Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Lagedernation

Das gebrochene Sprachherz Europas

Und noch einmal FR (ich habe heute morgen in der Bahn wieder fleißig für Euch Zeitung gelesen ;-)): »Das gebrochene Sprach-Herz Europas. Können wir von Frankreichs Sprachpolitik lernen?« beschäftigt sich mit einem meiner Lieblingsthemen, nämlich die sprachliche Hegemonie des Englischen und ihren Einfluß auf unsere eigenen europäischen Muttersprachen: »Der Bundeskanzler will seine derzeit nicht sehr populäre Politik in einer road-show unter die Leute bringen, die Bildungsministerin wird eine task force zum Pisa-Notstand einrichten, und Herr Hartz hat dem staunenden Publikum den JobFloater und andere schicke Sachen im JobCenter (vormals Arbeitsamt) empfohlen: controlling, bridge system, benchmarking usw. (alles nachzulesen auf der Webseite www.spd.de unter summary!).«

Autor Jürgen Trabant vergleicht den Umgang der Deutschen mit diesem Phänomen mit den französischen “Sprachpflegegesetzen” und fragt sich warum wir Deutsche die “Unterwanderung” unserer Sprache so widerstandslos hinnehmen, nicht nur das, sondern sogar begeistert mitmachen (man schaue nur einmal in den weblogcheckup und picke sich mal willkürlich 10 Weblogs heraus, lese und staune):
»Die Deutschen dagegen, vom Bundeskanzler über spd.de bis zum Computer-Kid, müllen ihre Sprache geradezu lustvoll globalesisch zu. Warum tun sie das mit dieser auffälligen Übertreibung? […] Sie lieben nämlich ihre Sprache nicht (mehr). Denn unsere Sprache ist die tragbare verhasste Geschichte, sie ist der hörbare Makel, der uns unauslöschlich mit dem brüllenden Hitler, mit dem geifernden Goebbels, mit dem Gebell der Befehle in Auschwitz verbindet. […] Diese Verbindung zu unterbrechen ist unsere Sehnsucht. Und die Globalisierung ist die Gelegenheit: Schaut her, wir sind gar nicht wir. Wir sagen längst road show, task force und jobfloating statt “Achtung!” und “Jawoll, Herr Obersturmbannführer!”.«

In Frankreich hingegen kümmert man sich ausgiebig um die eigene Muttersprache, es ist gesetzlich vorgeschrieben dass Regierungen und Behörden sich in französischen Wörtern ausdrücken müssen. Das finde ich gut, es verhindert “sprachliche Nebelkerzen” wie die Hartz-Kommission-Anglizismen, die ja nur einem Zweck dienen: Sozialabbau mit “coolen” englischen Begriffen als Fortschritt zu tarnen.

Außerdem kümmert sich Frankreich “amtlich” um die Pflege der Sprache, die Website der Délégation générale à la langue française et aux langues de France bietet einen Einblick in die vielfältigen Bemühungen der Franzosen. Frankreich, Du hast es besser!