Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Mac Techkram

Heute schon Daten gesichert?

Auch der oder die Mac-UserIn als solche muss Daten sichern (und mir jetzt einen Extra-Preis für die Weisheit der Woche, bitte! ;-)). Letztens wanderte ein wunderbarer Problematisierartikel aus einem Blog namens »plasticsfuture« über Backup-Werkzeuge auf dem Mac durch die einschlägigen Blogs. Da ich aktuelle Erfahrung mit dem plötzlichen Festplattentod habe, möchte ich ein wenig Weisheit verbreiten.

Natürlich wäre es wünschenswert, Backup-Mechanismen zu haben, die auch das allerletzte obskure Attribut aus dem Wildwuchs der OSX-Attribute sichern. Und natürlich verschiedene Versionen der Datensicherungen, so dass man im Notfall auch die Version des furchtbar wichtigen Texts von vor drei Wochen rauskramen könnte. Also am besten eine spezielle Backup-Software mit allen Schikanen, eine externe Festplatte oder DVDs, auf denen man dann natürlich regelmäßig sichert.

Unfug. Viele spezielle GUI-Backup-Programme funktionieren lt. plasticsfuture nicht richtig. Und es gibt grundsätzlich nur eine gute Datensicherung: Jene, die regelmäßig gemacht wird. Und das passiert nur, wenn der Mechanismus dazu möglichst simpel und automatisch ist und ohne große Hardware-Stöpselei von statten geht.

Darum höret die Weisheit eines Mannes, der einen innerhalb weniger Stunden stattfindenden Festplattentod ohne den Verlust auch nur eines Bytes überstanden hat:

Dinge, die versioniert werden müssen, wie alles was man so entwickelt oder schreibt oder frickelt, werden auf einen Subversion-Server gesichert. Das sind die einzigen Dinge, wo ich evtl. das Bedürfnis habe, eine ältere Version heraus zu wühlen.

Alle Daten werden grundsätzlich nur in Strukturen im Home-Verzeichnis auf dem Mac abgelegt. In meinem Netz befindet sich ein Linux-PC mit einer geräumigen Festplatte. Auf diesen wird ein kompletter Spiegel des Home-Verzeichnis des Mac vorgehalten. Ein Spiegel. Keine Versionierung nach Tagen, Wochen, Monaten, Jahren. Und das unkomprimiert und offen im Dateisystem. Festplatten kosten nix.

Und auf dem Mac befindet sich ein Skript, in dem steht:

rsync -avz —delete . datensicheruser@datensicherrechner.local:/home/daten/Powerbook-Backup/

Was macht das? rsync synchronisiert Verzeichnisstrukturen auf eine andere Platte, auch über das Netz. Die Option a sichert alles im Archiv-Mode, v zeigt an was getan wird, z komprimiert während der Übertragung, delete löscht auf dem Sicherungsrechner alles, was auch auf dem Powerbook gelöscht wurde. Wird dieser Befehl im Home-Verzeichnis ausgeführt (daher . für alles im aktuellen Verzeichnis) so wird eine ssh-Verbindung zum Rechner datensicherrechner.local als User datensicheruser ergestellt und das Homeverzeichnis in das Verzeichnis /home/daten/Powerbook-Backup/ auf datensicherrechner.local gespiegelt.

Mehr brauche ich nicht. Ich habe immer genau eine aktuelle Kopie meines Homeverzeichnisses des Notebooks auf einem anderen Rechner. Die Sicherung liegt offen im Dateisystem des anderen Rechners, ich komme an die Daten auch heran, wenn das Notebook plötzlich explodieren würde. Keine Sicherungen in komprimierten proprietären Formaten machen, niemals!
Der Sicherungsmechanismus funktioniert mehr oder weniger allein, sobald der Zielrechner eingeschaltet ist, indem man einfach das Skript ausführt. Im Falle eines Verlust durch Hardwareaustausch kopiere ich alles per scp über das Netz zurück auf das Powerbook. Kleinere Verluste, wie das einige Dateien nur noch das Standardsymbol statt eines bunten benutzerdefinierten Symbols haben, weil auf einem Linux-Dateisystem eben die Zillionen Mechanismen der erweiterten Attribute nicht gesichert werden, kann man verschmerzen. Die Alternative wäre ein altes oder gar kein Backup, weil die Prozedur zu aufwändig ist und der menschliche Faktor ins Spiel kommt.

Man könnte das noch verfeinern. Wenn man auf einen anderen Mac sichert, rsync mit dem Parameter E zur Erhaltung einiger erweiterter Attribute aufrufen. Oder auf dem fremden Rechner wiederum auf andere Platten sichern. Aber zwei Exemplare der Daten reichen eigentlich.

Fazit: Vergesst die Featuritis von Backup-Programmen und -Prozeduren. Wir brauchen ein Backup, das aktuell ist und die Daten einfach erreichbar macht, wenn man sie plötzlich braucht. Dazu reichen die Bordsysteme. QED.



6 Kommentare



rikman am 02.05.2006:


Sehr schoen zusammengefasst, das Fazit bringt es exakt auf den Punkt.


Ausnahmen bestaetigen die Regel und so gibt es leider Faelle, wo das nicht so ganz anwendbar ist, man denke an ein Filesystem, welches ein paar Millionen kleine Dateien enthaelt. Da macht das Sichern mit rsync alles andere als Spass und man muss eben doch zu Tools wie tar oder cpio greifen. Aber der gemeine Computerbenutzer wird wohl nie in eine solche Verlegenheit kommen ;-)

Kristof am 02.05.2006:

Grundsätzlich richtig.
Ich frage mich bloß immer, ob man nicht mit dem regelmäßigen Sichern gerade die Belastung der Hardware erzeugt, die sie dann verschleissen lässt.

andI am 02.05.2006:

Sehr schön auf den Punkt gebracht.
Läuft rsync eigentlich auch auf meiner Linux-Kiste?

rikman am 02.05.2006:

Wenn rsync irgendwo besonders gerne laeuft, dann auf einer Linux-Buechse ;-)

Ralf G. am 02.05.2006:

rikman, klar, aber selbst das Zusammenpacken kann man ja scripten!

Kristof, gerade rsync schont da ja die Platten, da nach dem ersten Mal nur noch Änderungen übertragen werden.

andI, klar, gerade da!

Kristof am 08.05.2006:

Ja, aber die Änderungen müssen auch erst einmal herausgefunden werden.

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