Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Lagedernation

Latenter Antisemitismus in Deutschland

Einen sehr guten Artikel über den anläßlich der sogenannten “Friedman-Affäre” grassierenden unterschwelligen Antisemitismus in Deutschland hat Jens geschrieben:

»Antisemitismus ist die negative, verzeichnende Darstellung von Juden, sowohl Allgemein wie auch von Einzelpersonen, wobei beides sich bedingt: Die Negativkraft der Bezeichnung “Jude” wird durch allgemeine Klischees […] genährt. […] Diese Negativwertung kann danach benutzt werden, um einzelnen Personen (wie nun z.B. Michel Friedman) die geballte diskriminierende Kraft dieses Begriffs anzuhängen, indem man lediglich immer wieder erwähnen muss, dass er Jude ist. Das ist im Prinzip die Wirkungsweise des Antisemitismus: Nicht die direkte Kritik an einer repressiven Politik in Israel ist daher das, was vor einem Jahr als antisemitisch bezeichnet wurde. Antisemiten versuchen aber natürlich, genau diesen Eindruck zu erwecken, um wieder das nächste Klischee zu bedienen (Beherrschung der Medien), was ihnen leider sehr leicht fällt, denn es gibt so viele Klischees, dass man jederzeit auf ein anderes zurückgreifen kann.«

Ergänzend möchte ich noch anmerken dass wir in Deutschland ein ganz besonderes Phänomen haben: Den Antisemitismus ohne Juden, denn in Deutschland gibt es ja nicht mehr viele, dafür hat die Generation unserer (Ur-(Ur-))Großeltern effektiv gesorgt. Man kann den Moderator Friedman mögen oder auch nicht, aber dieses Maß an Häme hat nicht nur etwas mit seiner Person und seinem etwas eigenwilligen Stil zu tun, sondern mit der unterschwelligen Freude dass es mal “einen von denen” erwischt hat.