Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Linux

Die Botschaft des Pinguin

[Der Rollberg] Linux inspiriert – zu Reflexionen über die Gesellschaft als solches, z.B. diese Woche im Freitag: Kann ein Nischenphänomen als Utopiemaschine dienen? fragt sich Rainer Fischbach in einem lesenswerten Artikel und möchte Software als ein “öffentliches Gut” sehen: »Die Logik, der ein öffentliches Bildungswesen folgt, stimmt auch für die Standardsoftware: eine einheitliche Systemplattform, einheitliche Formate und Protokolle für den Datenaustausch, einheitliche Text- und Rechenblattsoftware sind etwas Ähnliches wie eine einheitliche Sprache und ein einheitliches Maßsystem. Zeitgenossen wie Bill Gates sind deshalb vor allem Rentiers: Sie kassieren eine Gebühr für die nahezu kostenfrei erstellte Kopie ihrer Version der digitalen Grammatik. Was liegt da näher, als diese Version durch eine öffentliche zu ersetzen? Ganz nebenbei sägen nicht allein die deutschen öffentlichen Hände auch ein wenig an der Position der US-Wirtschaft: Die ökonomische Basis des Empire wird löchriger. […] Nichts spricht dagegen, diese Fäden wieder aufzunehmen und die Entwicklung offener Software auch öffentlich zu finanzieren. Zugleich könnte offene Software als Modell für mehr Transparenz und für einen offen ausgetragenen Wettbewerb um gesellschaftlich sinnvolle Ideen und Konzepte dienen. Die öffentliche Hand veranstaltet schließlich auch Architektenwettbewerbe. […] Die Macht der Begutachtungs- und Beratungskartelle in Politik und Forschungsförderung ließe sich so erheblich begrenzen. Statt Konformismus in fast allen wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen würden wir vielleicht mehr von dem erleben, was diese Gesellschaft mehr denn je braucht: einen offenen und informierten Dialog über Reformen, die diesen Namen verdienen.«


(Auch auf dem Rollberg)