Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Lagedernation

Großes Weihnachts-Kanzler-Interview

Heute in der Süddeutschen Zeitung: Ein bemerkenswertes Interview mit Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Und folgende Passage daraus halten wir hier nun für die Nachwelt fest, in der Hoffnung dass die deutsche Regierung sich nicht herumkriegen lässt von den Salonkriegern in den Redaktionen der rechten Blätter die stirnrunzelnd das Menetekel der “Gefährdung der deutsch-amerikanischen Beziehungen” an die Wand malen. Wenn es die deutsch-amerikanischen Beziehungen gefährdet nicht jeden Wahnsinn George Bushs mitzumachen dann ist das halt so.

Hier also die interessante Stelle (Hervorhebung von mir):

»SZ: Ihre Irak-Politik hat Ihrem Ansehen in den USA sehr geschadet.

Schröder: Mag sein. Nur kann ich das politische Handeln Deutschlands nicht davon abhängig machen.

SZ: […] Sie haben stets betont, dass es auch im Falle eines UN-Mandats keine deutsche Beteiligung an einem Irak-Krieg geben wird. Bleibt es dabei?

Schröder: Ich habe nicht vor, meine Politik zu ändern. Wer nur noch über die Frage diskutiert, was passieren würde, wenn der Konflikt nicht ohne militärische Intervention gelöst werden kann, macht einen Fehler. Das ist eine merkwürdige Verengung der Debatte auch in unserem Land.

SZ: Sitzt der Schuldige vielleicht in Washington?

Schröder: Nein. Ich will da keinen Schuldigen ausmachen. Wenn eine Debatte einseitig ist, müssen wir uns das alle miteinander zurechnen lassen. Mir geht es darum, dass ich nicht von vornherein so agieren möchte, als hätte ich die Chance, diesen Konflikt friedlich zu lösen und die Entwaffnung Saddam Husseins ohne Krieg zu bewerkstelligen, schon abgeschrieben.

Ich möchte auch nicht dazu beitragen, dass diese Vorstellung, Krieg sei unausweichlich, sich in den Köpfen und im Bewusstsein der Menschen bei uns festsetzt. Ich möchte jede Chance für eine friedliche Lösung nutzen.

SZ: Im Wahlkampf haben Sie den Leuten versprochen: Deutschland wird sich an einer militärischen Auseinandersetzung im Irak nicht beteiligen.

Schröder: Das ist so, und daran wird sich auch nichts ändern.
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