Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel meines ersten Weblogs das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war. Aktuellere Artikel hat die neueste Version der Uninformat im Angebot.

Fotografie

Besuch auf dem Bökelberg

Fotografie Rundesleder

Premium-Content-Cross-Marketing! Drüben im Fotoblog gibt es Bilder vom Besuch im alten Stadion der Borussia auf dem Bökelberg in Mönchengladbach am vorletzten Wochenende. Wir drangen in das Stadion ein und knippsten was das Zeug hält, denn im November soll es abgerissen werden und wird dann für immer mythische Geschichte sein.

bökelberg mönchengladbach borussia

Autochromes de la guerre

Fotografie

Schwarz-Weiß-Fotografien von Kriegen haben die Tendenz, das sinnlose Kriegstreiben für den heutigen Betrachter zeitlich weiter nach hinten zu schieben, als das Geschehen tatsächlich einzuordnen ist. Darum schaffen es die im Autochromverfahren erstellten »Autochromes de la guerre 1914-1918«, auf den Betrachter unmittelbarer zu wirken. Das Benutzerinterface ist lausig, aber die Aufnahmen sehenswert. Die Fotografen Cuville, Castelnau, Aubert und Albert Samama-Chikli waren als Soldaten an den Kampfhandlungen beteiligt, dementsprechend realistisch (das ist als Warnung für sensible Gemüter zu verstehen) sind einige Bilder. Andererseits fällt auf, dass es auch zahlreiche eher »touristische« Aufnahmen aus für die damaligen Zeitgenossen weit entfernten und exotischen Gegenden wie Griechenland gibt.

Um die Bilder anzuschauen, muss man oben rechts unter Accès aux Images auf einen der Schauplätze klicken und erhält dann eine neue Seite mit einer Übersicht.

[Via Metafilter]

fotografie 1.weltkrieg ww1

Robert Capa-Retrospektive in Berlin

Fotografie

Mich dünkt, ich muß schon wieder nach Berlin! Nach der Henri Cartier-Bresson Retrospektive gibt es im Martin-Gropius-Bau vom 22. Januar an mit einer Robert Capa-Retrospektive eine weitere Ausstellung eines meiner absoluten Idole zu bewundern. Capa war ein Weggefährte Cartier-Bressons und gründete mit ihm und weiteren Kollegen 1947 die Bildagentur Magnum, lt. Legende nach ihrer bevorzugten Champagner-Marke benannt. Auch wem der Name Capa nichts sagt, hat zumindest schon einmal sein berühmtestes Bild »Tod eines spanischen Legalisten« (Abb. links oben) aus dem spanischen Bürgerkrieg 1936 gesehen, das in keinem Werk zur Fotografie des 20. Jahrhunderts fehlt. Capa starb 1957 im Einsatz als Fotograf, als er in Indochina auf eine Mine trat. Vgl. zu Capa auch den aktuellen Artikel der FR.

Projekt Ostkreuz

Fotografie

Der Berliner Bahnhof Ostkreuz ist ein faszinierender Ort, das habe ich beim Umsteigen letztens in Berlin durchaus bemerkt, aber leider war keine Gelegenheit zu einer ausgiebigen Foto-Session. Um so schöner, dass andere fotografierende Damen und Herren dem morbiden Charme des etwas heruntergekommenen Bahnhofs erlegen sind und wunderschöne Bilder ins Netz gestellt haben: »Projekt Ostkreuz.«

Nicht von der etwas merkwürdigen Seite abhalten lassen (so führen bspw. die Links bei “zuletzt angesehen” zu völlig anderen Bildern, wenn man die Seite ein paar Minuten im Browser stehen lässt, und die Kästen geraten, zumindest im Safari, ein wenig aus den Fugen), die Bilder in den Galerien sind klasse und lohnen einen intensiveren Blick.

(Via photo-blogg.de)

Henri Cartier-Bresson

Fotografie

Bereits am Montag (3.8.) starb der große Meisterfotograf Henri Cartier-Bresson 95-jährig in seinem Haus in Luberon, Frankeich. Der Mann schaffte es meisterhaft, anrührende, unfreiwillig komische, fröhliche oder historische Momente einzufangen. Er hatte ein Abkommen mit dem Schicksal, er fotografierte Gandhi wenige Stunden, bevor Gandhi ermordert wurde, oder er war in China, als die Kommunisten die Macht übernahmen. Es war als flüstere das Schicksal ihm zu: “Mach’ Du mal eben noch ein Foto, gleich schlage ich zu.”
Nun ist die große Cartier-Bresson-Ausstellung in Berlin, die ich nächste Woche besuchen werde, unerwartet zu einer Art Nachruf geworden.

Zum Tod von Henri Cartier-Bresson:

Bilder und Portraits:

Und Ralph nimmt HCBs Tod zum Anlass, einmal über Bilder und Betrachten nachzudenken: »Die große Zeit der Reportagefotografie begann, als es noch lange nicht die heutige Sättigung mit Bildern und ‘Fotostrecken’ gab – die lieblos ‘zusammengehauen’ werden, klischeebehaftet und uniform, als müßte die unerträgliche Komplexität der Welt durch Einebnung von Bildern (und Worten) kompensiert werden […] . Eine Sättigung, die sich durch die Digitalisierung zu potenzieren scheint. Mit der Folge, dass wir uns Fotografien, die mehr sind als Fotos, gar nicht mehr anschauen, sondern nur noch durchklicken; in Geschwindigkeiten, über die Log-Dateien Auskunft geben.«

Und noch bis zum 15.8.2004: Henri Cartier-Bresson – Retrospektive im Martin-Gropius-Bau in Berlin.

Die Blindheit für die eigene Umgebung

Fotografie

Richard Friedman schreibt zu seinem fantastischen Bild ‘Industrial Berkeley’: »Its hard to take pictures in your own back yard. Other places always seem so much more interesting. Sometimes you have to force yourself to look at things around you as if you were seeing them for the first time.« Dieser Gedanke kam mir letztens in Wien auch in den Sinn. Man läuft in der Fremde herum, mit einem wachsamen Auge, um keinen Eindruck und keinen Moment zu verpassen. Ganz im Gegensatz zur Alltagssituation in der heimischen Umgebung. Die Situation ist natürlich in der Fremde auch völlig anders, man hat in dem Augenblick keinen Alltagskram im Kopf, ist aus der täglichen Routine heraus und in eine Umgebung voller neuer Eindrücke geworfen.

Aufgabe: Einen Reiseführer für die eigene Heimat (als “Hardware-Lösung” oder aus dem Netz) besorgen, und an einem freien Tag versuchen, die eigene Heimat mit den Augen des Fremden zu sehen, Fotos machen, ins Weblog stellen!

Worum es eigentlich gehen sollte in diesem Eintrag: Richard Freeman: Photographs: 1967-2003. A Photo Show At Rooz Cafe, January 2004. (Via Adactio)

Henri Cartier-Bresson

Fotografie

Oh, mich dünkt ich muß demnächst noch nach Berlin: meines Foto-Idols wegen. Henri Cartier-Bresson ist nicht nur ein großer Fotograf, sondern auch ein begnadeter Auslöser-Philosoph: »Letztendlich interessiert mich das Foto selbst überhaupt nicht. Das einzige, was ich will, ist, einen Sekundenbruchteil der Wirklichkeit festzuhalten.« Diese Philosophie kann man als “durchgesetzt in der Realität” sehen, wenn auch auf anderem Niveau, man muß sich nur anschauen, was vor Sehenswürdigkeiten aller Art stattfindet. Heerscharen der Nachfahren Cartier-Bressons versuchen, Stimmung, Raum und Zeit einzufangen, was aber nur selten gelingt. Das gelang nur ihm. Gut ist auch: »Der Fotograf muss (…) das Leben überrumpeln beim Sprung aus dem Bett.« Henri Cartier-Bresson – Retrospektive, Martin-Gropius-Bau Berlin, via dem heimlich doch wieder bloggenden Ralph.