlos nieder gerissen wirst…

Heute wurde als erstes der Spielertunnel, in dem ich im Oktober noch den Boden geküsst habe, der von den Stollen an den Schuhen Günter Netzers geadelt wurde, eingerissen, damit der Baggerführer aus Hoyerswerda in den Innenraum fahren und sein schlimmes Werk durchführen kann…

Schlimmes Werk auch bei sport.ard.de. Sie würdigen den heutigen Tag zwar mit einer Fotoserie (auf der Seite nach »Bye bye, Bökelberg« suchen, kann man nicht Verlinken, Javascript-Gedöns), aber verlegten fälschlicherweise das legendäre 12:0 gegen Borussia Dortmund und das 5:1 gegen Real Madrid auf den Bökelberg. Beide Spiele fanden aber im Düsseldorfer Rheinstadion statt (beim Spiel gegen Real war ich dabei). Rechercheschlampen! Mal schauen, ob sie das entfernen, als notorischer Querulant habe ich natürlich eine empörte E-Mail geschrieben.

Anlässlich solch’ tragischem Geschehens möchte ich noch einmal auf meine Bildergalerie »Mythos Bökelberg« aufmerksam machen, die ich im Oktober 2005 fotografiert habe.

fußball borussia gladbach bökelberg

Zeugs

de/reKONSTRUKTION 06

Wenn ich eines gelernt habe, in diesen fast 4 Jahren, die ich blogge, dann ist es das Erste Gebot derer, deren Namen stets umhergeistern, wenn das Thema Weblogs irgendwo auf der Tagesordnung steht:
Wenn Du etwas machst, veranstalte darum einen Riesenzirkus, feiere auch das Banale ordentlich ab, dann kommen Ruhm und Ehre von ganz alleine…

In diesem Sinne rufe ich nun die de/reKONSTRUKTION 06 aus. Zunächst wird das Netzbuch dekonstruiert, aus seinen Trümmern partial rekonstruiert, und in weiten Teilen neu konstruiert. Ist das nicht konstruktiv?

redesign rekonstruktion

Mac

iTunes + iWeb = iSekte

Nach der Keynote von Steve Jobs, dem großen Heiligen der Apfel-Sekte, wird Apple Microsoft immer ähnlicher. Nicht nur, dass die Rechner nun Virenschleuder-Prozessoren enthalten (okay, vergesst die Polemik, das ist nur eine Abstraktion im Rahmen meiner globalen Argumentation, das hier, mit dem bekloppten Namen, hat definitiv den ultimativen »Haben-Wollen-Faktor« ;-)), auch die Software aus Cupertino legt zunehmend Verhaltensweisen an den Tag, für die Microsoft und Konsorten in der Vergangenheit oft, und das zu Recht, kritisiert wurden.

Da wäre zum einen die skandalöse »iTunes telefoniert nach Hause«-Geschichte. Präzise gesagt, nicht nach Hause, sondern mit einer Domäne 2o7.net, die einer Marketing-Firma(!) names Omniture gehört (siehe since1968.com: Omniture, Apple, iTunes, and Privacy). Wie drückt es Airbag-Blogger Greg Storey 100%ig zutreffend aus: »Apple is starting to tread on grounds they normally blast MS for, lame.«
Richtig ärgerlich ist der Tenor der Reaktionen (exemplarisch: Die Kommentare zu diesem Mac-Essentials-Artikel): »Apple sind die GUTEN!« schreibt dort einer wahrhaftig. Welches Maß an naivem Apologetentum kann man einem (selbstverständlich) gewinnorientiertem Unternehmen entgegenbringen? Damit können wir also festhalten: iTunes ist der würdige Nachfolger des Windows Media Player, denn dessen seinerzeit entdeckte E.T.-Funktion bewegte sich auch nicht in anderen Daten-Dimensionen…

Mit etwas weniger Tragweite für unsere Daten kann man diese Beobachtung, zum anderen, ein weiteres Mal machen: Todd Dominey stellt fest, dass der Quellcode der mit der neuen iWeb-Applikation erstellten Seiten eine große unschöne unsemantische div-Suppe ist (man schaue sich einmal hier den Quellcode an). Und wieder feiern die Sekten-Anhänger in der Kommentarspalte von Mac Essentials ein fröhliches »Alles nicht so schlimm«-Fest, denn es ist ja von Apple, und das sind die Guten…
Über iWeb kann man natürlich erst etwas sagen, wenn man es einmal genauer zwischen Maus und Tastatur hatte, möglicherweise liegt die div-Suppe an einer fehlerhaften Einstellung. Daher behalten wir die Plakette mit »iWeb ist das neue Frontpage« noch ein wenig in der Schublade und warten erst auf weitere Fakten…

Interessant ist übrigens auch, dass die Reaktionen auf die iTunes-Datenübertragung in der englischsprachigen Blogosphäre deutlich harscher und weniger Apfel-Sekte-geprägt waren als im deutschsprachigen Bereich. Ist es im Lande der Payback-Karten sowieso den meisten egal, was mit ihren Daten passiert? (»Ich habe ja sowieso nichts zu verbergen…«)

itunes apple iweb omniture datenschutz

Seltsames

Aufgeschnappt

In #irssi:
23:41 < danalien> I tried dvorak, it was sticky, really sticky, so sticky it still sticking with me :-)
23:45 < danalien> Caleb: no, but it’s one of those things you pull thru if you really want to achive it. 1st day I typed dvorak it was like I it was the 1st time I’ve ever seen a keyboard :)
23:45 < danalien> I
23:45 < Caleb> lol
23:47 < danalien> kinda like how geeks are around a pair of breasts, they’ll fumble around without knowing what they push
23:47 < Caleb> i have no problems with breasts
23:47 < Caleb> lol
23:48 < danalien> then you’re not a geek. ;
)

geeks

Ontour Momentaufnahme

Aus den Zeiten des Spreeblicks

Spreeblick Die Zeiten des Blickens in die Spree sind wieder vorbei, die Jahresendzeittour ist beendet und die Redaktion befindet sich wieder im heimischen Bürohochhaus in Wiesbaden. Hä? Redaktion? Hochhaus? Klar, das macht man jetzt so, Pluralis Majestatis ist im Microcontent-Kosmos der Blogosphäre schwer en vogue. Das machen wir jetzt auch so. ;-)

Silvester trieben wir uns auf den Straßen Berlins herum. Noch nie haben wir so viele Knaller gehört und gesehen. Vom Nachmittag an knallte es in einer Tour, wobei die dumpfe Freude am reproduzierbaren Wunder des Knallens nach unseren empirischen Forschungen korreliert mit der Zugehörigkeit zu gewissen bildungsfernen Schichten, auf den Punkt gebracht: Je Unterschicht, desto laut. Jederzeit rechneten wir damit, dass ein Knaller neben unserem Ohr explodiert, weil die besonders unterschichtigen Unterschichtlicher maximale Satisfaktion erst aus dem Knallen in dicht bevölkerten Menschengruppen gewinnen können …

Vor dem Palast der Republik fand, von zwei Polizeiautos aufmerksam beobachtet, eine kleine Silvesterparty mit Musik und Lightshow statt. Es hätte dort aber voller sein können:

Silvester am Palast der Republik Silvester am Palast der Republik

Überhaupt, Palast der Republik. Eingedenk der Tatsache, dass selbiges Bauwerk demnächst wohl abgerissen wird, veranstalteten wir dort eine ausgiebige Fotosession, dessen Resultate peu à peu an den bekannten Orten zu sehen sein werden. Abgerissen wird der Palast sicher werden, denn es geht nicht um eine rationale städteplanerische Entscheidung, sondern um eine ideologische Abrechnung, wie die Wortwahl »sozialistischer Schandfleck« des CDU-Generalsekretärs Frank Henkel (lt. heute) sehr schön verdeutlicht. Für manch einen sind die ideologischen Kämpfe von damals noch lange nicht vorbei…

Palast der Republik Abbruch statt Aufbau Ost? Symbol Ost und Symbol West

Für die Palast-Bilder gibt es einen eigenen Flickr-Set, der in den nächsten Tagen noch Zuwachs bekommen wird.

Rundlederwelten

Am Neujahrstag ging es in die Rundlederwelten. Ein Ausstellung rund um Fußball und Kunst, noch bis zum 8. Januar im Gropius-Bau zu sehen. Tolle Sache, erstaunliche Werke gibt es da zu sehen, wie den Eckball mit Borussia-Enblem, der tatsächlich an einer Mauerecke klebt, oder die verbotenerweise mit dem Handy fotografierte Heldengalerie der Weltmeisterelf von 1974. Die Helden von einst schauen in bewährter Fußballbildermanier in den Trikots von damals, die Fotos sind aber von heute. Bei manch einem muss man zweimal hinschauen, um ihn wieder zu erkennen.

Danach waren wir durstig wie nach einem harten Spiel, darum stand ein kühler Trunk im FC Magnet auf dem Plan, denn dort gibt es nicht nur kühle Getränke, sondern auch eine Ausstellung mit Fotos des Gladbacher Ballgott Günter Netzer zu sehen. Netzer im ersten Ferrari auf den Straßen Mönchengladbachs, Netzer auf den Rängen des Bökelbergs, usw. Kann man sich anschauen, als Hardcore-Gladbacher, wenn man eh in der Nähe ist. Ist aber auf alle Fälle eine nette Bar, der FC Magnet.

Auf dem Weg dorthin verliefen wir uns ganz kräftig und standen plötzlich an den Überresten der Berliner Mauer in der Bernauer Straße: Die Mauer Dank allzeit bereitem Stativ in der Tasche konnten wir auch dort ein paar Fotos machen. Das Ambiente des ehemaligen Todesstreifens, der auch in seinem Zustand als Gedenkstätte vergangener Zeiten nicht gerade die Aura eines netten Plätzchens für einen lauschigen Spaziergang ausstrahlt, und das feuchte, leicht neblige Wetter schrien laut »Bilder machen«…

Die Mauer Die Mauer Die Mauer Die Mauer Nach so einem düsteren Ort braucht man ein wenig Spass, den hatten wir dann mit Kameras auf dem Bahnsteig der Berliner U-Bahn.

Und zum guten Schluss, damit wir die Tagebuchseite mit Berlin abschließen können, speziell für Herrn andI, das ultimative Old-School-Foto-Konferenz-Blogger-Mützen-Bild, aufgenommen als Selbstportrait auf dem Balkon an der Glasfront des verfallenen Palast der Republik: Auf dem Palast der Republik

berlin palastderrepublik fußball rundlederwelten mauer

Ontour

Dies ist das Ende!

Des Jahres 2005, meine ich. ;-) 22C3 ist rum, hier sind die angemessenen Worte dazu zu lesen. Es war wirklich schön, der Congress hat mir gut gefallen, und 23C3 ist schon vorgemerkt.

Trotz einer gewissen congressbedingten Müdigkeit geht es nun noch ins Berliner Silvestertreiben. Mal schauen, was in der Hauptstadt als solcher und am Palast der Republik so los ist. ;-)
Palast der Republik
Apropos Palast, ich möchte mich dem Herrn Schockwellenreiter anschließen und unterstütze das Bündnis für den Erhalt des Palastes. Die ganze Idee mit dem Abriß des Palasts und dem Wiederaufbau des Schlosses ist ahistorisch und erinnert genau an die Methodik, die jene an den Tag legten, deren historische Hinterlassenschaft nun mit der Abrissbirne beseitigt werden soll.

Euch allen, verehrte Zielgruppe, wünsche ich einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein tolles Jahr 2006!

22c3 Ontour

22C3 hinterlässt Spuren - nicht nur im Schnee

Schon der dritte Tag auf dem 22C3. Das bleibt nicht ohne Spuren. So kam der Autor dieses kleinen Blogs aus heiterem Himmel auf die Idee, dass es ziemlich kühl ist, auch in geschlossenen Räumen eine Mütze zu tragen. Wenn sich also jemand aus der verehrten Leserschaft auf dem 22C3 herumtreibt und einen Typen (oft ;-)) im Art-&-Beauty-Bereich mit einem Mac auf dem Schoß und einer Mütze auf dem Kopf herum sitzen sieht – einfach mal Tach sagen, denn mit einem Bloggertreffen wird es ja wohl mangels global anerkannter Koordinierungsinstanz nix mehr werden. Alex im Winter Das Wetter in Berlin ist die Hölle, nichts kann ich so wenig ausstehen wie Schnee und Kälte. Andererseits hat diese Witterung, ästhetisch gesehen, auch ihre interessanteren Momente, wie dieser nächtliche Schuss aus dem Fenster des Circus andeutet. Volksbühne

22c3 berlin winter mütze