Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Lagedernation

Symbolische Politik: Das Beispiel Kongo

Die taz schreibt: »An der deutschen Diskussion über eine Beteiligung der Bundeswehr am internationalen Kongo-Einsatz zeigt sich, wie weit die Militarisierung der deutschen Außenpolitik fortgeschritten ist.« Falsch! Die Diskussion zeigt viel mehr dass Politik in diesen Zeiten sich fast ausschließlich in symbolischen Handlungen erschöpft. Die deutschen Soldaten werden keinen einzigen “Kindersoldaten” zu Gesicht bekommen, die Entwaffnung dieser Milizen, wie überhaupt den Löwenanteil der “europäischen Friedenstruppe”, übernehmen französische Fremdenlegionäre. Es liegt im Interesse Chiracs diesen (französischen) Einsatz unter die europäische Flagge zu stellen, wg. seiner Idee der Emanzipation der europäischen Außenpolitik von der amerikanisch-britisch dominierten NATO.

Die deutschen Schlachten finden vorwiegend verbal an der Heimatfront statt. Dieses Handeln ist wie immer inkonsequent. Entweder man sagt “Ja” zu einem Militäreinsatz, dann aber richtig, mit allen Konsequenzen, auch den auf “Kindersoldaten” schießen zu müssen, oder man lässt es einfach bleiben.

Der Bürgerkrieg in der “Demokratischen Republik Kongo” (ehemals Zaire) tobt bereits seit 1998, etwa 1,5 Millionen Menschen wurden getötet. Da die Gemetzel aber nicht live in CNN und n-tv zu sehen sind interessieren und interessierten sie niemanden. Hintergrundinformationen zu diesem Konflikt findet man auf der Seite der AG Friedensforschung der Uni Kassel, und, zur aktuellen Lage, bei Ärzte ohne Grenzen. Lesenswert ist auch ein Artikel von dem in Sachen Afrika immer sehr engagierten Dominic Johnson in der taz über das vergessene Massaker vom September 2002.