Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Weblogtalk

Kommerzialisierung der Blogosphere?

Interessante “Meta-Debatten” zum Thema “Weblog überhaupt und Business” die diese Woche an mir vorbei gegangen sind und deshalb hier als “Reminder” abgelegt werden müssen:
Bei tzwaen, eDings, Martin (frisch “re-launch-ed”!) und Thomas, der eine Idee aufwirft die ich mir im stillen Kämmerlein auch schon einmal überlegt hatte: Nämlich ein Buch über Weblogs zu schreiben.

Bekanntlich plant Thomas N. Burg ein Weblog-Event:
»Es steht meiner Ansicht nach unzweifelhaft fest, dass die Funktionalität von Weblogs eine Business-Anwendung nahelegt. Was unsere Veranstaltung zu Tage fördern soll, sind Case Studies zu Verwendungszusammenhängen. Wobei unter Business alles zu verstehen ist, was nicht mir Liebhaberei gleichzusetzen ist: also jede Art von Geschäftsprozessen, die durch den Einsatz von Blog-Technologie und Blog-Stil verbessert werden kann. Ich denke wir befinden uns an einem, genetisch gesprochen, Wendepunkt an dem der Transfer von Know-How und Kompetenz von Entwickler und Early-Adopterszene hin zur Kommerzialisierung gerade statthat. Ich denke, der Lebenszyklus einer Kultur (=Technologie+Kommunikation+Reflexion) erfordert häufig einen paradigmatischen Neubeginn.«

Das, verehrte Zielgruppe, halte ich für ein krasse Fehleinschätzung, ein “Paradigmenwechsel” von “Adaption aus Leidenschaft” zu “Adaption zur Profitmaximierung” (ich drücke halt alles gerne klar und deutlich aus ;-)) führt dazu dass die Faszination dessen was das “Weblog-Phänomen” ausmacht stirbt, klar, es gibt dann Seiten die werden mit einem kleinen CMS wie MT oder pMachine gebaut, nur werden die mit den ursprünglichen “Weblogs” nichts mehr gemein haben, es fehlt ihnen Glaubwürdigkeit, Persönlichkeit und Authenzität wenn sie nicht von engagierten Bloggern aus Leidenschaft geführt werden.

Das heisst nicht dass sogenannte “Business-Themen” sich nicht für Weblogs eignen würden, aber auch solche sind eher “Liebhabereien” von Individuen, ein Weblog dass von einem “anonymen Stab” eines Unternehmens auf die Menschheit losgelassen würde hätte den Charme eines Pressemeldungenbereich einer Unternehmenswebsite, also gar keinen. Und nach meiner Einschätzung müsste sich erst einmal die vorherrschende Kommunikationskultur in deutschen Unternehmen ändern bevor man Weblog-Technologie in Unternehmen einsetzen könnte, wer in der Intranet/Internet-Branche arbeitet und sich die gängige Praxis des “Knowledge-Management by M$-Office-Document-Sharing auf freigegebenen Laufwerken” ansehen durfte verliert eh schnell jegliche Illusionen über IT-Technologie und Unternehmen, wahrscheinlich ist es diese “grausame Erfahrung” die mich diese Dinge so skeptisch sehen lässt, wahrscheinlich skeptischer als notwendig.