Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Weblogtalk

taz und Weblogs, Teil II

Heute in der von mir abonnierten taz (Leute, kauft taz-Abos): Ira Strübel schreibt wieder über Weblogs, bezugnehmend auf ihre Kolumne von letzter Woche mit dem schönen Titel “Wenn der Reis rieselt” (wurde von mir hier gewürdigt):

»[..] eigentlich lese ich ja ganz gerne Weblogs. Und nicht einmal nur die von Kritikern gelobten. Nein, wenn ich ehrlich bin, lese ich am allerliebsten die, die sonst vermutlich keiner lesen mag: solche von Teenagern, die sich die Welt mittels aus Verzweiflung und Akne komponierter Lyrik erklären. […] Wirklich, nein, wirklich – diese Weblogs sind gar nicht so verkehrt. Ach, was sag ich, die sind super. Ich will ohne Weblogs gar nicht mehr sein. Weblogs sind der Gott der kleinen Dinge, da helfen weder Stolz noch Vorurteil. Sie sind die Instant-Archäologie des Alltags (“Heute hab ich mir bei Tchibo MP3-Player gekauft. Blaues Display! Fühle mich wie ein moderner Mensch”), die emotionale Landkarte des Ortlosen (“Seit gestern nehme ich eine höhere Prozac-Dosis. Jetzt kann ich nicht schlafen. Naja, habe ich wenigstens mehr Zeit zum Bloggen”), die Chronik eines angekündigten Modems (“Hurra, bald habe ich ***DSL***!”), die Sturmhöhen der Lebenstiefen (“* dieses Arschloch, hat mich heute versetzt!”) die Buddybrooks der Netzkultur – und jetzt schon die Klassiker des 21. Jahrhunderts. An dieser Stelle hör ich wohl besser auf. Sonst leg ich mir vor lauter Begeisterung noch selbst ein Weblog zu. «

Eine sehr gute Idee, Frau Strübel, auf geht`s!