Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.

Lob der Bahn

Zeugs

Frohe Weihnachten allerseits!

[ICE] An Heiligabend bin ich zum ersten Mal über die ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Köln gerauscht, das ist wirklich klasse, mit 300 rauscht man durch die Lande und fliegt an den Autos auf der parallel verlaufenden Autobahn vorbei als würden sie parken, von Wiesbaden nach Köln braucht man nur ein knappes Stündchen, gute Sache!

Gestern abend war dann wieder Chaos angesagt, mein IC hing in Norddeutschland fest mit unbekannter Verspätung, ein Bahn-Mensch auf dem Düsseldorfer Bahnhof hatte keinerlei Durchblick, also habe ich mich in den nächstbesten Zug nach Köln gehauen, dort wartete ein verspäteter ICE über die neue Strecke nach Frankfurt, also nahm ich diesen. Da ich eine Fahrkarte mit Zugbindung für einen IC auf der alten Rheintalstrecke hatte war ich innerlich schon auf Krawall eingestellt als der Zugbegleiter kam, aber die ICE-Besatzung war freundlich, unbürokratisch und hat sich bei jedem Fahrgast erkundigt wo sie hin möchten und ggf. herumtelefoniert und sich nach Verbindungen erkundigt. Muß man ja auch mal lobend erwähnen, in diesen Zeiten herber Kritik an der Bahn! Und der ICE jagte in schlappen 45 Minuten von Köln nach Frankfurt-Flughafen und somit kam ich trotz des ICs im norddeutschen Eisregen pünktlich in Wiesbaden an.

Wenn man sich allerdings nicht selbst mit Verbindungen und Strecken gut auskennt ist man mit so manchem Bahn-Kollegen in den Bahnhöfen auf verlorenen Posten, diese Leute haben teilweise nur sehr beschränkten Durchblick und sind nicht “chaos-geprüft”. Andererseits sind manche Mitreisenden aber auch völlig daneben, brüllen die armen Menschen von der Bahn cholerisch an als hätten diese persönlich den Fahrstrom abgeschaltet. Das ist unakzeptabel, auch wenn man Frust und Wut über verspätete Züge hat kann man nicht einfach den nächstbesten Herrn oder Dame in Bahnuniform unhöflich anmachen.

Auch wenn man das so manchem meiner Mitmenschen ein Rätsel ist: Mir macht Bahnfahren nach wie vor Spaß, neben der praktischen Notwendigkeit von A nach B zu kommen übt der ganze Bahnbetrieb eine enorme Faszination auf mich aus, ich könnte stundenlang in der ICE-Lounge mit Scheibe hinter dem Lokführer sitzen, diesem bei der Arbeit zuschauen, die Instrumente angucken und durch die Gegend rauschen, oder auf großen Bahnhöfen den unterschiedlichen Zügen beim rein- und rausfahren zugucken …