Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Lagedernation

"Einer flog über die Hängematte"

[Der Rollberg] Ein bitter-böser Artikel in der taz: “Einer flog über die Hängematte.” Der Ex-Sozialhilfebezieher und jetzige Key-Accounter Lars Riebold spricht die Dinge aus die heutzutage als “altes Denken” verschrien sind: Wie er eine Ich-AG war, 50 Stunden arbeitete und trotzdem nichts verdiente, wie er uns alle ausbeutete als er Sozialhilfe bezog und jetzt, als “richtiger” Arbeitnehmer, die 5 Euro pro Monat höheren Sozialabgaben als Skandal wertet. Und dann:

»Aufgrund meiner Erfahrungen als Exfaulenzer und Arbeitsamtskunde möchte ich drei knallharten Forderungen formulieren:

Erstens fordere ich die Regierung auf, die Lohnnebenkosten weiterhin nicht radikal zu senken, sondern wie bisher symbolisch an der Zehntelprozentschraube zu drehen. Wie geplant, muss der organisierte Stillstand von denen bezahlt werden, die am wenigsten in der Tasche haben. Nur so kann eine Maßnahme, die erwiesenermaßen keinen Arbeitsplatz schafft, zum Kriterium der Reformfähigkeit aufgeblasen werden. […]

Zweitens fordere ich von den Grünen, die jährlich anfallenden 1,8 Milliarden Überstunden, die viel zu geringe Teilzeitquote und die grundsätzliche Reflexion auf die Zukunft der Erwerbsarbeit weiterhin konsequent aus der Diskussion herauszuhalten. […]

Zuletzt appelliere ich an die großen Unternehmen, Leuten wie mir auf gar keinen Fall eine Chance zu geben. Investieren Sie das Geld lieber in Kampagnen, in denen von Innovation, Mut und der Bereitschaft, neue Wege zu gehen, die Rede ist.«

[Mehr: taz]

Man könnte glatt über diese simplen Wahrheiten und die Igoranz die ihnen von allen, aber wirklich allen Parteien entgegengebracht wird, depressiv werden …