Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Rundesleder

Der Freund aus Leder ist betrübt

Sich für Fußball zu interessieren, ist derzeit kein Spaß. Alles wird thematisiert, nur nicht das, worum es eigentlich gehen sollte: Das Spiel auf dem Rasen. Das liegt an der Armada der Geschäftemacher und Egomanen, die sich rund um den Fußball tummeln. Und an der dämlichen Wetterei, die sowieso durchgehend verboten gehört, man sieht ja, wo das hinführt.

Was haben wir denn da alles? Noch einen Wettskandal, der Bayern-Arzt und die Nanoteilchen. Nanogröße haben auch ihre Eier, wie der Nationaltorwart Olli K. immer so schön sagt, wenn sie international auf dem Platz stehen. Desaster ist das Wort der Stunde, wenn es um deutschen Fußball geht. Der FIFA-Oberdiktator Blatter möchte, ganz in der Tradition römischer Imperatoren, deren Sitze im Kolosseum aus Marmor waren (im Gegensatz zu jenen aus Stein und Holz des gewöhnlicheren Volkes), neue eigene Sessel exakt auf Höhe der Mittellinie in den WM-Stadien für sich und seine Fußball-Junta aufgebaut haben. Man bekommt groteske Regularien auf das Auge gedrückt, wenn man nur eine WM-Karte verkaufen möchte. Aber dieses unser Land und seine publicitygeile Brut von Polit-Hinterbänklern hat nur ein Problem: Klinsmann muss in Deutschland wohnen. Die FIFA schnappt sich den öffentlichen Raum wie eine Kolonialmacht, aber das Problem, worum sich die politische Klasse Gedanken macht, ist Klinsmanns Wohnort. Nicht zu fassen, der Verstand hat keine Heimat mehr in Deutschlands Öffentlichkeit.

Was das alles noch mit Fußball zu tun hat? Nichts, gar nichts.

Und um mal zum Ball zu kommen: Ich erwarte heute drei Punkte aus Mainz! Noch stets gilt, trotz aller oben aufgeführte Dinge: Die Wahrheit liegt einzig allein auf dem Rasen. Und mein Freund ist aus Leder…



6 Kommentare



Lazerte am 11.03.2006:


Alles unterschrieben – außer den drei Punkten aus Mainz!

Dirk am 11.03.2006:

Ich unterschreib ebenfalls alles, insbesondere die drei Punkte aus Mainz!

Aber ist unser Freund wirklich noch aus Leder? Oder ist das nicht schon irgendein High-Tech-Geflecht, das nur den Anschein erweckt, Leder zu sein?

Vierziger am 11.03.2006:

Trackback von Vierziger:
Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist

Dass Franz Beckenbauer ein Bauchmensch ist, wissen wir alle. Sein Gegrantel über Klinsmanns Abwesenheit bei der Trainertagung kam aus dem Bauch. Man konnte auf den TV-Bildern förmlich sehen, wie der Kaiser dagegen ankämpfte, aber unerbittlich stieg es …

Dirk am 11.03.2006:

Das mit den drei Punkten war wohl nix. Driss war es eher. Mal wieder eine schwache Auswärtsleistung. Warum fahren die eigentlich noch dahin, sollen sie doch besser zu Hause bleiben und sich gut auf das nächste Heimspiel vorbereiten. Kommt im Endeffekt auf’s gleiche raus… :-(

Ralf am 11.03.2006:

Drei waren es schon. Leider im eigenen Netz. ;-) Gut, dass die Liga ausgeglichen mies spielt, so darf man trotz eklatanter Auswärtsschwäche noch stets vom UEFA-Cup träumen.

Dirk, das mit dem Leder ist metaphorisch gemeint, heutzutage ist ein Ball aus giftigen chemischen Stoffen, die von zwölfjährigen Kindern mit kleinen Fingerchen in China genäht werden. So ist die Welt, nicht mal ein Ball ist mehr unschuldig.