Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Internet

Taggen ist eine Kunst

Die nicht jeder beherrscht. Die Theorie ist einfach: Man vergibt für einen Link, ein Bild, einen Blogeintrag ein Schlüsselwort, auf Web-2.0-Neusprech »Tag« genannt. Und die Gesamtheit aller Tags zu einem Thema bündelt in der Wüste Internet die Information in relevante Kanäle, gesteuert aus der kollektiven Intelligenz des taggenden Personals vor dem Rechner.

Das ist aber nicht so einfach wie es scheint. Werfen wir zum Beispiel einen Blick auf die delicious-Links zum Tag Wiki. Diese Seite wäre eine logische Anlaufstelle, wenn sich jemand über welche Aspekte auch immer von Wikis informieren möchte. Darin befinden sich aber auch zahllose Seiten, die zwar in einem Wiki gefunden wurden, aber mit dem Thema Wiki nichts zu tun haben. Trotzdem wurden sie mit Wiki getaggt. Das ist meines Erachtens falsch. Wenn ich diese Wikipedia-Seite taggen würde, so würde ich die Tags Titmouse, Vögel usw. verwenden. Aber nicht Wiki. Machen die Leute aber trotzdem. Die Lehre daraus: Traue nicht der scheinbaren kollektiven Intelligenz der taggenden Massen. Und: Tags sind nicht der Königsweg zur Strukturierung der Informationsflut.



18 Kommentare



neri am 2005-10-05 23:23:17 +0200:


scheinbaren kollektiven Intelligenz

sorry, aber ich bin der Meinung, dass es echte kollektive Intelligenz nicht gibt.

-neri

Andrea am 05.10.2005:

[Sorry. Der Kommentar ist länger geworden als der Blogeintrag. Sah gar nicht so viel aus beim Schreiben.]

Naja. Del.icio.us ist ja nicht nur “social”, sondern dient zunächst mal dazu, Links für den eigenen Gebrauch und nach eigenen Kriterien abzulegen, um sie dann einfach wiederfinden zu können.

Da das aber öffentlich und mit vielen anderen zusammen geschieht, ergeben sich auch (und automatisch) Möglichkeiten, der Informationsbündelung und -aufbereitung. Aber als User mache ich mir nicht darüber Gedanken, ob meine Tags für andere Sinn machen; für mich ist nur wichtig, ob sie mir dabei helfen, Websites wiederzufinden.

Ich persönlich mache zum Beispiel die “Art” eines Links durch ein Sternchen im Tag kenntlich (*Image, *Blog, *Howto, *Audio etc.), aber für viele andere macht es ebensoviel Sinn, einen Wiki-Eintrag einfach mit ‘Wiki’ zu taggen. Wo ist denn da das Problem?

(PS: Um dein Beispiel aufzugreifen: ein bißchen Rumspielen mit tag intersections hilft manchmal für spezifische Suchen.)

Dirk Olbertz am 06.10.2005:

Man muss sich einfach klar machen, dass Tags nur in der gleichen Liga spielen, wie herkömmliche Suchmaschinen. Mit dem semantischen Web haben sie nichts zu tun.

Wenn ich bei Google (oder einer anderen Suchmaschine) nach “Wiki” suche, kann Google ja auch nicht “wissen”, ob ich nach einer Abhandlung zu Wikis, Wiki-Software, Meinungen zu Wikis, oder Wikis selbst suche.

Genauso ist das bei Tags: Für Dich macht das taggen mit “wiki” keinen Sinn, wenn es nur ein Beitrag aus einem Wiki geht. Für jemanden, der eine Sammlung von Wikis aufbauen möchte, ist das aber total hilfreich, da er so verschiedene Wikis finden wird.

Tags sind halt nur eine abgespeckte Form der Indizes von Suchmaschinen.

Wolfgang am 06.10.2005:

Ich habe “social network” immer als eine Art Fundgrube verstanden. Ich suche nach Wiki, und gelange von Stöckchen über Steinchen zu einem Eintrag der dann doch eine wenig mein Interesse weckt. So habe ich bisher social networks genutzt. Ich war nie mit dem Ziel aufgebrochen das zu finden was ich suche (zumindenstens nicht im social network).

@Andrea
Die Mühe mit den *Tags kannst du dir sparen, wenn du die Files direkt verlinkst, bzw. die System: Tags verwendest.

Blauer Blog am 06.10.2005:

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Taggen ist gar nicht so einfach

“Taggen ist eine Kunst. Die nicht jeder beherrscht.”, sagt das Netzbuch und resümiert : "Die Lehre daraus: Traue nicht der scheinbaren kollektiven Intelligenz der taggenden Massen. Und: Tags sind nicht der Königsweg zur Strukturierung der Informationsf…

Oliver Wagner am 06.10.2005:

Deine Quintessenz kann ich so nicht teilen.
User in Folksonomien neigen dazu, neben den eigentlich offensichtlichen Tags (in Deinem Beispiel Vögel oder Titmouse) auch individuelle Schlagwörter zu vergeben, die ganz eng mit den eigenen Lesegwohnheiten verknüpft sind (zum Beispiel eben Wiki, vielleicht aber auch “to read” oder ähnliches.

Bei einer größeren Menge von Usern bildet sich so zusehends ein klassischer Longtail.

Textnotes am 06.10.2005:

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Ist taggen eine Kunst

Im Netzbuch von Ralle, finden sich ein paar Anmerkungen zum Thema Tagging, wie es geht und wie es nicht geht. Eine Unterscheidung zwischen falsch und richtig ist meines Erachtens aber schwierig. Warum sollte man, um bei Ralles Beispiel zu bleiben, unt…

andI am 06.10.2005:

Werfen wir zum Beispiel einen Blick auf diese Seite Borussia – Grauen auf dem Rasen mit dem Tag “Fußball”. Die Suche nach dem Tag “Fußball” wäre eine logische Anlaufstelle, wenn sich jemand über welche Aspekte auch immer von Fußball informieren möchte. Auf der o.g. Seite befinden sich aber Informationen und Darstellungen zu einer Mannschaft, die zwar mit der Fußball-Bundesliga in Zusammenhang gebracht werden könnte, die aber mit dem Thema Fußball nicht wirklich etwas zu tun hat. Trotzdem wurde sie mit Fußball getaggt. Das ist meines Erachtens falsch.

:-)))

Andrea am 06.10.2005:

@Wolfgang:
Die Tags erfüllen bei mir einen bestimmten Zweck, und die Zuordnung kann und möchte ich nicht automatisieren (lassen).

Die system-Funktion erkennt zwar mp3-Dateien und verschiedene Dokumentarten; die Unterscheidung zwischen einem Blogeintrag, einer Anleitung und einem Essay kann aber nur ich vornehmen.

Da ich im Moment bei 2643 Links “nur” +/-110 Tags zu verwalten habe und die neue GUI das Taggen durch einfaches Anklicken erlaubt, ist das auch keine Mühe. :-) Die ‘recommended tags’-Funktion ist übrigens pures Gold.

Siegfried am 07.10.2005:

Hat denn keiner auf http://del.icio.us/popular/wiki geschaut ?

Oder hab ich da jetzt was falsch verstanden mit Folksonomy und dem Gesetz der grossen Masse ?

Das ist doch Tagging mit Ranking und schon sieht das Ergebnis doch deutlich anders aus.

RSS BLOGGER am 07.10.2005:

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Tagging ist einfach

Ralf schreibt über “Tagging ist eine Kunst” und ärgert sich wohl ein wenig über die ganzen Tagger, die alle ihre eigenen Begriffe nutzen und dann auch noch die falschen.

Sein Beispiel zum Tagging bei del.icio.us und dem Begriff “wiki” schreibt er: D…

Jan am 07.10.2005:

interessant ist, dass in der blogosphäre offenbar mehrere lösungen bezügl. des taggens existieren. ich nutze in meinem blog (S9Y software) ein plugin, welches die tags in verbindung mit tags aus anderen artikeln gewichtet. finde ich gut gelöst im sinne von “könnte auch interessant sein”, allerdings wird damit natürlich nur mein blog einbezogen. und damit nutze ich auch nur meine eigenen begriffe. zu jedem begriff wird parallel zur gewichtung natürlich auch eine aufstellung aller entsprechenden artikel erzeugt. damit ist die info auch mit eigenem schlüsselwort kanalisiert.

Jan (korrekte Url) am 07.10.2005:

[sorry OT] sag mal ralf wie lange greifen denn deine cookies?! der erinnert sich noch an eine url, die ich seit märz nicht mehr nutze.. hui°!

Lost and Found am 07.10.2005:

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Tagging

Drei Links zum Thema Tagging, vom Schockwellenreiter gestohlen: A cognitive analysis of tagging, Tips From Top Taggers und Taggen ist eine Kunst. Tagging ist eines der interessantesten Themen für Ethnomethodologie und Konversationsanalyse im Netz. Vielleicht lassen sich hier die Ansätze

Fred am 08.10.2005:

Du hast natürlich recht, dass Wiki-Einträge eigentlich nicht wiki getaggt werden dürften. Das ist, als würde man auf ein Glas Marmelade “Marmeladenglas” schreiben statt “Aprikose”. Nicht sehr sinnvoll.

Aber wie oben schon erwähnt, sind die taggenden Massen egoistisch: Sie sortieren Wiki-Einträge unter dem ein, was sie sich beim Stichwort Wiki vorstellen.

Mit anderen Worten ist die Bedeutung von Tags abhängig von Betrachter. Der Schreiber hat einen anderen Horizont als der Leser und eine andere Absicht, wenn er taggt.

Gell am 08.10.2005:

Ich finde das ganze Herumsinnieren, wie man (nicht für sich persönlich, da macht das durchaus Sinn, sondern als Richtlinie für alle anderen) richtig taggen sollte, eher hinfällig (zumal man zum Glück ohnehin nichts dagegen machen kann).

Das Rauschen im Tag wiki stört mich zwar auch, aber man kann sich ja in diesem Fall die URL anschauen, bevor man darauf klickt.

Blog Age am 13.10.2005:

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Hintergrund: Sinnvolles Tagging

Ok, seit es Sammlungen wie “del.icio.us” und “flickr” gibt, hat Tagging Hochkonjunktur. Auch ich liebe Tag-Wolken. Doch die können schnell unüberischtlich werden. auch Sieben grundsätzliche Anmerkungen zum Thema.

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