Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
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Verlierer sprechen Denglisch

Ein genialer Artikel in der Frankfurter Rundschau: To matsch

Da bei der Frankfurter Rundschau leider die Artikel der Online-Ausgabe schneller verschwinden als man sie lesen kann erlaube ich mir hier mal ein längeres Zitat:
»Die Sprachpanscher sind unter uns. […] Hätten Sie Geld in die Sonnendurchbruch Vermarktung AG investiert oder doch eher in die Sunburst Merchandising AG? Diese Firma und andere, einst leuchtende Kometen am Börsen-Himmel des Neuen Marktes sind mittlerweile verglüht. Die Sunburst AG findet sich neben weiteren 46 Namen auf einer Liste mit Unternehmen, die im Nemax notiert waren und in den letzten zwei Jahren Pleite gingen. Die Übersicht legt der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) nun unter dem Titel “Verlierer sprechen Denglisch” vor. Alle diese companies pflegten das so genannte Denglisch. Denglisch ist das Esperanto der Jetztzeit und relativ leicht herzustellen: Man nehme einige Brocken Englisch, eine Prise Deutsch und mische dies unter Zuhilfenahme eines funktionsfähigen Silbentrennprogramms. Das Ergebnis: ein Mix, den selbst Engländer oder Amerikaner nur mit Mühe verstehen. «

Aber auch diese (für so manchen in der Geldbörse spürbaren) Erfahrungen schützen uns nicht vor der ausufernden Verwendung von BSE, Bad Simple English:

»Aber ist nicht unser aller Alltag mittlerweile gespickt mit Beispielen für BSE? Ob nun Telekommunikationsfirmen, Versicherungen oder Drogerien, es gibt kaum ein Unternehmen, das in Deutschland nicht mit scheinbar eingängigem Rotwelsch-Englisch wirbt. Was vor einigen Jahren mit der Designerin Jil Sander einsetzte, die schon damals beneidenswert radebrechte, dass ihre neue fashion line von der audience leider nicht richtig appreciated worden sei, hat die Werbeindustrie in letzter Zeit zu neuen sprachlichen Höhenflügen angetrieben. ‚Together. The Future. Now.`, ‚How are you?` oder ‚Come in and find out` – welcher Slogan ist nun der einer Versicherung, der einer Telefonfirma und welcher der einer Parfümeriekette? Wer heute Arbeit sucht, geht ins job center. Je nach business unit, gibt es dort ein case management nach master plan. An einem guten Tag erhält der Arbeitssuchende via quick-Vermittlung ein bridging mit key account-Betreuung. Ohne das entsprechende Quäntchen Glück ist sein Schicksal besiegelt: Er wird zum Job floater. Na denn. Have a nice day.«

Das ist ein Artikel mit dem ich “totally agree”, ich hasse BSE abgrundtief, in der IT-Branche läuft einem das den ganzen Tag über den Weg, besonders wenn die “Marketing Cracks” ins Spiel kommen. Vielleicht brauchen wir, wie die Franzosen, ein “Sprachreinhaltungsgesetz” dass Unternehmen und Behörden verpflichtet im öffentlichen Sprachgebrauch deutsche Begriffe zu benutzen, denn machen wir uns doch nichts vor: Die wenigsten Anglizismen sind schwer übersetzbare Fachbegriffe, gerade wenn PR und Marketing ins Spiel kommen geht es darum durch die Verwendung von wohlklingenden Anglizismen eigentlich banale Erkenntnisse mit der Aura der Internationalität zu versehen.