Hier sind die aus blognostalgischen Gründen archivierten Artikel meines ersten Weblogs das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war. Aktuellere Artikel hat die neueste Version der Uninformat im Angebot.

Denken

Denken

Vom Schreiben

»Nichts kann einen Menschen vom Schreiben abhalten, es sei denn, er tut es selbst. Wenn einer ein echtes Verlangen danach hat, dann schreibt er auch. Ablehnung und höhnische Kommentare machen ihn nur stärker. Wie Wassermassen, die gegen einen Damm drücken. Wer schreibt, kann nicht verlieren. Noch im Schlaf kitzelt es die Zehen zum Lachen. Du kriegst einen Gang wie ein Tiger. Deine Augen funkeln. Du siehst dem Tod ins Gesicht. Du wirst als Krieger sterben, und in der Hölle werden sie Dich ehren.«

Schrieb Charles Bukowski in seinem Tagebuch, das in diesen Tagen unter dem Titel »Den Göttern kommt das große Kotzen«, übersetzt vom bewährten Carl Weissner, erschienen ist. Dem man auch entnehmen kann, dass Buk seinen Macintosh IIse liebte. Und dass Leute, die Tagebücher schreiben, Armleuchter sind. Sagt Buk, ist also wahr. Gut, dass wir keine Tagebücher schreiben…

bukowski schreiben

Internet Denken

Analoges Bloggen

Ein interessanter Ansatz, ein digitales Medium (das Weblog) kehrt zurück zu seinen analogen Wurzeln (die im klassischen Tage- oder Logbuch liegen):

Fred On Something: »Analog Blog. Organize your Moleskine notebook as a blog.«
(Via Moleskinerie).

Fred (wenn der Autor tatsächlich so heißt, mir war es nicht vergönnt, einen vollständigen Namen zu finden) elaboriert seine Idee en detail, bis hin zu Metadata und Kommentaren ist alles drin und alles dran. Das ist mal etwas anderes, musste umgehend mal probiert werden, s. Abb. oben. Macht sogar Spaß! Ins Auge fällt ein gewaltiger Haken des analogen Bloggens, die Krücke der Technik fehlt, gleich mal das falsche Datum drüber geschrieben …
Kommentare gibt es auch in Freds System, die muß man sich natürlich selbst schreiben, im Kontext des klassischen Notizbuchs würde man von Anmerkungen reden.
Damit nichts fehlt, muß man sich den Kommentarspam halt selbst rein schreiben in das analoge Moleskine-Blog:

Nun mag man mit Recht einwenden, dass diese Idee ein ziemlicher Unfug ist. Wurde auch eingewandt, und führte zu einer Reaktion des Autors. Das Weblog ist die einzige originäre Medienform, die das Web hervor gebracht hat, es erscheint mir daher relativ sinnlos, das Konzept Weblog auf Papier zu übertragen. Andererseits kann man das klassische Notizen machen mit Elementen aus Weblogs bereichern. Metadata oben in der Ecke verwende ich mittlerweile tatsächlich intensiv in analogen Notizen.

Internet Denken

Analog und Digital, Ordnung und Zufall. Eine Link-Collage.

Man hat ein paar Websites in seinen Browser-Tabs, denkt sich: »Irgendwie gehören die jetzt zusammen in einen Beitrag vereint!« Man hat aber kein Konzept, keinen roten Faden, sondern tippt einfach so drauf los. Der Zufall soll es komponieren!
»Geben Sie dem Zufall eine Chance«, sagt Apple auf der deutschen Website, »Random is the New Order« heisst es auf der amerikanischen Site, beides bezogen auf den neuen iPod shuffle. Zufallsauswahl als Way Of Life! Wer schon mal programmiert hat, der weiß, dass Computer sich mit dem Prinzip Zufall eigentlich schwer tun, einen guten Zufallsgenerator zu entwickeln ist schon eine Herausforderung. Wir geben uns Mühe, mit Hilfe all’ unserer digitalen Gerätschaften Ordnung und Kontrolle in unser Leben zu bringen. Konsequenz: Es mangelt an Zufall! Dieser kommt zurück – mit einem weiteren digitalen Gerät! Das schreit förmlich nach einer problematisierenden Betrachtung, Dan Hill von »City Of Sound« liefert sie in seinem Artikel »The rise and rise of shuttle mode« (Hervorhebung von mir): »I think the preference for randomness may also be about something else though – the increased preference for collage. Much of the 20th century’s art and culture could be seen as tending towards collage in form (e.g. photomontage, cubism, pop art, tape loops, multitrack recording, hip-hop culture, sampling, mixtapes, Ocean of Sound, filters, quotations, hyperlinking, blogging, Photoshop, layering, aggregators, adaptation, recombination, reappropriation etc.). I think Brian Eno (him again!) said that being a curator was a key late-20thC pursuit: ‘An artist is now a curator. An artist is now much more seen as a connector of things, a person who scans the enormous field of possible places for artistic attention, and says, What I am going to do is draw your attention to this sequence of things. […]’« Der Blogger fügt sich ein in den Kunst-Mainstream unserer Zeit! Sichten, zerschlagen, neu zusammenfügen – der Blogger als Remixer, als Künstler. Alles Collage. Zuviel der Ehre, denke ich. Und die sozialen Auswirkungen der Neukomponierung des digitalen Outputs der Welt mit zufallsgesteuerten Gadgets? Deren Beachtung mahnt Anne Galloway in ihrem exzellenten Artikel »Simplicity, control and lessons from Apple« an.

Intermezzo – Analoges vom Allerseltsamsten: Francis Bacon Image Gallery (via things magazine).

Apropos Analoges im Digitalen Zeitalter: Mike Rohde arbeitet an einem Moleskine für proj: exhibition, eine Ausstellung für »künstlerisch wertvolle« Molekines im nächsten Monat in Hong Kong. Das Bild oben zeigt eine besonders interessante Seite daraus, Mike hat seine digitalen und analogen Werkzeuge zur Verschönerung und Bewältigung des Lebens aufgemalt!
Mike Rohde hat, gemeinsam mit Armand Frasco von Moleskinerie, ein neues Weblog ins Leben gerufen: »Journalisimo«. Motto: »Back to Analog!« Denn allein die reine Hardware-Lösung, Stift und Papier, ist so »ubiquitär«, wie es uns die Philosophen des Internets einst für jenes zugesagt haben. Dass ausgerechnet jene, die zumeist professionell mit und im Internet arbeiten, zunehmend »zurück zu Analog« gehen, spricht Bände. Vgl. Journalisimo: »Paper vs. PDA«.

Nach so viel Problematisiererei brauchen wir noch etwas Erholung: »fire of love« präsentiert Fingerprintz mit Tough Luck, (Zitat) »Sadness, despair and lovesickness that hurts.«
Na, wenn das nix ist, so am Abend … ;-)