Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel meines ersten Weblogs das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war. Aktuellere Artikel hat die neueste Version der Uninformat im Angebot.

Weltalssolche

Tim Berners-Lee ...

Weblogtalk Weltalssolche

… in einem Interview mit der BBC (via Ed Cone) über das Web, Weblogs und Wikis: »The idea was that anybody who used the web would have a space where they could write and so the first browser was an editor, it was a writer as well as a reader. Every person who used the web had the ability to write something. It was very easy to make a new web page and comment on what somebody else had written, which is very much what blogging is about.
For years I had been trying to address the fact that the web for most people wasn’t a creative space; there were other editors, but editing web pages became difficult and complicated for people. What happened with blogs and with wikis, these editable web spaces, was that they became much more simple.
When you write a blog, you don’t write complicated hypertext, you just write text, so I’m very, very happy to see that now it’s gone in the direction of becoming more of a creative medium.«
Letztendlich eine Reformulierung seines berühmten geflügelten Wortes »Everyone’s a publisher«. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob Berners-Lee das je so gesagt hat, wenn ich danach google finde ich mich selbst zu erst …

Übrigens, auch wenn im Lichte solcher durchaus ironisch gemeinter Beiträge der gegenteilige Eindruck entstehen könnte: Ich teile diese Vision durchaus. Ich war schon immer der Ansicht, dass jemand, der täglich in’s Internet geht um bild.de und die tagesschau zu lesen, nur den halben Spaß an der Sache hat. Das Internet ist keine kommunikative Einbahnstraße wie Fernsehen, Radio oder die gedruckte Zeitung. Erst wenn man selbst aktiv wird, wird es richtig lustig. Und ich bin davon überzeugt, dass in diesen Zeiten des Internets, der Weblogs, der Wikis und der Foren mehr geschrieben wird als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Und das ist für sich selbst schon einmal eine gute Sache. Das Web hat einige (viele!) Menschen von ihrem Couchpotatoe-Dasein erlöst.
Begleiterscheinungen wie diese Geschichte, die Nico erzählt, passieren im Web, weil Menschen halt so sind wie sie nun einmal sind. Dass man, wenn man bemüht ist, sich im Leben von diesem Menschenschlag so weit wie möglich fern zu halten, durch das Web damit konfrontiert wird, ob man will oder nicht, ist die dunkle Seite des Webs.

web berners-lee problematisieren

HP auf dem LinuxTag: Wir haben nichts verstanden, aber wir sind dabei!

Linux Weltalssolche

Werbung für Netzwerküberwachungskameras Where .com meets .org ist bekanntlich das Motto des LinuxTags. Dementsprechend ist auch das IT-Business-Establishment, z.B. in Form von Hewlett-Packard, auf dem LinuxTag anwesend. Wie es sich für das Big Business gehört, natürlich mit einem pompös ausgestatteten Stand. Der Stand selbst und das krawatten- und kostümmäßig ausgestattete Standpersonal wirken wie ein Fremdkörper im bunten Treiben des LinuxTags. Das wäre nicht weiter tragisch, ist halt so, wenn .com auf .org trifft.
Das für HP das Mitmischen im Bereich OpenSource nur ein Geschäft ohne jegliches Verständnis der Idee dahinter ist, verdeutlicht die glorreiche Idee, ausgerechnet auf dem LinuxTag zu versuchen, ein Netzwerkkamera-Überwachungssystem an den Mann zu bringen.
Überwachungskamera
Und, wenn man diesem Newsgroupbeitrag glauben darf (via AK’s weblog), steht der Verdacht im Raum, das HP das Treiben auf dem Messestand mit diesen Kameras aufzeichnet. Was zwar nicht verboten ist (denn es handelt sich ja um eine öffentliche Veranstaltung, sonst dürfte man auch keine Fotos machen), aber doch zeigt, dass man zwar mit Linux Geschäfte machen will, aber im Grunde von diesen ganzen Zusammenhängen dahinter (Was wohl »Freiheit«, »Offenheit« und »OpenSource« miteinander zu tun haben?) nichts verstanden hat. Schwaches Bild!

hp linuxtag

Journalisten erklären uns die Welt

Weblogtalk Weltalssolche

Wir alle wissen ja: Nur richtige Journalisten sind durch ihre fundierte Ausbildung in der Lage, uns die Welt zu erklären und aufzupassen, dass in der demokratischen Ordnung alles seinen geregelten Gang geht. Schauen wir uns doch mal die glorreiche Ausbeute des heutigen Tages an.

Da wäre zunächst einmal ein Artikel bei der Deutschen Welle mit dem schönen Titel »Die wunderbare Welt der Photoblogger«, in dem uns Winnie Ya Otto erklärt: »Photoblog ist die englische Bezeichnung für ein Internet-Fototagebuch. Der Begriff setzt sich zusammen aus ‘photo’ (englisch für Foto), ‘b’ (Abkürzung für web) und ‘log’ (für Buch). Ein Photoblog ist also eine Variante des Weblogs, bei der die Darstellung von Fotografien im Vordergrund steht.« Wer hätte das gedacht? ;-) Ein Weblog ist also gemäß dieser Erklärung ein Wewebbuch … Der Artikel schlug übrigens schon lange vor seiner Veröffentlichung Wellen in der Blogosphäre (gefunden bei Martin).

Weiter, nächstes Opus. In der Süddeutschen Zeitung erklärt ein Helmut Martin-Jung in seinem wirklich grottenschlechten Artikel »Die große Bühne der Einsamen« uns Weblogger kurzerhand zu sozial vereinsamten Psychotikern, die alle an der Grenze zur sogenannten Internet-Sucht balancieren. Und zitiert ausgerechnet jene notorische »Expertin« Gabriele Farke, die sich seinerzeit mit einem der längsten Kommentare in der Geschichte des Netzbuchs unsterblich machte. Zu der sogenannten Internet-Sucht habe ich bereits im Mai letzten Jahres alles gesagt. Bleibt noch, den Schockwellenreiter zu zitieren: »Und nach diesem Artikel braucht mir keiner mehr mit ‘journalistischen Standards’ zu kommen. Unter diese Meßlatte kommt selbst das schlechteste Weblog nicht durchgekrochen. Süddeutsche, schäme Dich…«

Und dann ist da noch jene Story beim WDR vom angeblichen C64, der im Dortmunder HBf ausgefallen war, der in Wirklichkeit ein 80286er mit dem M$-Unix Xenix war (via Hugo). Eine richtig schöne Ente!

Lasst uns also stolz sein auf unsere gut ausgebildete, professionelle und kenntnisreiche Journaille. Wenn man bedenkt, dass es sich bei den drei Artikeln um DW, die Süddeutsche und den WDR handelt (nicht um Unterschichtenfernsehen oder Bild), lässt sich das ganze Elend hinter den Zeitungs- und Webseiten, Fernsehbildern und Radiotönen erahnen. Im Grunde hat der professionelle Journalismus Konkurrenz von bloggenden Amateuren bitter nötig!

TC Boyle und Pisa

Seltsames Weltalssolche

TC Boyle, präziser gesagt, ein über zwei Jahre alter Netzbuch-Artikel über ein Buch von ihm, übt eine magischen Anziehungskraft auf die Generation Pisa aus.

Vielleicht mag ja jemand dem verzweifelten Fabian helfen? Unsereiner hatte ja solche Probleme stets dahingehend gelöst, indem er (a) das Buch tatsächlich gelesen hatte ;-) oder, bei problematischen Fällen, (b) sich in der lokalen Bibliothek (liebe Kinder, das ist so ein großes Haus in dem ’ne Menge Bücher stehen, die man anschauen darf) durch die verfügbare Sekundärliteratur wühlte, bis er das Problem gelöst hatte.
Aber wer weiß, vielleicht werden solche antiken Kulturtechniken heute nicht mehr gelehrt, weil sie in ökonomischen Verwertungszusammenhängen eines zielgerichteten Bildungssystem (Ziel: handliches, von unnützem Wissen freigehaltenes preiswertes Nachwuchs-Personal durch die Bildungsinstitutionen peitschen) nicht mehr erwünscht sind.