Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
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Der "Gonzo-Blogger" wird eingekreist ...

Dank eines Tipps von Roland (vielen Dank!) gewinnt die Gestalt des “Gonzo-Bloggers” langsam Konturen. Außer dem “Gonzo-Marketing” gibt es auch einen Gonzo-Journalismus, der von dem Amerikaner Hunter S. Thompson erfunden wurde. Dieser erhebt das Subjektive und das Fiktive zum Konzept der Berichterstattung, getreu dem Motto “gute Fiktion kommt der Wahrheit immer näher als der reine Journalismus”, das dem Schriftsteller William Faulkner zugerechnet wird. Besonders, wenn Thompson seinen Einfallsreichtum durch extensiven Gebrauch von Drogen noch ein wenig ankurbelte, entstanden äußerst “farbige” Reportagen. Thompsons erste Reportage dieser Art, von einem berühmten Pferderennen in Kentucky, veranlasste seinen Kollegen Bill Cardoso zu dem Satz “I don`t know what the f*** you`re doing, but you`ve changed everything. It`s totally gonzo”, und damit war der Begriff eingeführt. Gonzo bezieht sich nicht auf das Viech aus der Muppet-Show, sondern kommt wohl von einem kanadisch-französischen Wort namens “gonzeaux” das “leuchtender Pfad” bedeuten soll (das Wort kenne ich nicht und finde es auch nicht im Wörterbuch). Oder vom spanischen “gonzagas”, das bedeutet “jemanden auf den Arm nehmen.” Behauptet zumindest gonzo.org. Hunter S. Thompson schrieb später ein berühmtes Buch namens “Fear and Loathing in Las Vegas”, das dann vom ex-Monty Python-Mitglied Terry Gilliam mit Johnny Depp in der Hauptrolle verfilmt wurde. Habe ich leider nicht gesehen, werde ich natürlich umgehend nachholen.


Zurück zum “Gonzo-Blogger”, im Lichte dieser neuen Erkenntnisse ist der Gonzo-Blogger also ein Blogger der irgendeinen Fakt zum Anlaß nimmt um darum eine subjektive, zum Teil erfundene, Geschichte zu spinnen und ins Weblog zu schreiben. Diese Geschichte hat dann mit dem ursprünglichen Fakt nicht mehr viel zu tun, so wie z.B. Rageboy exemplarisch über Sid and Nancy. Oder der Blog-Eintrag erzählt letztendlich mehr über den Schreibenden als über das Objekt des Eintrags, das wiederum würde mehr in Richtung Gonzo-Marketing gehen.


Das befriedigt mich noch nicht, diesen Dingen muß noch ein wenig mehr auf den Grund gegangen werden!