Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Mac

iTunes + iWeb = iSekte

Nach der Keynote von Steve Jobs, dem großen Heiligen der Apfel-Sekte, wird Apple Microsoft immer ähnlicher. Nicht nur, dass die Rechner nun Virenschleuder-Prozessoren enthalten (okay, vergesst die Polemik, das ist nur eine Abstraktion im Rahmen meiner globalen Argumentation, das hier, mit dem bekloppten Namen, hat definitiv den ultimativen »Haben-Wollen-Faktor« ;-)), auch die Software aus Cupertino legt zunehmend Verhaltensweisen an den Tag, für die Microsoft und Konsorten in der Vergangenheit oft, und das zu Recht, kritisiert wurden.

Da wäre zum einen die skandalöse »iTunes telefoniert nach Hause«-Geschichte. Präzise gesagt, nicht nach Hause, sondern mit einer Domäne 2o7.net, die einer Marketing-Firma(!) names Omniture gehört (siehe since1968.com: Omniture, Apple, iTunes, and Privacy). Wie drückt es Airbag-Blogger Greg Storey 100%ig zutreffend aus: »Apple is starting to tread on grounds they normally blast MS for, lame.«
Richtig ärgerlich ist der Tenor der Reaktionen (exemplarisch: Die Kommentare zu diesem Mac-Essentials-Artikel): »Apple sind die GUTEN!« schreibt dort einer wahrhaftig. Welches Maß an naivem Apologetentum kann man einem (selbstverständlich) gewinnorientiertem Unternehmen entgegenbringen? Damit können wir also festhalten: iTunes ist der würdige Nachfolger des Windows Media Player, denn dessen seinerzeit entdeckte E.T.-Funktion bewegte sich auch nicht in anderen Daten-Dimensionen…

Mit etwas weniger Tragweite für unsere Daten kann man diese Beobachtung, zum anderen, ein weiteres Mal machen: Todd Dominey stellt fest, dass der Quellcode der mit der neuen iWeb-Applikation erstellten Seiten eine große unschöne unsemantische div-Suppe ist (man schaue sich einmal hier den Quellcode an). Und wieder feiern die Sekten-Anhänger in der Kommentarspalte von Mac Essentials ein fröhliches »Alles nicht so schlimm«-Fest, denn es ist ja von Apple, und das sind die Guten…
Über iWeb kann man natürlich erst etwas sagen, wenn man es einmal genauer zwischen Maus und Tastatur hatte, möglicherweise liegt die div-Suppe an einer fehlerhaften Einstellung. Daher behalten wir die Plakette mit »iWeb ist das neue Frontpage« noch ein wenig in der Schublade und warten erst auf weitere Fakten…

Interessant ist übrigens auch, dass die Reaktionen auf die iTunes-Datenübertragung in der englischsprachigen Blogosphäre deutlich harscher und weniger Apfel-Sekte-geprägt waren als im deutschsprachigen Bereich. Ist es im Lande der Payback-Karten sowieso den meisten egal, was mit ihren Daten passiert? (»Ich habe ja sowieso nichts zu verbergen…«)



3 Kommentare



Thomas am 15.01.2006:


Du hast recht. Mein Mitbewohner vergleicht Apple schon mit der katholischen Kirche.

Gerade der iWeb-Code ist eigentlich eine Beleidigung für jeden, der selbst Code im Editor bearbeitet. Vor allem wenn man sich dagegen Sandvox ansieht. Der Code sieht erst einmal viel aufgeräumt aus.

Aber ich sehe schon, auf die schreckliche Tabellenwüste der Vergangenheit kommt jetzt die div-Suppe.

Für die Sache mit dem MiniStore hätte Apple m.E. einen Big-Brother-Award verdient. Denn so einfach eine solche Funktion eingebaut ohne auch nur eine Sterbenswörtchen darüber zu verlieren ist schon was, der Text auf Apples Website ist mehr ein Witz als eine sinnvolle Hilfe.

Doch leider baut Apple nach wie vor die schönsten Notebooks und ob in denen jetzt ein Intel- oder Freescale-Herz schlägt ist eigentlich nur noch eine Frage des Stolzes.

Philipp am 15.01.2006:

iWeb produziert wirklich eine ziemliche Suppe an divs, aber wäre mir erstens egal wenn ich Nicht-HTML-kundiger Normalo wäre, so wie mein Vater einer ist und zweitens: Wer nutzt schon .mac mit iWeb, wenn er etwas professionelles haben will? Semantische Seiten braucht mein Vater nicht, der will das es schnell und deppensicher ist. Schneller zu entwickeln aus Apples Sicht war es mit vielen divs, ob nun gut oder schlecht, die Kunden entscheiden ob sie iWeb mögen oder nicht. Und man sollte erst einmal abwarten. Wie oft bin ich bisher auf ein sinnvolles 20six Blog gestoßen? Selten. Genauso wird es wahrscheinlich auch mit iWeb Seiten aussehen.

Beim MiniStore hätte ich mir zumindest ein Popup erwartet, das wäre eine halbwegs akzeptable Lösung gewesen. “Bugfix” erwarte ich persönlich von Apple mit iTunes 6.3 – was schnellstens nachgeschoben werden sollte. Vielleicht auch ein einfaches “Hallo, der aktuelle Titel wurde zu uns gesendet” im MiniStore Browser.

Ralf am 15.01.2006:

Philipp, sogar Frontpage konnte Überschriften als H1 und Absätze als p auszeichnen, das darf man im Jahre 2006 von einem Webeditor einfach erwarten, egal von wem.
Aber wie ich schon schrieb, das Programm kennt man ja so genau noch nicht. Es ging mir auch mehr und das Sekten- oder Kirchen- (wie Thomas so schön schrieb)artige Verhalten der Apple-Gemeinde, die alles schön redet was bei M$ als riesengroßer Oberskandal gebrandmarkt worden wäre.

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