Dieser Artikel erschien ursprünglich in meinem ersten Weblog das Netzbuch, das von Mai 2002 bis November 2006 aktiv war, und wurde hier aus blognostalgischen Gründen archiviert. Aktuellere Artikel hat der Uninformat im Angebot.
Lagedernation

SPD ohne Rückgrat?

Die CDU verkündet (lt. SpOn), dass der Regierungsauftrag und die Kanzlerschaft bei der Union als stärkster Fraktion lägen. Wenn die SPD Rückgrat besäße, würde sie auf ein solches Junktim mit einem freundlichen »Yo, dann schaut mal wo Ihr eine Mehrheit herbekommt« reagieren und jegliche Verhandlungen absagen. Es kann eigentlich nicht angehen, dass jede Partei ihre Maximalpositionen beibehält, aber die SPD, natürlich im Interesse des Landes, und der drängenden Sachfragen in der ja so schlimmen Lage, getrieben von den publizistischen Merkel-Spritzpistolen nachgeben soll und die völlig unakzeptable Merkel zur Kanzlerin wählt. Wäre ich Münte oder Gerhard, ich würde die ganze schwarze Bande auf Granit beißen lassen. Sollen sie doch schauen, wo sie ihre Merkel-Mehrheit herbekommen.

Aber, wie ich die SPD kenne, wird sie einknicken. Und wir werden Merkel ertragen müssen, unter dem publizistischen Jubilieren der schreibenden Jungspunde mit Gel in den Haaren …



6 Kommentare



Matthias am 26.09.2005:


Ich hoffe doch, dass wir das müssen, bzw. dürfen. Immerhin hat die CDU/CSU-Fraktion nun mal die Mehrheit. Und eine Fraktion nun in ihre zwei Parteien zu zerlegen, wäre nun mal nichts anderes als ein einziger, großer Witz, den spätestens unser Bundespräsident verhindert hätte.

Mit dieser Meinung stehe ich hoffentlich nicht alleine da. Ich aber stehe nach wie vor dazu. Merkel for Kanzlerin.

Ralf am 27.09.2005:

Naja Matthias, Mehrheit ist relativ, mit 35% regiert es sich schlecht. Warum soll ausgerechnet die SPD kapitulieren und die fehlenden Stimmen liefern?

vib am 2005-09-27 14:47:22 +0200:

Merkel ist als Kanzlerin völlig überfordert. Wer sie mal die letzten Tage im Fernsehen gesehen hat (und vor allem am Wahlabend), der sollte das realisieren. Von ihren politischen “Konzepten” mal ganz abgesehen…

Mo am 27.09.2005:

Weil die SPD weiß, dass sie es mit Merkel in den kommenden Jahren mit dem schwächstmöglichen Gegner (hier: der schwächstmöglichen Gegnerin) aus der Union zu tun haben wird. Gute Voraussetzungen, um in der großen Koalition eigene Positionen durchzusetzen. Sehr gute Voraussetzungen, um sich nicht die Hände schmutzig machen zu müssen – die SPD könnte sich bequem zurückzulehnen und den Unionsmännern beim Königinnen-Meucheln zuzusehen. Jede Fehlleistung, jedes politische Scheitern etwa bei der Arbeitsmarktpolitik würde Merkel angelastet (“Seht ihr: Die kann’s wirklich nicht!”) Alles in allem eine gute Ausgangslage für die SPD für die Bundestagswahl 2009.

Alex am 29.09.2005:

Nun, es ist eben in der Bundesrepublik Tradition, dass die größere Fraktion in einer Koalition den Kanzler, in diesem Falle die Kanzlerin stellt. Das ist seit 1949 so und dabei sollte es auch bleiben. Die CDU/CSU hat mit Merkel als Spitzenkandidatin mehr Stimmen geholt als die SPD mit Schröder. Klar war das Ergebnis für Merkel viel schlechter als erwartet und somit auch eine Niederlage, aber die SPD hat nunmal weniger Stimmen. Mehrheit ist eben Mehrheit. So ist Demokratie, ob es einem gefällt oder nicht. Wenn Merkel Kanzlerin wird, dann ist das erstmal für vier Jahre und nicht für die Ewigkeit, wie man bei manch einem Kommentar vermuten könnte. Gebt der Frau doch mal die Chance zu zeigen, was sie kann. Ich denke nicht, dass die ganz so unfähig ist! Sie hat es schließlich an die Spitze der Union geschafft. Klar waren da auch, für sie, glückliche Umstände dabei, aber das alleine reicht auch nicht aus.

Matthias am 01.10.2005:

Warum sollte die Union zurückstecken? Mit den 34% die die SPD erreicht hat, regiert es sich mindestens genauso schlecht wie mit den 35% der Union, wenn nicht sogar noch schlechter. Und wie Alex schon sagte, die stärkste Fraktion stellt nun mal den Kanzler bzw. in diesem Fall die Kanzlerin.

Es muss von mir aus auch nicht Merkel sein, ich hätte nicht mal etwas gegen einen Kanzler aus den Reihen der SPD, solange die Inhalte der großen Koalition stimmen. Man sollte es tatsächlich nicht an einem Kandidaten festmachen, aber eins steht für mich fest. Schröder darf auf keinen Fall Kanzler bleiben. Wer nicht mal in der Lage ist die Realität zu erkennen, wenn er vor ihr steht, der hat im Kanzleramt – in meinen Augen – absolut nichts verloren.

wahl05