Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Internet

»I come from Cyberspace, the new home of Mind«

Vor 10 Jahren: John Perry Barlows Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace, ein (Zitat) »Kammerstück der neueren Literatur amerikanischer liberaler Politikvorstellungen«: »Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer vergangenen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr.« Das Original findet man bei der EFF. Damals war ich davon, wie bereits nicht ganz so damals erwähnt, schwer begeistert. Heute klingt schon der Begriff »Cyberspace« ein bißchen merkwürdig. Und die »müden Giganten« erwiesen sich als widerstandsfähiger, als Barlow glaubte.

Andererseits, Notwendiges bleibt nun einmal Notwendiges. Wer möchte in einer Zeit, in der ein paar dumme Karikaturen Aufruhr und Tote verursachen, die Notwendigkeit einer neuen »Zivilisation des Geistes« bestreiten? Darum bleibt Barlows Vision ein Ansporn für uns alle, die wir das Netz mit gestalten wollen: »Wir werden im Cyberspace eine Zivilisation des Geistes erschaffen. Möge sie humaner und gerechter sein als die Welt, die Eure Regierungen bislang errichteten.«

barlow cyberspacedeclaration